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Hintergrund 1919 bis 1932

Die Olympischen Militärspiele 1919 in Paris

In Paris finden die "Interallied Games" im speziell dafür erbauten "Pershing-Stadion" statt. Die ganze Veranstaltung wird bewusst in Form von Olympischen Spielen ausgetragen. Es findet ein olympisches Sportprogramm mit zusätzlichen Militärübungen statt. Am Schluss gibt es Medaillen. Eingeladen sind nur die "Alliierten", die Siegermächte des Ersten Weltkrieges.

Die Olympischen Spiele von 1920 in Antwerpen

Schon der Austragungsort Antwerpen, als Vertreter des vom Krieg schwer geschädigten Belgien, zeigt die "erzieherische" Intention des IOC.

  • Olympia-Plakat 1920 Antwerpen; Rechte: SWR

Auf der einen Seite will man unbedingt die Kontinuität der Spiele wahren und eine Fortsetzung der "Interallierten Spiele", der "Militärolympiade", verhindern. Auf der anderen Seite will man die Verlierermächte sowie die sich im Kriegszustand befindlichen Länder Polen und die Sowjetrepublik aus politischen Gründen nicht teil haben lassen. Politisch geschickt überlässt das IOC die Einladung dem Veranstalter und erreichte so den Ausschluss, ohne sein Gesicht zu verlieren.

Für viele Länder ist der Zeitpunkt zu früh gewählt, da sie unter den Kriegsfolgen leiden und noch keine Zeit für den Sport haben.

Selbst England und die USA senden nur kleine, Mannschaften. Das zusammen mit äußerst hohen Eintrittspreisen beschert den Spielen dann auch nur wenige Zuschauer. Trotzdem sind die sportlichen Wettkämpfe zum Teil auf hohem Niveau und auch neue Talente werden sichtbar, wie der finnische Langstreckenläufer Paavo Nurmi.

  • Die Spiele von 1920 im noch kriegszerstörten Antwerpen. Die Verlierer des Krieges, Deutschland und seine Verbündeten dürfen nicht an den Start. Rechte: SWR

  • Paavo Nurmi in Leichtathletikdress auf Stadinlaufbahn sitzend

    Ausnahmetalent: Der Finne Paavo Nurmi war bei den Olympischen Spielen 1920-28 Sieger in sechs Einzel- und drei Mannschaftswettbewerben. Rechte: SWR

Die Spiele von Antwerpen schaffen keine Völkervereinigung in Frieden, wie es Coubertin mit den Spielen grundsätzlich geplant hatte. Unter der von Coubertin entworfenen Olympiaflagge mit den fünf Ringen, die Kontinente symbolisierend, herrscht Uneinigkeit. Coubertin selbst übt Kritik an dem Ausschluss der Kriegsverlierer. Für ihn sind die Olympischen Spiele frei für alle, frei zumindest in Bezug auf Politik, Religion und Herkunft.

Die Olympischen Spiele von 1924 in Chamonix und Paris

Mit den Olympischen Spielen von 1924 in Chamonix und Paris trennen die Veranstalter Sommer- und Wintersportarten, die es seit 1908 gibt.

  • Olympia-Plakat 1924 Paris; Rechte: SWR
  • Die Olympia-Fahne im IOC Museum in Lausanne Coubertins wichtigstes Vermächtnis: Der Idealismus, mit dem der olympische Sport immer wieder Hoffnung für ein friedliches Miteinander der Völker weckt: symbolisiert durch die Olympische Fahne, ein Entwurf Coubertins. Rechte: SWR

Das IOC traut sich nach dem großen Erfolg der nordischen Skispiele aber noch nicht, eigene Spiele auszuschreiben und wird so nur zum Schirmherr der "Internationalen Sportwoche" von Chamonix. Während der Sommerspielen einigt man sich im Nachhinein darauf, die Spiele zu den ersten Olympischen Winterspielen zu erklären und den Siegern olympische Medaillen zu verleihen. Die Spiele selbst sind bis auf den Bobwettbewerb, dem das Tauwetter die Strecke fast weg schmelzen lässt, von hohen sportlichen Leistungen und ansonsten sehr guten Bedingungen geprägt.

Die Spiele von Paris sind als Abschiedsgala für Coubertin gedacht, und alle Nationen werden eingeladen, bis auf Deutschland, für deren Sportler keine Sicherheit garantiert werden kann. Damit besteht die Gefahr, den Olympismus aufzusplittern, da nicht nur die Deutschen ihre eigenen "Olympischen Spiele" in verschiedenen Formen veranstalten, sondern auch die politisch organisierten Arbeiter ein Jahr später mit der internationalen Arbeiter-Olympiade in Frankfurt ein eigenes Olympia begründen. Trotz dieser Gefahren befindet sich die olympische Bewegung durch die erfolgreichen Spiele von Paris und Chamonix wieder auf dem Vormarsch. Die Klärung der Amateurfrage wird allerdings noch lange auf sich warten lassen. Coubertin muss sich bei jeder Olympiade mit den diesbezüglichen Regelungen herumschlagen.

