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Hintergrund: Der Ausbruch des Krieges - Die Protagonisten

Marina Yurlova (1900-1984)

  • (Quelle: Public Domain) (Quelle: Public Domain)

Nach Kriegsausbruch sucht die 1900 geborene Marina Yurlova ihren Vater, einen Oberst der Kuban-Kosaken, vergeblich an der Front. Sie findet Anschluss an eine Kosakeneinheit, kämpft während des gesamten Kriegs als Kindersoldatin und wird dabei mehrmals schwer verwundet.

• geboren 1900 in Ekaterinodar (heute Krasnodar) in Südrussland
• ist Tochter eines Obersts der Kuban-Kosaken, der sofort mit Kriegsbeginn an die Front zieht
• folgt ihrem Vater an die Kaukasus-Front, ohne ihn zu finden
• kämpft als Kindersoldatin bei einer Kosakeneinheit, wird mehrmals verwundet und (nach eigenen Angaben) mit dem Georgskreuz ausgezeichnet
• erleidet eine Kriegsneurose und wird lange in Nervenheilanstalten behandelt
• wird nach der Oktoberrevolution 1917 als Kosakin von den Bolschewiki als Feind angesehen und ist von Hinrichtung bedroht
• kämpft im russischen Bürgerkrieg an der Seite von General Kappel in der weißgardistischen Armee
• flieht 1919 nach Wladiwostok, einer der letzten Bastionen der Weißen
• gelangt über Japan ins Exil in den USA, wird Tänzerin und heiratet
• Memoiren über ihre Erlebnisse im Krieg erscheinen 1931 unter dem Titel "Cossack Girl" und erregen großes Aufsehen
• schreibt ab den 1930er-Jahren Bücher und ein Theaterstück und meldet mehrere Patente an
• stirbt 1984 in New York

Käthe Kollwitz (1867-1945)

  • (Rechte: VG Bild-Kunst) (Rechte: VG Bild-Kunst)

Käthe Kollwitz ist bereits zu Kriegsbeginn im Jahr 1914 eine bekannte Künstlerin. Sie lebt mit ihrem Mann, dem Arzt Karl Kollwitz, und den beiden erwachsenen Söhnen Hans und Peter in Berlin. Sie ist bekennende Sozialdemokratin. Sie ist innerlich zerrissen, als beide Söhne in den Krieg ziehen wollen.

• geboren am 8. Juli 1867 in Königsberg/Ostpreußen
• studiert ab 1886 Kunst in Königsberg, München und Berlin
• heiratet 1891 Karl Kollwitz und siedelt nach Berlin über
• Geburt ihres ersten Sohns Hans 1892
• Geburt ihres zweiten Sohns Peter 1896
• feiert mit ihrem Zyklus "Ein Weberaufstand" im Rahmen der Großen Berliner Kunstausstellung 1898 den künstlerischen Durchbruch
• Ablehnung durch Kaiser Wilhelm II., der ihr trotz des Vorschlags der Jury eine Medaille verweigert
• Tod ihres Sohns Peter in Belgien kurz nach Ausbruch des Kriegs
• fasst den Plan zu einem Denkmal für den gefallenen Sohn, das erst 1932 mit dem Mahnmal "Die trauernden Eltern" erfolgt
• wird 1919 als erste Frau Mitglied der Preußischen Akademie der Künste
• erhält 1929 den zivilen Orden "Pour le Mérite"
• unterschreibt 1932 den "Dringenden Appell" zum Zusammenschluss der SPD und KPD, der bei den Reichstagswahlen am 31. Juli eine nationalsozialistische Mehrheit verhindern soll
• wird 1933 gezwungen, aus der Preußischen Akademie der Künste auszutreten
• inoffizielles Ausstellungsverbot für ihr Werk im Jahr 1935
• ältester Enkel Peter, benannt nach dem gefallenen Sohn, fällt 1942 in Russland
• stirbt am 22. April 1945, wenige Tage vor Kriegsende, in Moritzburg bei Dresden

Karl Kasser (1889-1976)

  • (Rechte: Bertl Strasser) (Rechte: Bertl Strasser)

Karl Kasser stammt aus einer Bauernfamilie in Niederösterreich. Trotz einer verkrüppelten Hand wird er kurz nach Kriegsbeginn als Soldat einberufen. Im Juni 1915 wird er in Galizien von seiner Truppe abgeschnitten und gerät schwer verwundet in russische Kriegsgefangenschaft. Nach der Behandlung in einem Lazarett in Moskau beginnt eine endlose Odyssee durch zahlreiche sibirische Gefangenenlager.

