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Hintergrund

Südkorea - Kurzporträt


Lage:
Ostasien, zwischen China und Japan

Größe:
99.000 km²

Klima:
Vier Jahreszeiten mit heißem, feuchten Sommer und kaltem, trockenen Winter (große Unterschiede zwischen der subtropischen Region um Busan im Süden und dem von sibirischen Wintern geprägten Norden um Seoul)

Landschaft:
Fast 60% bergig, meist junger Mischwald, Nadelwald, vier große Flüsse, 2400 km Küstenlinie am Gelben Meer, am Japanischen Meer und an der Tsushimastrasse
Höchster Berg: Hallasan (auf der Insel Jeju) 1950 m
Grenze Nord- und Südkorea „Demilitarisierte Zone“ (DMZ): 248 km lang

Städte:
Hauptstadt Seoul, (Großraum) 23 Millionen Einwohner; Busan 3,8 Mio.; Incheon 2,5 Mio.; Daegu 2,5 Mio.; Changwon-Masan-Jinhae 1,08 Mio.

Bevölkerung:
50 Millionen Einwohner. 80 % leben in Städten. 1 % Ausländer (1960: 25 Millionen Einwohner)

Wirtschaft:
Hauptsächlich exportorientierte Industrie (Landwirtschaft nur noch 3% Anteil am Bruttoinlandsprodukt, 1960: 45% Anteil Landwirtschaft)
Ausfuhr: 30% Elektronik, Nachrichtentechnik, TV, Exporte vor allem nach China, USA, Hongkong und Japan.
Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner: 2010 20.000 US Dollar (1960: 80 US Dollar)

Religion (2005):
46 % ohne Religion, 22 % Buddhisten, 30 % Christen, Rest kleinere Glaubensgemeinschaften

Bildung:
97% besuchen die Highschool, Lesefähigkeit (Koreanisch) 98%, 3,5 Mio. Studenten an 400 Hochschulen, sehr wenig ausländische Studierende

  • Südostasien (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)
  • Nordkorea, Südkorea (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Dunkle Vergangenheit

  • König Sejong der Große (Quelle: Michael Hänel _ Pressefoto) König Sejong der Große (1397 - 1450)

Nach der Legende errichtete der Halbgott Dangun vor über 4000 Jahren das erste Reich der Koreaner: Das Land der Morgenstille. Urvater Dangun steht für das koreanische Gefühl, dass alle zu einer großen ganz besonderen Familie gehören. Bis 1392 prägten jedoch die wechselhafte Geschichte in unterschiedlichen Staatsterritorien und die Einwanderung des Buddhismus die Region. Unter König Sejong dem Großen 세종대왕 (1418 – 1450) wurde das koreanische Alphabet geschaffen. Ab 1592 tobte ein Jahre langer Abwehrkrieg (Imjin - Krieg) gegen den japanischen Feldherren Hideyoshi, der das Land zerrüttete. Ab dem 17. Jahrhundert war Korea dann ein rückständiger autoritärer Stände- und Kastenstaat, der kaum Technologien importierte und nur geringen Handel mit West und Ost betrieb. Die räumliche Nähe zu Mongolen, Chinesen, Japanern, später zu Russland und den USA, machten Korea besonders im 19. und Anfang des 20. Jahrhundert immer wieder zum Objekt bzw. Schauplatz der Rivalitäten und Auseinandersetzungen der jeweiligen Großmächte der Nachbarschaft. Ab 1910 geriet Korea dann als Kolonialprovinz Chosen unter die Vorherrschaft der japanischen Kaiser. Der letzte Kaiser Sunjong wurde zum Machtverzicht gedrängt, und Korea hörte zunächst auf als Staat zu existieren.

Die Paläste in Zentrum von Seoul, Changgyeonggung (Quelle: Michael Hänel _ Pressefoto)

Die Paläste in Zentrum von Seoul waren der Wohnort der Kaiser während der Joseon Dynastie (1392 – 1897)

Unabhängigkeit und Koreakrieg

  • (Quelle: Michael Hänel _ Pressefoto) Eine der Opfertafeln in zentralen Kriegsmuseum von Seoul.

