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Deutscher Sprechertext


Der Spider Rock im Canyon de Chelly. Ein heiliger Ort. Die Spinnenfrau soll hier den ersten Menschen, den "Dineh", die Kunst des Webens gelehrt haben. "Dineh"-Mensch nennen sich die Navajo bis heute. Mit über 200.000 Menschen sind sie der größte Stamm der amerikanischen Ureinwohner.

Für die Navajo ist ihr Land heilig. Sie sehen es eingebettet zwischen den schützenden Eltern "Mother Earth" und "Father Sky". Die Mutter Erde nährt das Volk mit Mais, Wasser und Weideland. Vater Himmel spendet den lebensnotwendigen Regen für Mensch, Tier und Pflanze.

Die Navajo kamen vor 300 Jahren in das Gebiet um den Canyon de Chelly. Doch Menschen lebten hier schon viel früher. Das "White House", ein Pueblo, ungefähr 800 Jahre alt. Die Felsen des Canyon de Chelly dienten den Navajo, den Dineh, als natürliche Festung gegen ihre Feinde. Die hatten sie zu allen Zeiten. Erst die Spanier, dann die Mexikaner und schließlich die Amerikaner. 1864 deportierte die US Kavallerie unter Kit Carson nach erbitterten Kämpfen 8.000 Navajo aus dem Canyon in die Gefangenschaft.

Aaron White, ein Nachkomme der Vertriebenen von einst. Aaron arbeitet auf dem Bau, in der Navajo Reservation, dem größten zusammenhängenden Indianerreservat der Vereinigten Staaten. Der Boden, den er hier bewegt, wurde den Navajo von der US Regierung um 1900 zugesprochen. Damit war für diese die lästige "Indianerfrage" bezüglich der Navajo gelöst.

Aaron arbeitet gerade an der Erweiterung des Einkaufszentrums in Tuba City, einer der größten Städte der Navajo Reservation. Er selbst lebt außerhalb, in Flagstaff, nicht in der Reservation, weil "hier einfach nichts los ist", wie er sagt.

Tuba City, das ist eine Hauptstraße mit McDonald's, eine Wäscherei für die 5.000 Einwohner, ein Truck Stop für die Durchreisenden und jeden Freitag ein Indianermarkt. Auf dem umfunktionierten Parkplatz gibt es Heilkräuter, haufenweise Schmuck und Hammel-Sandwich. Navajo-Tradition in der modernen amerikanischen Umgebung. Ergebnis des schmerzhaften Kulturwandels.

Pferde vor der Tuba City Trading Post. 1870 errichtet. Das älteste Gebäude der Stadt. Heute können Touristen hier Andenken erwerben. Früher hatte die Trading Post eine viel wichtigere Funktion.

Die Trading Post war die erste ständige Verbindung der isoliert lebenden Indianer zur Außenwelt. Die weißen Trader handelten nicht nur mit Waren: Teppiche und Schmuck raus und die neuesten Errungenschaften der amerikanischen Industrie rein. Sie vermittelten auch in Streitfällen, schrieben Briefe, beförderten die Post und fungierten als Pfandleiher, wenn das Geld zum Einkauf einmal nicht reichte.

Aaron White hat Feierabend. So oft es geht, trifft er sich mit seinen Freunden, um Musik zu machen. "Burning Sky" heißt ihre Band, die eine Mischung aus indianischer und westlicher Musik spielt. Nicht ohne Erfolg, immerhin hat Burning Sky schon 2 CDs veröffentlicht.

Aaron und seine Freunde versuchen eine Musik zu machen, die aus der Realität der heute lebenden Navajo entspringt. Sie weigern sich, die gängigen Klischees zu bedienen.

Aaron White: "Das ist nicht indianisch, das ist Hollywood. Wir amerikanische Ureinwohner haben viel tiefere Gefühle, manchmal sprechen wir durch Schweigen, durch unser Handeln oder nur durch unsere Anwesenheit."

Burning Sky, das sind Aaron White, der Gitarrist, Kelvin Bizahaloni mit der traditionellen Flöte und das "Bleichgesicht" Michael Bannister, der Drummer. Wie integriert sich der "weiße Feind" indianischer Kultur?

Kelvin: "Michael ist ein richtig guter Drummer, wir haben ihn gerne in der Band. Seine Persönlichkeit passt zu uns, wir haben Spaß miteinander und das hält unsere Band zusammen."

Das Stück, das sie gerade proben heißt "Indian Wars", Indianderkriege. Ein heikles Thema, besonders für Michael.

Michael: "Mir scheint es wichtig, Respekt für diese Dinge zu haben. Die Leute des "American way of life" haben diesen Respekt verloren, sie trampeln über Traditionen und machen sich gar keine Gedanken darüber."

