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Deutscher Sprechertext


Wilmington, North Carolina. Die Besucher bleiben an diesem Tag aus. Nur einer kommt: Fran. Er hat sich entschieden, gerade hier an Land zu gehen. Tagelang haben die Meteorologen den Hurrikan verfolgt, von seiner Entstehung in der Mitte des Atlantik, bis zu seiner Ankunft. Lange Zeit war unklar, welche Richtung er einschlagen würde. Doch zum zweiten Mal trifft es in diesem Jahr North Carolina. Erst war es Hugo, jetzt Fran. Mit 110 Meilen pro Stunde fegt der Wirbelsturm durch die Stadt.

Wrightsville Beach, der Badeort nahe Wilmington, am nächsten Morgen. Die Bewohner und Touristen waren zum Glück evakuiert worden.

Den Schülern der Emsley A. Laney High School war's recht. Dank Fran begann das neue Schuljahr mit einer Woche Verspätung. Diese Woche ist eine ganz spezielle - Homecoming-Week. Ursprünglich gedacht für die Ehemaligen. Die kommen kaum noch, also feiern sich die Heutigen eben selbst. Die Schulband ist im Stress, auch Gary Alsup, der Musiklehrer.

Rafiq: "Ich heiße Rafiq Pringle, bin 17 Jahre alt, gehe auf die Laney High School, bin Senior. Ich möchte eine Musik-Ausbildung machen, oder Lehrer werden."

"Seniors" sind die Schüler in der 12., der Abschlussklasse.

Gary gefällt das Paukenspiel von Andrew nicht. Andrew gefällt die Kritik nicht. Da wird Gary ein bisschen drastischer, wenn auch leise.

Andrew: "Ich heiße Andrew George, bin in der 12. Klasse der Laney High School, möchte auf ein College und Musiklehrer werden."

Adam: "Ich bin Adam Bono, 17 Jahre alt, jetzt noch Senior an der High School. Und nach der Schule möchte ich Medizin studieren."

Ende der dritten Stunde.

Susan: "Ich heiße Susan Shipton. Ich bin in der 12. Klasse, bin 17 Jahre alt, und will auf die East Carolina University gehen, dort einen Abschluss in Musik machen, als Nebenfach Physik."

2.000 Schüler gehen auf die Laney High, von der 9. bis zur 12. Klasse: Freshmen, Sophomores, Juniors, Seniors. Es gibt nur eine große Pause zum Tratschen und Abhängen auf dem Schulhof, sonst werden nur kurz die Klassen gewechselt. Nichts ungewöhnliches, der Polizist ist immer hier. Es soll auch ab und zu Verhaftungen von Schülern geben, nicht nur wegen Drogen oder Waffenbesitzes, sondern wegen "Disorderly Conduct", also wegen schlechten Benehmens, "fluchen" zum Beispiel.

Es ist 11.30 Uhr und erst die Hälfte des Schultages vorbei. Für 1 Dollar 50 gibt es Essen in der Cafeteria: Fast-Food auf Papptellern.

In Kürze steigt in der Turnhalle der erste Akt des Homecoming-Spektakels. Die Kandidatinnen für die Wahl zur Homecoming-Queen werden vorgestellt. Susan nimmt auch an der Konkurrenz teil.

Die Königin vom letzten Jahr preist die Qualitäten der Bewerberinnen. Der Ehrgeiz, die Beliebteste, Schönste oder sonst was zu sein, steigert die Aufregung bei den Kandidatinnen. Sie wollen dem Publikum gefallen. Das wählt schließlich die Königin. Männliche Kandidaten gibt's natürlich auch.

Um halb vier ist die Schule vorbei.

Adam und Andrew auf dem Weg nach Wrightsville Beach. Adam wohnt dort. Seine Familie musste die Insel einen Tag vor der Ankunft von "Fran" verlassen, und das war auch gut so.

Andrew: "Ich hab gehört, dass es hier ganz schön überflutet war. Euer Haus auch ?"

Adam: "Wir waren vorbereitet, hatten alles nach oben gebracht. Das Wasser stand ca. 1,20 Meter hoch. Es war kein Land mehr zu sehen. Es gab einen Zeitpunkt, da war keine Insel mehr da, alles stand unter Wasser."

Inzwischen, 16 Tage nach dem Sturm, sieht's immer noch wild aus, kein Sperrmüll, sondern ruiniertes Mobiliar und Teppichböden, fast aus jedem Haus. Den Holzpier hat es auch erwischt.

vHier war das Einsatzzentrum der Hilfsorganisationen.

Dan Summers: "Mein Name ist Dan Summers. Ich bin der Direktor des Katastrophenschutzes hier im Kreis New Hanover."

Er und sein Stab leiteten die Evakuierung der Bevölkerung und der Touristen, verfolgten ständig den Weg des Hurricans.

Dan Summers: "Hier erkennt man sehr gut das klar ausgeprägte Auge des Sturms. Die Wolkenbänder an dieser Seite des Sturms haben uns Sorgen gemacht, als sie sich unserer Küste näherten. Die bringen den Wind, die Wellen, die Brandung und den Anstieg des Meeres, was den meisten Schaden anrichtet."

