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Praxisbericht: Hip-Hop in der Bronx

  • Graffiti-bedeckte Wand. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Graffiti wurde vom Aufschrei gegen die Tristesse zur vermarkteten Kunst
  • Ein junger Farbiger in einem Tonstudio. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Musiker im Tonstudio
  • Inmitten einer Menschenmenge tritt ein Breakdancer auf. Quelle: (SWR – Screenshot aus der Sendung) Hip-Hop sorgt für Bewegung: Breakdance

„Hip-Hop in der Bronx“ war bei Realschülern in Linkenheim und Gaggenau vier Stunden lang das Unterrichtsthema in Musik. Die beiden Fachlehrer Andreas Haller und Frank Herm haben ihre Erfahrungen mit dem Einsatz der Sendung „Hip-Hop in der Bronx“ im Praxisbericht festgehalten und geben Tipps für den Einsatz im Unterricht.

Vorüberlegungen

Hip-Hop ist sicherlich aus Sicht von Schülern eines der beliebtesten und interessantesten Unterrichtsthemen – aber auch kein anderes Thema polarisiert und spaltet die Schülerschaft so enorm! Ein Auszug daraus: „Eminem rapt besser als P.Diddy!“, „Fanta Vier sind kreativer als Fettes Brot!“ und so weiter. Für die Lehrkraft und die Unterrichtsgestaltung ist ein starker Lebensweltbezug und die damit verbundene Motivation vorteilhaft. Bei der Unterrichtsplanung sind aber aus unserer Sicht, beziehungsweise Erfahrung, die zum Teil sehr guten Vorkenntnisse einzelner Schüler und der in der Literatur sehr unterschiedlich definierte Begriff Hip-Hop zu bedenken. Wir haben uns im Vorfeld dafür entschieden, dass wir die Inhalte der Sendung und die darin enthaltene Beschreibung des Begriffes Hip-Hop mit den Jugendlichen diskutieren und auch andere Definitionen zulassen werden.

Einsatz im Unterricht

Der nachfolgende Navigator gibt einen kurzen Überblick über die Themenfelder, die bei einem Einsatz im Unterricht angesprochen werden:
- Musikgeschichte
- Musik hören
- Musik machen
- Musik umsetzen
- Musiktheorie
- Fächerverbindung
- ca. 4 Stunden Umfang
- Klassenstufe 8-10



In der Planung der Unterrichtssequenz haben wir uns exemplarisch am Bildungsplan 2004 für Baden-Württemberg für das Fach Musik orientiert. In den nachfolgenden Bereichen sind folgende Vorgaben zum möglichen Kompetenzerwerb aufgeführt:

Musik machen

„Singen, Musizieren, Arrangieren, Improvisieren und Komponieren sind die zentralen Bereiche einer aktiven Musikausübung. (...) Moderne technische Medien unterstützen den Lernprozess und das musikalische Gestalten.“

Musik hören

„Schülerinnen und Schüler begegnen Musik vergangener Epochen, Kulturen und Stilrichtungen über Medien, Schule, ..., Konzerte. (...) Durch eine abwechslungsreiche, handlungsorientierte Auseinandersetzung mit ... Werken aus verschiedenen Epochen, Gattungen und Stilarten sind die Schülerinnen und Schüler in der Lage, sich im vielfältigen Kulturangebot sinnvoll zu orientieren.“

Sich über Musik verständigen – Grundwissen

„Die Schülerinnen und Schüler erleben Musik im praktischen Handeln, sie hören Musik aufmerksam und differenziert, sie erfassen ihre charakteristischen Merkmale, sie erleben ihre spezifische Wirkung und kennen ihre historischen Voraussetzungen. (...) Musikalisches Grundwissen erwerben die Schülerinnen und Schüler in enger Verbindung mit praktischem Tun.“

Ziel der Unterrichtssequenz

Die Schülerinnen und Schüler erhalten einen Überblick über die Entstehung der Jugendkultur Hip-Hop und deren verschiedener Säulen.

