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Unterricht: Tastsinn

Einsatz im Unterricht

Leitgedanke zum Kompetenzerwerb für Biologie

(Bildungsplan Gymnasium Baden-Württemberg 2004, S.202 ff):
Der Biologieunterricht ermöglicht den Schülerinnen und Schülern die unmittelbare Begegnung mit Lebewesen und der Natur. Sie verstehen die wechselseitige Abhängigkeit von Mensch und Umwelt... Der Biologieunterricht eröffnet… faszinierende Einblicke in Bau und Funktion des eigenen Körpers und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitserziehung.

Die Sendung zeigt verschiedene Bedeutungen des Tastsinnes am Beispiel bekannter Tiere aus der Erlebenswelt der Schüler. Dadurch bekommt der Film direkten Bezug für den Biologieunterricht, zum Beispiel in 5. und 6. Klassen des Gymnasiums (Haupt- und Werkrealschule: Klasse 9; Realschule: Klasse7 und projektorientierter Unterricht: Klasse 10). Der beständige Wechsel mit Bildern aus dem Alltag einer blinden jungen Frau verknüpft dabei das persönliche Mitgefühl der Schüler mit der Erkenntnis, welche Vielfalt an Umweltreizen unser Tastsinnesorgan „Haut“ aufnehmen kann. (www.bildungsstandards-bw.de)

Löwenzahn, Finger auf Braille-Schrift, Massage (Quelle: SWR)

Unsere Fingerspitzen sind sehr feinfühlig. Durch sie bekommen wir zahlreiche Informationen.

Die Sendung eignet sich sehr gut, um einige der grundlegenden Prinzipien der Biologie bewusst zu machen und zu vertiefen:

  • Angepasstheit von Lebewesen in Bau und Lebensweise: Jäger im Dunkeln – Tasthaare, Katze oder Seehund.
  • Struktur und Funktion: Der Bau und die Funktion von Organen stehen im direkten Zusammenhang – Aufbau der Haut.
  • Information und Kommunikation: Lebewesen tauschen Informationen aus, um sich zu verständigen. Sie zeigen typische Verhaltensweisen – Spinnenmännchen beim Werben. Ausgehend von diesen Ansätzen ist der Film als Einstieg in die vergleichende Biologie (Unterstufe) hervorragend geeignet. Durch die Einbindung der blinden Sportlerin erhält der Film gerade für Unterstufenklassen noch zwei weitere wertvolle Unterrichtsziele:
    1. Erwerb von sozialer Kompetenz im Umgang mit einem „Außenseiter“. Das Filmbeispiel stellt eine geringe Hürde dar und ist deshalb besonders geeignet, um diese Problematik auch fächerübergreifend in Klassenlehrerstunden zu thematisieren. (LionsQuest – Programm/Mobbing MoF „Mensch ohne Freund“/Gewaltbereitschaft/...)
    2. Praktikum und Methodenkompetenz: Wie fühlt man sich, wenn man nichts sieht? Diese Frage schwebt durch den Film und motiviert zum eigenen Experimentieren. Hier genügen meist schon vorgegebene Versuchsziele, um die Ideenvielfalt der Schüler anzustoßen. In diesem Zusammenhang lassen sich dann die Fragestellung, die Vorgehensweise, Durchführung und das Protokoll eines naturwissenschaftlichen Versuches erlernen.
    „Für mich ist es sowieso selbstverständlich, Dinge anzufassen, um sie zu erleben.“
    Dieses Motto von Verena Bentele könnte der Titel eines Schülerpraktikums sein. Mögliche Aktivitäten:
    - Barfußpfad (Walderlebnispfade)
    - eigene Orientierung mit und ohne Stock im Klassenzimmer/in der Schule
    - Vertrauen auf Anweisung eines Begleiters (Absprachen)
    - Ertasten verschiedener Gegenstände (Lebensmittel, kalt-heiß, Blindenschrift u.a.)
    - klassische Versuche über Sinneszellendichte an Hand, Arm, Lippen (Tastborsten)

Der Sendung würde man allerdings nicht gerecht werden, wenn man die Intentionen des Mittelteils überginge. In klaren und gut verständlichen 3-D-Animationen werden die verschiedenen Sinneszelltypen, die sich in unserer Haut finden in Form, Lage und Aufgaben vorgestellt. Damit öffnet der Film den Zugang für Klassen der Mittelstufe. In den Bildungsstandards der Stufen 8 und 10, Gymnasium Baden-Württemberg beispielsweise, heißt jeweils das zweite Thema: Der Körper des Menschen und seine Gesunderhaltung.

Dabei sind in Stufe 8 die Sinnesorgane nicht explizit zu erarbeiten. Es geht dort um das Verdauungssystem und die körperlichen Entwicklungen. Dennoch bietet sich gerade für 8. Klassen eine interessante Verknüpfung an:
Erfahrungsgemäß lassen sich Schüler mit Inhalten, die sie persönlich betreffen, leichter erreichen. Deshalb wäre eine Doppelstunde zum Thema „Haut – unser größtes Sinnesorgan“ mit Schwerpunkt auf den Veränderungen der Haut in der Pubertät sicher nicht ungeschickt. Auf diese Weise kann man also ein abschließendes Beispiel eines Organs in der Einheit „Von der Zelle zum Organismus“ vorstellen und zugleich die neue Einheit „Gesunderhaltung des menschlichen Körpers“ vorstellen.

