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Hintergrund: Uran – ein knapper Rohstoff

Weltweit waren Anfang 2011 insgesamt 443 Kernkraftwerke in Betrieb, 62 weitere im Bau. Doch das Uran reicht schon lange nicht mehr aus, um den derzeitigen Bedarf zu decken. Wie lange kann es die Atomkraft überhaupt noch geben?

  • Kernkraftwerk Biblis von außen. Ohne Uran gibt es keine Kernenergie, hier: Kernkraftwerk Biblis in Hessen (Quelle: H.-G. Oed)
  • Uranabbau – terrassenförmig ausgebaggerte Erde mit See in der Mitte. (Quelle: SWR – Screenshot aus der  Sendung "total phänomenal – Kernkraft") Uranabbau – das Schwermetall kommt natürlich im Boden vor
  • Uranabbau – terrassenförmig ausgebaggerte Erde. (Quelle: SWR – Screenshot aus der  Sendung "total phänomenal – Kernkraft") Große Uranvorkommen gibt es nur in wenigen Ländern
  • Bagger verlädt Gestein auf einen Lkw. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung "total phänomenal – Kernkraft") Mit großem Gerät wird das Schwermetall abgebaut
  • Gelbe Masse auf einem Fließband. (Quelle: SWR – Screenshot aus der  Sendung "total phänomenal – Kernkraft") Nach der Verarbeitung: Die Yellow Cakes enthalten rund 90 Prozent Uran

Ohne Uran keine Kernspaltung. Uran ist das einzige natürlich vorkommende Schwermetall, das eine Kernspaltungs-Kettenreaktion ermöglicht. Doch wie viel Uran gibt es überhaupt? 200 Jahre, so das deutsche Atomforum, reiche das Uran noch aus. Dem widerspricht der Weltverband der Reaktorbetreiber: Selbst wenn keine neuen Atomkraftwerke gebaut würden, reichten die weltweiten Vorkommen noch für 80 Jahre. Kernkraft-Kritiker gehen sogar von weniger aus.

Grund für die äußerst unterschiedlichen Zahlen sind der Preis für die Förderung, aber auch die Einbeziehung vermuteter Uranvorkommen: Uran, das für einen Kilopreis von unter 80 Dollar gefördert werden kann, steht laut Internationaler Energieagentur und Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung nur noch bis etwa 2020 zur Verfügung. Bei einem Förderpreis von 80 bis 130 Dollar reichen die bekannten Uranvorkommen bis 2076. Geht man von einem noch höheren Förderpreis aus und bezieht mögliche künftige Funde mit ein, sind es rund 100 Jahre mehr.

Nur die Kernenergie-Organisation (NEA) der OECD hebt sich deutlich ab. Sie setzt auf die Schnellen Brüter. Damit, so die NEA in ihrem „Kernenergieausblick 2008“, könnten die derzeit gesicherten Uranvorkommen „ausreichend sein, um ein deutlich ausgebautes globales Kernenergieprogramm über Jahrtausende mit Brennstoff zu versorgen.“

Schon heute weltweit Mangelware

Sicher ist: Die Uranförderung kann schon seit Anfang der 1990er Jahre nicht mehr den Bedarf der inzwischen 443 Atomkraftwerke decken. 2011 soll die Fördermenge rund 50.000 Tonnen Uran betragen, benötigt werden jedoch 69.000 Tonnen. Gehen alle 62 derzeit in Bau befindlichen Atommeiler in Betrieb, wird die Diskrepanz noch größer. Zusätzlich sind weltweit über 150 weitere AKWs in Planung. Bisher wurde die Lücke zwischen Verbrauch und Bedarf durch zivile und militärische Reserven ausgeglichen. Doch auch diese Vorräte neigen sich dem Ende zu. Die Verknappung schlägt sich auch im Preis nieder: Allein von 2003 bis 2007 stieg der Preis für Uran um 1300 Prozent. Als Preistreiber wirkt unter anderem die Ankündigung Chinas, seine Kernenergie-Kapazitäten versechsfachen zu wollen: Zu den bestehenden 13 Anlagen kommen dort 27 hinzu, die bereits gebaut werden. In Planung sind 50 weitere. Neu entwickelte Kernkraftwerke in aller Welt werden den Uran-Verbrauch enorm erhöhen.

Dass der explodierende Uranpreis sich bisher kaum auf die Stromkosten auswirkt, erklärt das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie mit der Tatsache, dass die reinen Brennstoffkosten bei der Atomkraft nur etwa fünf Prozent des Preises ausmachen. In den nächsten Jahren werden weitere Preissteigerungen erwartet. „Praktisch unbegrenzt“ wäre die Reichweite des Urans nach Meinung des Ministeriums, würden neue Reaktorgenerationen entwickelt, würde Kernbrennstoff gespart, die Brüter-Technologie eingesetzt und die Wiederaufarbeitung berücksichtigt. Allerdings hat Deutschland schon lange die Brüter-Technologie aufgegeben, die Wiederaufarbeitung ebenso. In beiden Fällen spielten Sicherheitserwägungen eine große Rolle, aber auch der erhebliche Widerstand der Bevölkerung.

Importartikel Uran

Deutschland ist – wie die anderen westeuropäischen Staaten und die USA – fast komplett von Uranimporten abhängig. Bis Anfang der 1990er Jahre wurde in Deutschland in der SDAG Wismut Uran gefördert. Heute werden nur noch im Rahmen der Stilllegung kleinere Mengen Uran gewonnen. Ähnlich sieht es beispielsweise in Frankreich aus, das den weltweit zweithöchsten Verbrauch an Uran hat – mit über 10.000 Tonnen pro Jahr rund dreimal so viel wie Deutschland. Die USA gehören zwar zu den Förderländern, doch verbraucht das Land mit den meisten AKWs der Welt weit mehr Uran, als es selbst besitzt. 2008 wurden in den USA knapp 1500 Tonnen gefördert, im gleichen Zeitraum jedoch fast 19.000 Tonnen verbraucht.

Uran wird heute hauptsächlich in Kasachstan, Kanada, Australien, Namibia, Russland, Niger, Usbekistan, den USA, der Ukraine, China und Südafrika gefördert. Insbesondere in den afrikanischen Ländern sorgt der Uranabbau für große Probleme durch radioaktive Verstrahlung der Minenarbeiter und der Umwelt. Woher das Uran stammt, das in deutschen Atomkraftwerken verbraucht wird, gibt die Regierung nicht preis. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie erklärt dazu auf seiner Website lediglich: „Kernenergie ist deshalb quasi einheimische Energie, weil die Veredelung des Urans in Deutschland erfolgt.“ Auch die Versorgungssicherheit sei gegeben, „da die Uranreserven in überwiegend politisch stabilen Regionen (z.B. Kanada, Australien, Südafrika) liegen.“