Die Rückkehr Koreas als souveränem Staat stand nicht auf der Prioritätenliste der Siegermächte des 2. Weltkrieges. Nach dem Ende des Pazifikkrieges wurde am 15. August 1945 (de facto) Korea in den Grenzen der japanischen Provinz Chosen unabhängig. Gemäß den Vereinbarungen von Jalta blieb Korea bis 1948 im Norden von Truppen der Sowjetunion und im Süden von US -Truppen besetzt. Im August und September 1948 wurden - getrennt voneinander - die Republik Südkorea und die kommunistische Volksrepublik Nordkorea gegründet. Der 38. Breitengrad bildete die Grenze beider Landesteile. Dabei verfügte der rohstoffreiche Norden über fast 90% der Industrie- und Energieproduktion, während die Leichtindustrie und die Lebensmittelproduktion ihren Schwerpunkt im Süden hatten. Doch Korea geriet schnell in den Strudel des Kalten Krieges: am 25. Juni 1950 begann der Koreakrieg mit einem Angriff nordkoreanischer Truppen und chinesischer Verbände. Nach der fast völligen Zerstörung des Landes wurde 1953 in Panmunjeom ein Waffenstillstand geschlossen, der bis heute gilt und seither die Teilung des Landes zementiert. Immer wieder kommt es zu blutigen Grenzgefechten entlang der DMZ.

Nicht genug für alle

  • Reisfelder (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Reisfelder werden überwiegend von Familien bewirtschaftet

Nicht zuletzt die wiederholten Eroberungszüge mandschurischer, chinesischer und japanischer Heere hatten das Land in seiner wirtschaftlichen Entwicklung immer wieder zurückgeworfen. Die feudalen Strukturen auf dem Land verhinderten, trotz einiger Fortschritte bei Bewässerung und Reisaussaat, die Lösung der Krise der landwirtschaftlichen Produktion. Waren 1960 noch 50% der Erwerbstätigen mit der Produktion und Veredelung von Reis beschäftigt, waren es 2010 nur noch 3%. Die Reformen der Landwirtschaft in den der 1970er und 1980er Jahren sowie die Mechanisierung der Produktion erbrachten zunehmenden Wohlstand auch bei den Bauern. Überwiegend werden Flächen kleiner als 3 ha von Familienbetreiben bewirtschaftet. Reis bildet noch immer einen wesentlichen Bestandteil der Ernährung in Südkorea. Verbrauch 2011: 70 kg /Person (1970: 130 kg, Deutschland 2011: 4 kg). Bibimbab (gemischter Reis) ist ein weit verbreitetes Gericht aus Reis, Gemüse, manchmal Rindfleisch und scharfen Gewürzen.

Seollal – das Neujahrsfest

  • Familie Choi bei Neujahrsfest 2011 (Quelle: Michael Hänel _ Pressefoto) Familie Choi bei Neujahrsfest in Kimcheon/Südkorea

Nur an sehr wenigen Tagen im Jahr sind in Südkorea die Geschäfte geschlossen, die Mitarbeiter der Unternehmen nicht im Büro und praktisch alle Koreaner unterwegs: auf den Bahnhöfen oder im Superstau auf der Autobahn. Seollal ist das Familienfest für alle Koreaner, nach dem koreanischen Mondkalender meist Ende Januar oder im Februar. An diesem Tag werden die Vorfahren geehrt. Und es ist eine der wenigen Möglichkeiten, die gesamte Familie an einem Ort (dem Haus des Ältesten väterlicherseits) zusammen zu bekommen. An diesem Tag werden auch die Gräber der Ahnen besucht und dort Essen abgelegt. In Korea sind viele Gräber in den an die Dörfer angrenzenden Bergen zu finden und nicht auf öffentlichen Friedhöfen.

PARK Chung – hee (1917 – 1979)

