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Hintergrund: Geschichte und Mythos

Kultische Handlungen

Man nimmt an, dass es schon zu mykenischer Zeit in Olympia rituelle Wettkämpfe gegeben hat. Wahrscheinlich bei Totenfeiern.

  • Modell der antiken Anlage mit großem Opferplatz im Vordergrund, im Hintergrund der Zeustempel

    Auf dem Platz vor dem Zeustempel wurden die Opferzeremonien und der olympische Eid abgehalten. Rechte: SWR

  • asenbild: stark stilisierte Abbildung Menschen vor einem aufgebahrten Toten

    Vasenbild aus mykenische Zeit: eine Totenfeier. Rechte: SWR

Mit dem Niedergang der mykenischen Kultur behielten einige heilige Stätten, wie der Ort Olympia, ihre kultische Bedeutung bei. Sie vereinten nun die sonst zersplitterten griechischen Völker und Stadtstaaten durch die regelmäßige Veranstaltung von religiösen Festen für ein "gesamt-griechisches" Publikum. Das Wissen um die Verbindung von Kult und Sport sowie einige Fundstücke machen es wahrscheinlich, dass die ersten "Olympischen" Spiele vor mehr als dreieinhalb Jahrtausenden als Teil kultischer Handlungen stattfanden. Auch die ersten schriftlich belegten Olympischen Spiele ab 776 v. Chr., die griechische Schrift entstand im 8. Jh. v. Chr., beinhalteten kultische Handlungen in Form von Opfern, Eiden und Ehrungen.

  • tabellarische Aufstellung der Epocheneinteilung Die Epochen der antiken Spiele; Rechte: SWR

Mit der dorischen Wanderung wurden die ursprünglich in Griechenland siedelnden Achaier durch dorische Stämme verdrängt. Mit den neuen Völkerstämmen änderten sich auch die Gottheiten, zu deren Ehren die kultischen Handlungen und Sportspiele veranstaltet wurden. Waren es in vordorischer Zeit Muttergottheiten wie Hera und Gaia, wurde Zeus von den Dorern zum wichtigsten Gott Olympias. Gleichzeitig entwickelten sich Jagd und Sport zur vornehmlichen Beschäftigung der entstandenen Adelsgesellschaft - die kultischen Anteile verloren in der Folge immer mehr an Bedeutung. Leiteten früher die Priester die Wettkämpfe, so wurden sie nun von professionellen Schiedsrichtern abgelöst.

Die Blütezeit

Als Höhepunkt der Olympischen Spiele gelten die Spiele von 476 v. Chr., bei denen Themistokles, der Sieger der Seeschlacht von Salamis, von der jubelnden Volksmenge geehrt wurde. Nicht zufällig fällt die Blüte der Olympischen Spiele im 5. Jh. v. Chr. in die Zeit der patriotischen Kämpfe der Perserkriege.

  • antike Marmorstatue eines nackten Athleten Das klassische Ideal eines Athleten; Rechte: SWR

Im Einklang mit der ständig steigenden Spezialisierung in den Städten, bedingt durch die billige Sklavenarbeit, kam es auch bei den Wettkämpfen zu Spezialisierungen und zum Berufsathletentum. Gleichzeitig stieg die Anzahl der Sportspiele und die Höhe der Gewinne bei diesen Festen, so dass es sehr lukrativ sein konnte, Sieger zu sein. Neben die Siegespreise traten noch hohe Startgelder für berühmte Athleten sowie Belohnungen der Stadtstaaten, aus welchen die Gewinner kamen. Es gab Befreiung von den Steuern und kostenlose Verpflegung auf Lebenszeit, Ehrenplätze bei Veranstaltungen, Sach- und Geldgeschenke. Nur in Kriegszeiten hatte es ein Olympiasieger nicht so gut, denn auch hier kämpfte er in der ersten Reihe.

Beginn des Zerfalls

In der Spätphase der Spiele zogen die meisten der Athleten von Ort zu Ort, um bei den verschiedenen Spielen Geld und Materialpreise "abzukassieren". Die Berufsathleten und eine steigende Anzahl von "unterprivilegierten" Teilnehmern aus den "Provinzen" führte zur Abwertung des Athletentums.

