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Sendungsinhalt: Sebastian wird Salafist

Als er mit 16 Jahren zum Islam konvertierte, war Sebastian ein normaler Gymnasiast. Sein Vater Reiner, ein katholischer Theologe und seine Mutter Renate, eine engagierte katholische Sozialarbeiterin, trennten sich zu dieser Zeit gerade voneinander. Der Teenager, der bis dahin Rap hörte und Basketball spielte, verändert sich schnell: Plötzlich mochte er keine Musik mehr, "die ihn nicht zum Beten verleitet", verzichtete auf Sport mit den alten Freunden und grenzte sich von seinem bisherigen Leben ab. Im Sommer will er nicht mehr ins Freibad gehen, nicht einmal mehr in die Stadt, denn überall sah er dort leicht bekleidete Frauen und aufreizende Werbung. Für ihn war es inzwischen eine Sünde "wenn der Blick zweimal auf dieselbe Stelle fällt", sagt er. Jetzt änderte sich sein Leben immer schneller. Sebastian beginnt, die Welt in halal und haram einzuteilen– in erlaubt und verboten.

Der junge Mann nennt sich jetzt Hamza– nach dem muslimischen Heerführer, der im Jahr 625 im Kampf gegen die Ungläubigen als Märtyrer starb. Er lässt sich beschneiden, obwohl er große Angst vor dem Eingriff hat. Nun besucht er Moscheen, in denen auch radikale Imame sprechen. Hamza verliert seine letzten deutschen Freunde und überwirft sich mit seiner Mutter, bei der er noch wohnt. Sie sagt, sie habe "Panik", dass er in die gewaltbereite Szene abrutschen könnte. Sein Vater ist dagegen froh, dass es endlich wieder eine Ebene gibt, auf der er Zugang zu seinem Sohn finden kann: der Glaube.

Hamzas Vater schenkt ihm einen Gebetsteppich und unterhält sich mit ihm über Allah. Zu dieser Zeit spricht Hamza mit seinen Glaubensbrüdern bei einem Treffen im Keller der Moschee schon über den Dschihad. Hamza bewegt sich mittlerweile im Umfeld von Sven Lau, einem der bekanntesten deutschen Salafisten. Der junge Konvertit sagt nun offen in die Kamera, dass die Scharia "das beste Gesetz für den Menschen" sei. Er will unbedingt bei der Koran-Verteilungskampagne "Lies!" mitmachen, die in den Fußgängerzonen aktiv Passanten anspricht. Im Internet spielt er jetzt arabische Ballerspiele, zusammen mit Jugendlichen in Syrien. Am liebsten würde er gerne in einem islamischen Land leben. An Afghanistan oder Syrien würde ihn reizen, dass er sofort eine gute muslimische Frau finden würde. In dieser Situation versuchen ihn IS-Leute für den Kampf gegen die Ungläubigen zu gewinnen.

Sven Lau, der für Hamza ein Vorbild war, gerät als mutmaßlicher Anführer der selbsternannten "Scharia Polizei" Ende 2015 in Wuppertal in Haft. Der Generalbundesanwalt wirft Lau zudem vor, die islamistische Terrorgruppe Jamwa unterstützt zu haben. Hamza sieht die Festnahme im Fernsehen. Ende 2016 verbietet das Bundesinnenministerium die "Lies!"-Gruppe. Jetzt sagt Hamza, dass er froh ist, dort nicht im innersten Zirkel dabei gewesen zu sein. Die "Lies!"-Leute seien wie eine Sekte, meint er inzwischen nachdenklich.

Das Arabisch-Lernen fällt ihm zunehmend schwerer. Auch das frühe Aufstehen für das Morgen-Gebet schafft Hamza nicht mehr. Eigentlich wollte Hamza ein Studium der Scharia machen. Aber das Institut wird von deutschen Sicherheitsdiensten überwacht. Hamza will keinen Ärger. Außerdem will er nicht nach Feierabend noch in den Scharia-Kurs. Er macht eine Ausbildung zum Erzieher. Seine Mutter hatte ihn dazu gebracht.

In der Kindertagesstätte kommt er bei der Arbeit wieder in Kontakt mit Nicht-Muslimen. In der Moschee nerven ihn strenge, junge Glaubensbrüder, die ihn maßregeln, wenn er beim Gebet nicht exakt die vorgeschriebene Haltung einnimmt. Es beginnt ihn auch zu stören, dass die Salafisten so sehr auf die nicht-gläubigen Deutschen herabblicken. Gleichzeitig nähern sich seine Eltern wieder an. Hamza feiert mit ihnen Weihnachten 2016 unter dem Tannenbaum.

Trotzdem trifft er sich immer noch mit radikalen und militanten Muslimen in der Stadt. Dann passiert etwas Unerwartetes: Ein muslimischer Glaubensbruder trifft sich mit Hamza im Ramadan 2017 in einem Park. Es ist Nacht. Der Freund versucht, Hamza davon zu überzeugen, dass der Dschihad richtig ist und dass Muslime gegen die Ungläubigen kämpfen müssen.

