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Land & Leute

Die Zeit der Renaissance:

Die italienische Renaissance ("Wiedergeburt") bezeichnet eine Zeit, in der die Künstler und Gelehrten des Landes wieder an die Antike anknüpften. Dennoch war es trotz der Bezeichnung "Wiedergeburt" grundlegend Neues, was in dieser Zeit entstand.


Die Humanisten, allen voran Petrarca, ebneten der Renaissance den Weg: Sie begannen, sich mit dem Menschen selbst zu befassen - dies im Unterschied zu den Denkern des Mittelalters, die sich meist auf die Theologie beschränkten. Die literarische, politische und wirtschaftliche Renaissance hatte schon früh eingesetzt, während die der Kunst und Architektur erst etwa im 15. Jahrhundert begann. So erklären sich die oft sehr unterschiedlichen Zeitangaben zum Beginn dieses Zeitalters in Italien.


Ein Dorf auf einem Berg

Die neue politische Ordnung stützte sich zum großen Teil auf Geld: Die Familien, die die Städte beherrschten, hatten ihre Macht nicht mehr aufgrund von Grundbesitz im ländlichen Gebiet wie der Feudaladel. Sie profitierten stattdessen vom blühenden Handel und vom Bankenwesen, dabei konnten sie sich oft auf die Zünfte und das Bürgertum stützen. Typisch für die Herrschaft in den Städten war die Förderung von Handel und Gewerbe, die Hebung des allgemeinen Wohlstands, der Schutz wirtschaftlich Schwacher und mehr. Gleichzeit stieg jedoch die Steuerlast, beispielsweise durch einen der zahlreichen Kriege, was zu Unzufriedenheit führte und Umsturzversuche umso leichter machte.


Wirtschaft:

Die Renaissance war in Italien der Übergang von der reinen Agrar- zu Geldwirtschaft und Handel. Große Bankhäuser (Peruzzi, Medici u.a.) entstanden, die ihren Einfluss über ganz Europa ausdehnten. Der Florentiner Gulden war die angesehendste Münze des Abendlandes. Bereits im 13. Jahrhundert gab es Kreditwirtschaft und bargeldlose Zahlungssysteme; viele moderne banktechnische Ausdrücke wie Agio, Lombard oder Diskont haben ihre Wurzeln in dieser Zeit. Für Wohlstand sorgten auch der Handel, bei dem Italien führend war, sowie gewerbliche Unternehmen wie die Tuchfabrikation oder die Herstellung von Waffen.


Städte und Luxus:

Ein prunkvolles Haus aus der Renaissance

Der neue Wohlstand und das neue Selbstbewusstsein der Stadtbewohner drückte sich bald in der Architektur aus. In der Renaissance wurden erstmals seit der Antike die Städte wieder in großen Achsen angelegt und es folgte vom Adel bis zum Bürgertum eine rege Bautätigkeit. Es entstanden unzählige Prachtbauten - Kirchen und Kathedralen, die für die Städte typischen Palazzi, Villen und prächtigen Wohnhäuser. Die Reichen statteten ihre Palazzi mit kostbaren Gemälden und allem erdenklichen Prunk aus. Herausragend war die Entwicklung in Florenz: Es entstanden beispielsweise der Dom, die Uffizien und der Palazzo Medici. In nur 60 Jahren wuchs die Bevölkerung von Florenz um das Doppelte, von etwa 45.000 (1280) auf rund 90.000 im Jahr 1340. Damit gehörte die Stadt bereits zu den größten des Abendlandes.


Mit dem Wohlstand wuchsen auch der Komfort und die Liebe zum Luxus. Die Wohnhäuser wurden mit kostbaren Möbeln und Teppichen ausgestattet, mit Tapeten aus Goldleder oder Seide. Und entsprechend dem individuellen Geschmack kamen Bilder, Majoliken, Bronzen, Elfenbeinarbeiten und andere Kostbarkeiten hinzu.


Wie nirgends sonst in Europa entwickelte sich in den Städten Nord- und Mittelitaliens eine Lebensweise, die in jeder Facette von Prunk geprägt war. Die Kleidung - vor allem die der Damen - wurde sogar so aufwändig, dass es zum Erlass von Luxusgesetzen kam, die den Reichen einige Beschränkungen auferlegten. In jener Zeit entstanden auch zahlreiche Feste und eben in den Palazzi der Reichen Spiele wie Tamburello.


Kunst:

Das Ideal der Renaissance war der "uomo universale", also der Gegensatz des spezialisierten Menschen. Die großen Künstler waren Maler, Bildhauer, Architekten, Musiker und manche auch Diplomaten. Ebenso waren die Humanisten auch Ärzte, Astronomen, Rechtslehrer und Historiker. Bekanntestes Beispiel für solche Vielseitigkeit ist das Universalgenie Leonardo da Vinci - er war Maler, Architekt, Dichter, Komponist, Erfinder, Sportler und noch einiges mehr und zählt neben Raffael und Michelangelo zu den wichtigsten Künstlern der italienischen Hochrenaissance.


Später als bei der Architektur setzte bei Bildhauerei und Malerei der Gedanke der Renaissance, die Anlehnung an die Antike ein. Es entstanden Skulpturen, die eine Ansicht von allen Seiten zuließen, klassische Standmotive mit klassischen Proportionen. Sowohl in der Malerei als auch der Bildhauerei der Hochrenaissance wurden die Menschen runder und voller gestaltet, sie wurden mit großen Gesten dargestellt. Die Anhäufung von Figuren auf einem Bild, die noch im 15. Jahrhundert üblich war, gab es kaum noch.


Begleitmaterial von Martina Frietsch


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