  • eine Gruppe von Touristen steht auf den Fundamenten des ehemaligen Zeustempels in Olympia Touristen auf den Ruinen des Zeustempels, Rechte: SWR

Mit dem Peloponnesischen Krieg (431-404 v. Chr.) endete der "griechische Patriotismus" und wich dem Machtkampf zwischen Athen und Sparta. Damit verloren auch die Spiele ihre verständigende Rolle. Gleichwohl waren sie als Institution immer noch bedeutend. Olympia, räumlich zwischen Sparta und Athen liegend und politisch neutrale Zone, bot den Teilnehmern die Möglichkeit des friedlichen Meinungsaustausches. Trotz kriegerischer Eroberungen der Spartaner und dem Versuch Athens, die Olympischen Spiele durch die eigenen "panathenäischen Spiele" zu ersetzen, blieben die Olympischen Spiele die bedeutendsten Sportspiele. Anfänge des Zerfalls der Spiele und deren Bedeutung zeigte sich in der Plünderung der Tempelschätze und der dreijährigen Besetzung Olympias durch die Arkadier in den Jahren 365-363 v. Chr.

Eroberung durch die Römer

Mit der Eroberung Griechenlands durch die Römer ab 148 v. Chr. verloren die Olympischen Spiele ihren panhellenistischen Charakter. Jetzt waren auch nicht-griechische Teilnehmer zu den Spielen zugelassen. Gleichzeitig missfiel den Römern die Nacktheit der Athleten und die niedere Herkunft der berufsmäßigen Trainer; zudem sahen sie keinen praktischen Nutzen in der griechischen Gymnastik und bezeichneten diese als den "griechischen Müßiggang".

  • antikes Trümmerfeld auf dem Olympia-Gelände

    Olympia heute: die Überreste der antiken Anlage.... Rechte: SWR

  • das antike Olympia Stadion mit zahlreichen Touristen an der Ablaufschwelle

    ....locken jährlich tausende Touristen aus aller Welt an die Wiege der Olympischen Spiele. Rechte: SWR

Erst später, mit steigender Achtung der griechischen Kultur, wollten die Römer sich die Spiele zu Nutzen machen, indem sie versuchten, sie durch neue griechisch-römische Spiele in Rom zu ersetzen, was sich aber nicht durchsetzte. Die Olympischen Spiele selbst schrumpften auf eine eher lokale Bedeutung. In der Kaiserzeit versuchten die Römer schließlich die Olympischen Spiele, die immer noch als Forum aller Griechen angesehen wurden, zu Demonstrationen eigener Macht umzuwandeln. Kaiser wie Tiberius, Germanicus oder Nero nahmen an den Spielen teil, die zum Teil extra für sie veranstaltet wurden. Statt eines nationalgriechischen Festes wurden die Spiele zu einem internationalen Zirkus, der wahrscheinlich nicht einmal mehr regelmäßig veranstaltet wurde.
So ist es auch eine Ironie des Schicksals, dass der letzte uns überlieferte Olympiasieger ausgerechnet zu den alten Erzfeinden der Griechen zählte: Er war ein persischer Prinz.

Der „heilige Friede“

Seit dem 11. Jahrhundert v. Chr. stritten die aitolischen Eleer, die archaischen Pisaer und die dorischen Spartaner um die Leitung des olympischen Festes.

  • Die Berge um Olympia im Sonnenaufgang, im Tal liegt Morgennebel

    Sonnenaufgang über Olympia; Rechte: SWR

  • Krieger mit Helm und Schild im Kampf, antikes Halbrelief aus Marmor

    Die zerstrittenen griechischen Stämme führten zahlreiche Kriege gegeneinander. Rechte: SWR

Bemerkenswertes Ergebnis dieses Streites war ein um 884 v. Chr. zwischen den drei Parteien geschlossener Vertrag, der für den Ort Olympia die Ekecheira, den "heiligen Frieden" verkündete. Dieser Friede sollte, trotz ununterbrochenen Kriegen zwischen den griechischen Stämmen und Stadtstaaten, nicht nur die Durchführung von "Olympischen" Spielen für Jahrhunderte sichern, sondern auch die kulturelle Einheit der griechischen Welt fördern. Schon bei der Ausrufung zu den Olympischen Spielen wurde der heilige Friede verkündet, der für die An- und Abreise sowie für die Veranstaltung am "heiligen Ort" Olympia galt, und dem jeder Ort, der Athleten entsandte, zustimmen musste.

