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Hintergrund: Great Britain – das Empire im Umbruch

Abspaltung der "weißen" Kolonien

  • Die Nationalflagge von Australien. Ehemaliges Siedlungsgebiet "down under"; Rechte: WDR, Jürgen Christ

Ende des 19. Jahrhunderts ist das britische Empire das größte Herrschaftsgebiet, das es in der Geschichte der Menschheit je gegeben hat. Mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung sowie ein Viertel der Landmasse der Erde stehen unter der Hoheit der britischen Krone.

Das Kolonialreich umfasst die weißen Siedlungsgebiete Kanada, Australien und Neuseeland, den gesamten indischen Subkontinent, große Teile Afrikas von Ägypten bis Südafrika sowie zahlreiche kleinere Inseln und Gebiete in Asien, der Karibik und im Pazifik.

Doch schon zu dieser Zeit ist das britische Empire in einer Phase der Umgestaltung. Den "weißen" Siedlungsgebieten in Kanada und Australien wurden bereits 1865 mit dem "Colonial Laws Validity Act" weitgehende Rechte in der Gesetzgebung und Selbstregierung zugestanden. Bis zum Ersten Weltkrieg schließen sich diese bis dato zersplitterten Siedlungskolonien zu großen Föderationen zusammen (Kanada 1867, Australien 1901 und Südafrika 1909).

Die Geburt des "Commonwealth"

  • Die Nationalflagge von Kanada. Commonwealth-Mitglied Kanada; Rechte: mauritius images, Russell Kord

1907 nennen sich die "weißen" Siedlungskolonien bereits selbstbewusst "Dominions" (Herrschaftsgebiete), was auch auf eine psychologische Loslösung vom Mutterland hindeutet. Nach dem Ersten Weltkrieg definiert 1926 der sogenannte Balfour-Bericht die "Dominions" und das Mutterland als gleichberechtigte, autonome Gemeinschaften innerhalb des britischen Empires. Einzige übergeordnete Gemeinsamkeit ist die Treue zur britischen Krone und der freie Verbund im "British Commonwealth of Nations". 1931 wird diese Definition im "Statut von Westminster" auch rechtlich untermauert.

"Commonwealth" heißt im ursprünglichen Sinn eigentlich "öffentliches Wohl" oder "Gemeinwohl". In diesem Fall ist aber ein freiwilliger Bund unabhängiger, souveräner Staaten gemeint, die sich zu einer politischen Gemeinschaft zusammenschließen.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs gehören dem "Commonwealth" nur die "weißen" Siedlungskolonien Kanada, Australien, Neuseeland, der Irische Freistaat (bis 1937), die Südafrikanische Union und Neufundland an. Die anderen Kolonien gehören nach wie vor zum "Colonial Empire".

Schrittweise Entkolonialisierung

  • Mahatma Gandhi auf einem Foto um 1945. Gewaltfrei gegen die Kolonialmacht: Mahatma Gandhi; Rechte akg-images

Nach dem Zweiten Weltkrieg kann das Vereinigte Königreich seine zahlreichen Kolonien nicht mehr halten. Das Zeitalter der großen Kolonialreiche neigt sich in ganz Europa dem Ende zu. Die Briten führen nach 1945 eine schrittweise Dekolonisation durch.

Zunächst erhalten 1947 Indien und Pakistan die Unabhängigkeit, ein Jahr später folgen Ceylon und Birma. Ab dem Ende der 1950er Jahre werden nach und nach die afrikanischen Kolonien selbstständig. 1966 wird dann das "Colonial Office", das ehemalige Kolonial-Ministerium, endgültig abgeschafft und ins "Foreign Office", das Außenministerium, eingegliedert.

"New Commonwaelth of Nations" – Auffangbecken ehemaliger Kolonien

Bereits in der ersten Phase der Entkolonisierung entsteht 1949 der "New Commonwealth of Nations". Indien und Pakistan treten als erste ehemalige Kolonien dem neuen Völkerbund bei. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte folgen nach und nach fast alle anderen Mitglieder des ehemaligen britischen Kolonialreiches.

Heute umfasst der "Commonwealth" knapp über 50 Nationen, deren Regierungschefs sich regelmäßig im Zweijahres-Abstand treffen. Bei diesen Treffen werden hauptsächlich zwischenstaatliche politische und wirtschaftliche Fragen erörtert. Großen Einfluss in der Weltpolitik hat der Völkerbund jedoch nicht. Für das Vereinigte Königreich haben die Mitgliedschaft in der NATO, der G7 und anderen internationalen Bündnissen einen weitaus höheren Stellenwert.

Der "Commonwealth" dient heute nur noch als Gesprächsforum der verschiedenen Staaten und Kulturen aus Nord und Süd. Entwicklungshilfe, Einwanderungspolitik und Integration der Einwanderer sind dabei wichtige Themen. In dieser Hinsicht ist er ein wertvolles Instrument, da viele Menschen aus den ehemaligen Kolonien mittlerweile ihr Zuhause im Vereinigten Königreich gefunden haben.