zum Inhalt.
zur Hauptnavigation.

Inhalt

Hintergrund: Biografische Daten der Zeitzeugen

Regina Kaiser

Regina Kaiser wurde 1949 geboren. Ihre Eltern waren überzeugte Kommunisten, viele Familienmitglieder waren in der SED Partei aktiv, ihre Erziehung war daher sehr DDR linientreu.

Frau Kaiser arbeitete nach dem Abitur in Verlagen und verschiedenen Theatern. Anfang 1976 versuchte sie in die SED einzutreten, wurde aber abgewiesen.

Die Ausbürgerung des DDR Liedermachers Wolf Biermann im November 1976 führte bei Regina Kaiser zu einem inneren Bruch mit der DDR Regierung.

1978 / 79 bekam sie, zusammen mit ihrem Mann, Kontakt zu oppositionellen Kreisen. Sie unterstütze mit ihrer Gruppe ein Westberliner Komitee für politische Häftlinge (Komitee gegen politische Unterdrückung in beiden Teilen Deutschlands), sammelte Informationen und stellte Flugblätter her. Die Gruppe plante auch oppositionelle Texte und Bücher zu vervielfältigen und zu verbreiten.

Am 6. April 1981 wurde Regina Kaiser vom DDR Staatssicherheitsdienstes verhaftet und kam nach Hohenschönhausen in Untersuchungshaft. Vorgeworfen wurde ihr „landesverräterische Agententätigkeit“ und „landesverräterische Nachrichtenübermittlung“. Im Oktober 1981 wurde sie zu 3 Jahren und zwei Monaten Gefängnis verurteilt. (Grundlage waren die Paragraphen 99 und 100 des DDR Strafgesetzbuches). Ihre Haftstrafe verbrachte sie 2 1/2 Jahre lang im sächsischen Frauengefängnis Hoheneck. 1983 wurde sie von der BRD Regierung freigekauft.

Horst Jänichen

Horst Jänichen wurde 1931 in Berlin geboren. Er war Jungzugführer bei der Hitlerjugend und wurde während des Krieges als Luftschutzmelder und im Volkssturm eingesetzt. Als 15 Jähriger wurde er am 23.April 1946 vom sowjetischen Ministerium für Staatssicherheit in Deutschland (MGB) verhaftet. Ihm wurde vorgeworfen Mitglied der nationalsozialistischen Terrororganisation Werwolf zu sein, was Horst Jänichen bestreitet.

Nach mehrwöchiger Haft in einem sowjetischen Kellergefängnis in Berlin-Friedrichsfelde wurde er im Mai 1946 in das Internierungslager (Speziallager Nr.3) in Berlin-Hohenschönhausen verlegt. Dort war er 6 Monate bis Oktober 1946. Von dort wurde er das ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen in Oranienburg überführt, das die sowjetische Geheimpolizei als Speziallager Nr. 7 für NS-Verbrecher und politisch Missliebige nutzte.

Am 31.Juli 1948 wurde er entlassen. Herr Jänichen kehrte nach Ostberlin zurück, hatte Kontakte zur SPD und engagierte sich in der antikommunistischen „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“. Er nahm an Versammlungen und Aktionen der Gruppe teil und verbreitet antikommunistische Flugblätter in Ostberlin. Am 29. Dezember 1950 verhaftet ihn das neugegründete DDR-Ministerium für Staatssicherheit. Er kam in ein Untersuchungsgefängnis des DDR Staatssicherheitsdienstes an der Prenzlauer Allee. Herrn Jänichen wurde vorgeworfen mit der „Verbreitung tendenziöser Gerüchte den Frieden in Deutschland und der Welt gefährdet“ zu haben.