Das Büro der "Community Action for Children and Youth" in Tuba. Freiwillige Jugendarbeit wird hier organisiert. Vanessa Brown engagiert sich seit langem für eine Verbesserung des Freizeitangebots für die Kinder im Reservat. Es fehlt an Spielplätzen, Jugendbetreuung, Ferienangeboten. Und natürlich fehlt dazu auch das Geld. Aus Washington haben die ehrenamtlichen Helfer noch keinen einzigen Cent bekommen. Trotzdem lässt sich Vanessa nicht entmutigen, denn es geht um die Kinder, die Zukunft der Navajo in Tuba City.

Vanessa: "Wenn man nur rumhängen kann, zuviel nutzlose Zeit hat, dann findet man eben die Orte, wo mit Drogen gedealt und Alkohol schwarz verkauft wird, der in der Reservation verboten ist. Weil es hier keine Unterhaltungsangebote gibt, sorgen die Kids selbst für ihren Spaß, leider meist für keinen guten ..."

Langeweile erzeugt Gewalt. Bandenkriege und Drogen haben auch in den tristen Reservats-Siedlungen Einzug gehalten. Der Staat versorgt die Menschen zwar mit Wohnungen, Schulen und einem Krankenhaus, doch was in Tuba City und anderen Orten in der Navajo Reservation fehlt, sind Arbeitsplätze, besonders für Jugendliche. 50 Prozent Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe als Haupteinnahmequelle. Für viele Indianerkinder bietet das Navajo-Land keine Perspektive.

Carved Rocks, Felsenzeichnungen, irgendwo in der Wüste bei Tuba City. Immer wieder bringt Vanessa Brown Kinder aus der Stadt hierher, um ihnen von der Bedeutung der Zeichen zu erzählen. Die Navajo-Kultur, ein Teil ihrer Identität, soll so lebendig bleiben. Vanessa gibt weiter, was sie von ihrer Mutter und Großmutter über die geheimen Zeichen im Fels erfahren hat. Geschichtenerzählen hat eine lange Tradition bei den Navajo. Im Winter hören die Kinder oft die ganze Nacht von der zauberhaften Cochina-Puppe oder dem abenteuerlustigen Kojoten, der gerne Streiche spielt. Für Vanessa gehört das genauso zur Erziehung wie der Physikunterricht im College.

Vanessa: "Unsere Kinder müssen in zwei Welten bestehen. Es ist, als ob sie mit zwei Kanus gleichzeitig fahren würden. Mit einem Bein im Kanu der modernen Welt: Schule, einen Arbeitsplatz finden, überleben. Das andere Bein im Kanu der Tradition, der Wurzeln, der Sprache. Steht man zu weit auf einer Seite, so fällt man. Wenn man nur auf die moderne Welt setzt, verliert man seine Identität. Die Balance zu halten ist eine große Herausforderung für unsere Kinder."

Wichtiger Bestandteil der indianischen Identität ist die eigene Ausdrucksweise. Ein Kinderlied auf Dineh, der Sprache der Navajo.

Trotz all der Probleme, Vanessa gibt sie nicht auf, "die Kultur, die uns Kraft gibt und die uns einzigartig macht", wie sie sagt.

Code Talker: "Die Nachrichten, die wir für unsere Generale übermitteln mussten, lauteten ungefähr so: "Feind bombardiert Berg Nummer zwei". Und dann übersetzten wir das in Navajo. Da haben wir zwar ein Wort für Berg - Hill -, aber das ist zu verbreitet. Deshalb haben wir einen Code erfunden. Wir nahmen das H in Hill und nannten es Horse - Pferd."

Dann blieb ein Wort übrig: ill - krank. Und so wurde aus "Berg" in unserem Navajo-Code ein "krankes Pferd". Immer, wenn wir "Klingdadsa" sagten, was auf Navajo "krankes Pferd" bedeutet, hieß das "Berg". So funktionierte unser Code.

Die Navajo Code Talker. Eine Spezialeinheit der US Marines während des Zweiten Weltkrieges, eingesetzt im Pazifik. Auf der Basis der Navajo-Sprache entwickelten sie einen Code, der zur Nachrichten- und Befehlsübermittlung gebraucht wurde. Es ist der einzige Funk-Code, den die Japaner während des gesamten Krieges nicht knacken konnten. Mit ihrer Sprache, die sie eigentlich gar nicht mehr sprechen durften, halfen die Navajo Code Talker der US Regierung, den Krieg gegen Japan zu gewinnen. Einer von ihnen, Merril Sandoval, erinnert sich an seine Schulzeit, als alles Indianische noch ausgemerzt werden sollte.

