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Hintergrund 1896 bis 1916

Die Olympischen Spiele von 1896 in Athen

Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit bleiben durch die Begeisterung für die Idee in Erinnerung - selbst die Unterwelt Athens verspricht dem Polizeipräsidenten einen "Burgfrieden" für die Zeit der Spiele.

  • Film-Still mit dem Plakat für die Olympischen Spiele 1896 in Berlin Olympia-Plakat 1896 Athen; Rechte: SWR

Weniger berühmt waren ihre Organisations- und Leistungsfähigkeit. So ist das Stadion zwar schön, aber die Kurven sind so eng, dass mancher Sportler "nicht die Kurve kriegt". Die Sportler zählen in den seltensten Fällen zur Weltklasse und sind schlecht informiert; da es zudem keine Auswahlkriterien für den Start bei den Spielen gab, verlaufen manche Wettbewerbe recht kurios. Trotz Schwierigkeiten und Betrügereien stärken die Spiele die nationale Identität der Griechen unter anderem durch den Sieg im Marathonlauf. Sie wollen die Veranstaltung der Spiele nicht mehr aus der Hand geben. Die "Aufwertung" der Griechen hat aber auch schlimme Folgen: Kurz nach den Spielen kommt es zu Auseinandersetzungen um den Besitz der Insel Kreta, ein Jahr später zum griechisch-türkischen Krieg. Nach türkischer Meinung haben die Spiele den Krieg konspirativ vorbereitet.

"Ich stand einsamer da denn je" sagte Coubertin. Trotz aller Leistungsschwächen etabliert sich der zukünftige Wahlspruch der Spiele: "citius, altius, fortius".

  • historische s/w Luftaufnahme des Stadions

    1896: Das Panathenaikon-Stadion mit vollen Rängen. Rechte: SWR

  • Hürdenlauf im Panathenaikon-Stadion

    Im Mittelpunkt des Programms von 1896 stand die Leichtathletik. Rechte: SWR

Die Olympischen Spiele von 1900 in Paris

Die Olympischen Spiele von Paris fanden als Teil der fünften Weltausstellung statt. Während die Industrie ihre Leistungen perfekt präsentiert, kann man dies vom Sport nicht behaupten. Da es neben den olympischen Sportarten noch eine Vielzahl anderer "Sportveranstaltungen" gibt, weiß kein Sportler, ob er jetzt an den Olympischen Spielen teilnimmt oder nicht. Da es zudem im Anschluss an die Wettkämpfe keine Medaillen gibt und nur wenige Hinweise auf die verschiedenen Austragungsorte existieren, ja selbst bei den Sportwettkämpfen auf deren Plakaten mit keinem Wort die Spiele erwähnt werden, existieren für Sportler und Öffentlichkeit eigentlich keine Olympischen Spiele. Wohl haben Leistungsorientierung und Professionalität bei einigen Mannschaften gegenüber Athen deutlich zugenommen, mit bewusst zusammengestellter Mannschaft und ausgesuchtem Begleitpersonal. Die Organisation der Veranstaltungen ist dennoch mangelhaft.

  • In Paris sind die Spiele Teil der Weltausstellung und gehen im allgemeinen Trubel unter. Rechte: SWR

  • Damals auch „olympische“ Disziplin: Das Tauziehen; Rechte: SWR

Coubertin ist entrüstet über die erstmalige Teilnahme von Frauen an den Olympischen Spielen (beim Tennis und Golf) Da aber in Paris soviel danebengeht, hat er nicht die Kraft, sich gegen dieses Sakrileg zur Wehr zu setzen. Bei den Sportlern herrscht allgemeine Entrüstung über die Siegerpreise, die sich als billige "Ramschwaren" herausstellen. Coubertin nimmt sich vor, die Olympischen Spiele niemals wieder "einem jener großen Jahrmärkte anzugliedern, bei denen ihr Wert sich verflüchtigt. Die Spiele waren einer demütigenden Abhängigkeit unterworfen."

