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Deutscher Sprechertext


Sie kamen aus England über das große Meer und glaubten sich auf dem Weg zur Seligkeit. Sie nannten sich "Pilgerväter", die Mayflower war ihr Schiff. Man schrieb das Jahr 1620. Doch nicht nur puritanische Pilgerväter, die vor dem Glaubensstreit in ihrer Heimat fliehen wollten, waren auf dem überfüllten Segler. Da gab es auch Kaufleute und Abenteurer. Als sie am 11. November 1620 die Küste Neuenglands erreichten, ging es erst einmal ums nackte Überleben. Ohne die Hilfe der Ureinwohner, der Indianer, wäre das Experiment eines "Gottesstaates" auf amerikanischem Boden wohl schon im ersten Jahr gescheitert.

Der Film "Die Hexen von Salem" spielt an der Küste Neuenglands, genauer gesagt in der 1626 gegründeten Siedlung Salem. Basierend auf einem Theaterstück von Arthur Miller, schildert er die Zeit der ersten Siedler. Ein wichtiges Thema: Die Macht von Glaube und Aberglaube.

Rev. Parris: "Menschliche Dummheit ist grausam! Man kann sie nur durch die Angst besiegen! Wenn Ihr Angst habt vor der Allmacht, die Euer Pastor auf Erden vertritt, wenn Eure Furcht vor der Hölle stärker ist als Eure verbrecherischen Triebe ..."

Proctor: "Schluss jetzt! Reverend Parris, Ihr verletzt Eure Pflicht. Wir kommen zum Tempel, um Gott zu finden, und Ihr spricht von nichts als vom Teufel."

Rev. Parris: "Leute von Salem! Dieser Mann ist ein Gotteslästerer! John Proctor, Gott wird dir niemals verzeihen, dass du den Frieden seines Hauses gestört hast! In Wahrheit sage ich Euch: die Gemeinde muss ihre verfaulten Glieder abstoßen. Nur dann finden wir die Kraft, wieder zu kämpfen für unser Gott, für unsere Erde, für unser Land!"

Wer sich gegen die Kirche stellte, wurde ausgestoßen. Andersdenkende duldeten die strengen Puritaner nicht.

Außenseiter der amerikanischen Gesellschaft sind auch sie. 300 Jahre nach den Hexen von Salem ist die Gothic-Subkultur eine Randerscheinung. Die Band "You shriek" aus Boston macht den Gothic-Sound, der so vielgesichtig sein kann wie die ganze Szene. Nur in einem sind sie sich einig: in der Ablehnung der herrschenden amerikanischen "Unkultur".

"You shriek": "Das Zeug im Radio ist so schrecklich. Das ist eine gute Ausrede, selbst Musik zu machen. Musik, die mir und meinen Freunden gefällt. Deshalb mache ich Musik und deshalb habe ich damit auch angefangen."

Gothic, das sind bleiche Gesichter, schwarze Gewänder und ernste Mienen. Nachdenken über Leben und Tod. Die äußere Form - Kleidung, Frisuren, Styling - ist wichtig. Wichtiger jedoch sind die Inhalte.

"You shrieck": "Trauer, die dunkle Seite in einem, das sind die Themen unserer Musik. Verzweiflung, Isolation, Depressionen, Traurigkeit."

Die "Goths" erschrecken mit ihrem Äußeren und mit ihren "schwarzen" Themen seit fast 20 Jahren die braven Bürger. Diese fragen sich: "Was ist nur los mit unsren Kindern?"

"You shrieck": "So vor 10 Jahren stellten uns die Leute immer wieder die Frage: Ist es die Bedrohung durch den atomaren Holocaust, die euch so werden ließ? Ich habe da nie einen Zusammenhang gesehen."

Gothic - eine Szene, die für sich sein will, die keine Botschaft propagiert. Begeben wir uns auf eine Reise in ihr Inneres.

Der Kräutergarten von Colombine. Sie ist eine Veteranin der Gothic-Szene. Ihren Namen "Colombine" hat sie sich vor Jahren selbst gegeben. Er steht für eine neugeschaffene, gewünschte Identität in einer eigenen Welt.