Umsetzungsmöglichkeiten:

Wir berichten nachfolgend von unserer Unterrichtserfahrung mit dem Einsatz der Sendung sowie ergänzend mit einer exemplarischen musikpraktischen Vertiefung.

Hip-Hop in der Bronx: Die erste Doppelstunde

Als Einstieg in die erste Doppelstunde haben wir uns für das Hören unterschiedlicher Hip-Hop-Musikstücke entschieden. Wir haben Ausschnitte verschiedener Interpreten und verschiedener Richtungen (Old School, New School, West Coast,...) zusammengestellt, um einen möglichst großen Überblick über die Hip-Hop-Musik zu vermitteln: Rappers Delight (Sugarhill Gang), Walk this way (Run DMC), Gangsta’s Paradise (Coolio), Die da! (Die Fantastischen Vier), Verdient (Grooveminister), 8 Mile (Eminem), I need a beat (LL Cool J) oder auch Stücke von Nelly, Snoop Dog, Dr. Dré, Ice Cube, Cypress Hill, Sido, Aggro Berlin, Fettes Brot und anderen.

Die unterschiedlichen Hörbeispiele lösten bei den Schülern allerlei Assoziationen aus, die wir in einem Cluster an der Tafel fixierten. Das genannte Vorwissen wurde dann in einer Mind-Map strukturiert und in Beziehung gesetzt. Hierbei haben wir Lehrkräfte unsere klassische Rolle als Wissensvermittler verlassen und bewusst Schüler mit großem Vorwissen als Experten eingesetzt.

Nun haben wir zur Erarbeitung die Sendung eingesetzt, um für alle Schüler eine gemeinsame Basis zu schaffen, strittige und unklare Fakten zu klären und Wissen zu erweitern. Begleitend zur Sendung hat die Klasse das Arbeitsblatt „Säulen des Hip-Hop“ erhalten, das während des Ansehens der Sendung auszufüllen war. In der Sicherungsphase wurden dann die Ergebnisse auf die vorbereitete Folie notiert und im Klassengespräch vorgetragen.

Als Vertiefung sollte schließlich ein Schüler-Hip-Hop-Lexikon angefertigt werden (in Anlehnung an die Begriffe aus der Sendung). Hierfür konzipierten wir ein Arbeitsblatt, das in der Art eines Lexikons aufgebaut ist und dessen Begriffe mit Erklärungen gefüllt werden sollten. (Arbeitsblatt 2) Die Informationsbeschaffung konnte dabei auf vier Wegen erfolgen: eigenes Wissen, über Mitschüler, aus Lexika und Musikbüchern oder über eine Internetrecherche.

Hip-Hop in der Bronx: Die zweite Doppelstunde

  • Junger Mann mit Sprühdose vor einem Graffito auf dem Be-Ba-Butzeman zu lesen ist. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Brian hat sein Graffito auf Leinwand gesprüht, um andere Graffiti nicht zu zerstören
  • Auf einem Mischpult mit Schallplatte sind zwei Hände zu sehen. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Beim Scratchen bewegt der DJ eine Schallplatte mit aufgelegter Nadel hin und her

Zur weiteren Vertiefung haben wir uns für eine musikpraktische Begegnung mit dem Unterrichtsgegenstand in Anlehnung an das „Butzemann-Projekt“ (siehe Sendung) entschieden. „Stilecht“ und animierend wirkte dabei die Verwendung von Mikrofonen sowie die entsprechende Kleidung im Hip-Hop-Look.

