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Deutscher Sprechertext


Keller Plantation, Louisiana. Einst der strahlend weiße Besitz eines ebenso weißen Plantagenbesitzers. - Der Lack ist ab, das war einmal. "Jeder muss einmal abtreten - you got to move ...".

Der Mississippi, Baumwollplantagen, Sklavenarbeit. Hier am stolzen amerikanischen Strom wurde der Blues geboren.

Der Blues lebt heute noch. Corey Harris weiß warum:

Corey Harris: "Wenn man als Schwarzer, als Afrikaner in Amerika aufwächst, hört man natürlich viele Geschichten von seiner Familie. Das ist unser Erbe, das sagt dir, wer du bist. Ich denke nicht viel über die Sklaverei nach. Ich denke vielmehr daran, was meine Vorfahren mir mitgegeben haben, was sie für mich geopfert haben. Sie bluteten und starben für die zukünftigen Generationen."

Elaine: "Willkommen in Oak Alley. Ich bin Elaine, Ihr Tour Guide. 1837 hat ein Herr Jacques Telespond Remont mit den Bauarbeiten zu diesem Herrenhaus begonnen. Zweieinhalt Jahre später war es fertiggestellt. Sein Schwiegervater, Gilbert Pillier, war der Architekt. Das Haus ist im neo-griechischen Stil errichtet, das zeigen die 28 Säulen, die das Haus umfassen. Die Säulen sind aus Ziegel, die hier auf der Plantage von den Sklaven hergestellt wurden. Sie werden sich sicher wundern, was das hier ist. Wir haben es so aufgebaut wie früher. Früchte, heute nehmen wir Birnen, haben sie für ein paar Monate in Rum eingelegt, bis es gärte. Nach dem Essen kamen die Gentlemen hier in den Salon und nahmen einen Drink. Die eingelegten Früchte aßen sie mit Keksen. Das waren halt noch Zeiten."

Das waren halt noch Zeiten ... Die prächtigen Paläste der weißen Plantagenbesitzer am Mississippi kann man heute noch bestaunen. Sie gehören zum Mythos vom "Good Old South". Gebaut wurden diese Plantation-Häuser auf den blutenden Rücken der Schwarzen. Die Arbeit der Sklaven auf den riesigen Feldern brachten den Farmern einen Wohlstand, den ruhig jeder sehen sollte.

Versteckt werden hingegen bis heute die Unterkünfte der Elenden. Die Bestimmung der Schwarzen war eindeutig - sie hieß Arbeit. Dafür wurden Hunderttausende von den unterschiedlichsten Völkern Afrikas und der Karibik nach Amerika verschleppt. Der Heimat entwurzelt, bildeten sie hier eine bunt zusammengewürfelte "Black Community".

Nahm man ihnen auch die Freiheit, die Macht über ihren Körper, ihre Erinnerung an die Traditionen aus Afrika konnte man ihnen nicht nehmen. Gesang war ein wichtiger Teil davon. Er linderte den Schmerz, wenn wieder einmal eine Familie in alle Winde verstreut, einfach verkauft wurde.

Ein nigerianisches Sprichwort sagt: "Wenn Bäume gefällt werden sollen, musst du singen. Ohne Gesang ist das Buschmesser stumpf." Doch Gesang half nicht immer. Gegen die Peitsche des Aufsehers war er machtlos.

Herrenhaus und Sklavenhütte. In diesem Spannungsfeld entstand der Blues.

"I wish I was in Dixie", das Lied des Südens, des Dixielands. Gespielt auf einer Dampforgel.

Die Dampfkraft machte die Plantagenwirtschaft am Mississippi erst möglich. Die Schaufelraddampfer trugen früher Baumwolle, Zuckerrohr, Tabak zu den Häfen des Südens. Heute schippern sie Touristen zu den alten und neuen Attraktionen des großen Stroms.

