Wo Platten auseinander weichen

Ein langer tiefer Riss klafft in der Erde und wird immer breiter. Gewaltige Kräfte reißen die Erdoberfläche in Stücke: Entlang dieser Bruchstelle zieht sich der Ostafrikanische Graben durch den Kontinent. Schon vor 20 Millionen Jahren begann hier Afrika auseinanderzubrechen. Heißes Magma aus dem Erdinneren drückte nach oben und riss die Erdkruste auseinander. Seitdem driften die Krustenstücke auseinander, jedes Jahr um etwa einen Zentimeter. Dass die Erde hier sehr aktiv ist, kann man auch an den vielen Vulkanen erkennen, die sich entlang des Grabens erheben. Sollte irgendwann Meerwasser eindringen, wird aus dem Ostafrikanischen Graben ein Ozean werden. Ähnliches geschah am Roten Meer. Dort trennt sich seit 25 Millionen Jahren die Afrikanische von der Asiatischen Kontinentalplatte. Der entstandene Riss wurde von Meerwasser überflutet.

Der Kilimandscharo ist nur einer der vielen Vulkane im Ostafrikanischen Graben
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Dort, wo kontinentale Kruste auseinanderbricht, entsteht ein Grabenbruch. Wo sich dagegen ozeanische Krustenstücke voneinander wegbewegen, wachsen am Meeresboden Gebirge: die Mittelozeanischen Rücken. Sie bestehen aus Magma, das aus dem Erdmantel durch die ozeanische Kruste nach oben dringt. Hier wird neues Plattenmaterial gebildet. Es drängelt sich sozusagen zwischen zwei ozeanische Platten und erstarrt zu Basaltgestein, das sich immer weiter auftürmt.

Riss in der Erdkruste: das Rote Meer
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An manchen Stellen ragen die Mittelozeanischen Rücken als Inseln über den Meeresspiegel hinaus. Island zum Beispiel und die noch junge isländische Insel Surtsey sind nichts anderes als Teile des Mittelatlantischen Rückens. Durch den Nachschub aus erstarrtem Gestein bekommt die ozeanische Kruste hier ständig Zuwachs. Sie wächst dabei nicht nur in die Höhe, sondern auch zu den Seiten. Die beiden ozeanischen Platten werden nach außen gedrückt. Weil sie sich dabei auseinanderspreizen, spricht man auch von einer Divergenzzone.

Island ist Teil des Mittelatlantischen Rückens
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Auf diese Weise entsteht neuer Meeresboden und der Ozean wird langsam breiter – allerdings nur wenige Zentimeter im Jahr. Aber moderne Satelliten können die Kontinente millimetergenau vermessen. Aus der Bewegung kann man errechnen, dass der Atlantik seit Kolumbus Überfahrt im Jahr 1492 schon um 25 Meter breiter wurde.

Der Atlantik wächst jedes Jahr mehr als 2 Zentimeter
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Aber weil die Erde insgesamt ja nicht größer wird, muss der Zuwachs an Meeresboden an anderer Stelle wieder ausgeglichen werden. Das passiert dort, wo ozeanische Kruste unter kontinentaler Kruste abtaucht: Während der Atlantik immer weiter wächst, versinkt der Pazifik langsam unter den Plattenrändern Amerikas und Ostasiens.

Geburt einer Insel

30 Kilometer südlich von Island ist eine Insel aus dem Meer geboren. Seit dem 14. November spuckt hier ein junger Vulkan Feuer und Asche. Seine Lavamassen haben bereits eine 40 Meter hohe und gut 500 Meter lange Insel wachsen lassen.

Weiß-graue Aschewolken hängen am Himmel und verdunkeln ihn. Feines Vulkangestein prasselt auf die Umgebung, jeder Lavaausstoß wird von Donnergrollen begleitet. 10 Kilometer ragt die Rauchsäule in die Höhe, die der Vulkanausbruch verursacht. Und immer weiter wächst dabei eine Insel vor Islands Südküste.