Meissnersche Körperchen, Freie Nervenendigungen in der Haut, Merkelsche Scheiben (Quelle: SWR)

In der Haut liegen verschiedene Formen von Sinneszellen. Gemeinsam registrieren sie schon leiseste Berührungen der Hautoberfläche.

Mit Fachbegriffen wie Meissnersche Körperchen, Merkelsche Tastzellen und Auflösung/Schwellenwert der Fingerbeeren erhält der Film auch den Anspruch, für 9./10. Klassen als motivierender Einstieg geeignet zu sein.
Von den grundlegenden biologischen Prinzipien werden hier in geeigneter Form angesprochen:
Struktur und Funktion. Es ist ein Unterschied, welchen Reiz eine Sinneszelle wahrnimmt. Freie Nervenendigungen dicht unter der Hautoberfläche sind ideal für schnelle Informationsaufnahme: stechende Schmerzen. Dagegen reagieren die tief in der Haut liegenden Pacinischen Körperchen (= Lamellenkörperchen) auf großflächigen Druck, zum Beispiel bei Massagen.
Information und Kommunikation. Die Sendung deckt beide Optionen dieses Themas ab.

An klaren Beispielen zeigt sie die Kommunikation zwischen Individuen gleicher oder unterschiedlicher Arten. Der Nahrungserwerb des Teichläufers, einer Robbe oder einer Spinne zeigen eine auffällige Gemeinsamkeit: Ohne Tastsinn würden dies nicht gelingen. Das Balzklopfen des Spinnenmännchens oder die Kontaktaufnahme mit Händeschütteln oder Küssen: ohne Tastsinn erfolglos.

Spinnenpärchen (Quelle: SWR)

Spinnen kommunizieren mit Hilfe ihres Tastsinns

Mit dem Blick auf die Sinneszellen, ihre Lage in der Haut und ihrer Informationsaufnahme leitet der Film zum zweiten Teil des biologischen Prinzips der Kommunikation über: Die Zellen eines Lebewesen stehen miteinander in Kontakt, auch sie verständigen sich. Neben diesen Prinzipien wird die Entwicklung folgender fachlicher Kompetenzen eingeleitet. Die Schüler können
- die Sinnesorgane des Menschen im Überblick beschreiben;
- das Wirkungsprinzip der Sinneszelle als Signalwandler beschreiben;
- sie wissen, dass Reize in elektrische Signale umgewandelt werden, die zum ZNS weitergeleitet und dort verarbeitet werden.
Diese Inhalte sind natürlich nicht wie in einem neurophysiologischen Lehrfilm abgehandelt, sondern sie werden an Alltagsbeispielen aufgezeigt. Der Film eignet sich somit für 10. Klassen zu Beginn einer Unterrichtseinheit, um den Schülern einen Überblick über die Vielzahl der Teilthemen zu verschaffen. Ein mögliches Unterrichtskonzept wäre hier Lernen an Stationen oder ein Gruppenpuzzle mit dem Titel: Die Haut – unser größtes (Sinnes-) Organ.

Expertengruppen/Stationen

  • zur Anatomie, (Worauf basiert der Fingerabdruck? Welche Sinnesleistungen hat die Haut? Unterschiedliche Verschiebbarkeit bei Handfläche, Fußsohle, Bauchdecke – warum? usw.)
  • einfache Praktikaversuche (Reizschwelle an verschiedenen Körperregionen, relatives Empfinden: Wie heiß ist etwas genau? Wärmer oder kälter? .... )
  • Hauterkrankungen (Pilze, Hygiene), Verletzungen (Warum gibt es mal Narben, mal keine?)
  • Blind sein (vergleiche Vorüberlegungen Stufe 5/6)

Da fast alle neuen Schulbücher Praktikumseiten mit den gängigsten Versuchen zum Thema Haut enthalten, sollen die hier in den Anhang gestellten Arbeitsblätter/-aufträge alternativ die vom Film gebotenen Ansätze aufgreifen. Beim Arbeiten mit einem Film ist auch das Üben aufmerksamen Zuhörens und Beobachtens (hier eines Filmes) mit anschließend beschreibender Informationssicherung wichtig (= Methodenkompetenzen).

Arbeitsblätter

  • Arbeitsblatt 1: Was unser größtes Sinnesorgan alles kann! (I)
  • Arbeitsblatt 2: Was unser größtes Sinnesorgan alles kann! (II)
  • Arbeitsblatt 3: HAUTNAH – unser größtes (Sinnes-)Organ im Fokus!
  • Arbeitsblatt 4: Das geht unter die Haut – Umweltreize wahrnehmen (I)
  • Arbeitsblatt 5: Das geht unter die Haut – Umweltreize wahrnehmen (II)
  • Lösungen