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Capoeira - Regeln

Eine Gruppe von Schülern beim TrainingIn der Schule oder im Verband lernen angehende Capoeiristas von einem "Mestre", einem Meister, der diesen Titel wiederum von einem alten Meister erhalten haben muss. Da eine gesetzliche Regelung fehlt, ist das Prestige der Meister ausschlaggebend. Grundschritt der Capoeria ist die "ginga". "Gang des Banditen" nennen alte Meister den wiegenden, rhythmischen Schritt, der zugleich die Bereitschaft zum Schlag erlauben und die eigenen Absichten vor dem Gegner verhüllen soll. Einige behaupten, die "ginga" sei in sechs Monaten zu meistern. Ein alter Angola-Meister wie "João Pequeno" jedoch versichert, dass dies erst nach fünf Jahren möglich ist. Die Schläge werden in "defesas" und "ataques" geteilt, Verteidigung und Angriff. Wie viele Schläge gelernt werden ist von Gruppe zu Gruppe verschieden, und auch die Namen der Bewegungen variieren von Ort zu Ort.


Gespielt wird die Capoeira in der "roda", der Runde. Die Spieler und Musiker stellen sich im Kreis auf, einige wechseln sich an den Instrumenten ab. Der Meister führt Regie, bestimmt, wer kämpft.Ein Berimbaus im Einsatz Zunächst begleitet ein Berimbau einen Sänger zum Einleitungslied. Bei der Capoeria Angola besteht die Musik immer aus drei Berimbaus (hergestellt aus biegsamen Ruten, Draht, und Kalebassen), einem Agogo (eine Art Kuhglocke), einer Ganza (Waschbrett), einem Atabaque (Trommel) und zwei pandeiros (Tamburine). Capoeira Angola kennt drei Grundrhythmen, drei "toques": Angola, São Bento Pequeno und São Bento Grande.


Während Capoeira Angola ihren Platz vor allem in Bahia hat, entwickelte sich die Capoeira Regional in ganz Brasilien zum Massensport. Diese Spielart ist die Erfindung des alten Meisters "Mestre Bimba", der 1930 in Salvador da Bahia die erste Capoeira-Schule gründete. Schon die Gründung einer Schule (Academia) war eine radikale Abweichung von der Tradition eines Spiels, das vor allem auf der Straße ausgeführt wurde. In den Academias ging die Philosophie, die Bedeutung von Capoeira als Lebensweise allmählich verloren und es entwickelte sich ein eindrucksvoller, moderner Sport. Mestre Bimba behauptete, die traditionelle Capoeira sei zu langweilig, um junge Menschen anzuziehen. Karate, das auch in Brasilien vordrang, war weit spektakulärer. Also borgte sich Bimba Bewegungen aus dem asiatischen Kampfsport, von Karate, von Jiu-Jitsu und anderen. Seine Capoeira wurde viel schneller als die traditionelle Art, akrobatischer, mit halsbrecherischen Sprüngen.


Während zwei dutzend dickköpfige alte Meister allesamt und jeder für sich versuchen zu bestimmen, was Capoeira Angola nun eigentlich ist, kämpfen verschiedene Verbände darum, das Sagen bei der Capoeria Regional zu haben. Allgemein vergeben die Academias Rangabzeichen (ertwa farbige Kordeln, wie beim Karate) und führen Meisterschaften aus. Eine klare Kodifizierung liegt aber auch hier nicht vor, und der Publikumserfolg alleine bestimmt den Einfluss dieser oder jener Organisation.


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