Der Ausbruch des Unterwasservulkans kam unerwartet, aber nicht ohne Vorboten. Seismologen haben bereits eine Woche zuvor in der Hauptstadt Reykjavik kleinere Erdbeben gemessen – Zeichen dafür, dass sich an der Plattengrenze des Mittelatlantischen Rückens einiges tut. Zusätzlich hatte ein Forschungsschiff festgestellt, dass das Meer wärmer war als sonst. Und Einwohner der nahe gelegenen Küstenregion glaubten Schwefelwasserstoff gerochen zu haben. Als der Vulkan am Meeresgrund in 130 Meter Tiefe ausbrach, blieb das zunächst unbemerkt. Seine Explosionen wurden vom Wasserdruck abgeschwächt. Doch durch sein Wachsen näherte er sich dem Meeresspiegel und durchbrach ihn schließlich wild spuckend. Das war die Geburt einer Insel in Island.

Einen Namen hat die neue Insel vor der Südküste bereits: „Surtsey“ heißt sie nach Surt, dem Feuerriesen. Von dem erzählt eine nordische Sage, er schleudere Feuer und vernichte mit seinem glühenden Schwert alles Leben.

Spalt zwischen nordamerikanischer und eurasischer Platte
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Vor der Küste Islands wächst eine Vulkaninsel aus dem Meer.
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Wie Island entstand

Island ist eigentlich nichts anderes als der Höhepunkt eines riesigen Gebirges im Atlantik: Fast 20.000 Kilometer lang ist der Mittelatlantischen Rücken, der sich von Nord nach Süd durch den gesamten Atlantik erstreckt. Auf der Höhe von Island driften die Nordamerikanische und die Eurasische Platte auseinander, jedes Jahr um etwa zwei Zentimeter. Wo sie sich spreizen, dringt heißes Magma aus dem Erdinneren an die Oberfläche. Diese Vulkanausbrüche türmen seit Jahrmillionen unter Wasser Gebirge auf und sorgten vor 17 bis 20 Millionen Jahren dafür, dass Island über dem Meeresspiegel auftauchte. Bis heute sind diese Vulkane aktiv. Und jetzt haben sie erneut eine Insel geboren: Surtsey.

Rätselhafte Löcher in der Erdkruste

TOBI erforscht Erdmantel

Britische Forscher haben auf dem Meeresboden ein mehrere tausend Quadratkilometer großes Loch in der Erdkruste entdeckt. Nach Angaben der Wissenschaftler liegt dort der Erdmantel offen. Das Forschungsschiff RSS James Cook ist nun unterwegs, um die Stellen näher zu untersuchen. Erstes Ziel der Expedition ist ein Loch zwischen Teneriffa und Barbados. Mit dem Hightech-Roboter TOBI soll der Meeresboden gescannt und Proben entnommen werden.

Die offenen Stellen liegen am Mittelatlantischen Rücken – dort driften Erdplatten auseinander und neuer Ozeanboden entsteht. Löcher und Risse sind an dieser Stelle keine Seltenheit, doch füllen sie sich normalerweise schnell wieder mit Lava von unten auf und bedecken somit das Mantelgestein. Noch ist es den Wissenschaftlern ein Rätsel, warum in diesem Fall eine Lavakruste fehlt. Wurde sie weggerissen oder hat sie sich erst gar nicht bilden können? Mit einem Untersuchungsergebnis wird in den kommenden Monaten gerechnet.

Der deutsche Forschungseisbrecher Polarstern
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Bagger hebt Mantelgestein

Riesige Steinbrocken schaufelt der Bagger des deutschen Eisbrechers Polarstern aus dem eisigen Meer in der Arktis. Unter dem Mikroskop bestätigt sich, was die Forscher schon länger gehofft hatten: In den Proben finden sie reines Mantelgestein, dass nicht durch Vulkane zugeschüttet wurde. Ein bedeutender Fund, denn der Erdmantel ist schwer zugänglich und wird gewöhnlich von einer dicken Erdkruste bedeckt. Das Mantelgestein wurde am Gakkelrücken entdeckt – einem nördliche Ausläufer des Mittelatlantischen Rückens. Dort spreizt sich die Erdkruste so langsam wie sonst nirgendwo auf der Welt – weniger als einen Zentimeter pro Jahr. Deshalb gibt es dort so wenig vulkanische Aktivität, so dass das Mantelgestein gut erhalten blieb.

Verwegene Theorie: Die Erdteile bewegen sich!

