Hochgebirge und Mittelgebirge

Der Feldberg im Schwarzwald ist bei Wintersportlern besonders beliebt. Wegen seiner Höhe von 1493 Metern lässt es sich hier gut Ski fahren. Aber der Schwarzwald gehört, obwohl er hohe Berge hat, zu den deutschen Mittelgebirgen. Die Alpen sind dagegen ein Hochgebirge. Doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen Mittel- und Hochgebirgen?

Skifahren macht auch im Mittelgebirge Spaß
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Die einfachste Antwort liegt nahe: Sie unterscheiden sich durch ihre Höhe. Hochgebirge beginnen ab 1500 – manche sagen auch ab 2000 – Meter über dem Meeresspiegel. Es sind also Gebirge, deren Gipfel weit über die Baumgrenze hinausragen. Typisch für Hochgebirge ist außerdem, dass sie von Gletschern geformt werden und steile Bergwände haben.

Schroffe Felsen sind typisch für Hochgebirge
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Die Alpen werden immer noch gehoben
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Mittelgebirge dagegen besitzen weder Gletscher noch steile Flanken. Ihre Landschaft ist eher hügelig und abgerundet. Das liegt daran, dass ihre Entstehung noch viel weiter zurückliegt als die der Alpen. Ursprünglich wurden auch sie zu Hochgebirgen aufgetürmt – vor mehr als 300 Millionen Jahren. Doch anders als in den Alpen findet in den Mittelgebirgen schon lange keine Hebung mehr statt. Sie werden nur noch abgetragen, ihre Formen rund geschliffen. Manche von ihnen sind bereits so stark verwittert und abgetragen, dass vom einstigen Hochgebirge nur noch der Rumpf übrig ist: die Rumpfgebirge. Zu ihnen gehören zum Beispiel das Erzgebirge und das Fichtelgebirge.

Zerborsten wie Eisschollen: Bruchschollengebirge
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Während ihrer langen Geschichte wurden die Mittelgebirge ständig umgestaltet. Auch die Auffaltung der Alpen ging nicht spurlos an ihnen vorüber. Die Kräfte der aufeinanderprallenden Platten setzten die alten Rümpfe der Mittelgebirge ordentlich unter Druck. Wegen ihres hohen Alters war das Gestein allerdings so fest und starr geworden, dass es nicht weiter gefaltet werden konnte. Wie eine gigantische Eisfläche zerbrach es stattdessen in riesige Schollen. Manche sanken in die Tiefe, andere begannen sich zu heben. Absinkende Schollen wurden zu tiefen Gräben, sich hebende Schollen entwickelten sich zu Hochplateaus. Die Landschaft, die daraus entstand, sind Bruchschollengebirge wie der Harz. Sein höchster Berg, der Brocken, ist immerhin 1141 Meter hoch. Zum Hochgebirge reicht das nicht, so dass der Harz klar zu den Mittelgebirgen gehört.

Höchster Punkt im Harz ist der Brocken
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Hillary und Norgay bezwingen den Everest!

Jahrelang haben sie davon geträumt, wochenlang sind sie aufgestiegen: Am 29. Mai 1953 um 11.30 Uhr erreichen der Neuseeländer Edmund Hillary und der Sherpa Tenzing Norgay ihr ehrgeiziges Ziel: Sie stehen als die Allerersten auf dem Gipfel des Mount Everest!

Seit Anfang Mai hat sich eine britische Expedition zum Gipfelsturm auf den höchsten Berg der Erde bereit gemacht. Ein Dutzend erfahrener Bergsteiger, 35 Bergführer und 350 Träger mit 18 Tonnen Ausrüstung sind seit dem Frühjahr von Katmandu aus auf dem Weg zum Fuß des Everest. Ein erster Angriff auf den Gipfel erfolgt am 26. Mai. Doch die Bergsteiger Tom Bourdillon und Charles Evans scheitern an einem defekten Sauerstoffgerät: Kurz vor dem Ziel müssen die beiden umkehren.

