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Hintergrund: Vergletscherung

Pleistozän

Formbildung durch Eis erfolgte während der Eiszeiten im Pleistozän und heute noch. Anhand glazialer Erosionsformen und Ablagerungen kann die Ausdehnung der ehemaligen Vereisungen rekonstruiert werden. Gegenwärtig bedecken etwa 15 Mio qkm die Festlandfläche der Erde, das entspricht etwa 10%. Im Pleistozän dehnte sich das Eis über 55 Mio qkm aus und bedeckte damit etwa 30% der Festlandfläche. In Europa lagen die Vereisungszentren auf dem Skandinavischen Schild, den Britischen Inseln und in den Alpen. Der maximale Rand des bis zu 2000 m mächtigen skandinavischen Eises lag etwa bei der deutschen Mittelgebirgsschwelle. Aus den Alpentälern erstreckten sich die Gletscher bis ins Alpenvorland (Schulz 1992). Die Dicke des Eises, z.B. des Rheingletschers beim Austritt aus den Alpen betrug zeitweise bis zu 1500 m.

Ging man früher im Bereich der Alpen von vier Eiszeiten mit jeweils einem Gletschervorstoß aus, so weiß man heute, dass die Vorgänge komplexer waren. Innerhalb einer Kaltzeit gab es drei bis vier Eisvorstöße. Die letzte Vergletscherung fand gegen Ende der etwa 100 000 Jahre währenden Würmkaltzeit statt. Die Gletscher stießen vor 23 000 Jahren ins Vorland vor und schmolzen vor etwa 16 000 Jahren wieder ab. In dieser geologisch recht kurzen Zeitspanne ereigneten sich besonders in der voralpinen Landschaft große Veränderungen, die heute in den Ablagerungen des Jungmoränenlandes dokumentiert sind.

  • Gletscher
  • Gletschergebiet

Ablagerungen und Vorgänge im südwestdeutschen Alpenvorland in Tertiär und Quartär

© Quelle: Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg (Hrsg) (1998): Erläuterungen zu der Geologischen Schulkarte von Baden-Württemberg; 1:1 000 000

Während des Pleistozän kam es zu einer komplexen Folge von Eisvorstöße- und Rückzügen im Alpenvorland. Forschungen an den Gesteinsablagerungen aus dieser Zeit geben Aufschluss über die komplexen Vorgänge.

Ur- und frühgeschichtliche Zeitstufen und ihre Verknüpfung mit der Quartärgliederung (1ka=1000 Jahre)

Zeiteinheit Dauer (ka vor heute) Geol. Gliederung
Eisenzeit 2,85-2 Holozän
Bronzezeit 4-2,85 Holozän
Jungsteinzeit (Neolithikum) 7-4 Holozän
Mittelsteinzeit (Mesolithikum) 12-7 Holozän
Altsteinzeit (Paläolithikum) >700-12 Jungpleistozän (Eem 130-115ka)
Jungpaläolithikum 40-12 Jungpleistozän (Eem 130-115ka)
Mittelpaläolithikum 130-40 Jungpleistozän (Eem 130-115ka)
Altpaläolithikum >700-130 Mittelpleistozän (Holstein um 400ka) (Cromer ca. 900-500ka)

Ablagerungen im Alpenvorland

Bei den Ablagerungen ist zwischen Gletschersedimenten, den Moränen, und glazifluvialen Schmelzwasserablagerungen zu unterscheiden. Letztere entstammen dem vom Gletscher mitgebrachten Schutt, wurden aber durch die Schmelzwässer weiter verlagert und dabei gerundet. Diese Sedimente wurden im gesamten Alpenvorland abgelagert und bilden dort mächtige Schotterkörper.

Die Ausdehung der risseiszeitlichen Moränensedimente zeigt, dass in dieser vorletzten Eiszeit die größte Gletscherausdehnung herrschte. Der risseiszeitliche Eisrand wird weitgehend durch einen Endmoränendoppelwall markiert. Er verlief in Baden-Württemberg in gebuchtetem Bogen vom bayrischen Alpenvorland über den Südrand der Schwäbischen Alb zum Südfuß des Schwarzwaldes und von dort in den Faltenjura. Dieser Verlauf zeigt die Geschlossenheit der ehemaligen voralpinen Eisdecke an. Mehrere alpine Eisströme hatten sich zu einem großen Vorlandgletscher vereinigt.

  • Das Alpenvorland ist sehr hügelig.

Die letzte Vergletscherung hatte eine geringere Ausdehnung und keinen geschlossenen Vorlandgletscher. In dem von ihr geformten Gebiet, dem Jungmoränenland, sind die glazialen Formen sehr gut erhalten. Daher ist dieser Bereich sehr hügelig.

Gebiete, die in früheren Eiszeiten geformt wurden bezeichnet man als Altmoränenland. Die Altmoränen wurden in nachfolgenden Eiszeiten durch periglazialen Bodenfluss abgeflacht. Daher ist die Oberfläche dieses Bereichs weniger strukturiert.

Gletscher in den Alpen und ihre Ausdehnung

Die eiszeitlichen Gletscher formten auch die Alpen selbst. Ihre Hauptarbeit bestand in der Erweiterung und Verbreiterung der Täler und in der Aushobelung von Passübergängen. Noch heute treffen wir in den Alpen über hundert Gletscher an. Die Fläche dieser Eiskörper nimmt in den letzten Jahrzehnten allerdings ab, was von vielen Wissenschaftlern auf die Erwärmung der Erdatmosphäre durch den Treibhauseffekt zurückgeführt wird.

Die Ausdehnung der Gletscher hängt jedenfalls vom Klima ab. Ist dieses konstant, dann ist auch die Eisausdehnung konstant, da sich durch Schneefälle im Akkumulationsgebiet (= Nährgebiet) stets genug Eis bildet um die Verluste durch Abschmelzen im Zehrgebiet auszugleichen. Erwärmt sich das Klima, dann schwindet der Gletscher, da die Ablation gegenüber der Akkumulation überwiegt. Umgekehrt dehnt sich der Gletscher aus, wenn das Klima kühler wird und dabei die Akkumulation gegenüber der Ablation dominiert.

  • GletscherGletscher sind Eisströme, die der Schwerkraft folgend langsam an Hängen und Tälern abwärts bewegen.