Während einer Tagung der Geologischen Gesellschaft in Frankfurt stellte der Meteorologe und Polarforscher Alfred Wegener eine gewagte Theorie auf: Nach seiner Meinung bewegen sich die Kontinente auf der Erde. Kollegen der Geologie äußern sich skeptisch bis ablehnend.

Hätte Alfred Wegener behauptet, die Erde sei eine Scheibe, er hätte bei seinen Zuhörern kaum mehr Verwunderung ausgelöst. Laut Wegener sollen alle Kontinente unserer Erde vor langer Zeit zu einer einzigen Landmasse vereint gewesen sein. Pangäa nennt er diesen Superkontinent, der sich auf dem Erdmantel bewegte und vor 200 Millionen Jahren in zwei Teile zerfiel. Diese beiden Erdteile sollen sich weiter geteilt und verschoben haben. Es gäbe deutliche Hinweise auf das Zerbrechen und die Bewegung der Kontinente: Sie passen wie Puzzleteile ineinander. Auffällig sei auch, dass die gleichen Tierarten auf unterschiedlichen Kontinenten vorkommen.

Afrika und Südamerika sollen also eins gewesen sein? Für die Fachwelt klingt Wegeners Rede so glaubhaft wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Ist man doch bis zum heutigen Tag der Überzeugung, dass die Erdkruste mit ihrem Untergrund fest verbunden ist. Nach bisheriger Erkenntnis sind die Kontinente fix und waren einst über Landbrücken miteinander verbunden. Noch bezeichnen viele Geologen Wegeners Kontinentalverschiebung abfällig als „Geopoesie eines Wetterfrosches“. Denn ungeklärt ist vor allem der Motor der Bewegung: Was treibt die Kontinente an? Doch an der Theorie Alfred Wegeners kommt die Forschung nun nicht mehr vorbei. Ob sie sich auch beweisen lässt?

Ein Puzzle: Welche Teile passen zusammen?
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Die Gebirge Schottlands und Nordamerikas hingen einst zusammen.
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Alfred Wegener – ein Luftikus?

Bekannt wurde der Meteorologe Alfred Wegener durch einen Rekord, den er im Ballonflug aufstellte: Am 5. April 1906 stieg er zusammen mit seinem Bruder Kurt auf und blieb über 52 Stunden in der Luft. Damit war der bisherige Weltrekord um 17 Stunden überboten. Doch die Ballonfahrt diente nicht nur dem Ruhm, sondern vor allem der Wissenschaft: Die Wegener-Brüder wollten die Atmosphäre erforschen und Methoden zur Ortbestimmung testen. Das Interesse Alfred Wegeners gilt aber nicht nur dem Wetter und der Luftfahrt, sondern auch dem ewigen Eis. Noch im Jahr seines Weltrekords brach er auf, um Grönland zu erforschen. Von dieser Grönland-Expedition kehrte er 1908 zurück. Seitdem ist der 32-jährige Naturwissenschaftler Dozent für Meteorologie, Astronomie und Physik an der Universität Marburg.

Der Meeresboden

In dunklem Blau glitzert die Wasseroberfläche der Ozeane. Kaum zu glauben, dass der Meeresboden teilweise viele Kilometer tiefer liegt und sich dort unten eine spektakuläre Unterwasserlandschaft verbirgt. Denn der Meeresboden ist nicht so glatt wie der Boden eines Swimming-Pools: Am Meeresgrund finden sich hohe Berge, tiefe Gräben und Lava spuckende Vulkane genauso wie ausgedehnte Ebenen.

Wasseroberfläche Meer
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So ist das Wasser der Ozeane auch nicht überall gleich tief. Rund um die Kontinente liegen die flachen Schelfmeere. Hier neigt sich der Meeresboden von der Küstenlinie sanft abwärts bis er etwa eine Tiefe von 200 Meter unter dem Meeresspiegel erreicht. Der Boden der Schelfmeere besteht aus kontinentaler Kruste. Daher gehört er eigentlich zum Festland, auch wenn er von Meerwasser überspült ist.