Das ist der Moment für Edmund Hillary und Tenzing Norgay, die im Basislager auf ihre Chance warten. Als zweites Team beginnen sie mit dem gefährlichen Aufstieg. Am 28. Mai verbringen sie in Höhe von 8500 Metern eine eisige Nacht. Am nächsten Morgen um 4 Uhr früh starten sie ihre letzte Etappe: 350 Höhenmeter und eine senkrechte Felsstufe liegen noch vor ihnen – in dieser Höhe kaum zu bewältigen. Doch um 11.30 Uhr haben die beiden es tatsächlich geschafft: Sie stehen auf dem höchsten Punkt der Erde, die Welt liegt ihnen zu Füßen! Tenzing schlingt die Arme um Hillary. Der Neuseeländer zückt den Fotoapparat, um die Situation festzuhalten: Der „dritte Pol“ ist erreicht! Nach 15 Minuten auf dem Gipfel machen sich die beiden Helden an den gefährlichen Abstieg.

Lange Zeit galt der 8848 Meter hohe Mount Everest als unbezwingbar. An dem berüchtigten Riesen im Himalaya waren in den vergangenen Jahrzehnten schon viele Expeditionen gescheitert. Die Briten George Mallory und Andrew Irvine hatten es womöglich sogar vor Hillary und Tenzing geschafft. Sie kamen jedoch beim Abstieg ums Leben und blieben verschollen. Bis heute weiß niemand, ob sie tatsächlich auf dem „Berg der Berge“ standen.

Edmund Hillary und Tenzing Norgay
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Tenzing Norgay auf dem Mount Everest
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Mount Everest
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Die Sturmnacht vor dem Gipfelsturm

Bevor Edmund Hillary und Tenzing Norgay den Gipfel des Everest erreichten, verbrachten sie eine schreckliche, eisige Nacht. Hillary hat ihre unglaublichen Strapazen so beschrieben:

„Die Nacht war furchtbar. Ein eisiger Sturm fegte über den höchsten Gipfel der Erde. Tenzing nannte es das Gebrüll von tausend Tigern. Unablässig und unbarmherzig fegte der Sturm, heulend und kreischend, über uns hinweg, mit solcher Gewalt, dass die Leinwand unseres Pyramidenzeltes knatterte wie Gewehrsalven. Wir befanden uns auf dem Südsattel, einem gottverlassenen Platz zwischen den Gipfeln des Everest und des Lhotse. Anstatt sich zu legen, nahm der Sturm immer noch an Wucht zu, und ich bekam langsam Angst, unser flatterndes und knarrendes Obdach könne aus seiner Verankerung gerissen werden und uns schutzlos den Elementen preisgeben. Um Gewicht zu sparen, hatten wir die Einlagen unserer Schlafsäcke zurückgelassen, was sich nun als schwerer Fehler erwies. Obwohl ich meine gesamte Daunenkleidung trug, drang mir die Eiseskälte bis auf die Knochen. Ein Gefühl äußerster Angst und Einsamkeit überkam mich. Was für einen Sinn hatte das alles? Man musste doch verrückt sein, um sich so etwas anzutun!“

Nachdem sie die Sturmnacht überstanden hatten, stand der Gipfelsturm unmittelbar bevor: „Wir hatten keine Zeit zu verlieren. Ich schlug wieder Stufen und hielt allmählich etwas besorgt nach dem Gipfel Ausschau. Es schien ewig so weiterzugehen, und wir waren müde und bewegten uns schon langsamer. In der Ferne breitete sich die kahle Hochebene Tibets aus. Ich blickte nach rechts oben und sah eine schneeige Wölbung. Das musste der Gipfel sein! Wir rückten enger zusammen, als Tenzing das Seil zwischen uns straffte. Wieder schlug ich eine Stufe ins Eis. Und im nächsten Augenblick war ich auf einer Schneefläche angekommen, auf der es nichts gab als Luft – in jeder Richtung. Tenzing kam mir schnell nach, und wir schauten uns staunend um. Mit ungeheurer Befriedigung stellten wir fest, dass wir auf dem höchsten Punkt der Erde standen. Es war 11.30 Uhr am 29. Mai 1953.“

Atemberaubend: Mount Everest ohne Sauerstoffgerät bezwungen!

Kein vernünftiger Mensch hätte das für möglich gehalten: Reinhold Messner und Peter Habeler haben den höchsten Berg der Erde ohne Sauerstoffgerät bestiegen. Völlig entkräftet aber glücklich kamen die beiden Extrembergsteiger gestern im Basislager an.

