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Hintergrund: GULag

  • Foto eines Holzturms (Rechte: Heiko Petermann) Wachturm in der Tundra

GULag ist die Abkürzung für Glawnoje Uprawlenije Lagerej; Hauptverwaltung der Straflager in der UdSSR.

Durch das System des Gulag, der Strafgefangenenlager, wurde Sibirien seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts weltweit zum Synonym für Verbannung. Allerdings hatten schon in den Jahrhunderten zuvor die jeweiligen russischen Machthaber politische Gefangene, Verbrecher und missliebige Leibeigene nach Sibirien verbannt. Zu den Verbannten gehörte von 1897 bis 1900 auch Wladimir Iljitsch Lenin - er war wegen politischer Agitation nach Sibirien geschickt worden. Lenin gehörte bereits zu den Häftlingen, die mit dem Zug zu ihrem Verbannungsort gebracht wurden. Bis Ende des 19. Jahrhunderts hatten die Verbannten die langen Strecken noch zu Fuß und mit Pferdewagen zurückgelegt.

Lenin ließ 1918 die ersten Strafgefangenenlager anlegen. Ab 1930 entstand dann unter Stalin der Archipel Gulag, in dem Millionen von Häftlingen unter extremen Bedingungen Zwangsarbeit leisten mussten. Die Straflager waren über ganz Sibirien und teilweise auch im europäischen Teil der Sowjetunion verteilt. Sie wurden auch in Gegenden errichtet, die bisher als unbewohnbar gegolten hatten, beispielsweise im Kolyma-Becken im Nordosten. 1931 befanden sich knapp zwei Millionen Menschen in Straflagern, 1934 waren es schätzungsweise fünf Millionen. Als Stalins "Große Säuberung" einsetzte, wurden etwa weitere sieben Millionen Menschen nach Sibirien verbannt und rund eine Million hingerichtet. Wieviele Millionen Menschenleben der Gulag tatsächlich gekostet hat, ist unbekannt. Viele Gefangene starben bereits beim Transport - in manchen Zügen soll nur die Hälfte die Fahrt überlebt haben.

Die Lebensbedingungen in den einzelnen Lagern waren sehr unterschiedlich - sowohl was die Zuteilung von Lebensmitteln, die Unterbringung, die Arbeit und die Strenge der Bewachung anging. In manchen Lagern blieb die Anzahl der Häftlinge konstant, obwohl immer wieder neue Gefangene gebracht wurden - so hoch war die Zahl derer, die durch Kälte und Hunger starben. Die Häftlinge im Gulag wurden vor allem in Bergbau, Straßen- und Eisenbahnbau, verschiedenen Industriezweigen, auf den Ölfeldern und teilweise in der Landwirtschaft eingesetzt. Die bekannteste Beschreibung des Lebens und der Zustände im Gulag stammt von dem russischen Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Alexander Solschenizyn, der elf Jahre im Gulag zubrachte: Sein Werk "Der Archipel Gulag" erschien 1973 in Paris. Ein Jahr später wurde er aus der Sowjetunion ausgewiesen.

  • Foto eines Klosters (Rechte: Heiko Petermann) Buddhistisches Kloster in Burjatien
  • Mönche beim Gebet (Rechte: Heiko Petermann)

Zwischen 1936 und 1952 wurden etwa drei Millionen Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Kultur nach Sibirien und Zentralasien verbannt. Ganze Volksgruppen wurden deportiert:

nicht-Orthodoxe Christen
Wolgadeutsche ca. 1 200 000

Buddhisten
Kalmyken 92 000

Muslime
Karatschaier 68 000
Tschetschenen 362 000
Inguschen 134 000
Balkaren 37 000
Krimtataren 183 000
Mescheten 200 000

(Quelle: www.gulag.hu)

Weitere Volksgruppen stammten unter anderem aus Polen, Korea, Finnland, Tschechien, Lettland. Der Tod Stalins 1953, und damit das Ende des Gulags, bewahrte die sowjetischen Juden vor dem gleichen Schicksal. Der Bau der Lager wurde eingestellt und ein Großteil der Häftlinge freigelassen. Arbeitslager gab es jedoch auch weiterhin. Auch die Praxis der Verbannungen nach Sibirien wurde bis zum Ende der UdSSR beibehalten.