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Deutscher Sprechertext


Pioniere, die im 19. Jahrhundert mit ihren Planwagen nach Kalifornien wollten, waren froh, wenn diese Gegend hinter ihnen lag. Freiwillig blieben trotzdem einige Gesellen: Glücksritter, Ganoven, Abenteurer, Kaufleute und die, die für gute Stimmung sorgten.

Der Lockruf von Gold und Silber hatte die Menschen, natürlich überwiegend Männer, nach Nevada, in Nester wie Calico, Belmont oder Goldfield getrieben. Diese Pioniere waren bereit Risiken einzugehen. Mit hohen Erwartungen kamen sie in dieses rauhe Land, wollten gewinnen: Boden, Silber, Gold oder Geld. Aber nicht nur durch Arbeit. Alles auf eine Karte setzen, beim Pokern an einem Abend alles riskieren, was man in Wochen angespart hatte.

Fullhouse! Aber was hat der andere auf der Hand? Das Glücksspiel passte zu dem wilden und ungeordneten Leben in den Frontier-Siedlungen und wurde Teil der Western-Kultur. Die Camps der Goldsucher sind schon lange verlassen und Geisterstädte, doch kommen mehr Glücksritter nach Nevada als je zuvor.

Wie eine Fata Morgana leuchtet die überdimensionale Western-Stadt des 20. und 21. Jahrhunderts in der Mitte der Wüste. Ca. 28 Millionen Menschen suchen jährlich das Abenteuer in den Phantasiewelten von Las Vegas.

Das Rio ist eines der neuen Megahotels. 13 der größten der Welt stehen in Las Vegas. Allein das Rio hat 2.563 Zimmer. Rio Rita ist die Leitfigur, temperamentvoll, immer gut gelaunt, für die Stimmung der Gäste zuständig. Sie verkörpert den südamerikanischen Touch der Anlage und des Programms. Alles ist darauf ausgerichtet, die Gäste zu unterhalten und zu umsorgen. Sie sollen spielen und die Zeit vergesssen. Deshalb gibt es im Casino weder Uhren noch Fenster. Täglich 24 Sunden kann man sein Glück versuchen.

Hinter den Kulissen in den Kellern laufen die Vorbereitungen für die erste Show am Tag. 36 Tänzer und Artisten aus einem Stab von 78 haben heute Dienst. Carla arbeitet seit einem Jahr in der Maskerade-Show des Rio.

Carla: "Ich kann mich nicht beschweren. Ich darf tanzen und werde noch dafür bezahlt, und es macht Spaß. Aber wir arbeiten schon sehr hart. Die meisten anderen Shows dauern nur 2 Stunden, an sechs Abenden in der Woche, wir haben 12 Stunden am Tag, viermal in der Woche. Das ist ein volles Programm."

Carla und ihre Kollegin müssen sich beeilen, aus dem Keller über 5 Treppen bis unter das Dach. Die Show läuft nämlich über den Köpfen der Besucher.

Louis: "Mein Name ist Louis Feriolo, ich komme aus Comack, Long Island, New York. Ich bin der Chef der Metzgerei im Rio Hotel. Die Abteilung ist 24 Stunden geöffnet. 30 Metzger sind hier beschäftigt. Wir verarbeiten Fleisch im Wert von ca. 19.000 Dollar am Tag. Ca. 2.000 Pfund an Geflügel, das sind ungefähr 8.000 Hühnerbrüste, werden an einem Tag in diesem Hotel verbraucht."

Das Karneval World Büffet bietet den Gästen aus aller Welt Speisen aus aller Welt. Zur originalen Küche gehört natürlich die originale Bedienung.

Im Casino läuft die zweite Show.

Shows mit großen Stars, die wochenlang Abend für Abend in einem der berühmten Hotels auftreten, gibt es nicht mehr. Paul Anka gehörte in den 60ern zu den Publikumslieblingen.

Wie bei vielen Dörfern im Westen gab auch bei Las Vagas der Bau der Eisenbahn den Anstoß für das Wachsen zur Stadt. Eine unbedeutende Ansammlung von Häusern wurde als Wasserstation für die neue Bahnlinie Salt Lake City - Los Angeles ausgewählt.

Der Bahnhof am Ende der Fremont Street, der Hauptstraße. 90 Jahre später steht an gleicher Stelle ein Hotel. Personenzüge kommen nicht mehr an. Schräg gegenüber noch ein Relikt aus alten Bahntagen: Das Golden Gate Hotel, eines der wenigen historischen Gebäude, das in Las Vegas erhalten blieb. Die Besitzer, Craig und Mark Brandenburg, versuchen den Charme vergangener Zeiten zu erhalten.