Ihr Gipfelsturm auf den Everest beginnt am 8. Mai, morgens um halb sechs, nach einer eisigen Nacht im Zelt. Seit dem 6. Mai sind sie vom Basislager auf dem Weg nach oben. Die Warnungen vieler Ärzte schrecken sie nicht: Sie wollen das Dach der Welt ohne künstlichen Sauerstoff erklimmen. Ein gescheiterter Versuch liegt bereits hinter ihnen. Von knapp 8.000 Metern Höhe aus folgt jetzt ein erneuter Anlauf. Der Aufstieg in der dünnen Höhenluft ist eine Tortur, jeder Schritt ist eine Qual. Doch die beiden sind in top in Form, und sie haben Erfahrung.

Mittags erreichen sie eine Höhe von 8.800 Metern. Die Beine sind schwer wie Blei, die Müdigkeit kaum zu beschreiben. Doch sie überwinden ihre Schmerzen und stapfen weiter, wie in Trance. Endlich erreichen sie das scheinbar Unmögliche: Sie stehen auf dem Gipfel des Everest. Weltrekord! Vor Erschöpfung lassen sie sich in den Schnee fallen. Nach einer langen Pause holt Messner seine Kamera aus dem Rucksack und filmt. Zurück im Zelt funken sie ans Basislager: Sie haben es geschafft!

In der Nacht wird Messner von schrecklichen Augenschmerzen gequält: Er ist schneeblind. Habeler ist am Knöchel verletzt. Dennoch schaffen die beiden am 10. Mai den Abstieg ins Basislager. Jetzt erst begreifen sie ihren Erfolg, Triumphgefühl erfüllt sie. Die Sensation ist perfekt: Peter Habeler und Reinhold Messner haben bewiesen, dass der Mount Everest auch ohne Sauerstoffgerät bestiegen werden kann.

Mount Everest
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Reinhold Messner
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In der Todeszone

Ärzte hatten Reinhold Messner und Peter Habeler gewarnt: Sich ohne künstlichen Sauerstoff in 8.000 Meter Höhe zu bewegen, gefährde in höchstem Maße die Gesundheit. Gehirnzellen könnten absterben und das kontrollierte Denken aussetzen, auch Bewusstlosigkeit drohe. „Ihr werdet als Deppen zurückkommen“, hieß es kurz und drastisch.

Tatsächlich ist mit der Höhenkrankheit nicht zu spaßen. Schon ab etwa 2.000 Metern kann sich die dünner werdende Luft durch Atemnot, Schwindel, Kopfschmerzen oder Erbrechen bemerkbar machen. Die Lunge nimmt mit zunehmender Höhe immer weniger Sauerstoff auf, der Körper wird unterversorgt. Oberhalb von 7.000 Metern – in der Todeszone – werden die meisten Menschen bewusstlos, wenn sie keinen zusätzlichen Sauerstoff bekommen. Im schlimmsten Fall führt die extreme Höhe zum Tod. Viele Bergsteiger hat diese Tatsache bereits das Leben gekostet. Dass Habeler und Messner den Gipfel ohne Atemgerät erklommen haben, grenzt tatsächlich an ein Wunder. Es ist nur mit genauester Planung, einer sagenhaften körperlichen Fitness und einem eisernen Willen zu erklären.

Dolomiten zu Weltnaturerbe erklärt

Drei Zinnen, Rosengarten und Geislerspitzen – mächtig erheben sich die steilen Felsgruppen der Dolomiten über die sonst sanft gewellte Landschaft. Wegen ihrer „einzigartigen monumentalen Schönheit“ wurden die Dolomiten jetzt in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes aufgenommen.

Wie spitze Zähne ragen ihre Gipfel in den Himmel. Wer die Dolomiten besucht, wandert über uralte Korallenriffe und kraxelt quer durch die Erdgeschichte. Denn wie die gesamten Alpen haben auch die Dolomiten vor Jahrmillionen begonnen, sich vom Meeresgrund empor zu heben und aufzufalten. Wind und Wetter formten mit der Zeit sanfte Hänge am Fuß ihrer Gipfel. Heute grasen hier im Sommer Kühe.

