Der lange Abschied von der Kohle

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Nach über 150 Jahren industriellem Steinkohlenbergbau beendet Deutschland 2018 endgültig die Förderung der Steinkohle. Damit geht ein bedeutendes Industriezeitalter zu Ende. Die zweiteilige Dokumentation zeigt die Geschichte des Bergbaus nach dem 2. Weltkrieg und der dabei entstandenen Arbeits- und Lebenskultur. Mit der Gründung der Ruhrkohle AG, heute RAG, 1968 verändert sich durch Modernisierungen nicht nur die Produktivität positiv, sondern auch die extrem gefährlichen Arbeitsbedingungen unter Tage. Die Sicherheit der deutschen Bergleute ist heute weltweit die Beste. Der Film begleitet die Bergmänner in den letzten Wochen ihrer Arbeit unter Tage auf der Zeche und zeigt auch, wie die Frauen in den Familien in den industriellen Arbeitsprozess zuhause eingegliedert sind. Im Fokus steht dabei der Zusammenhalt der Bergleute und ihre unübertroffene Art, anzupacken und das Leben zu meistern, trotz des 30-jährigen Strukturwandels an Ruhr und Saar. Angesichts der niedrigen Weltmarktpreise für Kohle werden seit 1958 ständig Bergwerke geschlossen. Der dadurch bedingte Abbau der Arbeitsplätze wird sozialverträglich geregelt: Keiner fällt ins Bergfreie. Das gemeinsame Ringen um die beste Lösung hat dafür gesorgt, dass es keine sozialen Verwerfungen im Ruhrgebiet gegeben hat und in diesem Geist die Integration vieler Menschen anderer Nationen gelungen ist. Der Film geht aber auch an die Orte, wo die Zukunft nach dem Bergbau schon längst begonnen hat, wo das Erbe der Kohle mit Industriekultur, Nachbergbau und der Neubelebung ehemaliger Zechenstandorte auch künftig die Region unverwechselbar machen wird.

Sendungsliste

Mit dem Bergbau wieder aufwärts

Mitte der 1950er Jahre ist der Höhepunkt der Steinkohlenförderung in Deutschland erreicht: Auf 148 Zechen arbeiten nur im Ruhrgebiet ca. 500.000 Bergleute. Seit dieser Zeit schrumpft der deutsche Steinkohlenbergbau. Warum ist das so?

Der lange Abschied von der Kohle SWR Fernsehen

Nur zusammen sind wir stark

In zweiten Folge erzählt der Film von der Lebenskultur der Bergleute. Mit dem beindruckenden Archivmaterial wird deutlich, dass das Ruhrgebiet einst schwarz war, bedeckt mit Kohlenstaub. Die Menschen, die dort leben, kommen aus vielen Ländern, denn im Bergbau verdient man gutes Geld und Arbeitskräfte werden gebrauch. Man baut Siedlungen, die man Kolonie nennt. Der Zusammenhalt bei der Arbeit unter Tage setzt sich dort fort, man lebt zusammen und hilft sich gegenseitig. Dabei schaut man nicht auf die Nationalität der Kumpel. So fällt die Integration der Menschen anderer Kulturen leicht. Als 1997 die Politik die staatl. Subventionen für die Kohle streichen will (weil die deutsche Kohle zu teuer ist), kämpfen die Bergleute um ihre Arbeitsplätze mit dem Ziel, den Ausstieg aus der Kohlenförderung sozialverträglich hinzubekommen. In zähen Verhandlung über viele Jahre einigt man sich schließlich auf ein sozialverträgliches Ende des deutschen Steinkohlenbergbaus im Jahr 2018. Das bedeutet, Zechenbetriebe zu schließen, Bergleute in den Vorruhestand zu schicken, Gebäude abzureißen, Flächen mit neuen Betrieben zu entwickeln, für das Management des Grubenwassers zu sorgen, damit das Ruhrgebiet nicht absäuft.. Als die Zeche Auguste Victoria mit einer großen Abschiedsfeier geschlossen wird, solidarisieren sich 60.000 Zuschauer im Stadion von Schalke 04 bei einem Bundesligaspiel mit den Bergleuten. Gemeinsam singen sie mit dem Bergmannschor der RAG das Lied "Der Steiger kommt".

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Planet Schule