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Hintergrund: Muslime in Deutschland

Zweitgrößte Glaubensgemeinschaft Deutschlands

  • Schwarzweiß-Foto: Eine türkische Gastarbeiterfamilie in ihrer Wohnung in Köln. Türkische Gastarbeiter in den 70er Jahren; Rechte: WDR/Fischer
  • Blick auf eine Moschee mit Minarett. Neubau: Die Fatih Moschee in Essen-Katernberg; Rechte: dpa

1924 lebten in Deutschland rund 3000 Muslime, und bis in die 1960er Jahre spielte der Islam in der religiösen Landschaft Deutschlands eine untergeordnete Rolle. Mit den sogenannten Gastarbeitern aus islamisch geprägten Ländern, vor allem der Türkei, wuchs auch die Zahl der in Deutschland lebenden Muslime.

Heute gibt es in Deutschland geschätzte 4 bis 4,5 Millionen Muslime. Sie machen etwa 5 bis 5,5 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Die größte Gruppe stellen die türkischen Muslime, gefolgt von Muslimen aus ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken (vor allem aus Bosnien), aus arabischen Staaten und aus Staaten Süd- und Südostasiens.

Vielfältiger Islam

Obwohl von Nichtmuslimen oft als einheitliche Religion wahrgenommen, gibt es im Islam eine Vielzahl verschiedener Ausrichtungen und Strömungen. Die weitaus größte muslimische Gruppe bilden in Deutschland die – meist türkischstämmigen – Sunniten, gefolgt von Aleviten, meist ethnische Kurden, und Schiiten. Verlässliche Zahlen können hier nicht genannt werden, da eine statistische Erfassung nicht stattfindet. Abgesehen von ihrer Zugehörigkeit zu verschiedenen innerislamischen Strömungen haben die hier lebenden Muslime schon aufgrund ihrer Erziehung, Bildung und Herkunft sehr unterschiedliche religiöse und gesellschaftliche Anschauungen.

Muslimische Organisationen und Verbände in Deutschland

  • Fünf muslimische Frauen mit Kopftuch nebeneinander in einer Einkaufszone. Konfliktstoff in Deutschland: Das islamische Kopftuch; Rechte: dpa

Mittlerweile gibt es in Deutschland eine Vielzahl muslimischer Organisationen und Interessensvertretungen, die Moscheen betreiben und sich für die religiösen Belange ihrer Mitglieder einsetzen. Größter Betreiber von Moscheen ist in Deutschland die Diyanet İşleri Türk İslam Birliği (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V., kurz DİTİB), eine Unterorganisation des türkischen Religionsministeriums. Die Imame (Vorbeter) der DİTİB werden in der Türkei ausgebildet und vom Religionsministerium nach Deutschland entsandt. Nach eigenen Angaben vertritt DİTİB mehr als 900 Ortsgemeinden und über 70 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime. Allerdings gibt es neben der DİTİB noch eine Vielzahl weiterer Vereine und Verbände, die jeweils eigene religiöse Strömungen oder nationale Besonderheiten vertreten, etwa die "Alevitische Gemeinde Deutschland e.V.", der "Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland" (IR), der "Verband der Islamischen Kulturzentren e. V." (VIKZ) und der "Zentralrat der Muslime in Deutschland" (ZMD).

Insgesamt gesehen kann keine der bestehenden muslimischen Organisationen für sich in Anspruch nehmen, den gesamten Islam oder die Mehrheit der Muslime in Deutschland zu vertreten. Letzteres ist auch der Grund dafür, dass der Islam in Deutschland keine Körperschaft des öffentlichen Rechts ist wie die beiden großen christlichen Kirchen oder der Zentralrat der Juden in Deutschland. Ferner erlaubt die derzeitige Organisationsstruktur nicht, dass flächendeckend islamischer Religionsunterricht an öffentlichen Schulen im Sinne des Grundgesetzes erteilt wird.

Dialog mit dem Islam und Deutsche Islam Konferenz

  • Teilnehmer der 1. Deutschen Islam Konferenz sitzen in der Orangerie des Schlosses Charlottenburg in Berlin am Konferenztisch. Die erste "Deutsche Islam Konferenz" 2006.; Rechte: dpa

Die Ereignisse des 11. September 2001 haben dazu geführt, dass die Integration der in Deutschland lebenden Muslime in den vergangenen Jahren intensiv diskutiert wird. Dabei spielen sozio-kulturelle Aspekte ebenso eine Rolle wie Sicherheits- oder Bildungsfragen. Auch in die Zuwanderungspolitik kam in der Folge des 11. September Bewegung. Auf staatlicher Seite hat sich im Rahmen dieser Debatte die Erkenntnis durchgesetzt, dass für den Dialog mit dem Islam und die Integration der Muslime staatlicherseits zu wenig getan wurde und wird.

Deshalb initiierte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble im Herbst 2005 die sogenannte Deutsche Islamkonferenz (DIK), die sich im September 2006 erstmals traf. Auf der DIK waren neben staatlichen und gesellschaftlichen Vertretern sowie muslimischen Persönlichkeiten auch Delegierte der fünf größten islamischen Verbände in Deutschland geladen. Die Konferenz soll in den kommenden Jahren Maßnahmen erarbeiten, die das Verhältnis von Staat und Islam klären sowie die Integration von Muslimen verbessern sollen.

Ein erstes konkretes Ergebnis der DIK ist die Gründung des sogenannten Koordinierungsrats der Muslime in Deutschland (KRM). Der Koordinierungsrat will Ansprechpartner in politischen und gesellschaftlichen Fragen sein. Er setzt sich aus Vertretern der Verbände ZMD, DİTİB, IR und VIKZ zusammen. Damit vertritt er jedoch nicht die Aleviten und Ahmadiyya in Deutschland. Insgesamt kann der KRM mit den Mitgliedern der vier Verbände nur etwa 280.000 Muslime in Deutschland vertreten. Es ist daher umstritten, ob der KRM als repräsentative Vertretung anerkannt werden kann.