Colombine: "Es ist der Name einer Figur in der italienischen Comedia dell' Arte, eine umtriebige Unruhestifterin, ebenso der Name eines Bildes von Richard Dadd. Es ist eine meiner Lieblingsblumen, und am wichtigsten: In der viktorianischen Sprache der Blumen steht Colombine für Verrücktheit. Ich bin der Narr des Tarot-Spiels. Blumen sind ein wichtiger Teil meiner Symbolik. Außerdem mache ich aus ihren Essenzen Parfum, und als Hexe gebrauche ich Blumen zum Heilen und zur Magie. Sie sind also ein wichtiger Teil meiner Weltanschauung."

Das materielle Reich von Colombine ist ein 12-Quadratmeter- Dachzimmer, das sie mit einer Katze teilt. Neben dem Blumenparfum verkauft sie selbstgemachten Gothic-Schmuck. Knochen und dunkle Steine sind ihre Lieblingsmaterialien. Via Internet verbreitet Colombine auch einen Gothic-Veranstaltungskalender für den Großraum Boston.

Boston, Massachusetts. Mit mehr als einer halben Million Einwohnern die größte Stadt Neuenglands. "Als Mittelpunkt des Sonnensystems" fühlten sich die Bostoner im vorigen Jahrhundert. Eine große Geschichte, wirtschaftliche Macht und bedeutende Universitäten führten zu dieser Selbsteinschätzung. Heute sieht man das nüchterner: Boston ist die Stadt der Intellektuellen, die auch einmal den Blick über den amerikanischen Tellerrand hinauswagen. Europäische Kultur und Denkweise werden hier mehr geschätzt als anderswo in den USA. Die Universitäten auf der anderen Seite des Charles River profitieren von dieser Weltoffenheit. Hier wird am weltberühmten Massachusetts Institute of Technology, kurz MIT, die naturwissenschaftliche Weltelite ausgebildet, und der Ruhm des nur ein paar hundert Meter entfernten Harvard ist kaum noch zu überbieten.

Cambridge heißt bezeichnenderweise der Ort mit den großen Universitäten. Hier ist das Revier von A. Dominique Cusrack. Cusrack ist natürlich auch ein Phantasiename, und der steht für einen "Goth" vom Scheitel bis zur Sohle. Trotz der liberalen Atmosphäre des Univiertels wird der Exot immer wieder auf Schlapphut und Stulpenstiefel angesprochen.

Cusrack: "Meistens wirst du von groben, unintelligenten Leuten angemacht. Und davon gibt es in Amerika extrem viele."

Cusrack ist ein Impresario der Goth-Kultur. Er organisiert Konzerte und Partys und wirbt für sie, von Tür zu Tür. So verdient er seinen Lebensunterhalt.

Cusrack: "Ich könnte doppelt so intelligent sein und für jeden Job absolut qualifiziert. Wenn ich so in ein Versicherungsbüro gehen würde, um mich für eine Stelle zu bewerben, würden sie mich nur anschauen und sagen: Wir bedauern, ..."

Goths sind Außenseiter. In Boston lässt man sie leben, wenn auch nicht als Versicherungsagenten. Doch Cusrack weiß, dass die Goth-Kultur auf solche Biotope angewiesen ist.

Cusrack: "Im ländlichen Süden der USA würde ich wahrscheinlich sofort bewusstlos geschlagen werden. Dort handeln sie nach dem Prinzip: Was ich nicht versteh', töte ich."

"Trete ein und wachse in Weisheit" - die Wiege der amerikanischen Intelligenz liegt hier: Harvard. Die älteste Universität der USA. In Harvard studiert die Elite von morgen. Bisher erhielten 29 Harvard-Professoren den Nobelpreis.

Die Spitze des amerikanischen Geistesleben ist geprägt von den Ideen der Aufklärung. Darauf ist man stolz, und man setzt sich bewusst ab vom geistlosen "American way of life". Eine Oase in einer immer mehr verflachenden Gesellschaft. Doch der Eintrittspreis hierfür ist nicht ganz billig. Etwa 50.000 Mark jährlich muss aufbringen, wer sein Kind nach Harvard aufs College schicken will.

