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Hintergrund: Reichsparteitagsgelände

Die Reichsparteitage in Nürnberg

  • Adolf Hitler hebt auf einer Empore den Arm zum Hitlergruß. (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Appelle an das Volk gehörten zum Festprogramm der Reichsparteitage.

Die Stadt der Reichsparteitage

1933 bestimmte Adolf Hitler Nürnberg zur Stadt der Reichsparteitage. Schon in der Weimarer Republik hatte sich hier die nationalsozialistische Bewegung mit anderen rechtsextremen Gruppen zum „Deutschen Tag“ getroffen. So sollte eine Verbindung mit der großen Vergangenheit der Reichsstadt Nürnberg und ihren mittelalterlichen Reichstagen geschaffen werden.

Massenveranstaltung

Von 1933 an wurden die Nürnberger Reichsparteitage alljährlich im September abgehalten. An der eine Woche dauernden Propagandaveranstaltung nahmen bis zu 1 Million Menschen teil. Die Reichsparteitage sollten das Gemeinschaftsgefühl fördern und nach außen Macht und Geschlossenheit der deutschen Nation demonstrieren. Sorgfältig geplant war die Selbstdarstellung der NSDAP: Zahlreiche Appelle Hitlers sowie Paraden aller bedeutenden NS-Organisationen fanden auf dem Parteitagsgelände und in der Altstadt Nürnbergs statt.

Faszination der Reichsparteitage

Für die Bevölkerung waren die Reichsparteitage gigantische Volksfeste. Ihre Faszination lag in der aufwändigen Inszenierung mit pseudoreligiösen Elementen, Lichteffekten und einem bis dahin unbekannten Einsatz aller Medien, insbesondere des Films. Die Regisseurin Leni Riefenstahl wurde Teil von Hitlers Propagandamaschinerie: Mit ihren Filmen „Sieg des Glaubens“ (1933) und „Triumph des Willens“ (1934) setzte sie die Parteitage und NS-Größen so in Szene, dass sie über reine Dokumentation weit hinausgingen.

Nürnberger Rassengesetze

Während des Reichsparteitags 1935 wurden am 15. September die "Nürnberger Rassengesetze" verkündet. Sie dienten den Nationalsozialisten als juristische Grundlage für Diskriminierung und Verfolgung der Juden, die mit dem Holocaust endete.

  • Aufmärsche und Paraden auf dem Reichsparteitag (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

    In der durchorganisierten Massenveranstaltung lag die Faszination für das NS-Regime.

  • Leni Riefenstahl sichtet Filmmaterial (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

    Leni Riefenstahl hat mit ihren Filmen wesentlich zum Führermythos beigetragen.

NS-Architektur auf dem Reichsparteitagsgelände

  • Reichsparteitagsgelände (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Im Südosten Nürnbergs liegt das 11 Quadratkilometer große Reichsparteitagsgelände.

Gigantische Dimensionen

Bestimmt wurde die NS-Architektur durch Anleihen an die Antike und durch den Hang zum Übermäßigen. Ein eindringliches Beispiel dafür ist das Reichsparteitagsgelände. Mit seiner Architektur zielte es darauf ab, dem einzelnen die Teilhabe an etwas Großem zu vermitteln und gleichzeitig den Eindruck der eigenen Bedeutungslosigkeit zu erwecken.

Die Gesamtplanung des Albert Speer

Der Architekt Albert Speer wurde 1934 beauftragt, einen Gesamtplan für das elf Quadratkilometer große Gelände zu erstellen. Wesentliche Gebäude und Elemente waren Kongresshalle, Luitpoldarena, Zeppelinfeld, große Straße, städtisches und deutsches Stadion, Märzfeld, SS-Kaserne und KdF-Stadt.

