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Hintergrund: Das Stasi-Gefängnis Berlin Hohenschönhausen

Vorgeschichte

Das ehemalige Stasi-Gefängnis ist mit seinen zum großen Teil unversehrt erhaltenen Gebäuden in der Genslerstraße 66 im Nordosten Berlins zu finden. Ursprünglich war hier eine Großküche der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt eingerichtet, die jedoch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 in ein sowjetisches Sammel- und Durchgangslager umfunktioniert wurde. Das Moskauer Volkskommissariat für Inneres NKWD transportierte von diesem so genannten "Speziallager Nr. 3" mehr als 20.000 Gefangene in andere sowjetische Lager, wie zum Beispiel in das ehemalige KZ Sachsenhausen. Die Häftlinge waren unter anderem Spione, Terroristen, NSDAP-Aktivisten, Polizei- und Geheimdienstangehörige oder Verwaltungsbeamte, später auch hohe Amtsträger von NS-Organisationen, einflussreiche Nazi-Anhänger und Kritiker des Sowjetregimes. Bis zu seiner Auflösung im Oktober 1946 waren im Lager zeitweise bis zu 4200 Gefangene inhaftiert, die in den unbeheizten Räumen bei unzureichender Verpflegung und mangelnder Hygiene häufig krank wurden und starben.

  • Heruntergekommener Keller mit einem Zellentrakt (links) und einer offenen Zelle mit Holzpritsche (rechts im Bild).

    Kellertrakt mit Zellen – das sogenannte U-Boot; Rechte: SWR/WDR – Print aus der Sendung

  • Ummauerter Hof mit grauen Wänden und verrosteter Stahltür; oben abgedeckt durch einen Maschendrahtzaun.

    Vergitterte Hofgangzelle – einer der sogenannten "Tigerkäfige"; Rechte: SWR/Alfons Früh

1946/1947 entstand aus dem Speziallager das zentrale sowjetische Untersuchungsgefängnis für NS-Verdächtige und politische Widersacher des SED-Regimes. Hierzu errichteten Häftlinge im Keller der ehemaligen Großküche fensterlose Zellen, die nur mit Holzpritschen und Kübeln ausgestattet waren (das so genannte "U-Boot"). Von der Genslerstraße aus wurden alle zehn sowjetischen Speziallager in Deutschland verwaltet. Insgesamt sollen hier 122.000 Deutsche inhaftiert gewesen sein. Erst 1950 wurde die Verwaltung in Berlin-Hohenschönhausen zusammen mit den letzten drei Lagern aufgelöst.

Zentrale Untersuchungshaftanstalt des MfS

1951 übernahm das inzwischen gegründete Ministerium für Staatssicherheit (MfS) das "U-Boot" als zentrale Untersuchungshaftanstalt für Gegner des Kommunismus, zum Beispiel Zeugen Jehovas, die Streikführer des Aufstandes vom 17. Juni 1953, Reformkommunisten und SED-Kritiker. Da der Platz schon bald nicht mehr ausreichte, errichteten Gefangene aus dem angrenzenden Arbeitslager "X" Ende der 50er-Jahre ein neues Gefängnis im hinteren Teil des Geländes mit über 200 Zellen und Vernehmzimmern. Nach dem Mauerbau 1961 waren hier vor allem Personen inhaftiert, die fliehen oder ausreisen wollten. Sie wurden von der Außenwelt und von ihren Mitgefangenen isoliert, monatelang verhört und wussten oft nicht einmal, an welchem Ort sie waren. Ein weiteres Gebäude, in dem ursprünglich die Wäscherei bzw. Garagen der ehemaligen Großküche und später die Verwaltung des zentralen sowjetischen Untersuchungsgefängnisses untergebracht waren, wurde im Laufe der Zeit erweitert und zum Haftkrankenhaus ausgebaut. Es versorgte auch Gefangene aus anderen Untersuchungsgefängnissen und unterstand dem Zentralen Medizinischen Dienst des MfS.

Militärischer Sperrbezirk

In dem militärischen Sperrbezirk rund um die Genslerstraße, der in Ostberliner Stadtplänen nur als Leerfläche eingezeichnet war, hatte die Regierung neben dem Stasi-Gefängnis noch weitere staatliche Dienstellen eingerichtet. So besaß z.B. die Hauptabteilung IX als Untersuchungsorgan des MfS geheimdienstliche, polizeiliche und staatsanwaltliche Befugnisse und konnte alle Ermittlungsverfahren gegen politische Häftlinge in der DDR leiten und kontrollieren. Die so genannte Haftabteilung (Abt. XIV) hatte dagegen für die Bewachung der zentralen Untersuchungshaftanstalten sowie des Haftkrankenhauses zu sorgen. Zeitweise war sie auch für das Arbeitslager "X" neben dem Stasi-Gefängnis zuständig, in dem Verurteilte Zwangsarbeit für die Stasi leisteten. Andere Abteilungen kümmerten sich u.a. um Abhöranlagen, falsche Pässe und versteckte Kameras, um die Wartung von Waffen sowie Vorbereitungen für den Kriegsfall, um die Betreuung von Bauvorhaben und Kraftfahrzeugen.

Erst mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 wurde das Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen geschlossen. Seit 1994 befindet sich auf dem Gelände eine Gedenkstätte mit der Aufgabe, die Geschichte der Haftanstalt zu erforschen und der Öffentlichkeit zu präsentieren.