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Unterrichtsablauf für die Sendung „Adenauers Kampf um die Bombe“

Um die Komplexität der im Film dargestellten Problematik erfassen zu können, bietet es sich an, den Geschichtsunterricht als Doppelstunde zu konzipieren:

Erste Stunde: Zu Beginn wird ein Bild Konrad Adenauers – am besten mit Namen und Funktionsbezeichnung, zum Beispiel Konrad Adenauer (CDU), Bundeskanzler 1949-1963 – sowie der Text folgender Quelle eingeblendet:


In seinen Erinnerungen beschrieb K. Adenauer 1965 die Grundzüge seiner Außenpolitik:

„ … Sowjetrussland stand mitten in Deutschland, an der Elbe. Das Gleichgewicht in Europa war zerstört. Das bedeutete für Westeuropa, einschließlich des nicht den Sowjets über-gebenen Teil Deutschlands, eine dauernde ernste Gefahr. …Diese Gefahr wurde zunächst von den drei Westmächten nicht in vollem Umfang erkannt. Die Einsicht, dass Westeuropa einschließlich Deutschlands als einheitlicher Machtfaktor gegen die weiter nach Westeuropa drängende Sowjetunion betrachtet werden müsse, … hatte zuerst Churchill.Das Sicherheitsverlangen Deutschland gegenüber war bei allen seinen Kriegsgegnern außerordentlich stark. Es galt, einen Weg zu finden, der sowohl dem Sicherheitsbedürfnis der europäischen Länder Rechnung trug, wie auch den Wiederaufbau Westeuropas einschließlich Deutschlands durchzuführen gestattete. Über diesen Weg würden wir auch, darüber war ich mir klar, Schritt für Schritt unsere Gleichberechtigung unter den freien Völkern der Welt zurückerlangen.“

(aus: Konrad Adenauer: Erinnerungen 1945 – 1953, Frankfurt am Main/Hamburg/Fischer 1967, S. 234f.)

Der Text sollte klar betont vorgelesen werden, wobei Schülerinnen und Schüler den Zeilen sinnerfassend folgen.

Im anschließenden Klassengespräch werden wesentliche in der Quelle deutlich werdende Thesen zu Adenauers Außenpolitik besprochen:

  • Adenauers Einschätzung der politischen Lage im Nachkriegseuropa:
    - militärische Bedrohung durch die Sowjetunion
    - teilweise Fehleinschätzung dieses Aspekts durch die Westalliierten
    - gesamtes Westeuropa (mit Deutschland) als Gegenpol zum sowjetischen Machtanspruch
    - starkes Sicherheitsbedürfnis ehemaliger Kriegsgegner gegenüber Deutschland
  • Adenauers außenpolitisches Ziel:
    - Gleichberechtigung Deutschlands „unter den freien Völkern der Welt“
    Dies kann stichwortartig - sozusagen als Gesprächsprotokoll - an der Tafel festgehalten werden.

Im Anschluss daran wir der Film gezeigt. Die Schülerinnen und Schüler erhalten zuvor den Auftrag, darauf zu achten, inwieweit die besprochenen außenpolitischen Aspekte deutlich werden.

Ein zweites Klassengespräch rundet die erste Unterrichtsstunde ab. Dabei werden Bezüge zwischen Textquelle und Filmsequenzen hergestellt. Dies könnte sich inhaltlich so darstellen:

Textquelle: militärische Bedrohung durch die Sowjetunion
Filminhalt: Wiederbewaffnung in Westdeutschland und atomare Aufrüstung als Reaktion der Westmächte

Textquelle: vorübergehende Fehleinschätzung des Westens
Filminhalt: Gründung der Bundeswehr erst 1955

Textquelle: starkes Westeuropa mit Deutschland als Gegengewicht zur mächtigen UdSSR
Filminhalt: Gründung der NATO, Beitritt Westdeutschlands, allgemeine atomare Aufrüstung der Westalliierten, Stationierung von Atom-Kanonen in Deutschland

Textquelle: deutliches Sicherheitsbedürfnis der ehemaligen Kriegsgegner
Filminhalt: keine Ausstattung der Bundeswehr mit atomaren Sprengköpfen, Kontrolle über die Atomwaffen in Westdeutschland allein durch die Alliierten

Am Schluss könnte die Frage erörtert werden, ob Adenauer sein außenpolitisches Ziel, die Gleichberechtigung Deutschlands in der Völkergemeinschaft, erreicht hat. Dass dies im Film nicht eindeutig bewertet wird, kann hier als Chance genutzt werden. Den Schülerinnen und Schülern bietet sich so die Gelegenheit, diesen Gesichtspunkt spekulativ selbst zu beurteilen.

Zweite Stunde: Der Unterricht beginnt mit der Wiederholung der Chronologie hinsichtlich Adenauers Bemühen die Bundeswehr mit Atomwaffen auszurüsten. Dazu füllen die Schülerinnen und Schüler das erste Arbeitsblatt aus. Nach der Kontrolle wird der Schwer-punkt des Geschichtsunterrichts nun auf die Sinnhaftigkeit der atomaren Militärstrategie gelegt. Anhand des zweiten Arbeitsblattes soll der Klasse erneut vor Augen geführt werden, wie sich die Lage der Menschen in Deutschland nach einem atomaren Angriff und einer ebenfalls atomaren Verteidigungswelle gestaltet hätte. Daran anschließend werden die militärpolitischen Entscheidungen der Ära Adenauer infrage gestellt, indem in Kleingruppen Alternativen entwickelt und diese abschließend in der Klasse präsentiert. Die Schülerinnen und Schüler schlüpfen dabei in die Rollen westdeutscher Parlamentarier und erarbeiten eigenen Konzepte, um auf die in der Adenauer-Quelle betonten Aspekte zu reagieren.

Methodische Erläuterungen

Aufgrund der Länge des Films, gegeben durch die Problematik des Themas, bietet es sich an, eine Doppelstunde für die Erarbeitung anzusetzen. Im ersten Teil sollen den Schülerinnen und Schülern vor allem Grundlagen, Intentionen, Maßnahmen und die allgemeine Zielsetzung von Adenauers Außenpolitik verdeutlicht werden. Die Originalquelle im Vergleich mit den im Film dargestellten Ereignissen ermöglicht eine umfassende inhaltliche Erarbeitung. Die zweite Geschichtsstunde soll zu einer abschließenden Bewertung der atomaren Militärstrategie durch die Klasse führen. Nachdem der Inhalt vollständig erfasst wurde, wird den Schülerinnen und Schülern durch eine Art Rollenspiel die Möglichkeit eröffnet, politische Alternativen zu erarbeiten.

  • Arbeitsblatt 1: Adenauers Kampf um die Bombe
  • Arbeitsblatt 2: Auswirkungen eines Atomkriegs in Deutschland