Jedes Jahr kommen Tausende von Touristen um die sagenhafte Landschaft zu bestaunen. Extremkletterer vollführen an den Steilwänden zirkusreife Kunststücke. Die märchenhafte Kulisse zieht aber nicht nur Wanderer und Bergsteiger an, sondern auch Berühmtheiten: Hollywood- Stars wie George Clooney und Tom Cruise sind hier schon abgestiegen. Und Reinhold Messner, selbst in Brixen geboren, begann in den Wänden der Dolomiten seine Karriere als Extremkletterer.

Beeindruckt von der grandiosen Natur zeigte sich auch das Welterbekomitee: Am 26. Juni wurden Teile der Dolomiten von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt. Damit stehen die Dolomiten von nun an unter einem besonderen Schutz.

Blick vom Höhlensteinertal auf die Drei-Zinnen-Türme
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Rosengartengruppe
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Hohe Gaisl
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Wie die „bleichen Berge“ zu den Dolomiten wurden

„Bleiche Berge“ werden die Dolomiten wegen ihrer Farbe auch genannt. Die Ladiner, älteste Bewohner der Gegend, erzählen sich viele Geschichten über ihre geheimnisvollen Berge: Vom Zwergenkönig Laurin und seinem verwunschenen Rosengarten ist die Rede und von einem Zwergenvolk, das die Gipfel mit Fäden aus Mondlicht eingesponnen hat. Schon immer regte diese Gebirgslandschaft die Phantasie an.

Nüchterner betrachtete dagegen der französische Geologe Déodat de Dolomieu ihr helles Felsgestein. Bei genauer Untersuchung fand er heraus, dass sie nicht wie vermutet aus reinem Kalkgestein bestanden. Einen großen Anteil hatte auch das Salz Magnesiumoxid. Das neu entdeckte Gestein der Gebirgskette wurde nach seinem Entdecker Dolomieu benannt: der Dolomit. Und die „bleichen Berge“ verwandelten sich – simsalabim – in die Dolomiten.

Durchbruch am Gotthard: Der längste Tunnel der Welt

Mit großem Jubel feiert die Schweiz den Durchstich ihres neuen Rekordhalters: Am 15. Oktober 2010 um 14.18 Uhr wurden die letzten Zentimeter Fels des geplanten Gotthardbasis-Tunnels durchbrochen. Die 57 Kilometer lange Röhre führt tief durch das Gestein des Schweizer Gotthard-Massivs. Sobald der Tunnel fertig ist, soll er die Fahrzeit durch die Alpen um fast eine Stunde verkürzen.

Gewaltige Bohrköpfe von knapp 10 Metern Durchmesser haben von zwei Seiten her den Tunnel in den Berg gegraben, der mit 57 Kilometern der längste der Welt sein wird. Sein nördlicher Eingang liegt in Erstfeld im Kanton Uri, sein Südportal in Bodio im Kanton Tessin. Auf ihm lasten bis zu zweieinhalb Kilometer Fels. Wenn der Tunnel 2017 für den Verkehr freigegeben ist, wird er gut neun Milliarden Euro gekostet haben.

Was die Bauarbeiten immer wieder erschwert: Unterschiedliche Gesteinsarten liegen dicht nebeneinander, von hartem Granit bis zu weichem Schiefer. Am 31. März 1996 brach über einem Stollen die Katastrophe herein: Aus einem Bohrloch schossen Tausende von Kubikmetern aufgeweichten Gesteinsbreis in den Erkundungsgang und überfluteten ihn. Sechs Arbeiter, die sich in der Nähe befanden, hatten unvorstellbares Glück: Sie überlebten ohne Verletzungen.

Ziel des Rekordtunnels ist, dass in Zukunft weniger LKWs über die Alpen fahren und mehr Güter mit dem Zug transportiert werden. Denn die Fahrzeit zwischen Zürich und Mailand wird durch den Eisenbahntunnel um etwa eine Stunde kürzer. Und weil der Verkehr über die Alpen weiter zunimmt, sind schon die nächsten Projekte in Planung: Am Mont-Cenis zwischen Frankreich und Italien soll ein 53 Kilometer langer Tunnel gebaut werden, ein anderer mit 55 Kilometern Länge am Brenner in Österreich.