Code Talker: "Wir mussten in militärischer Formation zur Schule marschieren, ebenso zum Essen und in die Kirche. Wir mussten alle Englisch lernen, schon weil wir es als Kinder gar nicht konnten. Der Staat verlangte, dass wir Englisch lernten, doch wir hatten natürlich noch Navajo in unserem Kopf und manchmal rutschte uns dann auch ein Brocken Navajo heraus. Doch wenn wir dabei von einem Lehrer oder Aufseher erwischt wurden, gab es sofort Strafen."

Die Lehrer waren nicht zimperlich. Merril Sandoval wurde sogar ein Stück Seife in den Mund gesteckt, weil er in der Schule seine Sprache redete, die dann im Krieg so nützlich war. Erst in den 50er Jahren erhielten die Indianer, sozusagen als Belohnung, die vollen Bürgerrechte in dem Staat, für den sie gekämpft hatten. Merril ist heute Pensionär und stolz auf seine militärische Vergangenheit. Die Feldarbeit ist sein Hobby. Den Mais, den er erntet, gibt er Verwandten, die ihn bei rituellen Handlungen, Tänzen und Gebeten gebrauchen.

Open Air Festival in Flagstaff. Burning Sky tritt auf und bringt "Indian Wars". Der Song erzählt von den Navajo, "einfachen Leuten, die der Wüste etwas Getreide abtrotzen wollen, um zu überleben. Sie bestellen ein Land, das ihnen schon gehörte, bevor Rom gegründet wurde. Sie sind in Fetzen gekleidete, aber stolze Überlebende, die ihre Schafe hüten und im Rhythmus der Natur leben. Doch die Unterdrückung, die Indianerkriege sind noch immer nicht vorbei ..."

Song "Indian Wars"

Draußen in der Wüste lebt Aarons Großmutter in einem achteckigen Hogan, der traditionellen Behausung der Navajo. Die Oma beherrscht noch die Kunst des Teppichwebens. Sie lebt das alte Navajo-Leben, das Aaron besingt.

Aaron: "Hier sind meine Wurzeln. Als kleines Kind kam ich im Sommer immer hierher, ich wuchs ja in der Stadt auf. Hier mussten wir die Schafe hüten und selbst für uns kochen, wenn mein Vater mit Oma in die Stadt fuhr. Wir mussten dableiben und als wir den Trennungsschmerz überwunden hatten, hatten wir hier immer eine tolle Zeit. Wir spielten in den Felsen, hüteten die Schafe, holten Wasser. Ich war damals so 9, oder 10."

Die Wurzeln der Navajo: Das ist das Land und das sind die Alten.

Marylyn: "Das Wort der Alten hat für uns ein sehr starkes Gewicht. Als junger Mensch denkt man darüber nach, bevor man überhaupt etwas sagt. Das Leben und Lernen der Navajo ist durch Beobachten und Zuhören geprägt. So habe ich als Mutter gelernt, meine eigenen Kinder zu erziehen."

Der Legende nach lehrte "Spiderwoman", die "Spinnenfrau", die Navajo das Weben. Von Generation zu Generation wird diese Kunst, werden die Muster und Farben weitergegeben.

Die Teppichweberei war und ist das wichtigste Kunsthandwerk der Navajo. Von der Schafschur über das Spinnen, Färben und Weben vergehen für einen 1 x 2 Meter großen Teppich über 350 Arbeitsstunden.

Das traditionelle Leben der Navajo ist jedoch fast nur noch auf alten Postkarten zu bewundern. Halbnomaden wie früher gibt es kaum noch. Nur das über Jahrhunderte bestimmende Matriarchat ist bis heute eine Richtschnur für ihr soziales Leben.

Ein Silberschmied bei der Arbeit. Von den Mexikanern erlernten die Navajo diese Kunst. Seit den 20er Jahren ist Silberschmuck aus dem Navajo-Land ein Markenartikel, der weltweit geschätzt wird. Devisenkräftige Touristen machten ihn zu einer Haupteinnahmequelle in der Reservation. In zahllosen Ständen am Straßenrand warten Ketten, Ringe und Amulette auf Abnehmer.

Besonders rund um die landschaftlichen Highlights des Navajo Country häufen sich die Schmuckbuden. Tradition trifft Tourismus, eine nicht immer glückliche Kombination.

Zu sehen gibt es für die neugierigen Besucher im weiten Land der Navajo eine ganze Menge. Obwohl die legendären Landschaften jeder schon irgendwie einmal gesehen hat.

Nur einen Steinwurf entfernt von Monument Valley steht ein traditioneller Lehmhogan mit einem Bewohner, der seine Antenne nach Westen ausgerichtet hat.