Die Olympischen Spiele von 1904 in St. Louis

Allen negativen Erfahrungen zum Trotz und gegen Coubertins Überzeugung finden die nächsten Olympischen Spiele wieder im Rahmen einer Weltausstellung, diesmal in St. Louis, USA, statt.

  • Olympia-Plakat 1904 St. Luis; Rechte: SWR

Wieder unterliegt der Sport den Anstrengungen für die Weltausstellung. Wissen die Sportler und Zuschauer in Paris nicht, ob sie an den Olympischen Spielen, an Weltmeisterschaften oder anderen Wettkämpfen teilnehmen, so gelten in St. Louis praktisch alle Wettbewerbe, die mit Bewegung zu tun haben, als "olympisch".
Es gibt insgesamt 390 Wettbewerbe und jeder kann für das Land starten, für das er meldet! Die Sportplätze, Umkleidemöglichkeiten und Zimmer der Athleten spotten jeder Beschreibung. Auch sonst gestalten sich die Spiele chaotisch.

Der Marathongewinner fährt mit dem Auto - erst später erklärt man den Zweiten zum Gewinner, der voll gepumpt mit Strychnin das Ziel wankend erreicht hatte. Auf dem Sprungturm sind die Bretter so morsch, dass die deutschen Kunstspringer erst einmal neue Sprungbretter einbauen müssen.

  • In St. Louis waren die Spiele wieder nur Teil einer Weltausstellung Rechte: SWR

  • In St. Louis auch „olympisch“: ein Hindernislauf der besonderen Art.... Rechte: SWR

Die Olympischen Zwischenspiele 1906 in Athen

Nach den Spielen in St. Louis, die für die meisten europäischen Sportler zu weit und zu teuer waren, bot die Einladung zu den Zwischenspielen von Athen eine willkommene Gelegenheit, um den innereuropäischen - wie auch den europäisch-amerikanischen - Leistungsstand zu dokumentieren. Die Initiative ging von den Griechen aus. Mit ihrer Idee einer 10-Jahres-Feier wollten sie Coubertin, der ja gegen die Idee der Olympischen Spiele in Griechenland und gegen den Wechsel des Zeitrahmens war, moralisch ausbooteten. Während so die Sportler um olympische Medaillen kämpften - die gar keine waren, wie sie später erfuhren -, blieb Coubertin ein Gegner dieser Spiele. Die Artistokratie, eine der Hauptstützen Coubertins bei der Gründung der Spiele, nimmt allerdings begeistert teil.

Bis auf die Einführung des Speerwerfens auf schwedischen Wunsch gibt es keine großen Veränderungen in sportlichem Sinn; die weiblichen Sportlerinnen geben sich weiblich, die Männer männlich, und die Kurve des Stadions ist immer noch zu eng. Das griechische Publikum zeigt sich wieder von seiner besten Seite, über 40.000 Zuschauer versammeln sich im Stadion.

Die Olympischen Spiele von 1908 in London

London ist Lückenbüßer (für Rom) und muss in zwei Jahren alle Vorbereitungen treffen.

  • Olympia-Plakat 1908 London; Rechte: SWR

Die Spiele finden deshalb wieder in Verbindung mit einer Weltausstellung statt, nur dient diesmal die Ausstellung zur Finanzierung der Spiele und zum Bau eines Stadions mit integriertem Schwimmbad. Die Spiele verlaufen recht harmonisch. Nun sind die weltbesten Sportler am Start und viele Sieger sind auch Weltmeister in ihrer Disziplin. Von Nachteil erweist sich die sechsmonatige Dauer der Spiele. Sie stehen aber zum ersten Mal im Mittelpunkt des Interesses einer sportbegeisterten Zuschauerschaft. Die Engländer hatten die Spiele freiwillig übernommen und wollten der Welt zeigen, wie perfekt Sport in seinem Mutterland organisiert wird.

Viele der Veranstaltungen finden deshalb im "Mekka" ihrer Sportart statt; Tennis in Wimbledon, Rudern in Henley-on-Thames. Mit der Einführung eines Olympischen "Wintersportfestes" in London wurden die Olympischen Spiele von 1908 zum Wegbereiter der Olympischen Winterspiele.