Start des Versuchsbetriebs im Gotthard-Basistunnel
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Einfahrt zum Eurotunnel in Calais
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Gotthard-Basistunnel
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Politische Prominenz beim Start des Versuchsbetriebs
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Tunnel-Rekorde

Der bisher längste Eisenbahntunnel der Welt befindet sich im Norden Japans: Mit knapp 54 Kilometern Länge verbindet der Seikan-Tunnel die Inseln Hokkaido und Honshu. Die Hälfte der Strecke verläuft unter dem Meer. Auch der drittlängste Tunnel liegt unter Wasser: Durch den fast 50 Kilometer langen Eurotunnel unter dem Ärmelkanal verkehren Züge zwischen England und Frankreich. Weltlängster Straßentunnel ist zurzeit mit 24,5 Kilometern der Lærdalstunnel in Norwegen. Damit die Autofahrer beim Durchfahren nicht müde werden ist er besonders bunt beleuchtet.

Berge in Bewegung

Mächtig und starr ragen Gebirge in die Höhe. Es scheint als könne nichts und niemand sie vom Fleck bewegen. Doch das stimmt nicht: Gebirge sind ständig in Bewegung – allerdings so langsam, dass wir die Veränderung mit bloßem Auge nicht sehen können.

Schnee am Kilimandscharo
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Der Grund dafür: Die Platten der Erdkruste bewegen sich. Und wenn zwei dieser Platten zusammenstoßen, wird das Gestein gestaucht, geschoben und aufgetürmt. Ähnlich wie bei einem Autounfall falten sich beim Aufprall an den Plattenrändern Gebirge auf. Berge und Täler sind also eine „Knautschzone“ der aufeinanderprallenden Platten. Allerdings passiert das nicht schlagartig wie bei einem Autounfall, sondern noch viel langsamer als in Zeitlupe. Das Ergebnis sind Faltengebirge wie die Anden in Südamerika. Dort gleitet die ozeanische Nazca-Platte unter die Südamerikanische Platte und quetscht das Gestein mit unglaublicher Kraft zusammen. Dabei türmt sich das langgezogene Gebirge der Anden auf, das über eine Strecke von 7500 Kilometer reicht. Die Anden sind damit die längste überirdische Gebirgskette der Welt.

Wie bei einem Crash schieben sich die Platten zusammen
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Die Anden sind wie die Alpen ein Faltengebirge
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Es gibt allerdings auch gewaltige Gebirge unter dem Meeresspiegel. Sie ziehen sich mitten durch die Ozeane. Auch sie verdanken ihr Dasein den beweglichen Platten. Dort wo sich am Meeresgrund zwei Platten voneinander weg bewegen, dringt Magma aus dem Mantel durch die ozeanische Kruste. Der heiße Gesteinsbrei erkaltet am Meeresboden und türmt sich zu Gebirgen, die Tausende von Metern lang sind: die Mittelozeanischen Rücken. Dort, wo die Lava den Meeresspiegel erreicht und darüber hinaus quillt, entstehen Inseln wie Island. Diese Gebirge, die im Meer geboren werden, sind die längsten der Erde. Der Mittelatlantische Rücken zieht sich von Nord nach Süd durch den ganzen Antlantik – etwa 20.000 Kilometer lang.

Island ist Teil des Mittelatlantischen Rückens
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Geysir auf Island
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Ein ständiger Wettlauf: Hebung gegen Abtragung

Matterhorn oder Mont Blanc wären heute eigentlich über 12000 Meter hoch – wenn Wind und Wetter ihnen nicht ständig zu Leibe gerückt wären. Denn während die Berge durch Kräfte im Erdinneren angehoben werden, schrumpfen sie gleichzeitig auch wieder: Ihr Gestein wird durch Wasser, Wind und Frost ausgewaschen und abgeschmirgelt. Im Fall der Alpen halten sich Hebung und Abtragung zurzeit die Waage. Sie bleiben in etwa gleich hoch.

Höchster Gipfel der Alpen: der Mont Blanc
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Anders als die Alpen wächst der Himalaya jedes Jahr ungefähr einen Zentimeter in die Höhe. In dieser Region drückt die Indische Platte gegen die Eurasische und hebt den Himalaya weiter an – und zwar so stark, dass die Abtragung nicht mithalten kann.

