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Hintergrund: Tiere an Land

Das Konzept der Schnurrhaare

  • Maus (picture-alliance / dpa) Die Tasthaare einer Maus decken eine Fläche ab, die ungefähr dem Querschnitt der Maus entspricht

Schnurr- oder Tasthaare, auch Sinushaare oder Vibrissen genannt, unterstützen den Tastsinn vieler Säugetiere, besonders von Landraubtieren und Nagern, aber auch von Robben. Die Haare sitzen vor allem im Gesicht und auch an den Beinen und Pfoten und sind außergewöhnlich lang und fest im Vergleich zur restlichen Körperbehaarung. Während die Tastsensoren in der Schnauze für direkte Berührung zuständig sind, erkunden die Tasthaare die etwas weitere Umgebung.

Beim Fühlen helfen sie, weil ihre Wurzel, der Haarbalg, von feinen Nervenenden umschlungen ist. Wird die Haarspitze ausgelenkt, bewegt sich nach dem Hebelprinzip auch das andere Ende. Die Anordnung der Haare gibt den Tieren selbst im Dunkeln eine gute Rückmeldung über Gegenstände, Beute oder auch Luftbewegungen in der nahen Umgebung. Bei Katzen melden die Tasthaare schon im Vorfeld, ob ihr Körper durch eine Öffnung passen wird. Pferde und Rinder begutachten damit vor allem ihr Futter.

  • Schnittbild der Haut mit Haarbalg (Quelle: picture-alliance; dpa / Klett GmbH) Schnittbild der Haut mit Haarbalg

Auch Ratten, Kaninchen und andere Nagetiere nutzen ihre Vibrissen zur Orientierung. Maulwürfe und Nacktmulle, die vorwiegend unter der Erde leben, besitzen zahlreiche Tasthaare im Gesicht, an den Pfoten und auch der Schwanzspitze und erspüren Erschütterungen der Erde. Für die Nacktmulle sind die Tasthaare sogar die einzige Körperbehaarung, dafür besitzen sie sogar welche im Maul.

An Hauskatzen und Hunden lässt sich besonders gut beobachten, wie sie die Tasthaare um die Schnauze und über den Augen aktiv zur Erkundung einsetzen. Stehen sie breit gefächert und vorwärts gerichtet, so ist das Tier aufmerksam, angespannt und bereit fürs Unbekannte. Stehen die Haare eher seitwärts oder zurückgelegt, so ist das Tier eher entspannt oder scheu.

Lebensnotwendige Haare

Im Hirn der Tiere ist den Signalen dieser Tasthaare ein ungewöhnlich großer Bereich zugeordnet. Verlieren sie ihre Vibrissen, etwa durch Unfall, Feuer oder durch gedankenloses Abschneiden, ist ihnen ein wichtiger Teil ihrer Sinneswahrnehmung genommen. Sie bewegen sich deutlich ungeschickter, und manche Tiere müssen sogar verhungern.

Andere Tastorgane

Tastorgane bei Säugetieren sind immer entweder die Tasthaare (Vibrissen) an verschiedensten Körperstellen oder eine Anordnung der verschiedenen Mechanorezeptoren. Im Vergleich zum Menschen sind die Tastzellen aber noch viel dichter in der Haut angeordnet. So ist etwa die Hundeschnauze oder der Schweinerüssel um ein Vielfaches empfindlicher als die menschliche Zunge. Die Tiere erhalten über einfaches Abtasten ein deutlich detaillierteres Bild ihrer Umwelt als selbst ein optimal aufs Fühlen trainierter Blinder.

  • Die blinde Verena Bentele spielt mit einem Elefanten (Quelle: SWR) Elefanten erkunden mit Hilfe des Rüssels ihre Umgebung

Elefanten

Auch bei Elefanten ist der Rüssel das wichtigste Tastorgan. Unzählige Sensorzellen an seiner Spitze verraten ihm Details seiner Umgebung. Das ist auch nötig, da Elefanten relativ schlecht sehen.

So tasten sie nicht nur ihr Futter ab, sondern auch den Weg vor sich, bevor sie ihre Füße dorthin setzen. Elefanten sind sehr vorsichtig und würden auch den Porzellanladen unbeschädigt wieder verlassen, wenn sie nicht in Wut oder Panik geraten.