Nach mehreren Monaten Haft wurde er zu 8 Jahren Gefängnis verurteilt. Er verbrachte seine Haftstrafe in Berlin-Rummelsburg, in Halle und im sächsischen Zuchthaus Waldheim (bei Chemnitz). Im Oktober 1952 wurde das Strafmaß wegen eines gescheiterten Fluchtversuchs und Teilnahme an einer Gefangenenmeuterei um 2 1/2 Jahre erhöht. Diese Verlängerung aber wurde Horst Jänichen auf Bewährung erlassen. Am 9.Januar 1959 wurde Herrn Jänichen entlassen. Unmittelbar darauf flüchtete er nach Westberlin.

Peter Rüegg

Peter Rüegg wurde 1933 in Westberlin geboren . Er zog 1948 wegen eines Lehrstellenangebots nach Ostberlin. Als Jugendlicher wurde er Mitglied der Freien Deutschen Arbeiterjugend (FDJ). Peter Rüegg wollte die DDR aus Überzeugung unterstützen. 1953 folgte er einem Aufruf zum freiwilligen Waffendienst und meldet sich als Freiwilliger beim Kreisamt. Peter Rüegg verpflichtete sich für 3 Jahre zum Dienst bei der Grenzpolizei der DDR. 1956 wurde er Unterleutnant und war an verschiedenen Dienststellen als stellvertretender Kompanieführer tätig. Sein letzter Einsatzort als stellvertretender Kompanieführer war in Perleberg (bei Wittenberge). Er war in dieser Funktion auch für politische Schulungen der Grenzsoldaten zuständig.

Sowohl der Arbeiteraufstand 1953 als auch der Ungarnaufstand 1956 ließen bei Peter Rüegg erste Zweifel an der Politik der DDR aufkommen. Auch innerhalb des DDR Militärs (Kasernierte Volkspolizei, KVP, die später in der Nationale Volksarmee, NVA aufging) blieben die Reaktionen der DDR-Führung und des Eingreifens der Sowjetunion in den beiden Aufständen nicht ohne Folgen: in den 50er Jahren gingen viele Soldaten „von der Fahne“ (von Fahnenflucht im engeren Sinne konnte noch nicht die Rede sein, bis 1962 war die KVP/NVA eine Freiwilligen Armee). Viele Soldaten flüchteten aus der DDR in den Westen. Das Ministerium für Staatssicherheit reagierte darauf mit verstärktem Druck und mit demonstrativen Verhaftungen von angeblich Verantwortlichen.

Im Sommer 1959 wurde Peter Rüegg vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) verhaftet. Laut Peter Rüegg sollte an ihm mit falschen Beschuldigungen ein Exempel statuiert werden. Der Vorwurf lautete auf angeblicher Verherrlichung des Faschismus, Diffamierung der Sowjetarmee und Teilnahme an illegalen Versammlungen. Er wurde in Hohenschönhausen, im so genannten U-Boot, einem Kellergefängnis, inhaftiert. Im Vorfeld der Verurteilung war sogar von Todesstrafe die Rede, die aber von Erich Mielke, dem Minister für Staatssicherheit, abgelehnt wurde. Mielke schlug stattdessen das Urteil lebenslänglich vor. 1960 wurde Herr Rüegg nach monatelangen Verhören zu 7 Jahren Haft verurteilt. 1963 wurde er im Zuge einer Amnestie entlassen. Danach arbeitete Herr Rüegg anfangs als Bauhelfer, studierte dann im Abendstudium Bauingenieurwesen und arbeitete dann in der Denkmalpflege.

Uwe Karlstedt

Uwe Karlstedt wurde 1955 in Thüringen geboren. Er machte nach dem Schulabschluss eine Dreherausbildung. 1972 verpflichtete er sich zu drei Jahren Armeedienst. 1974 bot ihm der Staatssicherheitsdienst eine Ausbildung zum Vernehmer an. Von 1979 –1989 arbeitete Karlstedt bei der DDR Staatssicherheit, als Vernehmer in Hohenschönhausen. In der DDR aufgewachsen und sozialistisch sozialisiert glaubt er politisch und moralisch das Richtige zu tun. Zuletzt war er stellvertretender Referatsleiter bei der Hauptabteilung IX, dem Disziplinar- und Untersuchungsorgan des MfS.