  • (Quelle: Michael Hänel _ Pressefoto) STX ist eine der größten Werften der Welt

Modernisierer, Kopf der Industrialisierung, Chef der Militärdiktatur: all diese Bezeichnungen treffen auf ihn zu - General PARK Chung – hee, der sich im Mai 1961 an die Macht in Südkorea geputscht hatte. Zunächst setzte er eine strikt anti-kommunistische Politik durch. Die politische Opposition, alle politischen Parteien wurden verboten. Dann erbrachte dieser Machtwechsel eine völlige Konzentration auf den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes und die Ausrichtung der Produktion auf den Export. Das Bankenwesen wurde verstaatlicht und war neben dem Inlandsgeheimdienst KCIA das entscheidende Machtinstrument der Militärregierungen. Bürgerliche Freiheiten mussten von den Arbeitern, Studenten und Gewerkschaften in Jahrzehnte langen Kämpfen blutig erkämpft werden. So forderte der Aufstand von Gwangju (Mai 1980) gegen den Nachfolger Parks, CHUN, mehrere Tausend Opfer. Mit einer Verfassungsänderung und der Wahl eines frei gewählten Präsidenten wurde Südkorea erst 1987 wieder eine parlamentarische Demokratie. Doch die rasante Industrialisierung hatte auch ihren Preis. Noch bis zur Mitte der 1990er Jahren waren ökologische Müll- und Abwasserentsorgung weitgehend unbekannt, die Luftverschmutzung und die Belastung der Flüsse mit Giften aller Art erreichte extrem gesundheitsgefährdende Werte. Umweltschützer sprachen seinerzeit davon, der koreanische Aufschwung habe einen „Kriegsschauplatz der Industriegeschichte“ hinterlassen.

Exporte, Exporte

  • (Quelle: Michael Hänel _ Pressefoto) Beliebter Exportartikel Auto

Mit dem Militärputsch (1961) hatte die Wirtschaftsplanung eine dominante Bedeutung erlangt. Zahlreiche Investitionsanreize für die Exportwirtschaft wurden geschaffen. Exporte 1970: 835 Mio. US Dollar; Exporte 2010: 466 Mrd. US Dollar. Bereits vor 1961 wurden meist Familien geleitete Mischkonzerne gegründet (Chaebol): Samsung, Goldstar (LG), Daewoo (bis 1999), Ssangyong, Hyundai, SK. In den 60er und 70er Jahren wuchsen diese Unternehmen zur bestimmenden Kraft der südkoreanischen Wirtschaft heran, sind heute zumeist global agierende Firmen. Bestimmten zunächst Textilien und preiswerte Radios und Fernseher (Lucky Goldstar) in den 80er Jahren die Exporte Südkoreas, wurde diese nach 2000 von hochwertigen Elektronikgütern wie Videorekordern und von Autos abgelöst.

Die Firma Samsung, eines der größten Unternehmen der Welt, stellt von Solarzellen, Fernsehern, Waschmaschinen bis hin zu Autos und Schiffen fast alles her. Der Unternehmensteil Samsung Electronics, bemüht sich seit 2000 um eine dominierende Stellung bei Smartphones, LCD- und OLED–Displays aber auch bei elektronischen Bauteilen auf dem Weltmarkt.

… lernen, lernen, arbeiten …

  • Stationsnamen der U-Bahn in Busan (Quelle: Michael Hänel _ Pressefoto) Auf König Sejong (1397 – 1450) geht die Einführung des Hangeul Alphabets zurück

Es gibt zahllose Studien, die den Siegeszug des (koreanischen) konfuzianischen Kapitalismus (Das Wunder vom Han Fluss) in Südkorea beschreiben. Unbestritten waren die Chaebol-Führer dynamisch, zielstrebig und risikobereit zu Werke gegangen. Sie konnten sich auf eine Arbeiterschaft verlassen, die Anteil am Ausweg des Landes aus der Armut haben wollte. Dass jede Kritik am Wirtschaftswunder dazu führen konnte, als Agent Nordkoreas ins Gefängnis zu wandern, steht auf einem anderen Blatt.

Das konfuzianische Bildungs- und Gesellschaftssystem wurde zum Garanten der Industrialisierung. Es beruhte auf dem Ideal des fleißigen, opferbereiten, gebildeten und mit tatkräftiger Entschlossenheit ausgestatteten Arbeiters. So konnten die nach 1961 importierten Technologien schnell adaptiert und später selbständig weiterentwickelt werden. Traditionelle konfuzianische Tugenden: Achtung des Älteren, Vorgesetzten, der Familie, der Gemeinschaft ergaben einen Rahmen sicheren, bestätigten Handelns, der Erfolge organisieren ließ und Innovationen möglich machte.