Die Olympischen Spiele von 1928 in St. Moritz und Amsterdam

Die Spiele von St. Moritz sind die ersten konsequent vorbereiteten Winterspiele, obwohl sie nach dem Erfolg der "Sportwoche" von Chamonix als II. Olympische Winterspiele bezeichnet werden. Das Programm von Chamonix wird übernommen, aber durch die Ausschreibung als Olympische Spiele ergeben sich deutliche Unterschiede. Fast doppelt so viele Teilnehmer starten vor einer großen Zuschauerkulisse – allerdings bei schlechten Schneebedingungen.

  • auf hohem olympischen Turm brennt in einer Schale das Olympische Feuer 1928 in Amsterdam erstmals entzündet: das Olympische Feuer

Mit dem Wetter gibt es in Amsterdam keine Probleme. Die Organisation ist gut, alle Wettbewerbe finden in der Nähe des Stadions statt, und einige Neuerungen sind im Programm zu verzeichnen; so dürfen erstmals Frauen an den Leichtathletikwettbewerben teilnehmen. Auch das olympische Zeremoniell findet eine Erweiterung: erstmals wird ein olympisches Feuer entzündet. Diese griechische, nicht aber olympische, Tradition zeigt sich besonders fotogen und schien das Zeremoniell um den olympischen Eid hervorragend zu ergänzen.

Die deutschen Sportler, die seit St. Moritz wieder an den Spielen teilnehmen dürfen, marschieren im Gleichschritt ins Stadion. Sie erfüllennicht die überhöhten Erwartungen, die an sie gestellt werden. Aber besonders die Damenfechtmannschaft, mit der erst 17-jährigen Helene Mayer, und die Reiter dominieren ihre Wettbewerbe.

  • 1928 dürfen die Frauen erstmals auch in der Leichtathletik um Medaillen kämpfen. Am 31. Die Polin Halina Konopacka ist die erste Olympiasiegerin in der Leichtathletik, sie gewann das Diskuswerfen mit 39,62 Metern (Weltrekord); Rechte: SWR

  • Frauen in den Startblöcken vor dem Start zur 4x100m Staffel

    Start zur 4x100m-Staffel der Damen: Mit am Start eine deutsche Mannschaft. Nach 16 Jahren sind die Deutschen wieder in die olympische Gemeinschaft aufgenommen worden. Rechte: SWR

Die Spiele 1928 von Amsterdam waren perfekt organisiert. Der neue IOC-Präsident Henry Graf de Baillet-Latour steht mit seinen pädagogischen Betrachtungen ganz in der Nachfolge von Coubertin:

"Man muss gegen die überbordende Begeisterung der Massen ankämpfen, die natürlich eine Vorliebe fürs Schauspiel haben, und darf deshalb die Erziehung der Zuschauer nicht vernachlässigen, die im sportlichem Geist erzogen werden müssen, so zwar, dass sie ihre Anerkennungsäußerungen nicht bloß für ihre Landsleute reservieren, sondern der besten Leistung Beifall zollen lernen." (Henry Graf de Baillet-Latour)

Die Olympischen Spiele von 1932 in Lake Placid und Los Angeles

Die Spiele von Lake Placid entwickeln sich zum finanziellen und sportlichen Fiasko. Schlechtes Wetter und wenig Schnee bei zu hohen Temperaturen ergeben schreckliche Bedingungen. Hinzu kommt noch die schlechte Organisation, die auf Zuschauerwirksamkeit ausgelegt ist. Die Bobbahn ist lebensgefährlich, beide deutschen Bobs verunglücken schwer und eine aus deutschen Zuschauern schnell zusammengestellte Mannschaft nimmt am Wettbewerb teil. Den Zuschauern ist das noch nicht genug: Sie werfen Steine und Äste auf die Bahn, um noch mehr Stürze zu sehen.

  • Olympia-Plakat 1932 Los Angeles; Rechte: SWR

Während die Spiele von Lake Placid einen ersten Rückschlag für die Idee der Olympischen Winterspiele bedeuten, zeigen die Spiele von Los Angeles die finanziellen und werbemäßigen Möglichkeiten, die bislang noch verborgen in den Spielen schlummern. Für die Spiele wird das bislang größte Werbespektakel veranstaltet. Sogar die Girls aus Hollywood machen Reklame für die Spiele. Mit einer olympischen Parade im Stil von Disneyland werden sie eröffnet. Die Veranstalter sind auch sonst sehr aktiv; sie glänzen mit einem eigens für die Spiele erbautem olympischen Dorf für die männlichen Sportler. Die Wettkämpferinnen wurden alle in einem sehr guten Hotel untergebracht. Dagegen führt die Weltwirtschaftskrise zu Geldnot und nicht nur bei den Deutschen zu sehr kleinen Mannschaften. Die Spiele selbst werden von den Sportlern und Zuschauern als ausgesprochen positiv empfunden, die sportliche Leistung ist als sehr hoch einzustufen. Über 100.000 Zuschauer bei der Eröffnungsfeier und 1,5 Millionen Gesamtzuschauer machen die Spiele zu den größten Spielen bisher. Die zweiten Spiele nach dem Rücktritt Coubertins sind sportlich, werbemäßig und finanziell ein voller Erfolg.

  • 1932 in Los Angeles. 100.000 Zuschauer fasste das Stadion; Rechte: SWR

  • Von Hollywoods Schönen beworben waren die Spiele von Los Angeles finanziell und sportlich ein voller Erfolg. Rechte: SWR

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