zum Inhalt.
zur Hauptnavigation.

Inhalt

Hintergrund: Der steinzeitliche Mensch im Laufe der Jahreszeiten

Frühling

In einem Jahr der Jungsteinzeit waren der späte Winter und der Frühling die härtesten Zeiten. Es wurde zwar langsam wieder etwas wärmer, aber die Vorräte gingen zur Neige. Und bis zur nächsten Ernte war noch viel zu tun. Im Frühling machten die Felder Arbeit, Ertrag erbrachten sie noch keinen. Sommergemüse wie Erbsen, Mohn, Lein und Rübsen wurden nun ausgesät, doch zuvor musste der Acker vorbereitet und gepflügt werden. Das im Herbst angepflanzte Wintergetreidefeld wurde von Unkraut befreit. Wenn die Tiere noch nicht genügend frisches Futter im Wald fanden, musste weiterhin zugefüttert werden. Außerdem kamen die ersten Jungtiere zur Welt. Sobald diese nicht mehr bei den Müttern tranken, konnten die Menschen deren Milch für sich nutzen. Außerdem konnten im Wald Eier von Vögeln oder Bärlauch und wilder Schnittlauch gesammelt werden.

  • Till und Ronja tragen einen Korb mit frisch geerntetem Getreide ins Dorf. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Till und Ronja tragen einen Korb mit frisch geerntetem Getreide ins Dorf.

Sommer

Die Bäume standen im Saft. Das bedeutet, dass die Baumrinde besonders gut abgeschält werden konnte. Das Entfernen der Rinde war der erste Arbeitsschritt der jungsteinzeitlichen Linden- und Eichenbast-Produktion. Anschließend wurde die Rinde in fließendem Wasser zum Rotten gelagert. Die Felder erforderten nun besonderen Schutz. Denn ihre Erträge sicherten das Überleben der Sippe im Winter. Wildschweine und Rotwild waren auf Nahrungssuche und oft ungeliebter Besuch auf manch jungsteinzeitlichem Feld. Ab Ende Juli begann die Erntezeit. Das Vieh wurde in den Wald oder auf brachliegende Felder geführt und musste dort beaufsichtigt werden. Erste Wintervorräte für die Tiere waren schon angelegt: Laubzweige wurden im Wald zum Trocknen über Holzgestelle gelegt. Im Winter wurde das getrocknete Laub dann an die Tiere verfüttert aber auch für die Menschen war Laub teilweise Nahrung. Händler waren ebenfalls vor allem während der Sommermonate unterwegs, da die hochalpinen Pässe nur während dieser Zeit schneefrei und somit passierbar waren. Nach und nach wurden auch die Früchte des Waldes reif.

  • Hände mit Getreidekorn. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Von der Ernte hing das Überleben der Sitte ab - jedes Korn war wertvoll.

Herbst

Nach den Erntemonaten waren die Felder für die nächste Aussaat vorbereitet. Dazu führten unsere Vorfahren Schweine als lebenden Pflug auf die Ackerflächen. Weitere Flächen wurden durch Brandrodung neu erschlossen. Als Winterfrucht konnte das Getreide bereits im Herbst ausgesät werden. Die Haustiere blieben nahe am Haus, und wurden vielleicht sogar – als Wärmequelle - mit ins Haus genommen. Zur Versorgung mit Fleisch schlachtete man einzelne Haustiere und jagte Wildschweine, Hirsche, Rotwild und mehr. Die Früchte des Waldes wurden gesammelt und eingelagert, Wildäpfel gedörrt. Auch Hagebutten, Schlehen und Pilze hingen oder lagen zum Trocknen aus. Es galt, Eicheln, Bucheckern und Haselnüsse vor den Wildschweinen und Eichhörnchen zu retten und einzulagern.

  • Flackerndes Feuer (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Die Feuerstelle war das Zentrum des Sippenlebens.

Winter

Während der kalten Jahreszeit wurden immer wieder die Vorräte knapp. Jetzt standen all die Arbeiten an, die während der Erntemonate zu kurz kamen: Reparaturen von Werkzeugen, Herstellung neuer Gegenstände, Verarbeitung von Flachs. Bäume wurden gefällt, das Holz wurde zu Ausbesserungsarbeiten gebraucht. Die Haustiere mussten durch den Winter gebracht werden. Zum Teil suchten sie sich ihre Nahrung selbst im Wald, zum Teil fütterte sie der Mensch. Die Jagd ergänzte weiter die Ernährung aus den Vorräten. Im November/Dezember wurden in den Siedlungen am Bodensee Felchen gefischt. Im Fall von Hungersnöten in Folge von Missernten, Bränden von Wohn- und Vorratshäusern, Überschwemmungen, Schädlingsbefall der Vorräte oder eines langen strengen Winters fanden in dieser Jahreszeit wahrscheinlich Überfälle auf benachbarte Gemeinschaften statt, um das eigene Überleben zu sichern.