Der Himalaya wird immer höher
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Es gibt aber auch Gebirge, bei denen die Auffaltung zu Ende ist – sie schrumpfen nur noch. Diese Gebirge sind vor über 300 Millionen Jahren entstanden, sind also noch viel älter als die Alpen oder der Himalaya. Zu ihnen gehören viele unserer Mittelgebirge, zum Beispiel das Rheinische Schiefergebirge oder der Bayerische Wald. Sie wurden über Jahrmillionen abgeschliffen und sind heute niedriger als 2000 Meter.

Rund geschliffen: der Harz
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Den „Wettlauf“ zwischen Wachsen und Schrumpfen kann man auch bei Vulkangebirgen beobachten: Erloschene Vulkane verlieren ständig an Höhe. Stark verwittert ist zum Beispiel der Kaiserstuhl am östlichen Rheinufer. Vom einstigen Vulkan sind heute nur noch Ruinen übrig. Der Ätna auf Sizilien, Europas aktivster Vulkan, kann dagegen bei einem Ausbruch plötzlich einige Meter wachsen. Allerdings verliert er gelegentlich auch wieder an Höhe, wenn die kalt gewordene Lava einstürzt.

Blick auf den Ätna
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Vom Fels zum Sandkorn – Verwitterung

Der Norden von Kanada ist heute eine sanft gewellte Landschaft. Vor vielen Millionen Jahren stand hier jedoch ein Gebirge. Tatsächlich können sich im Lauf sehr langer Zeit selbst hohe Berge in kleine Hügel verwandeln.

Selbst aus schroffen Gebirgen können irgendwann sanfte Hügellandschaften werden
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Der Grund für diese Verwandlung: Das Gestein an der Erdoberfläche ist ständig Wind und Wetter ausgesetzt. Dringt zum Beispiel Wasser in Gesteinsritzen ein und gefriert, sprengt es den Stein auseinander. Diesen Vorgang nennt man Frostsprengung. Auch durch Temperaturwechsel zwischen Tag und Nacht und durch die Kraft von Wasser und Wind wird das Gestein mürbe. Mit anderen Worten: Es verwittert. Dieser Vorgang lässt sich auch an Gebäuden oder an Steinfiguren beobachten. Bei der Verwitterung zerfällt das Gestein in immer kleinere Bestandteile bis hin zu feinen Sand- und Staubkörnern. Verschiedene Gesteine verwittern unterschiedlich schnell: Granit ist zum Beispiel viel beständiger als der vergleichsweise lose Sandstein.

Wenn Wasser in die Ritzen eindringt, verwittert das Gestein
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Manche Gesteinsarten lösen sich sogar vollständig auf, wenn sie mit Wasser in Berührung kommen, zum Beispiel Steinsalz und Kalk. Steinsalz ist chemisch das Gleiche wie Kochsalz – und das löst sich ja bereits in gewöhnlichem Wasser auf. Kalk ist etwas beständiger, aber in säurehaltigem Wasser löst sich auch Kalkgestein auf. Säure entsteht zum Beispiel, wenn Regenwasser in der Luft mit dem Gas Kohlendioxid reagiert. Dieser „saure Regen“ greift das Kalkgestein an und löst es im Laufe der Zeit auf. An der Erdoberfläche hinterlässt die Verwitterung zerklüftete Kalkstein-Landschaften, unter der Erde entstehen Höhlen.

Steinsalz ist wasserlöslich
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Doch nicht nur Lösungsverwitterung, auch Hitze und Druck zermürben und zerbröseln Gestein unter der Erdoberfläche. Wo Pflanzen wachsen, da graben sich Wurzeln ein, sprengen das Gestein stückchenweise auseinander und sorgen ebenfalls dafür, dass es Millimeter für Millimeter abgetragen wird.

Am Kölner Dom nagt saurer Regen
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Die Verwitterung bearbeitet auf diese Weise nicht nur einzelne Felsen, sie nagt an ganzen Gebirgsketten. Bis der Schwarzwald so flach ist wie der Norden Kanadas dauert es aber noch ein paar Millionen Jahre.

Auch Wurzeln zerkleinern Gestein
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Warum sieht es auf der Erde anders aus als auf dem Mond?