Schäden in Millionenhöhe gab es auch an den Strom- und Telefonleitungen, die alle über der Erde an Holzmasten hängen.

Adam: "Als wir zu unserem Haus zurückkamen, hatten wir weder Strom noch Wasser oder Telefon. Das Wasser kam noch am gleichen Tag, der Strom erst nach einer, das Telefon nach zwei Wochen. Das war 'ne große Umstellung für uns. Es war unheimlich heiß draußen, und die Air Condition lief nicht. Es war unerträglich."

Die Menschen sind inzwischen zurückgekehrt. Jetzt beginnen die Diskussionen mit den Versicherungen.

Mit Hingabe malt der Lehrer kleine Männchen und Pfeile: Welche Geschwindigkeit muss Evil McNivel drauf haben? Susan ist nicht so recht bei der Sache, bei "Advanced Physics", Physik für ganz Schlaue. Schließlich sollen nach dieser Stunde die Ergebnisse der Homecoming Wahl angesagt werden.

Direktorin: "Einen Guten Morgen wünsche ich euch. Hier kommt die Nachricht, auf die ihr alle gewartet habt. Die Ergebnisse der Wahl zum Homecoming-Court liegen vor. Folgende Schülerinnen haben gewonnen: Betina James, Sybill McGert, Kristin McKythan, Michel Pucey, Nicole Stukes, Jaida Burin, Jessica Williams. Glückwunsch, meine Damen. Dies ist eine große Ehre. Kommt bitte nicht und fragt mich, wer die Königin wird, ich weiß es auch nicht."

Susan: "Homecoming. Tja... am Wettbewerb habe ich teilgenommen, aber ich hab's nicht geschafft. Das ist in Ordnung. Es ging mir eigentlich nur darum, dass die Mitschüler einen kennen, wenn man sich auf dem Flur trifft. Es war mehr ein Spaß, also ich ärgere mich nicht. Es wäre schon schön gewesen, in die engere Wahl zu kommen. Das kann ich nicht abstreiten."

Nach Schulschluss herrscht das totale Lärm-Chaos rund um das Gebäude. Die Band hat "Sektionsproben." Die einzelnen Instrumentengruppen proben jede für sich am gleichen Stück " Paranoid" von Black Sabbath, uralt, Siebziger Jahre.

Die Qualitätsunterschiede bei 120 Musikern sind logischerweise ziemlich groß, so dass Misstöne nicht auszuschließen sind.

Rafiq: "Die Band von E.A. Laney könnte besser sein. Mehr will ich dazu nicht sagen."

Andrew sieht das Ganze nicht so verbissen.

Andrew: "Wenn du Musik machst, ist es egal, ob es jemand anderem gefällt, Hauptsache es gefällt dir selbst. Das ist cool."

Der Job als Chearleader ist heiß begehrt. Auch hier kommen nur die Besten ins Team.

Einige Meilen flussabwärts von Wilmington mündet der Cape Fear River in den Ozean. Diese günstige Lage machte die Stadt früh zu einem wichtigen Umschlagsplatz für die Güter aus dem Hinterland: Reis, Tabak, und Holz. Schiffsbauindustrie siedelte sich an. Werften entstanden am Flussufer.

Wilmington boomte Mitte des 19. Jahrhunderts. Den Reichtum sieht man an allen Ecken. Diese Villen baute ein Werftbesitzer auf den Hügel oberhalb des Flusses. So konnte er immer seine Arbeiter beobachten, sagt man.

Heute mal keine Schule, sondern ein bisschen Stadtgeschichte. Der Experte für alles Historische: Ed Turberg.

Ed Turberg: "Wir sind hier im Herzen des historischen Bezirks von Wilmington. Dort, wo alle Geschäfte waren. Dies ist ein typisches Beispiel einer Häuserfassade, wie sie von den Deutschen gebaut wurde, die um 1850 nach Wilmington kamen. Ein großes Erdgeschoss mit hohen Schaufenstern, Bleiglasfenster, und darüber die Privatwohnung. Nachdem die Bewohner genug Geld verdient hatten, um aus der Innenstadt wegzuziehen, bauten sie sich Häuser in der Umgebung. Anfang des 20. Jahrhunderts kamen die Vorstädte in Mode.Diese lagen an den Straßenbahnlinien, die von der Innenstadt bis sogar nach Wrightsville Beach gingen."

In den Vorstädten findet man die typisch amerikanischen Einzelhäuser, die reichlich Platz brauchen. Aber den gibt's ja.

Ed Turberg: "Ein beliebter Häusertyp war dieses Fertighaus, hier zu meiner Rechten. Sie wurden in Wilmington gebaut,waren billig, trotzdem solide und schön. Die Teile wurden zum Grundstück gebracht und zu einem günstigen Preis aufgestellt."