Nicht nach Harvard, sondern nach Yale, der zweiten Eliteschule des Landes, zieht es diese junge Frau: Heather Morgan. Dort will sie Kunst studieren. Malen ist ihre Leidenschaft, dunkle Farben bevorzugt.

Heather: "Ich wurde als Kind immer unterdrückt und reglementiert. Ich wurde also in einer sehr negativen Atmosphäre erzogen, und deshalb hab' ich mich in mich zurückgezogen. Seit damals bin ich an der dunklen Seite des Lebens interessiert."

Gothic-Kunst. Das ist auch Malerei und Bildhauerei, wenn man die Skulpturen von Nicole so nennen kann. "Engelsskelette" aus Holz, Metall und Schnüren, eingesperrt in Plexiglaskästen sind ihre neueste Installation. "Dust" - Staub - nennt sie ihre Ausstellung, die sie zusammen mit Heather Morgan in einer ehemaligen Bostoner Lagerhalle präsentiert. Da sind sie wieder, die Themen: Tod, Vergänglichkeit, Engel. Typisch Goth. Da darf einer natürlich nicht fehlen: Cusrack will die Künstlerinnen dafür gewinnen, dass sie an einem seiner Performances-Abende im Club ausstellen. Er ist immer unterwegs, um neue Impulse in die Goth-Szene zu integrieren. Hauptsache, es ist düster, ästhetisch und interessant.

Nicole: "Als Kind wollte ich alles in Schachteln und Töpfe einschließen, besonders Erinnerungen. Als ich älter wurde, erkannte ich, dass sogar wundervolle Dinge eingeschlossen in ihren Behältern zerfallen."

Obwohl es so aussieht: Das sind nicht die Hexen von Salem, die später angeklagt werden sollen.

Betty: "Iss! Iss, damit er dich lieben soll!" Abigail: "Isst du das denn auch?" Betty: "Ich brauche Kröten nicht, damit man mich liebt."

Betty: "Für mich ist das." Abigail: "Es ist rot." Betty: "Blut ist das! Und ich trinke es! Ich will, dass einer stirbt!"

Die jungen Mädchen, die sich im Wald treffen, um einer reglementierten Welt zu entfliehen, spielen "Hexentanz". Sie werden entdeckt. In die Enge getrieben, und behaupten, von anderen verhext worden zu sein. Das ist der Anfang der hysterischen Hexenjagd.

Eine bekennende Hexe von heute. Columbine sucht in einem Gothic-Shop passendes Outfit für die große "Höllenparty" am Wochenende.

Das Spiel mit dunklen ausgefallenen Materialien und Kleidungsstücken ist dabei sehr wichtig. Über die Kleidung zeigt auch ein Goth, wer er ist - manche in Lack und Leder, mit Ketten und Korsagen. Dass die meisten Sachen schwarz sind, ist eine Sache, die andere die individuelle Phantasie. Mimi, die Verkäuferin, erklärt:

Mimi: "Es muss nicht schwarz sein, aber es muss etwas Kreatives haben, etwas Elegantes, es muss sich von der Norm unterscheiden. Das kann so weit gehen, dass es eine Art Sinnlichkeit entwickelt. Fast jeder "Goth", den ich kenne, hat eine starke sinnliche Ader."

Das Reich der Phantasie, bei den Goths scheint das meist ein Reich der Dunkelheit zu sein. dass sie brave Bürger mit ihrem Outfit schockieren, ist nur ein Nebeneffekt. Goths tun alles dafür, sich schön zu machen und sich schön zu finden. Schwarze Todesengel sind dabei genauso wichtig wie Columbines "Viktorianische Sprache der Blumen". Und dabei schlüpft sie gern einmal in die Figur der englischen Sagengestalt Jenny Greenteeth, einer Wasserhexe.