Im Inneren des Hogan ist es trotz Außentemperaturen von weit über 30 Grad relativ kühl. Die alten Navajo wussten schon, wie sie bauen mussten, um in der Wüste zu überleben. Von den Alten hat Leroy auch das Silberschmiedehandwerk gelernt. Er verkauft hauptsächlich an Touristen. Leroy ist ein Pendler zwischen den Welten. Er versucht, den "American way of life" mit den indianischen Werten zu verbinden. Man kann seinen Schmuck zwar mit Kreditkarte bezahlen, Ausgangsmaterial für seine Arbeiten ist jedoch wie früher geschmolzenes Münzsilber.

Fahrt in die Black Mesa, eine für traditionell lebende Navajo heilige Hochebene. Leroy ist nervös, von manchen wird er in dieser Gegend nicht gern gesehen. In jedem Auto vermutet er mögliche Verfolger.

Eine Kohlemine mitten in der "heiligen" Black Mesa. Sie ist der Grund für Leroys Fahrt - und auch für seine Angst. Es geht um Wasser, um Land und um diese Frau. Maxine Kescoli lebt mitten in der Black Mesa und sie ist der Kohlengrube im Weg.

Den Weg zu Maxine quer durch die Mesa kennen nur ihre Freunde. Leroy ist einer von ihnen. Maxines Familie lebt seit Generationen auf diesem Stück Erde und sie lebt noch im traditionellen Stil. Zwei Gründe, warum sie gegen den Kohleabbau protestiert. Leroy und ein paar Freunde unterstützen sie im Kampf gegen den Kohlekonzern, der seit 30 Jahren hier oben aktiv ist. Ihr Ziel ist es, die größte Kohletagebaumine Nordamerikas zu stoppen und eine Umsiedlung der verbliebenen Bewohner zu verhindern. Da Maxine nur Dineh, die Sprache der Navajo, spricht, fungiert Leroy als Dolmetscher zum Beispiel vor Gericht. Maxine will dem Schaufelradbagger auf keinen Fall weichen.

Maxine: "Die Minenleute haben mir gesagt, ich solle fortgehen von hier. Doch als Dineh kann ich dieses Land nicht verlassen. Ich bete zu diesem Land, den Bäumen, dem Gras, dem Futter der Schafe. Meine Gebete machten es zu heiligem Land. Und ich bete dafür, hier bleiben zu können."

Um pulverisierte Kohle in einer Pipeline 381 Kilometer weit zum Mohave Kraftwerk zu transportieren, werden täglich 15 Millionen Liter Grundwasser aus der Mesa gepumpt. "Wasser, das meinen Schafen fehlt", wie Maxine behauptet. Doch es geht bei diesem Streit nicht nur um das Wasser und um den Umweltschutz. Es geht um den Einbruch der Moderne in das Leben der Navajo.

Mit der Planierraupe kamen endgültig die Werte der Weißen ins Indianerland. Sie brachten nicht nur moderne Maschinen, sondern auch Arbeitsplätze, Ausbildung, Schulen und Geld in die Reservation. Deshalb sehen viele Navajo die Sache mit der "heiligen" Black Mesa differenzierter. Teddy Begay, Navajo und Ingenieur, angestellt beim Kohlekonzern, erläutert seine Position.

Ingenieur: "Ich wurde nicht in einem Krankenhaus geboren, sondern im Hogan. Und meine Mutter hat mich gelehrt, dass der heilige Geist eine Menge Dinge in unsere Erde getan hat, damit wir sie zum Nutzen der gesamten Menschheit verwenden. Wenn wir in unserer Stammesgeschichte zurückgehen, sehen wir die Silberschmiede, die den wertvollen Türkis aus der Erde genommen haben, die das Silber aus der Erde genommen haben ..."

Heute nehmen sie hochwertige Steinkohle aus der Erde. Die Navajo-Regierung hat das Land an den Konzern verpachtet. Eine juristisch komplizierte Sache. Seit Jahren ist das "Schwarze Gold" der Navajo deshalb Prozessgegenstand. Für Leroy, den Umwelt-Aktivisten, ist die Sache klar:

Leroy: "Die Kohlemine vergewaltigt, erdolcht täglich unsere Mutter Erde. Unsere Mutter Erde muss sich fühlen wie jemand, dem die Leber herausgeschnitten wird für Geld. Ein Dineh sollte so etwas nicht tun."

Leroys Arrangement mit den Werten der Weißen sieht so aus: Für gute Dollars dürfen auch ungeübte Bleichgesichter seine Pferde traktieren und übers "heilige Land" reiten. Um Geld zu verdienen, um zu überleben bleibt Leroy auch nichts anderes übrig als das Land preiszugeben. Er spricht von "sanftem Tourismus". Klar ist, dass diese Art des Broterwerbs weniger Spuren in der Mutter Erde hinterlässt als die Schaufelradbagger.