Ein Mythos ist allerdings, dass Elefanten mit den Füßen hören könnten. Sie können zwar über weite Strecken kommunizieren, indem sie für den Menschen unhörbar tiefe Brummtöne im Infraschallbereich von sich geben, die sich auch als Vibrationen im Steppenboden fortpflanzen können. Sie nehmen die Töne aber mit den Ohren wahr.

Erschütterungssensoren in den Füßen findet man nur bei Spinnen und anderen Gliedertieren - oder indirekt bei Katzen oder Maulwürfen, die dort Vibrillen sitzen haben.

Der Tastsinn der Vögel

Auch für Vögel ist der Tastsinn von großer Bedeutung. Dabei wird die Druckinformation, die beim Fliegen auf den Federn lastet, vom Hirn automatisch in die richtige Flügelstellung umgerechnet. Doch viele Vögel nutzen den Tastsinn auch bei der Nahrungsaufnahme: Ihre Schnäbel und Zungen sind überraschend empfindsam, vor allem bei würmer- und madenfressenden Vögeln. Sie müssen ihre Beute im seichten Wasser, im schlammigen Schlick, im dunklen Erdboden oder hinter borkiger Rinde ertasten. Vögel, die viel auf Bäumen umherklettern oder den Stamm entlang laufen, nutzen zusätzlich Tastrezeptoren in den Füßen.

Insekten, Spinnen und andere Gliedertiere

Insekten (sechs Beine), Spinnen (acht Beine) und andere Gliedertiere wie etwa Skorpione haben keine flexible Haut wie Säugetiere. Ihr Körper sitzt in einem mehr oder weniger starren Außenskelett. Deshalb finden sich ihre Tastorgane entweder an Fühlern, Beinen, Greifern oder Haaren, die über den Körper verteilt sind.

  • Skorpion (Quelle: picture-alliance / dpa) Skorpione besitzen an der Unterseite des Körpers Tastorgane, die Kammorgane und Kammzähne

Insekten wie Schmetterlinge, Käfer, aber auch Kakerlaken besitzen Fühler bzw. Antennen, an deren Spitzen sich verschiedene Sinnesorgane bündeln. Mechanorezeptoren sitzen neben Sinneszellen für Geruch oder Temperatur und helfen dabei, Nahrung zu finden und die Umwelt einzuschätzen. Kleine Fliegen z. B. können damit die Windstärke abschätzen, so dass sie nicht fortgeweht werden. Bei Wasserläufern sitzen die Mechanorezeptoren aber an den Beinen, damit sie Erschütterungen der Wasseroberfläche rasch wahrnehmen.

Zusätzlich sitzen an den Mundwerkzeugen oft Taster, sogenannte Palpen, die die Nahrung vor dem Fressen noch mal prüfen. Und Tasthaare an den Beinen sorgen dafür, dass keine Berührung, Erschütterung oder Luftströmung unbemerkt bleibt.

  • Vogelspinne (Quelle: picture-alliance ⁄ dpa) Vogelspinne besitzen an ihren Beinen sehr viele Tasthaare

Erschütterungen spüren

Während Insekten meist kaum behaart sind, tragen Spinnen viel mehr Tasthaare, aber auch spezielle Mechanorezeptoren, z. B. Spaltsinnesorgane, in den Beingelenken. Zudem dient das erste Beinpaar oft nicht mehr zum Laufen, sondern ist als Taster und oft als Greifer umgebildet. Vor allem die netzbauenden Spinnen sind darauf ausgerichtet, Erschütterungen zu spüren. Wenn sie am Rand des Netzes sitzen, merken sie daran nicht nur, dass eine Beute ins Netz gegangen ist. Aus der Vibration selbst können sie auch recht genau schließen, was für eine Art dort zappelt und wie groß sie ist. Die Spinnen erkennen ebenfalls, wenn sich ein Partner zur Paarung nähert. Und war die Spinne eine Weile weg vom Netz, so wackelt sie nach Rückkehr kurz daran, um an der Schwingung festzustellen, ob sich in der Zwischenzeit eine Beute gefangen hat.

Vogelspinnen sind über und über mit einem Pelz aus Tasthaaren bedeckt: Sie wohnen in engen Höhlen und Gängen und sind darauf angewiesen, ständig - mit allen Haaren - ihre Umgebung abzutasten. Ihre Beute oder ihre Nachkommen kann sie im Dunkeln nicht sehen, aber hervorragend ertasten.