Columbine: "Die Menschen sind schön. Jeder von uns auf seine Art. Aber die vorherrschende christliche Kultur sagt, es ist falsch, sich selbst schön zu finden. Wir widersprechen dem. Zu wagen, schön zu sein, ist wichtig."

Concord, Massachusetts. Hier sammelten sich im vorigen Jahrhundert all jene, die es wagten, anders zu denken. Außenseiter, Spinner, Weltverbesserer. Als Transzendentalisten sollten sie einige der größten Persönlichkeiten der amerikanischen Geistesgeschichte hervorbringen. Ralph Waldo Emerson, Henry David Thoreau und Nathaniel Hawthorne bekämpften den einengenden Geist des Puritanismus. Im idyllischen Concord waren sie der Natur sehr nah. Sie propagierten eine Philosophie der Freiheit und experimentierten mit alternativen Lebensformen. Thoreaus Traktat "Civil Disobedience" über die Pflicht, dem Staat den Gehorsam zu verweigern, sollte später keinen geringeren als Mahatma Gandhi beeinflussen. Thoreau zog sich in den Wald zurück, lebte in einer selbstgebauten Hütte, weigerte sich Steuern zu zahlen und schrieb über sein Leben "Zurück zur Natur". Der "grüne Philosoph" vom Walden Pond hat bis heute nichts von seiner Glaubwürdigkeit eingebüßt. Im Gegenteil:

Columbine: "Wir haben die Nase voll von der "Musikhäppchen-Kultur", Zeitungen und Fernsehen mit dem Sprachniveau eines Viertklässlers. Wir lesen gerne, wir machen gern komplizierte Spiele, wir lieben philosophische Diskussionen mit viel Espresso bis drei Uhr nachts. Die meisten von uns zahlen einen hohen Preis dafür, dass sie intelligent sind, denn das ist in dieser Kultur nicht leicht auszuhalten. Du wirst gemieden, ja gefürchtet. Aber wir sind stolz darauf, klug zu sein, durchzublicken und den Mut zu haben, es auch zu zeigen."

Der Hexx-Club in Boston. Ein Refugium der Gemiedenen, der Goths. Hier in der Dunkelheit der mitternächtlichen Party können sie sein, wie sie wollen. Tanzen ist dabei eine wichtige Ausdrucksform. Im Hexx wird die Phantasiewelt der Goths lebendig. Edward mit den Scherenhänden trifft Jenny Greenteeth, die Wasserhexe. Erlaubt ist, was gefällt.

Für die Hexen von Salem gab es kein Refugium, keinen Ort, wohin sie sich zurückziehen konnten.

Frau: "Der Herr Gouverneur kommt!"

Der Gouverneur schaltet sich in den historischen Fall ein. Seine Motive sind eindeutig politisch. "Hexen", das steht für Andersdenkende, Unbequeme, politische Feinde. Arthur Miller, der das Stück in der McCarthy-Ära, der Zeit der Hexenjagd auf Kommunisten in den 50er Jahren schrieb, lässt den Gouverneur sich selbst entlarven. Statt Hexen könnte er auch Kommunisten sagen oder Homosexuelle.

Hale: "Euer Ehren, ich bin nicht sicher, bei meinem Gewissen ..."

Gov.: "Und mit guten Gewissen, Hale, versichere ich Euch, dass das Mädchen verhext ist. Das Land steht zwei Fingerbreit vor seinem Untergang! Der Feind ist unter uns, meine Herren, mitten unter uns! Das Unglück, das Euch betroffen hat, ist die Folge einer mächtigen Verschwörung. Sie reicht bis Boston."

Frau: "Die Hexen!"

Gov.: "Ja, Hexen! Gemeines Volk der niederen Klasse, das sich nicht fürchtet, einen Pakt mit dem Teufel zu schließen, um uns zu beherrschen. Hier ist die Gelegenheit, sie zu entlarven. Ich erfülle meine Pflicht, Hale. Solange ich lebe, wird das Land nicht die Beute dieser Kanaillen!"