Brandenburg: "Wir sind das älteste Hotel in Las Vegas, 1906 gebaut. Tradition pflegen wir auch heute noch. Wir bieten unseren Gästen das Beste aus beiden Zeiten: Das finden sie in einem Restaurant alten Stils, in den alten Zimmer von 1906, und in dem kleinen intimen Spielkasino. Man braucht keine hohen Beträge einzusetzen, um an den Black Jack- oder Crap-Tischen zu spielen."

Bis 1931 hatte sich nicht viel verändert in der Fremont Street. Eine Entscheidung der Hoover-Regierung hatte großen Einfluss auf die weitere Entwicklung von Las Vegas. Der Colorado River sollte im Black Canyon gestaut werden, 5300 Arbeiter waren auf der Baustelle tätig. Sie lebten in der eigens für sie erbauten Siedlung "Boulder City". Glücksspiel war hier verboten. Der Bau des Hoover-Damms zog nicht nur Arbeitskräfte an, auch Touristen kamen in Scharen, um dieses Jahrhundertwerk zu bestaunen.

Las Vegas profitierte davon. Die Arbeiter und Touristen kamen und ließen ihr Geld in den Clubs auf der Fremont Street. Der Staat Nevada hatte gerade das Glücksspiel legalisiert. Begründung: mit den Steuereinnahmen sollte das Schulsystem finanziert werden.

Der Strip, an dem heute die großen Hotels und Casinos stehen, führte zu jener Zeit durch einsame Wüste. Bauland war dort noch billig. Das El Rancho, das erste Hotel außerhalb der Stadt, ganz im Western-Stil. Es folgten in den nächsten Jahren die Hotels und Casinos mit den klangvollen Namen: Das Flamingo, dessen Bau einen neuen modernen Stil nach Las Vegas brachte, das Dunes, Sands oder Sahara, das Desert Inn. Hotels, in denen die Unterhaltungsmusik der 60er zelebriert wurde. Auch Dean Martin, mit seiner erzählerischen Art zu singen, gehörte zu den Stars.

Wie die Shows und die Musik gehören die Neonreklamen zu dieser Stadt. Und natürlich werden sie hier auch erdacht und gebaut. In Handarbeit wird jede Röhre erhitzt und gebogen, bis sie genau dem Bauplan entspricht.

Die Young Electric Sign Company hat seit den Anfängen des Glücksspiels eine Filiale in Las Vegas und war am Bau vieler berühmten Leuchtreklamen beteiligt. Eric hat das Handwerk durchs Zuschauen und Trainieren bei seinem Vater gelernt. Erst zugeschaut, dann nachgebaut. Er arbeitet gerade an einem Fisch, Teil eines größeren Objektes. Mit dem Gas Argon gefüllt, geht es zum Testlauf. Dass viele der Zeichen ein Teil der Geschichte von Las Vegas und Kunst sind, wird den Bewohnern erst langsam bewusst.

In Las Vegas zählt das hier und jetzt, mit der Vergangenheit und dem nicht mehr Modernen geht man auf eine spezielle Art um. Man lässt das Alte hinter sich, schafft Platz für Neues.

Die Stadt schläft nie, nur etwas nüchterner wird's bei Tageslicht.

Es ist sieben Uhr. Louis Feriolo auf dem Weg zur Arbeit ins Rio Hotel. Alle Angestellten holen bei Arbeitsbeginn saubere Berufskleidung in der Kleiderkammer ab. 3.000 Ausstattungen hängen hier. Die Frühaufsteher sitzen schon wieder an den einarmigen Banditen und bessern ihre Rente auf.

Zur gleichen Zeit ist Hochbetrieb im Personalbüro: Bis zu 2.000 Bewerber pro Monat fragen nach Arbeit. David sucht einen Job als Kellner. Das heißt, Bewerbung ausfüllen, Drogentest nachweisen und auf ein Gespräch mit dem Abteilungsleiter hoffen. Lächeln soll David. Er hat den Job bekommen, wird einer von ca. 4.600 Rio Angestellten. Die Bezahlung läuft stundenweise und er wird flexibel je nach Bedarf eingesetzt.

Louis war eigentlich gar nicht wild auf Arbeit.