  • Frauen in der Mode der Zeit (langer Rock und Hut) beim Bogenschießen

    Die bogenschießenden Damen waren Coubertin ein Dorn im Auge – er hätte sich hier lieber strickt an das antike Vorbild gehalten und Frauen die Teilnahme untersagt. Rechte: SWR

  • Das eigens für die Spiele gebaute Stadion hatte ein „mobiles“ Schwimmbad integriert. Rechte: SWR

Die Olympischen Spiele von 1912 in Stockholm

Die Olympischen Spiele von 1912 bringen den endgültigen Durchbruch der olympischen Idee. Nach den Fiasken der mit Weltausstellungen gekoppelten Spiele finden sich hier sportliche, organisatorische und festliche Höhepunkte. Herzliche Gastfreundschaft, viel Zuschauerinteresse und begeisterter Sport in höchster Perfektion prägen die Spiele.

  • Olympia-Plakat 1912 Stockholm; Rechte: SWR

Im Hintergrund der Spiele werden jedoch schon die ersten politischen Kontroversen um Nationalitäten ausgetragen. Durch den Erfolg dieser Spiele wird ihr Weiterbestand auch nach dem Ersten Weltkrieg garantiert. Was jedem Zuschauer bei den Spielen von Stockholm auffallen muss, sind die vielen Uniformen und "paramilitärischen" Wettbewerbe; 18 Wettbewerbe im Schießen und die Einführung des "modernen" Fünfkampfes mit Reiten, Fechten, Schießen, Schwimmen und Geländelauf sprechen eine deutliche Sprache.

"Die V. Olympiade hatte, wie die allerschönsten Rosen, auch dornige Stile. In der Tat, welches Geflecht diplomatischer Schwierigkeiten, kleiner persönlicher Intrigen, Reizbarkeiten, schonend zu behandeln, verletzte Eitelkeiten, unter Moos aufgestellte Fallen. Was aber sagen, um die Rosen zu schildern! Welch bezauberndes Blühen. Nie hatte der Schwedische Sommer die Herrlichkeiten, deren er fähig war, besser zur Schau gestellt." (Pierre de Coubertin)

Politische Probleme im Vorfeld des Krieges: Um den Zuschauern den "Einmarsch der Nationen" übersichtlicher zu machen, hatte das IOC beschlossen, diese nicht nur mit ihrer Fahne, sondern auch mit Namensschildern in das Stadion einmarschieren zu lassen. Dies führt schon im Vorfeld der Spiele zu diplomatischen Auseinandersetzungen um die Gebiete von Finnland, Böhmen und Ungarn, die noch Teile des russischen bzw. Habsburger Reiches sind.

  • Die Spiele von Stockholm glänzten durch professionelle Organisation und Massendarbietungen fürs Publikum. Rechte: SWR

  • Auch die Wettkämpfe bieten sportliche Höhepunkte – mittlerweile gehen bei Olympia die Weltbesten ihrer Disziplin an den Start. Rechte: SWR

Die ausgefallenen Spiele: 1916 in Berlin

Der Erste Weltkrieg fügt dem Olympismus eine tiefe Wunde zu. Die für 1916 nach Berlin vergebenen Spiele werden nicht stattfinden. Stattdessen in Deutschland abgehalten: "Vaterländische Kampfspiele", bei denen in Wettbewerben wie dem "Hindernislauf mit Gewehr", dem "Handgranatenweit- und Zielwurf", dem "Stabhochsprung mit Sturmgepäck" und Schützenläufen zuerst um Medaillen aus Eisen, später in den Schützengräben dann um Leben und Tod gekämpft wird.

  • Kaiser Wilhelm 1913 bei der Einweihung des Deutschen Stadions im Grunewald, in dem 1916 die Spiele hätten stattfinden sollen.

  • Bei der Einweihung auffallend: die vielen Aufmärsche und paramilitärischen Wettbewerbe; Rechte: SWR

Coubertin verlegt während des Krieges den Sitz des IOC von Paris in die neutrale Schweiz, nach Lausanne. Er will damit dokumentieren, dass die olympische Idee über dem Streit der Nationen steht.

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