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Unterrichtsmaterialien für das Kapitel "Kriegskinder"

Kriegskinder

In dem Angebot "Kriegskinder" in der App "WDR AR 1933-1945" schildern drei Frauen ihre Erlebnisse während ihrer Kindheit im Zweiten Weltkrieg: Anne aus Köln, Vera aus London und Emma aus Leningrad. Für die Schülerinnen und Schüler wird durch diese Multiperspektivität deutlich, wie Kinder und die Menschen um sie herum überall unter den Folgen des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs gelitten haben. Alle sind betroffen von den Auswirkungen der Gewalt, der Bombenzerstörungen und der Angst um ihr Leben. Dies kann Jugendlichen helfen, auch aktuelle politische Kriege und Krisen sowie das Thema Flucht besser einzuordnen und für sich bewerten zu können.

Einstieg und Erarbeitung 1: Die Erzählungen der Zeitzeuginnen

Für die Arbeit mit der App bietet es sich an, die Schülerinnen und Schüler in drei Gruppen aufzuteilen. Jede Gruppe befasst sich zunächst zum Einstieg intensiver mit der Erzählung einer der drei Zeitzeuginnen. Die Schülerinnen und Schüler erhalten einen Steckbrief mit Leitfragen, zu denen sie Notizen machen sollen. Dafür sollten sie die Möglichkeit haben, die Erzählung zu "ihrer" Protagonistin bei Bedarf auch mehrmals anzuschauen. Ergänzend ziehen die Schülerinnen und Schüler die Kurzbiografie ihrer Protagonistin heran, die sie ebenfalls in der App finden.

Sozialform: Gruppenarbeit

Tipps für den GU/für die Differenzierung: Die Steckbriefe liegen in einer vereinfachten Variante (B) vor, in der Satzanfänge nur noch ergänzt werden müssen. Ist eine noch stärkere Vereinfachung angebracht, kann den Schülerinnen und Schülern Materialblatt 1 mit Zitaten der Protagonistin ausgegeben werden. Diese notieren die Jugendlichen auf Steckbrief C. Weitere Vereinfachung: Auf der C-Variante des Arbeitsblattes müssen die Schülerinnen und Schüler keine Informationen aus den Kurzbiografien mehr eintragen; diese sind hier bereits vorgegeben.

Erarbeitung 2: Historischer Hintergrund

Im Anschluss erarbeitet sich jede Gruppe den historischen Hintergrund zu der biografischen Erzählung, mit der sie sich befasst hat. Die Schülerinnen und Schüler nutzen dafür historische Fotos zu der Stadt "ihrer" Protagonistin auf den Materialblättern sowie den passenden Hintergrundtext aus der App. Die Hintergrundtexte sind auf den Arbeitsblättern noch einmal abgedruckt, um den Schülerinnen und Schülern das Markieren zu ermöglichen. Außerdem finden die Jugendlichen auf den Arbeitsblättern Bildtexte zu den historischen Fotos, die das Verständnis erleichtern. In einem ersten Arbeitsschritt müssen die Schülerinnen und Schüler die Bildtexte allerdings zunächst zuordnen. Damit wird erreicht, dass sie die Bilder genauer betrachten und sich mit den visuell transportieren Inhalten auseinandersetzen.

Aus dem Materialpaket aus Hintergrundtext, Bildern und Bildtexten gestalten die Gruppen je eine kurze Präsentation und halten diese im Plenum. Dadurch erhält die gesamte Klasse einen Überblick über alle drei Ereignisse. Im Anschluss sehen die Schülerinnen und Schüler in der App die beiden Erzählungen der Protagonistinnen an, die sie noch nicht kennen. Je nachdem, wie intensiv die Arbeit mit der App ausfallen soll, können auch dazu noch einmal Steckbriefe ausgefüllt werden.

Sozialform: Gruppenarbeit

Tipps für den GU/für die Differenzierung: In einer vereinfachten Variante (B) ist der historische Hintergrundtext gekürzt. Außerdem verwendet er nicht das historische Präsens, sondern ist im Imperfekt verfasst. Der Text ist in seiner Struktur optisch stark gegliedert, so dass die Zuordnung der Inhalte zu den Bildern für die Präsentation leichter fällt. Die Bildtexte sind ebenfalls vereinfacht, das Materialblatt enthält nur fünf statt sechs Bilder.

Soll nur eine moderate Vereinfachung von Arbeitsblatt 2A erzielt werden, kann den Schülern Kontrollblatt 2A mit ausgegeben werden, auf dem die Bildtexte bereits zugeordnet sind. Dann müssen die Schülerinnen und Schüler nur noch die Informationen aus dem Hintergrundtext für die Präsentation auswerten.

Reflexion und Transfer: Krieg und die Folge für die Bevölkerung

Im Klassengespräch überlegen die Schülerinnen und Schüler, was alle drei Erzählungen gemeinsam haben. Sie erkennen, dass Krieg immer auch für die Zivilbevölkerung enorme Auswirkungen hat.

Die Klasse stellt im Anschluss einen Bezug her zu aktuellen politischen Kriegs- und Krisensituationen, die Menschen dazu bringen, ihre Heimat zu verlassen. Die Schülerinnen und Schüler beziehen dazu Position und begründen ihre Meinung mit dem Wissen aus der Arbeit mit der App.

