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Geschichte Ostfrieslands

Die Geschichte der Besiedlung Ostfrieslands spiegelt über Jahrtausende den Kampf gegen das Wasser wieder. Schon um 3000 v. Chr. wird die Geest besiedelt, 2000 Jahre später werden auch die Marschgebiete urbar gemacht. Doch der ansteigende Wasserspiegel treibt die Bevölkerung nach und nach auf aufgeschüttete Warften/Wurten (Wohnhügel), das Meer holt sich einen Teil des Landes zurück.


Überschwemmtes Land

Im 7. Jahrhundert wird der Küstenraum zwischen Ems und Jade von den Friesen besiedelt, die um das Jahr 1000 herum mit dem Bau der ersten Deiche beginnen. Erst im 12. und 13. Jahrhundert wird die Küste komplett eingedeicht. Dennoch wird über Jahrhunderte bei großen Fluten das Land immer wieder überschwemmt, ganze Orte vernichtet.


Schon früh macht sich bei den Friesen der Drang nach Freiheit und Ablehnung fremder Obrigkeiten bemerkbar - über sich dulden sie nur den König. Im hohen Mittelalter entwickeln sich die ostfriesischen Landgemeinden, genossenschaftliche Organisationen mit starkem Zusammengehörigkeitsgefühl. Alle gewaltsamen Versuche verschiedener Grafen, Ansprüche auf Ostfriesland geltend zu machen, scheitern kläglich. Dazu trägt auch die Beschaffenheit des Landes bei: In den sumpfigen Moorgegenden haben die Bauern gegenüber den Rittern buchstäblich den besseren Stand.

Im 14. Jahrhundert ändert sich die Machtstruktur: Einige Familien gewinnen an Bedeutung, es beginnt die Herrschaft der "Häuptlinge" (friesisch: hauding), die ursprünglich Anführer von Prozessparteien waren. Erst Ende des 16. Jahrhunderts beginnt die Macht der Grafen Circensa zu bröckeln und die Stände (Adel, Stadtbürger und Bauern) gewinnen an Bedeutung. Zur gleichen Zeit etwa beginnt die Einwanderung von Protestanten aus den Niederlanden, die in Ostfriesland, vor allem in Emden, Religionsfreiheit vorfinden.


Im Laufe der Jahrhunderte geriet Ostfriesland unter niederländische Kontrolle, 1744 nach Aussterben des Fürstenhauses fiel es an Preußen, Holland, Frankreich und das Königreich Hannover und erneut an Preußen. Trotz wechselnder Herrschaften bleibt der Freiheitsdrang der Ostfriesen ungebrochen. 1846 werden in einer Verfassungsurkunde die Standesrechte der Ostfrisiesischen Landschaft festgelegt. Für die Ostfriesen bedeutet dies, wenn auch stark eingeschränkt, ein gewisses Maß an Selbständigkeit.


Blick durch einen Zaun auf eine grüne Wiese

Nachdem Ostfriesland 1866 erneut unter preußische Herrschaft gerät, werden der Ostfriesischen Landschaft ihre wenigen Zuständigkeiten gestrichen, es bleibt nur die Pflege der Kultur. Und als Kulturparlament existiert sie tatsächlich bis heute.


1885 wird Ostfriesland zum Regierungsbezirk Aurich. Nach dem Ende des ersten Weltkriegs und dem Zusammenbruch des Kaiserreichs 1918 wird die Region zum Schauplatz der deutschen Novemberrevolution. Durch die politischen Veränderungen gelangte 1922 zum ersten Mal ein Ostfriese als Regierungspräsident an die Verwaltungsspitze von Aurich. Ostfriesland erlebte eine kurze Zeit wirtschaftlicher Blüte, als die Inflation vieles zunichte macht und sich damit auch die politischen Verhältnisse ändern.


Die Deutschnationalen bekommen immer mehr Einfluss, 1933 erfolgt dann die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Während des zweiten Weltkrieges wird die Stadt Emden zu zwei Dritteln zerstört, auch die Städte Aurich, Esens und Leer werden bombardiert. Nach der Kapitulation gehört Ostfriesland zur britischen Besatzungszone. Ab 1946 gehört Ostfriesland als Regierungsbezirk Aurich zum Bundesland Niedersachsen, Oldenburg wird zum niedersächsischen Verwaltungsbezirk Oldenburg. 1978 wird das alte Ostfriesland schließlich in den neuen Regierungsbezirk Weser-Ems eingegliedert.


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