Küste mit Sandstrand
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Erst viele Kilometer von der Küste entfernt, im Schnitt nach 74 Kilometern, endet der flache Schelfbereich mit der Schelfkante. Von dieser Kante an geht es wie auf einer Rutsche steil nach unten auf etwa vier Kilometer Tiefe. Dieser Steilhang bildet den Übergang zur Tiefsee, in die kein Licht mehr vordringt. Deshalb wachsen dort unten auch keine Pflanzen. Nur einige Tierarten konnten sich, trotz der feindlichen Bedingungen, an diesen Lebensraum anpassen.

Fischschwarm im flachen Wasser
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Inmitten der Ozeane ragen Gebirge in die Höhe, die mittelozeanischen Rücken. Diese Unterwassergebirge ziehen sich über lange Strecken durch alle Weltmeere. An manchen Stellen ragen sie als Inseln über den Meeresspiegel hinaus. Island zum Beispiel liegt direkt auf dem mittelatlantischen Rücken, dem längsten Gebirge der Welt.

Landschaft mit heißen Quellen in Island
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Auch tiefe Gräben durchziehen die Ozeane. Die meisten von ihnen liegen im Pazifik. Zu ihnen gehört der Marianengraben, der tiefste Graben der Welt. Er reicht bis zu 11.034 Meter unter dem Meeresspiegel hinab. Nur zwei Menschen sind jemals dort unten gewesen: Der Meeresforscher Jacques Piccard und sein Begleiter Don Walsh bei ihrer Rekord-Tauchfahrt im Jahr 1960.

Der Superkontinent Pangäa

Wer eine Weltkarte etwas genauer betrachtet, stellt fest: Die Formen von Afrika passen zu Nord- und Südamerika fast so gut wie Teile eines Puzzles. Und tatsächlich sind die Kontinente so etwas Ähnliches wie auseinandergeschobene Puzzleteile. Nur ergeben sie zusammengefügt kein Bild, sondern einen einzigen großen Kontinent: Pangäa.

Welche Teile passen zusammen?
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Pangäa existierte vor ungefähr 250 Millionen Jahren. In diesem Superkontinent waren alle Landmassen der Erde zusammengefasst und von einem einzigen Meer umgeben, Panthalassa genannt. Etwa vor 200 Millionen Jahren zerfiel Pangäa in zwei Teile – in Laurasia im Norden und Gondwana im Süden. Die beiden Kontinente zerbrachen später in noch kleinere Stücke. Danach waren Nord- und Südamerika, Afrika, Asien und Europa schon etwa in ihrer heutigen Form zu erkennen. Allerdings lagen diese Erdteile damals noch viel näher beisammen als heute. Erst im Lauf der Zeit entfernten sie sich immer mehr voneinander, denn zwischen Amerika im Westen und Afrika und Eurasien im Osten war ein Mittelozeanischer Rücken aufgebrochen. Ein neuer Ozean entstand: Der Atlantik, der bis heute weiter wächst. Nord- und Südamerika entfernen sich deshalb von Europa und Afrika jedes Jahr um ein paar Zentimeter.

Der Meeresboden des Atlantik drückt Europa und Nordamerika auseinander
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Motor für die Reise der Erdteile und die Entstehung von Ozeanen sind Strömungen im heißen Erdinneren. Diese setzen die Platten ganz langsam in Bewegung. Zum Teil weichen oder brechen die Platten dadurch auseinander, an anderer Stelle driften sie wieder aufeinander zu.

Die Gebirge Schottlands und Nordamerikas hingen einst zusammen
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Doch nicht nur die Form der Erdteile erzählt davon, wie sie einst zusammenhingen. Auch Gebirgszüge weisen darauf hin, wo Erdteile vor langer Zeit eins waren. So sind die Appalachen im Nordosten Amerikas Teil einer Bergkette, die sich über Grönland und Schottland bis nach Norwegen zieht. Getrennt wurde das Gebirge durch den Nordatlantik, der sich im Laufe der Zeit dazwischen geschoben hat. Diese Gebirgskette, die vor Jahrmillionen zusammenhing, lässt sich auf einer Weltkarte noch gut erkennen.