Der Film von Ghafoor Zamani ist das Psychogramm eines Menschen, der als neuer Muslim erst fanatisch wird, dann aber ins Grübeln über sein neues Weltbild gerät. Zurückhaltend und beobachtend erzählt er von der großen Anziehungskraft einer strengen Religion, von der Verwandlung eines netten Nachbarjungen in einen Anhänger der Scharia und vom quälenden Zweifel, auf dem richtigen Weg zu sein.

Link-Tipp auf SWR.de

  • Externer LinkSWR1 BW: Themenpaket Salafismus: Ideologie statt Religion

    Salafisten und ihre radikalen Lehren gelten bei Experten als große Bedrohung in Deutschland. Doch wie rutschen junge Menschen in diese Szene ab? Welche Ziele verfolgen Salafisten? Wir haben Fakten, Experten-Infos und Geschichten auf dieser Seite gesammelt, passend zum zweiteiligen SWR-Film "Brüder".

Sebastian wird Salafist

Kapitelübersicht:

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Warum schließen sich junge Menschen islamistischen Gruppen an?

00:00 – 01:29

Der Autor und Regisseur Ghafoor Zamani will herausfinden, warum manche junge Deutsche sich nicht nur für den Islam interessieren sondern radikal werden. Mehrere Jahre lang begleitet er Sebastian, der mit 16 zum Islam konvertiert ist.

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Sebastian richtet sein Leben nach dem Islam aus

01:29 – 03:25

Sebastian will sein Leben dem islamischen Glauben unterordnen, und Vieles ist nun für ihn verboten. Er gibt seine Freunde und seine Lieblingsmusik auf, stattdessen setzt er sich mit der Scharia auseinander. Er findet es schwer, das strenge islamische Gesetz mit dem Leben in Deutschland zu vereinbaren.

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Kontakt mit salafistischen Kreisen

03:25 – 06:53

Sebastian geht zu einer Demonstration des salafistischen Vereins „Die Wahre Religion“ mit ihrem Prediger Sven Lau, der unter dem Verdacht steht, Kontakt zu islamistischen Terroristen zu haben.

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Die Bedeutung von Religion in Sebastians Familie

06:53 – 10:28

In Sebastians Familie spielt Religion eine wichtige Rolle. Seine Mutter war über sein Übertreten zum Islam sehr erschrocken. Seine Schwester hat sich von Sebastian nicht überzeugen lassen, sie ist stattdessen vom katholischen zum evangelischen Glauben übergetreten. In der Stadt ist nach der Scharia fast alles verboten. Für Sebastian gibt es dort viel zu viele Versuchungen – wie zum Beispiel freizügig gekleidete Frauen.

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Aus Sebastian wird Hamza

10:28 – 13:07

Sebastians Vater ist katholischer Theologe. Trotzdem steht er zu seinem Sohn. Sebastian bekommt einen neuen Namen: Hamza, nach einem Onkel Mohammeds, einem Kriegsherrn der Muslime. Hamza lernt Arabisch, um den Koran auf Arabisch lesen zu können.

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Wie kann Hamza eine Frau kennenlernen?

13:07 – 16:01

Als Christin kann Hamzas Mutter keine Frau für ihn aussuchen. Er erfährt, dass eine muslimische Familie 7-8 Kinder haben sollte. Um ein wahrer Muslim zu sein, lässt er sich beschneiden – auch eine Voraussetzung, wenn er eine muslimische Frau heiraten möchte.

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Dschihad und Märtyrertod

16:01 – 21:06

Hamza geht zu einem Treffen, bei dem auch über den Dschihad, den Krieg gegen Ungläubige, gesprochen wird. Inzwischen ist Hamza bereit sich in den innersten Kreis der Salafisten aufnehmen zu lassen. Wenig später wird er zu einem Zeltlager eingeladen, bei dem der Prediger Sven Lau von der Bedeutung des Märtyrertods spricht und zur Befreiung der gefangenen Brüder in Syrien auf ruft.

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Erste Zweifel

21:06 – 24:42

Auch Hamza soll nun für den Kampf in Syrien rekrutiert werden. Doch als Sven Lau verhaftet wird, kommen Hamza Bedenken. Er fragt sich, ob er selbst auch überwacht wird und sucht Schutz bei seinem Vater. Er bekommt Zweifel an der Überzeugung seiner muslimischen Brüder.

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Die Bedenken werden stärker

24:42 – 27:09

Das Selbstmordattentat in Brüssel 2016 mit 32 Toten verstärkt Hamzas Zweifel. Er erfährt, dass der Verein „Die Wahre Religion“ zerschlagen werden soll, weil er unter dem Verdacht steht, Terroristen anzuwerben. Auch die Flüchtlingskrise gibt Hamza du denken. Er kann sich nicht mehr mit seinen ehemaligen Brüdern identifizieren

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Rückkehr zum früheren Leben

27:09 – Ende

Sebastian ist zu seinem früheren Leben zurückgekehrt und spricht viel mit seinen Eltern. Er blickt zurück und erkennt, dass er fast in den Krieg gezogen wäre, weil er sich hätte überreden lassen ohne selbst genug Bescheid zu wissen.