Louis: "Als ich pensioniert wurde, entschieden meine Frau und ich, nach Las Vegas zu ziehen. Wir lieben das Wetter hier, das Klima. Jetzt fang ich mit meiner zweiten Karriere an. Ich kam hierher, um im Büfet-Restaurant zu essen. Der General-Manager ging herum und fragte die Gäste, ob alles in Ordnung sei. Mein Freund, der dabei war, fragte ihn, ob man Metzger im Hotel bräuchte. "Warum, brauchen Sie einen Job?" fragte er. "Nein, mein Freund hier". "Ja, dann soll er morgen zum Vorstellen vorbeikommen". Das hab' ich dann gemacht. Und so bin ich hier. Ich war eigentlich gar nicht auf der Suche nach einem Job. Aber was habe ich schon zu verlieren. Also hab' ich's gemacht."

Um 11:00 Uhr beginnt der Arbeitstag für Carla und ihre Kolleginnen. Sie sind bei einer Firma angestellt, die die Show produziert.

Carla: "Ich bin mit ca. 13, 14 Jahren von Hawaii hierher gezogen. Das war mein erster Besuch auf dem Festland. Wir hatten ein Reisebüro dort. Als das Pleite machte, entschieden wir, nach Las Vegas zu gehen, da hier die Berufsaussichten gut sind und die Lebenshaltungskosten niedriger. So zog die ganze Familie hierher. Ich hatte große Schwierigkeiten Las Vegas zu akzeptieren. In Hawaii war man sehr freundlich und familienorientiert. Hier ist jeder isolierter, es ist schwierig Anschluss zu finden, wenn man aus einem anderen Kulturkreis kommt."

Ob Tänzerin, Bademeisterin oder Kellner: Las Vegas zieht die Arbeitsuchenden in Scharen an. Solange der Run der Gäste aus aller Welt auf das kurze Abenteuer Las Vegas anhält, wird die Expansion weitergehen, das Jobwunder Las Vegas anhalten.

Michael Caspar ist Empfangschef im Rio, Deutscher und seit 2 Jahren in Las Vegas:

Caspar: "Das ist schon etwas sehr Spezielles mit dieser Stadt: Las Vegas ist die am schnellsten wachsende Stadt in den Vereinigten Staaten. Wir als expandierende Firma brauchen viele zusätzliche Angestellte. Wir bekommen viele Bewerbungen, darunter sind Leute, die haben erst als Kellner, dann an der Tankstelle, dann im Krankenhaus gearbeitet. Keiner macht eine Lehre hier. Man arbeitet sie langsam in den Job ein, fängt ganz klein an und hofft, dass man sie aufbauen und in eine höhere Position bringen kann."

Hinter den Kulissen: Carla bei den letzten Vorbereitungen für die dritte Show des Tages.

Carla: "Für mich ist dies der erste Job in solch einer Tanzshow und deshalb ist es ganz o.k. so anzufangen, um langsam zu lernen. Ich wäre schon gerne mehr im Mittelpunkt, wie bei meinen anderen Tanzverpflichtungen, bei denen ich die Hauptrolle hatte, also Soloauftritte. Jetzt bin ich nur im Ensemble mit vielen anderen zusammen."

Louis hat acht Stunden hinter sich, wird aber bestimmt noch zwei, drei Stunden nach dem Rechten sehen.

Louis: "Dies ist die Hauptküche des Hotels. Hier wird überwiegend für das Karneval World Buffet gekocht. Wir haben 18 Restaurants, also auch 18 Küchen, die aber auch aus der Hauptküche versorgt werden."

Carla: "Ich bin jetzt 27, die lassen mich vielleicht noch 10 Jahre tanzen. In den Shows will man hübsche, junge Mädchen sehen. Wenn man dann ein gewisses Alter ... ich weiß nicht welches ... wir haben einige in der Show, die älter und wunderbare Tänzer sind. Ich muss mich absichern, dass ich auf etwas anderes zurückgreifen kann. Deshalb gehe ich wieder zur Schule."

Carla übt in den Pausen für ihr Studium: Sie lernt Gebärdensprache in Abendkursen.