Auch Berge Norwegens gehörten zu diesem Gebirgszug
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Kontinente auf Wanderschaft

Lange Zeit dachte man, die Landmassen der Erde würden starr an Ort und Stelle stehen. Später stellte sich heraus: Das Gegenteil ist der Fall. Die Kontinente unseres Planeten bewegen sich! Wie gewaltige Eisschollen treiben sie in unterschiedliche Richtungen, wenn auch nicht sehr schnell. Ihre Geschwindigkeit entspricht etwa dem Wachstum eines Fingernagels. Doch woran liegt es, dass die Kontinente ständig auf Wanderschaft sind?

Auch wenn es nicht so aussieht: Die Kontinente bewegen sich
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Die Erdkruste, die unseren Planeten umhüllt, ist spröde und rissig. Sie ähnelt einer zersprungenen Eierschale und setzt sich aus sieben großen und vielen kleineren Platten zusammen. Einige von ihnen bilden die Kontinente, andere den Ozeanboden. Diese Platten der Erdkruste treiben auf einem heißen, zäh fließenden Gesteinsbrei umher und werden dabei von Bewegungen im Erdinneren angetrieben, genauer gesagt: von Strömungen des Erdmantels. Fachleute sagen auch: Sie driften. All diese Vorgänge rund um die Bewegung der Erdplatten heißen Plattentektonik, die Bewegung selbst auch Plattendrift.

Die Erdkruste ist zersprungen wie eine Eierschale
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Dort, wo die einzelnen Platten aneinander grenzen, ist die Erde besonders aktiv. An einigen dieser Plattengrenzen dringt heißes Gestein aus dem Erdmantel nach oben und kühlt sich ab. Hier bildet sich neue Erdkruste: die beiden Platten wachsen und werden dadurch auseinandergedrückt. Dort dagegen, wo zwei Platten aufeinander prallen, wird die leichtere von ihnen – die kontinentale Kruste – zusammengeknautscht und zu Gebirgen aufgefaltet. Die schwerere der beiden – die ozeanische Kruste – verschwindet dagegen langsam in der Tiefe. Durch die Hitze im Erdinneren wird ihr Gestein wieder aufgeschmolzen. Während die Kante der Platte in der Tiefe versinkt, zieht sie den Rest der Platte hinter sich her und treibt so die Plattenbewegung zusätzlich an.

Aufgefaltete Erdkruste: Die Alpen
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Entlang solcher Plattenränder häufen sich Vulkanausbrüche, Erdbeben, lange Gebirgsketten und tiefe Ozeangräben. Die meiste Unruhe an der Erdoberfläche bringt die größte ihrer Platten mit sich: Es ist die Pazifische Platte, die mit einer Geschwindigkeit von etwa 10 Zentimetern pro Jahr nach Nordwesten rückt. An ihren Rändern finden sich die meisten aktiven Vulkane der Erde, heftige Erdbeben erschüttern die Region. Wegen der häufigen Vulkanausbrüche und Beben heißt diese Plattengrenze auch der „Pazifische Feuerring“.

Spektakel am Plattenrand: Ein Vulkan spuckt Feuer
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Ozeanische und kontinentale Kruste

Nicht überall ist die Erdkruste gleich aufgebaut. Die Landmassen der Erde bestehen aus kontinentaler, der Meeresboden aus ozeanischer Kruste. Einer der Unterschiede ist, dass die kontinentale Kruste neben Sauerstoff vor allem Silizium und Aluminium enthält. Die ozeanische Kruste hat dagegen auch einen hohen Anteil an Magnesium. Doch das ist lange nicht der einzige Unterschied:

Bei einem Vulkanausbruch wird neue Erdkruste gebildet
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Ozeanische Kruste bildet sich am Meeresgrund, wo entlang der mittelozeanischen Rücken Magma aufsteigt und erstarrt. Da hier ständig Kruste nachwächst, werden die beiden Lithosphären-Platten nach außen gedrückt. In Richtung der Küsten wird die ozeanische Kruste also immer älter. Einige der ältesten Stücke sind um die 200 Millionen Jahre alt. Sie liegen im Atlantik vor Nordamerika und östlich des Marianengrabens im Pazifik. Noch älter wird die etwa fünf bis acht Kilometer dicke ozeanische Kruste aber nicht: Weil sie schwerer ist als die kontinentale, taucht sie beim Zusammenstoß ab und wird im Erdinneren wieder aufgeschmolzen.