Witch-Museum: "Willkommen im berühmten Hexenmusem von Salem. Wir zeigen ihnen die Hexenprozesse, die 1692 in Salem stattgefunden haben. Glauben Sie an Hexen? Millionen Ihrer Vorfahren taten es. Das Gesetz unterwarf sich freiwillig dem Wahnsinn des Pöbels. Und noch bevor alles vorüber war, hingen 19 Menschen am Galgen. So starb George Borroughs, ein Pfarrer, und 18 andere 1692. Der Hexerei angeklagt von ihren Feinden, abergläubischen Nachbarn, jungen Mädchen, die einer Hysterie verfallen waren."

Die Statue von Roger Conant, des Gründers von Salem, alles andere als ein Hexenjäger. Er wollte eine blühende Hafenstadt errichten. Die Seefahrt sollte zum Rückgrat von Salems Reichtum werden. Auf den "Witwenstegen" der Kapitänshäuser warteten die Frauen auf die Heimkehr ihrer Männer. Der Hafen war früher einer der aktivsten der Ostküste. Doch trotz all der wirtschaftlichen Erfolge, das Erbe der Hexenverfolgung von Salem überschattet bis heute die Stadt mit ihren historischen Gebäuden. Arthur Miller schreibt:

"Den Teufel in der Gemeinde zu wissen, kann recht gelegen kommen. Denn hat nicht jeder einen Nächsten, dessen Weib und Hab und Gut er begehrt? Der ihm zu klug, zu kritisch, zu fremd ist?"

Rebecca Nurse war so ein "armer Teufel". Sie war eine der 19 unschuldig Gehenkten. Als späte Wiedergutmachung wurden Gedenksteine in die Friedhofsmauer von Salem eingelassen. Ein Grabstein aus der Zeit der Hexenhysterie. Friedhöfe, besonders alte, sind wahre Magneten für die heutigen Goths. Cusrack weiß, warum.

Cusrack: "Jeder Goth wird von einer dunklen Ästhetik angezogen. Der Friedhof ist eine wahre Fundgrube für die am Tod interessierten. Die kunstvollen Grabsteine, speziell die richtig alten mit Totenkopf und gekreuzten Knochen, wunderschöne Skulpturen. Es ist einer der wenigen Plätze, die es in unserer modernen Gesellschaft noch gibt, die man betreten kann und vollkommen von ihnen umgeben sein kann."

Die Gothic-Jugend wird in den puritanischen USA tabuisiert. Die glänzende Oberfläche des wirtschaftlichen Erfolges darf nicht in Frage gestellt werden. Sauber, angepasst, erfolgreich, so wünscht sich eben ein Vater seinen Sohn.

Das Einstechen von Mustern in die Haut bei gleichzeitigem Einbringen von Farbstoffen ist ein schmerzhafter Prozess. Einfach gesagt: tätowieren tut sauweh! Viele Goths nehmen die Schmerzen auf sich. Sie beziehen die Haut in das Gesamtkunstwerk Gothic mit ein. Cockroach, ein Freund von Columbine, hat sein Tattoo selbst entworfen. Das Motiv umkreist natürlich das Thema Jenseits, den Tod.

Nathaniel Cravenzola nennt sich selbst Piercing-Künstler. Er lebt ganz gut davon, dass "anscheinend immer mehr Leute die Freude am Schmerz entdecken" und sich an den unmöglichsten Stellen stechen lassen. Nathaniel findet den Körperschmuck einfach schön und viele seiner Kunder aus der Gothic-Szene auch.

4. Juli, Unabhängigkeitstag. Amerika feiert. Weit weg vom bunten Feuerwerk feiern die Goths im dunklen Man-Ray-Club. Sie feiern sich selbst, denn der 4. Juli ist für sie eine Farce. Wirklich unabhängig - und sie meinen damit geistig und kulturell - seien die wenigsten Amerikaner. Die Fast-Food-Hollywood-Massenkultur spiele ihnen doch nur eine pseudo-Unabhängigkeit vor.

Cusrack, der D'Artagnan der Goth-Szene, lebt für die Clubabende. Hier verstehen ihn die Leute. "Nur so kann ich überleben, in dieser verblödeten Gesellschaft", sagt er am Ende des Abends.