Auf dem Mond sieht es nicht sehr einladend aus: Die Oberfläche ist trocken und mit einer grauen Staubschicht überzogen. Meteoriteneinschläge haben riesige Krater in den Boden gerissen, die sich mit Lava aus dem Inneren des Mondes füllten. Rund um diese Lavabecken türmen sich kilometerhohe Kraterränder als Gebirgsringe auf.

Mond mit sichtbaren Kratern
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Völlig anders unser blauer Planet – schon weil er zu drei Vierteln von Wasser bedeckt ist. Das Wasser bedeckt aber nicht nur einen Großteil der Erde, es formt auch ihre Landmasse: Flüsse, Gletscher und die Brandung des Meeres bearbeiten das Gestein, zerkleinern es und räumen es um. So entstehen Täler, Küsten und immer wieder neue Gesteinsschichten.

Erde, Sonne, Wolken
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Das Innere des Mondes ist heute fest und starr. Die Erde dagegen hat einen flüssigen Erdmantel, auf dem bewegliche Platten schwimmen. Die Bewegung der Erdplatten bewirkt, dass sich Gebirge auffalten, Tiefseegräben entstehen und Vulkane Feuer und Asche spucken.

Typisch für die Erde: Gebirge mit Tälern
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Anders als der Mond besitzt die Erde eine Lufthülle, die Atmosphäre. In dieser Lufthülle entsteht das Wetter. Wind, Regen und Schnee haben die Erdoberfläche über Jahrmillionen bearbeitet und geformt. Außerdem wirkt die Atmosphäre als Schutzschild, der Meteoriten bremst und verglühen lässt.

Dieser Fußabdruck wird noch lange auf dem Mond zu sehen sein.
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Weil der Mond keine solche Atmosphäre hat, schlagen Meteoriten auf seiner Oberfläche ungebremst ein und zerbröseln das Gestein schlagartig zu Staub. Doch Meteoriten sind die einzigen Kräfte, die die Mondlandschaft formen. Weil es kein Wasser, keine Atmosphäre und keine Plattentektonik gibt, fehlen die Einflüsse, die unsere Erdoberfläche so abwechslungsreich gestalten.

Die ersten Menschen, die karge Mondlandschaft betraten, waren der Astronaut Neil Armstrong und sein Kollege Edwin E. Aldrin. Die Fußabdrücke, die sie bei ihrer Mondlandung im Jahr 1969 hinterlassen haben, sind bis heute zu sehen – weil auf dem Mond weder Wind noch Wasser die Spuren verwischen.

Gefaltet und umgestaltet – die Entstehung der Alpen

Jedes Jahr kommen sich München und Venedig einen halben Zentimeter näher. Das ist zwar nicht viel, aber es ist messbar. Dass die deutsche und die italienische Stadt ganz langsam zusammenrücken, hat mit der Entstehung der Alpen zu tun.

Die Alpen sind im Vergleich zu anderen Gebirgen relativ jung. Ihre Geschichte beginnt „erst“ vor rund 250 Millionen Jahren als sich zwischen den Kontinenten Eurasien und Afrika ein flaches Meer bildet: die Tethys. Gesteinsschutt und Reste von Lebewesen setzen sich über einen langen Zeitraum auf dem Meeresboden ab und werden zu Kalkstein.

Von München aus sind die Alpen schon zu sehen
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Vor etwa 100 Millionen Jahren begibt sich die afrikanische Platte auf die Reise: Sie driftet nach Norden und drückt dabei heftig gegen den eurasischen Kontinent. Durch den Druck wird das Gestein gestaucht, es faltet sich wellenförmig auf. Die einzelnen Falten können dabei wenige Millimeter oder Hunderten von Metern erreichen. An einigen Stellen schieben sich die gefalteten Schichten wie Dachziegel übereinander und bilden sogenannte Gesteinsdecken. Schließlich steigt auch Magma auf; und zwar in dem Moment, in dem die Afrikanische Platte unter die Eurasische taucht. Das Gestein wird im Erdinneren aufgeschmolzen und steigt nach oben, erkaltet allerdings noch unter der Erdoberfläche. Aus diesem Grund bestehen die Zentralalpen unter anderem aus dem magmatischen Gestein Granit – im Gegensatz zum Kalkstein der nördlichen und südlichen Alpen.