Einarmige Banditen, Roulette, Poker, Crap, Black Jack, Glitzer, Show, Drinks und leichte Musik - sein Glück herauszufordern, ein Abenteuer in exotischer Umgebung zu bestehen, beim Goldrush den großen Coup zu landen. Gewinner sind auf jeden Fall die Casinos. Mit dem Spielbetrieb macht das Rio über die Hälfte seines Umsatzes. Das Vergnügen ist perfekt durchorganisiert, läuft ab wie ein Film - Hollywood ist nur 4 Stunden entfernt. Wenn die Kugel rollt, der Gewinn in greifbare Nähe rückt, dann wird alles andere zur Nebensache. Nur das Glück zählt. Kleine Freuden in einer kontrollierten Unterhaltungswelt, die Milliarden umsetzt.

Die großen Individualisten als Unterhalter sind aus der Mode gekommen. Sammy Davis jr.

Nach allen Seiten breitet die Stadt sich weiter aus, werden neue Wohngebiete in die Wüste gesetzt. Prognosen sprechen von einer Verdoppelung der Bevölkerung im Jahr 2015. Die Stadt- und Kreisverwaltung kommen mit dem Bau der Infrastruktur kaum nach.

Eine zweite Wasserleitung vom Lake Mead in den Nordteil der Stadt ist gerade im Bau, um den steigenden Bedarf zu decken. 24 Millionen Liter Wasser sollen ab 1999 pro Tag durch diese Leitung fließen. Die Entnahme aus dem See wird sich verdoppeln. Bis zum Jahr 2010 ist man sicher, die Stadt versorgen zu können. Dann muss über das Wasser des Colorado River neu verhandelt werden. Sieben US-Staaten und Mexiko hängen am Fluss. Das Wasserwerk am Lake Mead ist alleiniger Versorger von Las Vegas.

Noch scheinen die Grenzen des Wachstums nicht erreicht, neue exklusive Großhotels am Strip sind im Bau. Noch mehr Konkurrenz für die Unternehmer der Innenstadt, die sich aber der Herausforderung gestellt haben, wie Mark Brandenburg erzählt:

Brandenburg: "Die Innenstadt von Las Vegas mit der Fremont Street litt an den gleichen Symptomen wie viele andere große Städte in den USA. Es gab einen innerstädtischen Niedergang, das Wachstum spielte sich außerhalb am Strip oder weiter draußen ab. Die Casinos in der Innenstadt hatten keine Möglichkeit sich zu vergrößern. Es gibt keinen Platz mehr. Also mussten sie plötzlich mit 5.000 Zimmer Mega-Hotelkomplexen konkurrieren.

Steve Wynn revolutionierte die Casino-Industrie: Er wollte den Gästen mehr als nur die Spielmöglichkeit und ein Zimmer geben. Er wollte eine Unterhaltungserlebniswelt kreieren, er setzte einen neuen Standard. Als er ungefähr 1990 das Mirage eröffnete und die Gäste direkt vor der für auf dem Strip einen Vulkan bestaunen konnten, war das was ganz Neues und Einmaliges. Das war eine ernsthafte Herausforderung für die Innenstadt und die Fremont Street.

Die Hotel- und Casinobesitzer taten sich zusammen und sagten sich: Wir müssen unseren Vulkan für Downtown Las Vegas finden. Es gab verschiedenen Vorschläge, unter anderen Las Venice, eine tropische Landschaft durchzogen von Kanälen mit Booten auf der Fremont Street. Aber letztlich gefiel uns eine Idee, die auch funktioniert, nämlich die Fremont Steet Experience."

Ein Dach aus 2,1 Millionen Lampen überspannt die Fußgängerzone auf einer Länge von 4 Blocks. Auf diesem gigantischen Bildschirm laufen mehrmals am Abend wilde Lichtspektakel. "Viva Las Vegas", man feiert in Downtown die Größen, die den Strip berühmt gemacht haben. Stars wie Elvis Presley.

Carla hat ihren 12 Stunden Tag beendet.

Carla: "Ich wohne alleine mit meiner Tochter. Das Apartment gehört meiner Familie. Ich zahle die Miete an meine Mutter. Alles zusammen, Abzahlungen, Kosten fürs Auto, Strom und Telefon, das ist schon eine ganze Menge - viel Geld. Manchmal reicht's nicht, deshalb mache ich viele zusätzliche Jobs, um eine Sicherheit für schlechtere Zeiten zu haben. Wir haben hier in Amerika unheimlich viele Möglichkeiten, was das Business und die Freiheiten betrifft, aber kämpfen gehört auch dazu, nur so kannst du es schaffen. Das stört mich nicht."

Der Geist der alten Zeiten scheint ungebrochen: Auf in den nicht mehr so wilden Westen, um sein Glück zu suchen, sei es bei der Arbeit oder im Spiel.