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Hintergrund: Sibiriens Ethnien

  • Landschaftsfoto (Rechte: Heiko Petermann) Burjatien

Bis zur Eroberung Sibiriens durch die Moskauer Herrscher lebten in Sibirien verschiedene Völker unterschiedlicher Sprachzugehörigkeit, die sich in eine nördliche und eine südliche Gruppe gliedern lassen. Im Norden waren es vor allem die Paläosibirier, Samojeden, Ob-Ugrier, Tungusen (Ewenken, Ewenen, Negidalen, u.a.). Sie waren vor allem Jäger, Fischer und Rentierzüchter. Die Ethnien in der südlichen Taiga und Waldsteppe betrieben vor allem Viehzucht: Pferde, Groß- und Kleinvieh. Die wichtigste Gruppe im Süden waren die mongolischsprachigen Burjäten, weiterhin die turksprachigen Jakuten und andere turksprachige Völker. In den westsibirischen Steppenrandgebieten lebten vor allem die sibirischen Tataren von Ackerbau und Viehzucht. Ein Großteil der Stämme in Sibirien war nicht sesshaft und kaum organisiert. Viele leben bis heute als Nomaden.

  • Portraitfoto (Rechte: Heiko Petermann) Schamanin in Burjatien

Im 18. Jahrhundert begann die verstärkte Eingliederung der Ethnien in den russischen Staat. Es gab Zwangschristianisierungen, die Menschen erhielten - gegen ihren Willen - russische Namen. Dennoch prägte auch weiterhin der Schamanismus und ihre bisherige Lebensweise das Leben vieler nicht-russischer Völker in Sibirien. Der Widerstand der sibirischen "Ureinwohner" gegen die Russen wurde mit Waffengewalt bekämpft.

1822 wurde mit der Verwaltungsreform für Sibirien auch ein Statut für die Verwaltung von Sibiriens Ethnien geschaffen. Sie erhielten einen eigenen Rechtsstatus und eigene Verwaltungen, der ihnen ihre Lebensformen sichern und sie vor Missbräuchen der russischen Verwaltung schützen sollte. Dennoch wurden sie als zivilisatorisch-rückständig und Bürger 2. Klasse angesehen, die auf die "höhere Ebene" der Russen gebracht werden sollten.

  • Foto von drei Jungen in Uniform (Rechte: Heiko Petermann) Kadetten in Omsk

Im 20. Jahrhundert nahm die russische Regierung starken Einfluss auf die Bildung: Die Kinder mussten in russischer Sprache erzogen werden und bekamen russische Namen. Für die Schriftsprache war das kyrillische Alphabet Pflicht, obwohl es sich für etliche Sprachen indigener Völker nicht eignet. Bei vielen dieser Minderheitensprachen ist es fraglich, ob sie noch lange existieren werden.

Die größte Gefahr für das Überleben der indigenen Völker entstand durch die Industrialisierung Sibiriens. Die ursprünglichen Jagd- und Weidegebiete der Nomadenvölker wurden durch den Bau von Städten, Industrieanlagen, Straßen und Bahnlinien teilweise völlig zerstört. Dazu kamen massive Abholzungen von Wäldern, Umweltverschmutzung und gesperrte Gebiete, die vom Militär genutzt wurden. Große Landstriche wurden durch Atomtests unbrauchbar gemacht.

  • Eine Fleischerin auf dem Markt (Rechte: Heiko Petermann)

Erst ab 1986 änderte sich die Situation der indigenen Völker. Sie konnten erstmals ungestraft auf ihre Situation aufmerksam machen und Interessenorganisationen bilden. Seit 1990 gibt es die "Vereinigung der kleinen Völker des Nordens", die die russische Regierung berät. Seit Anfang der 90er Jahre gibt es Bestrebungen, den Völkern zumindest in einigen Territorien Selbstbestimmung zu ermöglichen. Auch wurden wieder muttersprachliche Schulklassen eingerichtet. Dennoch ist die Umsetzung dieser Ziele in der Realität schwierig. Viele der indigenen Völker Sibiriens sind in ihrer Existenz massiv bedroht.