Im Mittelmeer treffen Afrikanische und Eurasische Platte aufeinander
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Das gefaltete Gebiet hebt sich unter dem großen Druck schließlich über den Meeresspiegel hinaus. Zunächst erscheinen die Faltenrücken noch als längliche Inseln im Meer. Doch die Inselgruppe wird weiter nach oben gepresst und schiebt sich langsam zu einem Hochgebirge empor, in das die Flüsse tiefe Täler einschneiden. Große Mengen an Abtragungsschutt werden im Alpenvorland angehäuft. Während der Kaltzeiten schürfen gewaltige Gletscher tiefe Trogtäler und steile Bergflanken in das Gestein. Erst jetzt bildet sich die typische Hochgebirgslandschaft der Alpen, die uns im Sommer zum Wandern oder Klettern und im Winter zum Skifahren lockt.

Die Landschaft der Alpen lädt zum Wandern ein
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Bis heute driftet die Afrikanische Platte nach Norden. Darum werden die Alpen noch immer kräftig angehoben und zusammengestaucht. Dieses Zusammenstauchen ist der Grund dafür, dass uns Venedig und das gesamte Gebiet jenseits der Alpen jedes Jahr ein winziges Stückchen näher rücken.

Venedig rückt uns immer näher
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Gebirgsklima und Höhenstufen in den Alpen

Auf der Zugspitze kann es sogar im Juni und Juli schneien. Und nicht nur dort: Auf einigen Alpengletschern ist Skifahren im Sommer möglich, auch wenn unten im Tal Badewetter ist. Doch woran liegt es, dass nur wenige Kilometer voneinander entfernt ein völlig anderes Klima herrscht?

Höhenstufen im Gebirge: Unten blühen Blumen, oben liegt Schnee
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Mit zunehmender Höhe sinkt die Temperatur, und zwar um etwa 6 Grad Celsius pro 1000 Höhenmeter. So kann es sein, dass auf der Zugspitze in 2.962 Meter Höhe über dem Meeresspiegel nur -1°C gemessen wird. Gleichzeitig steigt in München, auf 519 Meter Höhe, das Thermometer auf 14° C. In Gebirgsregionen ist es wegen der großen Höhe viel kälter als in tiefer gelegenen Regionen des gleichen Breitengrades. Und noch etwas ändert sich mit der Höhe, nämlich die Niederschläge. Weil kalte Luft weniger Feuchtigkeit speichern kann als warme, regnet oder schneit es oben mehr als unten. Selbst in den Tropen liegt deshalb auf Hochgebirgen wie den Anden oder dem Kilimandscharo Schnee.

Wenn sich Münchner schon an der Isar sonnen, liegt auf den Alpengipfeln noch Schnee
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Abhängig von den sinkenden Temperaturen und dem steigenden Niederschlag wechselt auch die Art der Vegetation. So bilden sich im Gebirge auf kleinem Raum verschiedene Vegetationszonen, die Höhenstufen genannt werden. Teilweise sind die Grenzen dieser Höhenstufen deutlich zu erkennen, zum Beispiel die Baum- oder die Schneegrenze.

Bauernhof in den Schweizer Alpen
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In den Alpen und anderen Hochgebirgen der gemäßigten Breiten beginnen die Höhenstufen mit der sogenannten Hügellandstufe, in der noch Landwirtschaft betrieben wird. In Richtung Gipfel folgt die Bergstufe mit Misch- und Nadelwäldern. Oberhalb der Baumgrenze gedeihen nur noch verschiedene Zwergsträucher und Wiesen, die im Sommer oft als Viehweide für die Almwirtschaft genutzt werden. Über der Schneegrenze fehlt die Vegetation völlig, weil Kälte, Schnee und Eis das Pflanzenwachstum verhindern.

Über der Baumgrenze weiden im Sommer die Kühe
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Auch in anderen Klimazonen besitzen Gebirge solche Höhenstufen. Dort gedeihen jedoch andere Pflanzengemeinschaften und die Höhenstufen sind verschoben: So liegt die Schneegrenze in den Tropen viel höher als etwa in den Alpen.

Je höher, desto weniger Bäume
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