Die Anlehnung an die Antike ist deutlich: Nach dem Vorbild des Kolosseums von Rom war die Kongresshalle erbaut worden. Mehr als 50.000 Menschen sollten darin Platz finden. Eine Steintribüne am Ende eines riesigen Aufmarschfeldes orientierte sich am Vorbild des Pergamon-Altars: die Luitpoldarena. Das gigantische Deutsche Stadion sollte nach dem Vorbild des antiken Stadions in Olympia entstehen und mehr als 400.000 Zuschauer fassen. Bis 1945 wurde jedoch nur die Baugrube ausgehoben. Die große Straße, eine überbreite und mit gewaltigen Granitplatten belegte Längsachse durch den Tempelbezirk wurde hingegen fertig gestellt. Sie führte von der Kongresshalle zum Märzfeld und wurde exakt auf die Kaiserburg ausgerichtet – ein Tribut an Nürnberg als Stadt der kaiserlichen Reichstage im Mittelalter.

Gewaltige Baustelle

Dreimal so groß wie die Altstadt Nürnbergs fiel das Reichsparteitagsgelände aus. Von der NS-Propaganda wurde es als größte Baustelle der Welt gepriesen. Mehr als 280 Firmen lieferten Natursteine für die geplanten NS-Bauten. Zur Arbeit wurden auch KZ-Häftlinge herangezogen. In den Konzentrationslagern Flossenbürg, Groß-Rosen, Natzweiler-Struthof und Mauthausen bearbeiteten sie unter menschenunwürdigen Bedingungen den Stein für die Nürnberger Monumentalbauten.

  • Die Kongresshalle aus zwei verschiedenen Perspektiven (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

    Die monumentale Kongresshalle sollte wie das ganze Gelände für die Ewigkeit erbaut werden.

  • Arbeiter vor der Baustelle des Reichsparteitagsgeländes (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

    Für die größte Baustelle im Reich wurden gewaltige Mengen an Naturstein benötigt.

Vergangenheitsbewältigung

  • Motorradrennen auf dem Zeppelinfeld (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Nach Kriegsende wurde das Reichsparteitagsgelände für Veranstaltungen genutzt.

Was tun mit dem Erbe der NS-Zeit?

Nach dem Niedergang des Dritten Reichs stellte sich die Frage nach dem Umgang mit dem Gelände. Besonders durch das gewaltige Ausmaß der Anlage tat sich die Stadt Nürnberg mit einer Antwort nicht leicht. Ratlosigkeit und Unbekümmertheit kennzeichneten zunächst den Umgang mit der Vergangenheit. Um die Kongresshalle fand 1949 die Deutsche Bauausstellung statt, auf der Zeppelinwiese Motorradrennen. Große Teile des Geländes wurden abgerissen, bis 1973 die Überreste der Anlage unter Denkmalschutz gestellt wurden.

Aufklärungsarbeit oder Freizeitpark?

„Faszination und Gewalt“ hieß eine erste Ausstellung, die sich seit Mitte der 80er Jahre mit der NS-Vergangenheit von Nürnberg auseinandersetzte. Sie war ein Zugeständnis an diejenigen, die einen politischen Umgang mit der Geschichte forderten. Etwa zur gleichen Zeit planten findige Manager, aus der denkmalgeschützten Kongresshalle ein riesiges Freizeitzentrum zu machen. Die Pläne fielen ins Wasser, denn der Druck einer kritischen Öffentlichkeit auf die Stadt nahm weiter zu.

Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

Mitte der 90er Jahre, lange nach Kriegsende, entstand mit Bau eines Dokumentationszentrums in der Kongresshalle ein umfangreiches Informationsangebot.Die Dauerausstellung wurde von den Museen der Stadt Nürnberg erarbeitet und 2001 feierlich eröffnet. Dargestellt werden die NS-Parteitage und die Faszination, die sie auf ihre Besucher ausübten. Gleichzeitig legt die Ausstellung die verbrecherische Machtausübung des NS-Staates offen und führt die entsetzlichen Folgen für die Menschen vor Augen.

  • Einstürzende NS-Bauten (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

    Mit der Vergangenheit wollte man abschließen: Einige der NS-Bauten wurden abgerissen.

  • Außenansicht des Dokumentationszentrums in der Kongresshalle (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

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