Vertiefung 1: Propaganda

Vertiefend kann sich die Klasse im Anschluss mit NS-Propaganda befassen, die einen Bezug zu den drei beschriebenen Ereignissen hat. In Gruppen arbeiten die Schülerinnen und Schüler dabei mit zwei Quellentexten und einem propagandistischen Bild. Folgende Quellen werden angeboten:

  • Aufruf des Gauleiters an die Kölner Bevölkerung nach dem Bombenangriff auf die Stadt, veröffentlicht in der Tageszeitung "Westdeutscher Beobachter" vom 3. Juni 1942,
  • Auszug aus der Jugendbroschüre "Bomben auf Engeland" aus der Reihe "Kleine Kriegshefte, veröffentlicht vom Zentralverlag der NSDAP um 1941,
  • Titelbild der NS-Propagandaschrift "Der Untermensch" über die Bevölkerung in der Sowjetunion, Hrsg. Reichführer SS, Nordland-Verlag Berlin, 1942.

Die Arbeitsaufträge für die beiden Gruppen, die sich mit Texten befassen, sind analog angelegt: Die Schülerinnen und Schüler versuchen zunächst, den Text auf ihrem Materialblatt inhaltlich zu verstehen. Dafür besprechen sie mit einem Arbeitspartner oder einer Arbeitspartnerin aus ihrer Gruppe unbekannte Begriffe. Kurze Erklärungen auf den Materialblättern helfen dabei. Dann setzen sie sich mit der propagandistischen Sprache auseinander und markieren entsprechende Stellen im Text. Die Arbeitsaufträge hierfür sind kleinschrittig gegliedert und mit Beispielen versehen. Dadurch wird den Jugendlichen die Arbeit mit der für sie ungewohnten Sprache erleichtert.

Mithilfe dieser Ergebnisse überlegen sie, wie man erkennt, dass es sich bei dem Text um Propaganda handelt. Ihre Position belegen sie mit Beispielen. Abschließend versetzen sie sich in die damaligen Rezipientinnen und Rezipienten der Texte und machen dazu zu zweit ein Rollenspiel. Sie vertreten dabei möglichst unterschiedliche Positionen und reflektieren anschließend, welche Position sich leichter auf den Text stützen ließ. Dadurch erfassen sie noch leichter, wie einseitig die Propaganda-Texte ausgelegt waren.

Die Schülerinnen und Schüler der dritten Gruppe befassen sich mit dem Titelbild der NS-Propagandabroschüre "Der Untermensch". Die Hetzschrift sollte den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion rassenideologisch rechtfertigen. Die Schülerinnen und Schüler notieren zunächst zu dritt oder zu viert ihre Eindrücke zu dem Bild in Form einer Zettellawine. Die Methode wird auf Arbeitsblatt 3 "NS-Propaganda Leningrad" erläutert. Anschließend beschreiben die Jugendlichen das Bild detailliert. Kleinschrittige Arbeitsanweisungen unterstützen sie dabei. Danach überlegen sie, wie man an dem Bild erkennt, dass es sich um Propaganda handelt und was die NS-Ideologen mit einer solchen Darstellung bezwecken wollten.

Tipps für den GU/zur Differenzierung: Die Aufgabe zu Leningrad erfordert weniger Textverständnis. Leseschwächere Schülerinnen und Schülern können sie leichter erarbeiten. Dies sollte bei der Gruppeneinteilung entsprechend berücksichtigt werden.

Transfer:

Sind alle Gruppen mit ihrer Analyse und den Rollenspielen fertig, werden die Ergebnisse im Plenum besprochen. Soll die Vielfalt der propagandistischen Formen im Nationalsozialismus noch weiter dargelegt werden, kann die Lehrkraft der Klasse ergänzend das Propaganda-Lied "Bomben auf Engeland" vorspielen (verfügbar u.a. auf verschiedenen YouTube-Kanälen). Anschließend überlegen die Schülerinnen und Schüler gemeinsam, wo sie selbst in ihrem Alltag mit der Beeinflussung durch Texte oder Bilder konfrontiert werden, beispielsweise in Form von Fake News oder Hate Speech im Internet. Sie überlegen, welche Ähnlichkeiten und Unterschiede es zu den analysierten Propaganda-Texten und dem Propaganda-Bild gibt.

Vertiefung 2: Medienreflexion

Es bietet sich an, die Unterrichtseinheit mit einer Medienreflexion abzuschließen. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich dabei mit dem Erleben von Geschichte durch die App auseinander. Dafür schildern sie zunächst ihren Gesamteindruck und vergleichen diesen mit dem Eindruck, den ein Film hinterlassen hätte. Danach geht es um die Animationen, die die Erzählungen der Zeitzeuginnen unterstützen. Abschließend überlegen sie, ob sie es für sinnvoll halten, die Erinnerungen von Zeitzeugen in dieser medialen Form zu bewahren. Ergänzend kann auch das Making-of zur App im Unterricht gezeigt werden.

Alle Unterrichtsvorschläge auf einen Blick

Phase Inhalt Sozialform Material
Einstieg und Erarbeitung 1 Erzählungen der Zeitzeuginnen Gruppenarbeit Smartphones / Tablets mit App und Kopfhörern Arbeitsblatt 1A, 1B, 1C Kontrollblatt 1AB, 1C Materialblatt 1
Erarbeitung 2 Historischer Hintergrund Gruppenarbeit / Präsentationen Arbeitsblatt 2A, 2B Materialblatt 2A, 2B Kontrollblatt 2A, 2B Smartphones / Tablets mit App und Kopfhörern
Reflexion und Transfer Krieg und Bevölkerung Plenum
Vertiefung 1 NS-Propaganda Partner- und Gruppenarbeit Arbeitsblatt 3, Materialblatt 3
Transfer Beeinflussung durch Bild und Text heute Plenum
Vertiefung 2 Medienreflexion Gruppenarbeit Arbeitsblatt 4, PC mit Internetzugang, Beamer, Lautsprecher