• geboren 1889 in Kilb / Niederösterreich
• wächst im Bauernhaus seiner Eltern auf
• arbeitet in der Landwirtschaft
• wird im November 1914 trotz einer verkrüppelten Hand eingezogen
• wird während der Offensive von Gorlice-Tarnów im Juni 1915 schwer verwundet und gerät in russische Gefangenschaft
• wird in zahlreichen Gefangenenlagern als Zwangsarbeiter eingesetzt, unter anderem in der Landwirtschaft, im Bergwerk und beim Straßenbau
• sein Lager gerät während des russischen Bürgerkriegs unter die Kontrolle der weißgardistischen Tschechoslowakischen Legion
• kehrt erst im Oktober 1920 aus der Gefangenschaft in die Republik Österreich zurück: ein Land, das erst 1918 entstanden ist
• arbeitet als Straßenwärter im heimatlichen Kilb
• heiratet und hat zwei Kinder
• beide Kinder sterben tragischerweise sehr früh im Alter von neun beziehungsweise elf Jahren
• stirbt 1976 im Alter von 87 Jahren

Yves Congar (1904-1995)

  • (Rechte: Droits Réservés (DR)) (Rechte: Droits Réservés (DR))

Yves Congar wächst in Sedan im Norden Frankreichs auf. Er erlebt, wie seine Heimatstadt im August 1914 von deutschen Truppen erobert wird und bis zum Waffenstillstand 1918 besetzt bleibt. Während des Krieges wird sein Vater als Zwangsarbeiter nach Deutschland deportiert.

• geboren am 8. April 1904 in Sedan als Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers
• tritt 1925 in den Dominikanerorden ein und studiert Theologie und Philosophie
• wird 1930 zum Priester geweiht
• nimmt als Sanitäter in der französischen Armee am Zweiten Weltkrieg teil
• gerät in deutsche Kriegsgefangenschaft und ist von 1940 bis 1945 im Gefangenenlager im sächsischen Colditz interniert
• engagiert sich in den 1950er-Jahren in der Bewegung der "Arbeiterpriester" und erhält vom Vatikan ein dreijähriges Lehr- und Publikationsverbot
• ist von 1962 bis 1965 einflussreicher Berater beim Zweiten Vatikanischen Konzil
• wird 1994 von Papst Johannes Paul II. zum Kardinal ernannt
• stirbt am 22. Juni 1995 in Paris und wird in der Gruft der Dominikaner auf dem Friedhof Montparnasse beigesetzt

Elfriede Kuhr (1902-1989)

  • (Rechte: Edition Memoria, Thomas B. Schumann) (Rechte: Edition Memoria, Thomas B. Schumann)

Bei Kriegsausbruch lebt die 12-Jährige Elfriede Kuhr gemeinsam mit ihrer Großmutter in Schneidemühl in der preußischen Provinz Posen. Die Stadt, die etwa 100 Kilometer vor der deutsch-russischen Grenze liegt, wird im Krieg zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt des deutschen Heeres.

• geboren am 25. April 1902 in Schneidemühl, Provinz Posen
• verbringt ihre Kindheit und Jugend gemeinsam mit dem älterem Bruder Willi bei der Großmutter in Schneidemühl
• Mutter betreibt eine Musikschule in Berlin
• Vater lebt getrennt von der Familie in Danzig
• hilft während des Krieges ihrer Großmutter, die eine Rotkreuzstation für durchfahrende Soldaten und Verwundete leitet
• genießt nach Kriegsende eine klassische Ballettausbildung
• erlangt Bekanntheit durch Soloprogramme als Ausdruckstänzerin; die Auseinandersetzung mit dem Ersten Weltkrieg ist entscheidend für ihre Arbeit
• nimmt den Künstlernamen Jo Mihaly an
• heiratet 1927 den jüdischen Regisseur und Schauspieler Leonhard Steckel
• engagiert sich politisch und sozial in verschiedenen kommunistischen Organisationen
• emigriert 1933 mit ihrem Mann in die Schweiz
• wirkt als Tänzerin in Zürich, später als Schriftstellerin in Ascona
• stirbt am 29. März 1989 in Seeshaupt, Bayern