Wie in vielen Städten war auch in Wilmington die Innenstadt tot. Dann kamen die Wiederbelebungsprogramme, und damit Kneipen, Boutiquen und Andenkenläden. Aber ganz schön ist es trotzdem.

16.00 Uhr. Die Band macht wieder Überstunden: Die erste Marching-Drill Probe, das ist so ähnlich wie eine Exerzier-Übung bei der Armee. Gary müht sich redlich.

Susan: "Eigentlich hat man nichts zu sagen. Man kann Vorschläge machen, aber im Endeffekt entscheidet er."

Adam: "Obwohl es ja eigentlich demokratisch in der Schule zugehen sollte, ist es doch mehr diktatorisch. Keiner hat etwas zu sagen. In der Band muss einer das Sagen haben, bestimmen, wo's lang geht."

Tja, und wo bitte geht's lang ?

Rafiq: "Mich kratzt das nicht. Ich bin ich, lasse mir nichts von anderen vorschreiben. Ich mache, was ich für richtig halte."

Zu Hause schlägt Rafiq etwas ruhigere Töne an. Seine Mutter scheint auch ohne Mann die Erziehung voll im Griff zu haben.

Rafiqs Mutter: "Als alleinerziehende Mutter klopfe ich mir nicht selbst auf die Schulter, aber ich glaube, dass ich in der Erziehung von Rafiq einen guten Job gemacht habe ... Er nimmt keine Drogen, raucht und trinkt nicht. Er sagt mir, wo er hingeht und was er macht. Und ich erwarte, dass das so bleibt. Rafiq trägt einen Piepser bei sich, und der ist für unsere Kommunikation. Wenn ich nicht weiß, wo er ist, rufe ich den Pieper an und erwarte, dass er sofort zurückruft."

Rafiq: "Grundsätzlich lässt meine Mutter mich selbst entscheiden. Sie sagt, so lange ich erfolgreich bin, tue was ich tun muss und alles legal ist, kann ich selbst entscheiden."

Rafiq gönnt sich eine halbe Stunde Entspannung, bevor er wieder los muss. Wie fast alle Mitschüler hat er noch einen Job. Er arbeitet in einer Drogerie, die anderen im Supermarkt, Hamburger-Laden oder Restaurant.

So langsam wächst die Spannung in der Homecoming- Week. Morgen sollen alle verkleidet zur Schule kommen, wird gerade durchgesagt. Fliegender Klassenzimmerwechsel vor der 7. Stunde. Die Jazzband kann man wählen wie ein normales Unterrichtsfach, hat es dann jeden Tag, ein Jahr lang. Einige sind sogar in zwei Musikklassen und spielen zusätzlich in der Band. Das spricht für die gute Stimmung.

Andrew: "Gewöhnlich sind die Weißen auf der einen, die Schwarzen auf der anderen Seite, getrennte Gruppen, aber dann ist da die Band; und in der Band zum Beispiel ist Hautfarbe kein Thema."

Etwas abgekämpft kommt Susan nach Hause. Heute abend ist noch Homecoming-Dance und sie hat keine Ahnung was sie anziehen soll. Susan hat ein Date mit Mark für den Tanz. Ein Date, das ist schon ganz schön offiziell, so mit fragen, abholen, und wieder nach Hause bringen. Adam und die anderen haben kein Date.

Andrew: "Ein Typ, der gut Disco tanzen kann, kriegt alle Frauen, wisst ihr das? Also werde ich da auftauchen und alles zeigen. Erinnert ihr euch? Dieses mashed-potatoe-Zeug aus der Ray-Charles-Zeit?"

In der Turnhalle tobt das Leben ... Um 8 ging's los, um 10 ist Schluss, dazwischen geht die Post ab, natürlich ohne Alkohol. Ist zwar Homecoming, aber Ehemalige scheinen nicht dazusein. Oder doch? Nein das ist Andrew. Ein König wird natürlich auch gewählt, das sind die Favoriten.

Der Höhepunkt dann am Freitagabend: Das Football-Spiel für das alle geübt haben. Und dann noch gegen Hagard, den Erzrivalen aus Wilmington. Die Laney Buccaneers, die Seeräuber, spielen in Gold, legen gleich los, erster Touch-Down nach wenigen Minuten. Kick-off und Hagard beim Return ... und mit was für einem Run ... zum Glück von der Defense an der 35 Yard Linie getackelt. Auch die Bands beharken sich. Spielt die eine eine gute Anfeuerungsmelodie, muss die andere kontern.

Der König spielt heute Football, hat keine Zeit für die Krönung der Königin. Football zu erklären in so kurzer Zeit ist hoffnungslos. Auf alle Fälle spielen die Laney-Buccaneers die anderen in Grund und Boden. Schon wieder haben die Seeräuber den Ball in die Endzone des Gegners gebracht.

In der Halbzeit: Premiere für die Marching Band. Und der entscheidene Augenblick: Die Königin wird ausgerufen. Ein Jahr lang dürfen die beiden Gekrönten nun das kleine Reich von Laney High regieren, was immer das heißt.