Zum Einstieg sollten sich die Schüler in einem Kreis aufstellen und spontan einen Raptext erfinden (vergleiche Arbeitsblatt 2, Aufgabe 1). Dass dabei auch Nonsens-Sätze entstehen durften, versteht sich von selbst und schuf zudem eine positive Grundstimmung für den weiteren Verlauf des Unterrichts. Ganz nebenbei konnte erfahren werden, wie schwierig es eigentlich für die MC ist, in Sekundenbruchteilen einen aussagekräftigen Text zu kreieren, der sich dabei oft noch reimen muss und zugleich rhythmisch passend zum Beat sein soll.

Für die folgende Phase (vergleiche Arbeitsblatt 3 „Praxis“, Aufgabe 2) wurde die Klasse in drei Gruppen (MC, Breakdance, Graffiti) geteilt, die sich dann auf zwei Räume verteilten. Die gesamte Klasse einigte sich (schon in der vorhergehenden Stunde) auf einen Beat (aus dem Keyboard, PC, mitgebrachten CDs,...), der dann vom Lehrer bereits vervielfältigt mitgebracht wurde. Es ist darauf zu achten, dass das Tempo des Beats eher langsam ist, damit die Botschaft, das heißt der Inhalt des Textes, gut verständlich sein wird. In einem zweiten Entscheidungsprozess wurde als Textvorlage ein Abschnitt des Grundgesetzes gewählt. Möglich wären auch Kinderlieder, Gedichte oder Zeitungsartikel gewesen.

So konnten die Breakdancer schließlich in einem separaten Raum verschiedene tänzerische Elemente zu dem Beat erfinden (auf weite und schmutzunempfindliche Kleidung achten!). Auf den gleichen Beat sollten die Schüler der MC-Gruppe einen Sprechgesang einüben. Von Vorteil war bei uns, dass die Schüler einen Beat des Keyboards ausgewählt hatten, sodass die Möglichkeit bestand, das Tempo zu variieren (Übetempo). Schwierigkeiten tauchten immer wieder bei der rhythmischen „Unterbringung“ der Textsilben auf. Hier war es einerseits hilfreich, das eine oder andere Wort einzufügen (Füllwörter: hey, okay, etc.) oder auch rauszuschmeißen. Andererseits musste den Schülern erklärt werden, dass es sich um ein ständiges Ausprobieren und regelrechtes „Tüfteln“ handelt und keineswegs ad hoc vollzogen werden muss wie bei den ganz großen Stars. Für diese Phase muss genügend Zeit eingeplant werden.

Zeitgleich hatte die Graffiti-Gruppe im selben Raum den Auftrag, ein „Graffito“ zu entwerfen, das den Inhalt des ausgewählten Textes visuell ausdrückt. Aus Kosten- und Umweltgründen wollten wir dafür keine Spraydosen verwenden, obwohl uns bewusst war, dass dadurch in gewissem Maße die Authentizität der Hip-Hop-Kultur litt. Wir versuchten dieses Problem damit aufzufangen, dass wir sagten, die Gruppe solle einen möglichst genauen Entwurf für ein Graffito erstellen, was von den Schülern auch ohne Einwände angenommen wurde.

Abschluss der Einheit bildete eine Reflexion über die Jugendkultur „Hip-Hop“ (vergleiche Arbeitsblatt 3), bei der zentrale Fragen diskutiert wurden und ein Transfer zum deutschen Hip-Hop im Mittelpunkt stand.

Elastische, ergänzende Unterrichtselemente

Zur Weiterarbeit oder als variabel einsetzbare Ergänzungsmöglichkeiten im Unterrichtsprozess könnten folgende Ideen dienen:
Eigenständige Erarbeitung und Gestaltung einer Power-Point-Präsentation oder Erstellung eines Plakates (mit anschließendem Kurzvortrag) zu den Themen, die in der Sendung vorkommen oder von den Schülern genannt werden, zum Beispiel:
- Gangsta Rap
- Turntable
- Human Beatbox
- Loveparade, Streetparade, ...
- Umsetzung (Choreografie) eines Hip-Hop-Tanzes (eventuell in Kooperation mit dem Fach Sport)