Die Färöer Inseln ragen als Teil der ozeanischen Kruste über den Meeresspiegel hinaus
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Die kontinentale Kruste ist zwar leichter, aber dafür dicker als die ozeanische Kruste: Im Durchschnitt reicht sie 40 Kilometer, unter Gebirgen sogar bis zu 80 Kilometer in die Tiefe. Wann genau sie sich gebildet hat, ist selbst der Wissenschaft noch ein Rätsel. Hinweise darauf gibt das älteste bisher bekannte Gestein auf der Erde: Es wurde in Nordkanada gefunden, ist über vier Milliarden Jahre alt und vermutlich ein Rest der allerersten Erdkruste.

Der Meeresboden an der Küste besteht noch aus kontinentaler Kruste
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Wo Platten zusammenstoßen

Wenn zwei Fahrzeuge aufeinanderprallen, wird ihr Blech zusammengeknautscht. Ähnliches geschieht, wenn zwei Platten der Erdkruste zusammenstoßen. Dann wird ihr Gestein zusammengeschoben und ganz langsam in gewaltige Falten gelegt – so entstehen Faltengebirge. Was beim Autounfall die Knautschzone, ist bei der Kollision von Platten das Gebirge – nur dass ein Autounfall in Sekundenbruchteilen abläuft, eine Plattenkollision dagegen über viele Millionen Jahre.

Verformt durch den Aufprall: die Motorhaube
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Genauso sind die Alpen entstanden: Afrika drückte gegen den Eurasischen Kontinent und faltete das Gebirge auf. Auch der Himalaya in Asien oder die Anden in Südamerika verdanken ihre Herkunft dem Zusammenstoß von wandernden Erdkrustenplatten.

Schöne Knautschzone: die Alpen
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Bei einem solchen Crash schiebt sich das Gestein der leichteren Platte nach oben, die schwerere versinkt in der Tiefe. Dieser Vorgang heißt Subduktion, der Bereich, in dem die Platte abtaucht, Subduktionszone. Entlang dieser Zonen liegen oft tiefe Rinnen, weshalb sie gut zu erkennen sind. Die tiefste von ihnen ist der Marianengraben im Pazifischen Ozean. Diese Tiefseerinne liegt dort, wo die Pazifische Platte unter die Philippinische taucht.

Je weiter die Erdkrustenplatte im Erdinneren verschwindet, desto heißer wird es. Das Gestein schmilzt und in der Tiefe bildet sich Magma. Durch den wachsenden Druck kann es wieder nach oben gepresst werden. Wo es bis an die Erdoberfläche dringt, spucken Vulkane Lava und Asche. Ganze Ketten solcher Vulkane gibt es rund um die Pazifische Platte, zum Beispiel auf Indonesien. Weil sich hier ein Vulkan an den anderen reiht, heißt diese Plattengrenze auch „Pazifischer Feuerring“.

Ganze Ketten von Vulkanen reihen sich um den Pazifischen Feuerring wie hier auf Bali
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An solchen Plattenrändern brechen nicht nur Vulkane aus. Häufig bebt auch die Erde, weil die Plattenbewegung für ungeheuren Druck und wachsende Spannungen sorgt. Sobald diese sich entladen, erschüttern Beben die Erdoberfläche. In Japan zum Beispiel treffen gleich drei Platten aufeinander: die Pazifische, die Philippinische und die Eurasische. Aus diesem Grund wird Japan so oft von heftigen Erdbeben heimgesucht.

Japan ist besonders von Erdbeben bedroht
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Wo Platten aneinander vorbei schrammen

Die Einwohner von San Francisco und Los Angeles leben auf einem Pulverfass: Jeden Moment kann ein Erdbeben die Küste Kaliforniens erschüttern. Viele Beben hat die Region bereits mitgemacht, eines davon war besonders verheerend. Am 18. April 1906 zitterte die Erde so stark, dass ganze Viertel San Franciscos einstürzten und rund 3000 Menschen ums Leben kamen. Doch warum ist gerade an der Westküste der USA die Erdbebengefahr so groß?