Dampfschiff-Durchsage: "Auf der linken Seite sehen Sie zwei ungewöhnliche Häuser im sogenannten Dampfschiffstil, die sich ein Flussschiffkapitän um die Jahrhundertwende bauen ließ. Beide Häuser wurden der Brücke an Bord eines Dampfschiffes nachempfunden."

"Zur Linken passieren wir gerade ein leeres Frachtschiff und danach einen gelöschten Chemikalientanker. Beide Schiffe werden zur Zeit repariert und fahren unter der Flagge von Zypern."

Die Dampfschiffherrlichkeit ist nur noch für die Touristen da. Der Fluss hat seine Romantik verloren. Raffinerien bestimmen heute das Bild der Ufer. Die letzten hundert Flussmeilen des Mississippi weisen eine der höchsten Ballungen von petrochemischer Industrie weltweit auf. Diese Industrie bestimmt heute das Wohl und Wehe der ganzen Region. Die Erzeugnisse des großen Landes konnten im vorigen Jahrhundert nur auf dem Wasserwege transportiert werden. Der Fluss wurde zum "Steamboat Highway", zur Autobahn der Dampfschiffe.

Film "The River": "Getreide und Eichen den Missouri runter. Tabak und Whisky den Ohio runter. Von Pittsburgh, von Saint Louis Hanf und Kartoffeln, Schweine und Mehl. Unser Handel ging aufs Wasser."

In den 40er und 50er Jahren des 19. Jahrhunderts erreichte die Dampfschiffahrt ihren Höhepunkt. Der Boom hatte einen Namen.

Film "The River": "Baumwolle wurde unser König. Eine Million Ballen fuhren wir den Fluss hinunter, dann nach Liverpool und Leeds. 1860 haben wir vier Millionen Ballen den Fluss hinuntergebracht. Baumwolle aus Alabama, aus Mississippi, aus Louisiana. Wir fuhren sie den Fluss runter."

Baumwolle, Dampfschiffe und die Sklaven machten den Süden reich. Eine Stadt profitierte am meisten von dem Boom, sie wurde zur Königin des Mississippi: New Orleans.

Kutscher: ""Willkommen in New Orleans, The Big Easy. Zur Rechten das Herz des French Quarter, Jackson Square. Links Washington Park. Da stehen Kanonen rum, und es gibt dort den Moonwalk. Eine Promenade, die nach dem Bürgermeister Moon Landry so genannt wurde. Zur Rechten das sogenannte Napoleonhaus. 1797 wurde es für Napoleon gebaut, er sollte hier wohnen. Als Napoleon im Exil war, schickte der Bürgermeister von New Orleans den Piraten Jean Lafitte aus, ihn abzuholen. Aber Napoleon ist vorher gestorben und machte damit einen Strich durch die Rechnung. Dieser Eisenbalkon hier oben wurde von den Spaniern gebaut. Viele dieser Häuser da hinten waren Sklavenunterkünfte."

Viele schöne Geschichten. Ob sie alle so ganz wahr sind, ist dem Kutscher egal. Hauptsache, er bekommt am Ende ein gutes Trinkgeld. Aber es stimmt natürlich schon, dass die Franzosen lange die Geschicke der Stadt bestimmten. Und dass die schmiedeeisernen Balkone zuallererst aus Sevilla geliefert wurden. Und natürlich stimmt auch, dass die ehemaligen Sklaven für die Musik in der Stadt sorgten.

Kutscher: "Vor uns ist das House of Blues. Das gehört dem Schauspieler Dan Aykroyd. Tolle Bluesmusik und gutes Essen. Einfach lovely!"

Storyville, so hieß das Unterhaltungsviertel der Jahrhundertwende. Hunderte von Bars und Bordellen drängten sich auf wenigen Blocks. 1917 hatte das Vergnügen ein Ende. Die USA waren in den Ersten Weltkrieg eingetreten, und die Marinesoldaten sollten kämpfen statt ... Ernest J. Bellocq, der Fotograf des Lasters, hielt die Atmosphäre jener Tage fest. Er setzte dem heute planierten Storyville ein Denkmal.