Experten sprechen heute davon, Südkorea sei die einzige funktionierende Planwirtschaft gewesen, gerade weil die ethnische Homogenität, der Nationalismus und hohe sprachliche Bildung feste Punkte in einem flexiblen Rahmen veränderter Lebensbedingungen waren. Das Ende der Diktatur, die große Wirtschaftskrise von 1997 und die auch in Korea zunehmend spürbaren Globalisierung aller Lebensbereiche wird das Land vor neue Herausforderungen stellen, um auch künftig zwischen China und Japan zu bestehen.

Songdo City – die Zukunftsstadt

  • Songdo City (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Songdo City

Die Stadt entsteht westlich der Hauptstadt Seoul auf sechs Quadratkilometern aufgeschüttetem Land. Bis 2020 soll sie fertiggestellt sein. Dann soll sie Wohnungen und Arbeitsplätze für 250.000 Menschen bieten. Ein zentrales Computernetzwerk soll das Hirn der neuen Stadt sein. Versorgung, Entsorgung, Transport und Energie können zentral gesteuert werden. Jeder Einwohner kann identifiziert und lokalisiert werden, Smart Cards sind Ausweis, Schlüssel und Geld zugleich. Auch bei der Müllentsorgung hilft der Computer: Per Chip wird kontrolliert, wer wann welchen Müll einwerfen darf. Unterirdische Druckluftrohre transportieren den Müll zu einer zentralen Entsorgungsstation. Viele Apartmenthäuser werden mit über 200 Metern die höchsten Koreas sein. In Songdo City entsteht auch das höchste Gebäude Koreas überhaupt, der 67 Stockwerke hohe "Northeast Asia Trade Tower".

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Wunderland Korea - Songdo City

Filmbeitrag über Songdo City in nano (3sat) (06:01)

Wiedervereinigung?

  • Angriff auf Zügen (Quelle: US National Archives) US-Angriff auf Zügen in Nordkorea (Quelle: US National Archives)

Nominell befinden sich Nord– und Südkorea noch immer im Krieg. Der Waffenstillstand von 1953 hat nur die Kampfhandlungen des Koreakrieges beendet. Es gibt keinen Friedensvertrag, weder Postaustausch noch Verkehrsverbindungen oder Informationsaustausch. Immer wieder hat es jedoch Versuche gegeben, auf höchster politischer Ebene mit der jeweils anderen Seite ins Gespräch zu kommen. Die vom südkoreanischen Präsidenten KIM Dae Jung betriebene „Sunshine Policy“ (1998-2006) sollte zu mehr Kontakten mit Nordkorea führen. Ein Treffen KIM Dae Jungs mit dem nordkoreanischen Diktator KIM Jong-il 2000 in Pjöngjang erbrachte kaum Ergebnisse einer wirklichen Aussöhnung oder Annäherung. Die Kim-Dynastie: zuerst KIM Il-sung (1912-1994) regiert Nordkorea, weitgehend isoliert von der Welt, seit 1948. Mit wiederkehrenden Hungerkatastrophen, zahllosen politischen Gefangenen in Arbeitslagern und einer riesigen Armee, auf deren Bedürfnisse die gesamte Volkswirtschaft abgestellt ist, gilt Nordkorea als eines der ärmsten und rückständigsten Länder der Welt. Zahllose Szenarien existieren, wie eine friedliche Wiedervereinigung beider Landesteile realisiert werden könnten. Wirtschaftlich setzen vor allem südkoreanische strategische Planer auf einen konföderierten Anschluss Nordkoreas ans Wirtschaftssystem Südkoreas. Die Kosten dieser Form der Wiedervereinigung werden auf 5000 Mrd. US Dollar für die ersten 30 Jahre berechnet (RAND Corp.).

Kim, Lee und Park

  • Historisches Viertel in Seoul (Quelle: Michael Hänel _ Pressefoto) Großvater und Enkel Choi

In Korea werden bei Namen zuerst der Familienname folgend die Vornamen genannt. Nur etwa 250 Familiennamen sind bekannt. Dabei fällt auf: einige Namen sind sehr häufig, obwohl die Personen überhaupt nicht verwandt sind. Kim ist mit 22 % der häufigste Name, gefolgt von Lee (15 %) und Park (9%). Choi erreicht den vierten Platz mit 5%. Die berühmteste Kim ist derzeit Kim Yu-na (geb. 1990), Eiskunstlauf–Olympiasiegerin, Weltmeisterin und Werbeikone Südkoreas, die für viele Produkte Korea wirbt, von Samsung bis Hyundai.