Mythos und Wirklichkeit der antiken Olympischen Spiele

In Folge der Begeisterung für das antike Griechenland wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein äußerst positives Bild der antiken Olympischen Spiele entworfen. So sollen die antiken Olympischen Spiele ehrenhaft, gewaltfrei, Völker verständigend und unpolitisch gewesen sein. Schlagworte wie Amateurismus und Fairness wurden vom modernen englischen Sport des 19. Jahrhunderts unreflektiert auf die antiken Olympischen Spiele übertragen. Im sportlichen Sinn werden die in Olympia durchgeführten Sportarten mit dem heutigen Begriff "klassische Sportarten" versehen und die Spiele als einzigartig in ihrer Zeit hervorgehoben. Hier nur einige dieser Mythen:

,,Die Spiele waren ehrenhaft …''
Sicher war es eine Ehre, an den Olympischen Spielen teilzunehmen, dokumentierte es doch die Zugehörigkeit zur herrschenden Klasse; ansonsten ist der Begriff "ehrenhaft" ein moralischer Begriff, und damit den Moralvorstellungen der Zeit unterworfen. Galt es bei den antiken Olympischen Spielen als größte Ehre, im Wettkampf zu sterben, so entspricht dies sicher nicht den heutigen Vorstellungen von Ehre.

,,Die Spiele waren fair …''
"Fairness" ist ein Begriff, der in der Antike unbekannt war. Hatte es noch im 19.Jahrhundert als fair gegolten, auf sämtliche Vorteile zu verzichten und seinem Gegner notfalls zu helfen, beinhaltet der Begriff heute meistens nur das Einhalten von Regeln. In der Antike sollte der Beste und nicht der Fairste gewinnen, Nachteile der Gegner wurden erfleht und als göttliche Hinweise gedeutet.

  • Abbildung auf antiker Vase: Athleten beim Allkampf „Die Spiele waren gewaltfrei“ – beim antiken Kampfsport floss oft Blut... Rechte: SWR
  • antikes Original: der Kampf-Helm eines griechischen Kriegers „Die Spiele waren friedlich und völkerverständigend“ – die olympische Waffenruhe wurde bis auf wenige Ausnahmen eingehalten. Rechte: SWR

,,Die Spiele waren gewaltfrei …''
Gewalt herrschte überall im täglichen Leben der Antike, auch innerhalb der Olympischen Spiele. Indirekte Gewalt, z.B. durch gefährliche Sportarten, wie dem Wagenrennen, direkte Gewalt innerhalb der Kampfsportarten. Wenn ein Läufer einen Fehlstart wagte, wurde er ausgepeitscht.

,,Die Spiele waren friedlich und Völker verständigend …''
König Iphitos von Elis erhielt in einer Notsituation vom Orakel von Delphi die Weisung, sich des Krieges zu enthalten und die Freundschaft unter den Griechen zu fördern. Er tat so wie geheißen, belebte die Spiele in Olympia und schloss einen Vertrag, nach dem Olympia ein geheiligter Ort sei. In der antiken Realität verliert diese Darstellung allerdings an Schönheit. Elis, ein kleiner Stadtstaat in der Nachbarschaft von Sparta, der eine Schutzfunktion für das Tal von Olympia innehatte, verzichtete freiwillig auf alle militärische Stärke und Macht. Nicht ohne Eigennutz: Denn für die Aufgabe seiner Position wurde Elis von den anderen Stadtstaaten nicht mehr behelligt und konnte von den Einnahmen aus den Spielen leben. Auch wenn die olympische Waffenruhe (bis auf wenige Ausnahmen) über den langen Zeitraum der antiken Geschichte Bestand hatte - zu einer "Völkerverständigung" unter den chronisch zerstrittenen Griechen hat Olympia nichts beitragen können.

,,Die Spiele waren unpolitisch …''
Die Vielzahl ihrer Siege machten die spartanischen Athleten zu griechischen Vorbildern. Sparta nutzte die Spiele zur Demonstration der eigenen Überlegenheit, indem man allen anderen griechischen Stadtstaaten seine künstlerischen und sportlichen Fähigkeiten vorführte. Durch den Bau eines bedeutenden Heratempels und die Stiftung vieler Statuen konnte Sparta Olympia lange prägen. Mit dem "Boykott" der Spiele durch die Spartaner Ende des 6. Jh. begannen andere Stadtstaaten die Aufmerksamkeit durch wertvolle Gaben an die Götter auf sich zu lenken. Das Interesse an der Dokumentation seines Reichtums, und damit der eigenen Macht, ging so weit, dass das Stadion zweimal verlegt werden musste, um mehr Platz für Geschenke zu machen.

Daten zur Geschichte der antiken Olympischen Spiele

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