Heute steht kein Haus mehr, wo früher das unzüchtige Leben tobte und eine neue Musik entstand. Louis Armstrong und Jelly Roll Morton spielten in Storyville. The Big Easy, Stadt des Leichtsinns, nennt sich New Orleans heute noch gern. Zu Recht?

Ein bisschen ist wohl geblieben. Corey Harris besingt, was zwischen Mitternacht und Tag alles so passieren kann. "Ein guter Blues ist immer auch eine gute Geschichte", sagt er.

Corey Harris: "Wenn man auf seinem Instrument spielt versucht man, das ist eine alte afrikanische Tradition, es menschlich klingen zu lassen. Ihm eine Stimme zu geben, die spricht. Das ist die höchste Ausdrucksform."

Die afrikanische Musiktradition wurde in New Orleans auch zu Zeiten der Sklaverei gepflegt. Hier auf dem Congo Square trafen sich die Entrechteten Sonntag für Sonntag, tanzten, sangen und trommelten. Die Trommeln vom Congo Square bildeten den Grundstein für die neue schwarze Musik Amerikas, den Blues und den Jazz. Die Wurzeln der Trommelrhythmen steckten im Spiritualismus. Eine Natur-Religion, die ursprünglich in Togo und Nigeria beheimatet war, spielt dabei eine wichtige Rolle: Voodoo.

Alligatoren, Schlangen, Kröten, der Voodoo-Kult ist für den Außenstehenden bizarr. Doch die geheimen Riten haben sich über Jahrhunderte in New Orleans gehalten. Die heilige Mutter Maria ist dabei wichtig. Wichtiger aber noch ist das Grab einer gewissen Marie Laveau.

Hier soll sie begraben sein, die unbestrittene Voodoo-Königin Marie Laveau. In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts war sie die ungekrönte Herrscherin von New Orleans. Anwälte und Politiker holten sich bei ihr Rat. Heute pilgern Touristen zum Saint Louis Friedhof Number One, und kundige Führer geben Auskunft.

Voodoo-Charlie: "Ich mache ein Kreuz, das steht für die Geister, die sich hier treffen. Dann bete ich zu Papa Laba, das öffnet die Tore. Den Kreis mache ich, weil mein letztes Ritual seinen Adressaten erreichte."

Voodoo ist eine Touristenattraktion. Aber es sind nur die Mutigsten, die sich hier auf den abgelegenen Friedhof wagen. Immer wieder kommt es zu Raubüberfällen und Morden. Doch Voodoo-Charlie hat keine Angst. "Die Schwarzen sind meine Brüder", so sagt er, und seinen Touristen sei noch nie etwas passiert. Er fühlt sich als Berufener. Er will die Botschaft des Voodoo und seiner Königin Marie Laveau weitergeben. Sie hatte den Kult gesellschaftsfähig gemacht und auch kommerzialisiert.

Voodoo-Charlie: "Das war jetzt ein ganz kurzes Ritual, das ist sehr beliebt. Ich habe sie um einen ganz besonderen Gefallen gebeten, und dafür habe ich ihr drei funkelnde Pennies gegeben, weil sie Geld mag. Sie ist eben eine kommerzielle Voodoo-Queen. Deshalb muss man ihr immer Geld geben."

Kommerziell geht es auch hier zu. Bourbon Street, die Vergnügungsmeile der Stadt. Neben hübschen Mädchen und billigem Bier wird hier vor allem mit einem um Gäste geworben: Musik. An jeder Ecke ist sie zu hören. In allen Spielarten. Jazz, Blues, Rock'n-Roll, Soul, Rhythm'n-Blues, die ganze Palette schwarzer Musik wird hier verramscht.

Der Kampf um den Dollar ist hart. Tanz und Musik ist hier eine Frage des Überlebens. Bourbon Street, das ist Unterhaltungsindustrie. Die Musik und ihre Künstler bleiben dabei oft auf der Strecke.