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Unterricht: Science Slam - Einführung und Übersicht

  • Ein Mann im Publikum hält ein Blatt Papier mit einer 7 hoch. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Sieben Punkte für den Vortrag – die Publikumsjury bewertet den Slammer
  • Alt: Auf einer großen Stoppuhr sind zehn Minuten eingestellt. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Die Zeit läuft: Zehn Minuten darf der Vortrag dauern.

Übersicht

Wenn man sich einen Science Slam anschaut, könnte man den Eindruck erhalten, dass es sich um eine ganz unorthodoxe, banale und sinnlose Variante des klassischen akademischen Vortrags handelt. Dabei entspricht Science Slam in großen Teilen dem klassischen Vortrag – die wesentlichen Erfolgskriterien sind ähnlich, allerdings ist die Schere zwischen Humorlevel und inhaltlichem Anspruch weiter geöffnet als bei der üblichen Powerpoint-Präsentation. Beim Science Slam soll das Publikum außerdem mitgerissen werden (während das offensichtlich bei wissenschaftlichen Vorträgen kein Erfolgskriterium darstellt).

Am Science Slam kann man unterhaltsam und doch zielgerichtet lernen, wie man gute Vorträge hält, bei denen sich das Publikum nicht zu Tode langweilt. Sie finden hier einige Anregungen, wie dies im Unterricht zu bewerkstelligen sein kann. Eine sehr typische Veranstaltung kann auf der Website von Planet Schule angesehen und heruntergeladen werden (Science Slam – Wissenschaft mal etwas anders!). Die im Folgenden genannten Beispiele beziehen sich auf diesen Film.

Bühne im Veranstaltungsraum. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Science Slam: Wissenschaft auf unterhaltsame Art

Science Slam – was ist das?

Beim „Poetry Slam“ werden eigene literarische Texte vorgetragen, begleitet von mehr oder minder exzessiver Performance. Das Publikum lässt sich unterhalten und bewertet anschließend die Vortragenden und kürt so einen Gewinner. Dieses Format wurde vor ungefähr 25 Jahren in den USA entwickelt und ist in Deutschland sehr populär.
Etwa seit 2006 wird im deutschsprachigen Raum eine Abwandlung des Poetry Slam praktiziert: der Science Slam. Dabei werden ausschließlich wissenschaftliche Themen vorgetragen, der vorgegebene Zeitrahmen beträgt meist gestoppte 10 Minuten. Oft stellen Studierende, Doktoranden oder Wissenschaftler ihre Forschungsthemen vor. Im Gegensatz zu traditionellen wissenschaftlichen Vorträgen erwartet das Publikum einen hohen Unterhaltungswert und eine verständliche Darstellung der – oft hoch wissenschaftlichen – Inhalte. Gelingt es dem Science Slammer, das Publikum für sein Thema zu begeistern, erhält er gute Wertungsnoten (in der Regel zwischen 0 und 10). Im Rahmen dieser Science Slams treten mehrere Personen gegeneinander an, am Schluss entscheidet die beste Wertung des Publikums.

Das Interesse am Thema Science Slam hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. In keiner größeren deutschen Stadt muss man lange suchen, um einen Science Slam zu finden; in vielen Städten werden Jahressieger gekürt („6. Science Slam Stuttgart 2013“, „7. Science Slam Karlsruhe“ etc.). Fast immer werden die Veranstaltungen von Studentenorganisationen, Universitäten oder technischen Vereinen organisiert.

Warum Science Slam so beliebt ist

Während der Poetry Slam eine rein künstlerische Form ist, hat der Science Slam stets einen handfesten wissenschaftlichen Hintergrund. Wer einem Science Slam beiwohnt, der lernt etwas - und zwar auf unterhaltsame, eingängige Art und Weise. Beim Science Slam handelt es sich offensichtlich um eine Gegenbewegung zur statischen und oft quälend langweiligen Powerpoint-Präsentation, wie wir sie zur Genüge aus Schule, Uni und Business-Meetings kennen.