Die Golden Gate Bridge in Kalifornien steht auf wackligem Grund
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Entlang der kalifornischen Küste bewegen sich zwei Platten der Erdkruste aneinander vorbei: die Nordamerikanische und die Pazifische Platte. Beide driften nach Nordwesten, allerdings ist die Pazifische Platte etwas schneller. Sie „überholt“ darum langsam die Nordamerikanische Platte. So kommt es, dass Los Angeles und San Francisco einander immer näher rücken, jedes Jahr um etwa 6 Zentimeter. Wenn sie sich im gleichen Tempo fortbewegen, wird in rund 12 Millionen Jahren Los Angeles auf der Pazifischen Platte nördlich von San Francisco liegen, das sich auf der Nordamerikanischen befindet.

Millionen-Metropole Los Angeles
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Dort wo die Platten aneinandergrenzen, zieht sich gut sichtbar ein langer Riss durch das Land. Dieser San-Andreas-Graben ist über 1100 Kilometer lang. Hier verursacht die unterschiedliche Geschwindigkeit der Erdplatten extrem starke Spannungen im Gestein. Denn die beiden Platten gleiten nicht einfach aneinander vorbei, sondern sie verhaken sich ineinander. Irgendwann ist die Spannung zwischen den Felsmassen so groß, dass sich die schnellere Pazifische Platte mit einem Ruck vorwärts bewegt. Solche ruckartigen Bewegungen der Platte äußern sich in mehr oder weniger starken Erdbeben. Aus diesem Grund wird Kalifornien immer wieder von Erdstößen erschüttert werden. Einige Forscher behaupten sogar, ein gewaltiges Beben stünde schon in wenigen Jahren bevor. Doch wann genau das sein wird, kann bisher niemand vorhersagen.

Hollywood rückt San Francisco immer näher
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Droht San Francisco schon bald ein Erdbeben?
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Die äußerste Hülle der Erde

Wie ein Ei von der Eierschale ist auch die Erde von einer harten Hülle umgeben. Diese äußerste Schicht umgibt den Erdmantel und wird Erdkruste genannt. Vergleicht man die Erde mit einem Pfirsich, ist die Erdkruste – relativ gesehen – so dick wie seine Haut. Unter Kontinenten reicht sie durchschnittlich 40 Kilometer in die Tiefe, unter den Ozeanen sogar nur etwa sieben Kilometer.

Die Erdkruste ist im Verhältnis zur Erde so dick wie die Pfirsichhaut zum Pfirsich
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Darunter liegt der äußere Teil des Erdmantels, der bis in etwa 100 Kilometer Tiefe reicht. Er ist ebenfalls fest, besteht aber aus schwererem Gestein. Die Erdkruste und dieser äußerste Teil des Mantels zusammen werden auch „Lithosphäre“ genannt. Diese feste Gesteinsschicht ist in verschieden große Platten zerbrochen, die ganz langsam auf dem heißen, zäh fließenden Erdmantel umher treiben.

Island liegt auf dem mittelatlantischen Rücken, wo die Lithosphärenplatten auseinanderklaffen
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Wo die Gesteinsschmelze aus dem heißen Erdmantel nach oben dringt, kann die Erdkruste aufbrechen. Dann strömt Lava heraus, die zu neuer Erdkruste wird. Hauptsächlich geschieht das dort, wo die Platten der Lithosphäre aneinander grenzen, wie an den mittelozeanischen Rücken.

Die Alpen – Hochgebirge am Plattenrand
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In Island zum Beispiel sind diese Plattengrenzen gut zu erkennen: Risse und Furchen ziehen sich hier durch die Erdkruste, wo eurasische und nordamerikanische Platte voneinander wegdriften. Im Mittelmeerraum liegt ebenfalls eine Plattengrenze. Weil hier die Afrikanische gegen die Eurasische Platte drückt, gibt es in Italien viele Vulkane und immer wieder Erdbeben.

Die Liparischen Inseln – eine Vulkankette in Italien
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Die Kruste wird vom Boden bedeckt. Der Boden der Landmassen bildet sich aus verwittertem Gestein und Überresten von Tieren und Pflanzen. Der Meeresboden dagegen entwickelt sich aus Ablagerungen wie Ton und abgesunkenen Resten von Meeresorganismen. An den Küsten besteht der Meeresboden zusätzlich aus abgelagertem Geröll, das vom Festland abgetragen und ins Meer geschwemmt wurde.