Erklärtes Ziel des Science Slam ist es, das Publikum für ein Thema zu begeistern - die Zuhörer sollen etwas mitnehmen, etwas verstehen. Dieser Anspruch führt zwangsläufig dazu, dass ein wissenschaftliches Thema sehr stark veranschaulicht und damit auf seine Grundlagen reduziert wird. Details, Fachvokabular oder lange Listen haben im Science Slam nichts verloren. Deshalb steht die Disziplin Science Slam selbstverständlich nicht in Konkurrenz zum klassischen Vortrag, in dem komplexe Inhalte und fachwissenschaftliche Details dargestellt werden und einer entsprechenden Form bedürfen.

  • Grafische Darstellung : Science Slam zwischen klassischem Referat, schlechtem Vortrag und Comedy (Quelle: Berthold Metz) Science Slam ist dem klassischen wissenschaftlichen Vortrag sehr ähnlich, bietet allerdings mehr Unterhaltung und weniger wissenschaftlichen Anspruch (Quelle: Berthold Metz)
  • Publikum klatscht. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Alles verstanden? Auf die Reaktion des Publikums kommt es an

Kriterien für einen gelungenen Vortrag (1)

Science Slam steht zwischen Comedy und wissenschaftlichem Vortrag und bietet damit sowohl dem wissenschaftlich Interessierten als auch demjenigen, dem Unterhaltung wichtig ist, eine interessante Show.

Der Erfolg eines Science-Slam-Vortrags kann an zwei Punkten gemessen werden:
1. Die Inhalte sind dem Publikum vollauf verständlich.
2. Der Vortragende fesselt auf unterhaltsame Weise das Publikum.

Hier wirken natürlich zahlreiche Einflussfaktoren (fachliche Kompetenz des Vortragenden, Struktur und Vorbereitung des Vortrags, und so weiter – siehe Materialblatt 1). Letztlich läuft jedoch alles auf die zwei genannten Punkte hinaus. Wenn das Publikum nichts versteht oder sich langweilt, war die für den Vortrag verwendete Zeit vergeudet. Denn warum wohnt man einem Vortrag bei? Man möchte sich informieren, und das möglichst auf nicht langweilige Art und Weise. Genau hier hakt das Konzept Science Slam ein.

Zentraler Aspekt ist immer die Orientierung am Publikum. Jedes Publikum hat einen anderen fachlichen Hintergrund, jedes Publikum hat eine andere Motivations- und Erwartungshaltung. Wann immer Menschen kommunizieren, ist das Eingehen auf die Zuhörer/innen notwendiges Kriterium für das Gelingen der Kommunikation. Dies wird bei Vorträgen nicht immer beachtet – zu oft stehen die Inhalte des Vortrags losgelöst von der Kommunikationssituation im Mittelpunkt. Der Anspruch, nichts zu vergessen oder keine Fehler zu machen, frisst den Anspruch an eine gelingende Kommunikationssituation auf. Und deshalb sind die meisten Vorträge – bei aller Vollständigkeit und fachlicher Richtigkeit - langweilig und uninteressant. Wenn inhaltliche Unzulänglichkeiten hinzukommen (was bei vielen Referaten im Schul- und Hochschulbetrieb der Fall ist), ist die Zeitverschwendung für alle Beteiligten perfekt.

In dieser Hinsicht sind sich Science Slam und klassische Vorträge sehr ähnlich: Ihr Erfolg hängt von den oben genannten beiden Punkten ab. Der wesentliche Unterschied besteht im wissenschaftlichen Anspruch (der beim Science Slam unter dem des konventionellen akademischen Vortrags liegt) und dem Unterhaltungsanspruch (der beim Science Slam deutlich über dem akademischen Vortrag liegt). Hier liegt – in beiden Disziplinen – auch die Gefahr: Zu viel Unterhaltung kann zu inhaltsarmem Slapstick führen, zu viel Wissenschaft zu langweiligem Faktengeleier.

(1) Wenn einzelne Personen vor einer Gruppe anderer Personen etwas vortragen und sich dabei irgendwelcher Medien bedienen, spricht man heute von einer „Präsentation“. Dieser Begriff ist verräterisch: Im Mittelpunkt steht nämlich häufig nicht der Vortragende, sondern die Präsentation, bei der es sich in der Regel um mit Präsentationssoftware (beispielsweise Powerpoint) erstellte Folien mit mehr oder weniger Text handelt. Deshalb wird in diesem Beitrag der Begriff „Vortrag“ verwendet - schließlich soll eine vortragende Person im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen.