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Hintergrund: Produktionsfaktor Arbeit

Arbeitnehmer und Arbeitgeber

  • Bild aus Trickfilm. Mona auf dem Sklavenmarkt (Herkunft: SWR) Mona wird auf dem Sklavenmarkt verkauft

Die menschliche Arbeit war schon immer eine Grundbedingung für die Herstellung und den Handel von Gütern. Arbeit ist daher ein wichtiger Produktionsfaktor. In einer modernen Fahrradfabrik arbeiten Menschen mit unterschiedlichsten Berufen. Manche haben nach der Schule eine Ausbildung als Fahrradmonteur gemacht, andere haben die Universität besucht und sind heute Ingenieure für Maschinenbau oder Produktdesigner. Allen gemeinsam ist, dass sie auf dem Arbeitsmarkt ihre Arbeit anbieten (Arbeitnehmer) und Unternehmen ihre Arbeit nachfragen (Arbeitgeber). In die Rolle der Arbeitnehmer schlüpfen wir alle irgendwann, um mit Arbeit unseren Lebensunterhalt verdienen zu können. Manche Menschen entscheiden sich bewusst für weniger Arbeit und mehr Freizeit, sie arbeiten beispielsweise nur halbtags. Sie nehmen damit in Kauf, weniger Einkommen zu erhalten und weniger konsumieren zu können.

Vom Wert der Arbeit

Die Arbeitskraft der Menschen ist also ein Wert. Doch das war nicht immer so. Früher bekamen Sklaven keinen Lohn für ihre Arbeit. Sie wurden „verkauft“ und insofern also wie Kapital behandelt. Ihnen war es nicht erlaubt, ihre Arbeitskraft für einen gerechten Preis selbst auf dem Markt anzubieten. Doch auch heute noch leben nicht alle Menschen in gerechten Arbeitsverhältnissen. Zwar wird die Arbeit der Menschen heute zumeist bezahlt, doch manchmal ist die Entlohnung so gering, dass das verdiente Geld kaum zum Leben reicht und noch dazu kaum Freizeit bleibt.

Arbeitsmarkt

  • Fußballer (picture-alliance /dpa) Profisportler verdienen Millionen ...

Warum verdienen Spitzenfußballer und Popstars Millionen, ein einfacher Bankangestellter aber nur einen Bruchteil davon? Dafür gibt es mehrere Gründe. Zuerst einmal haben wir es beim Lohn mit einem Preis zu tun, der sich ähnlich wie bei Lebensmitteln oder Turnschuhen nach Angebot und Nachfrage richtet. Menschen, die eine Banklehre machen, gibt es genug. Dagegen gibt es nur wenige junge Talente, die das Zeug zum Superstar haben. Die Vereine und die Musikverlage reißen sich um die Besten und entlohnen diese entsprechend hoch. Profisportler oder auch Manager in Spitzenpositionen verdienen also weit mehr als der Durchschnitt. Bei den einen genügen Talent und Leistung, bei hochbezahlten Managern oder Ingenieuren ist es meist auch die langjährige Ausbildung, die zählt. Jede Ausbildung kostet Zeit und Geld – doch dafür sind die Unternehmen später auch bereit, mehr Lohn zu bezahlen. Schließlich hängt die Produktivität einer Firma davon ab, wie gut und schnell ihre Mitarbeiter arbeiten – sonst würde sie Pleite gehen. Derjenige, der keine Ausbildung hat oder lange Zeit arbeitslos war, hat deshalb weniger Chancen auf einen guten Job.

  • (Rechte: picture-alliance / dpa) ... Pflegeberufe sind dagegen schlecht bezahlt - ungerecht?

Angebot und Nachfrage

Doch wie viel man in einem Beruf verdient, hängt nicht allein von der Ausbildung ab, sondern auch von der Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt. Vor einigen Jahren gab es beispielsweise zu viele Ingenieure. Die Unternehmen konnten sich die besten Bewerber aussuchen, die anderen verdienten weniger oder waren arbeitslos. Wegen der schlechten Aussichten entschieden sich damals viele Schulabgänger, lieber etwas anderes zu studieren. Heute gibt es deshalb zu wenige Ingenieure, und ihre Löhne sind immens gestiegen.

Globaler Wettbewerb um Arbeit

Viele Menschen bei uns in Deutschland haben Angst, aufgrund der Globalisierung von Arbeitslosigkeit bedroht zu werden: Plötzlich steht beispielsweise die Näherin einer Fabrik in Frankfurt in direktem Wettbewerb mit den Näherinnen in China. Ihre Arbeitskraft konkurriert sozusagen um ein und denselben Arbeitsplatz. Gegen einen Wettbewerb mit fairen Mitteln wäre nichts einzuwenden. Da in China das Leben billiger ist als bei uns, also ein niedrigerer Lebensstandard herrscht, ist es ganz normal, dass auch niedrigere Löhne bezahlt werden. Die Ungerechtigkeit entsteht erst, wenn Unternehmen Arbeitskräfte in ärmeren Ländern ausbeuten. Denn viele zahlen nicht nur sehr geringe Löhne, sondern verweigern ihren Beschäftigten auch alle Rechte, die für uns in Deutschland inzwischen selbstverständlich sind. Arbeit an sechs oder sogar sieben Tagen der Woche, unbezahlte Überstunden, keine Absicherung bei Krankheit oder im Alter, bei gefährlichen Arbeiten kaum Schutzmaßnahmen. Wer sich zur Wehr setzt, verliert seine Arbeit – und findet so leicht keine wieder.

Kostendruck versus Menschenrechte

Vor solchen Bedingungen schützen uns in Deutschland Gesetze: das Mitspracherecht der Gewerkschaften und die Sozialversicherung – beides hart erkämpfte Ziele der Arbeiterbewegung vor über 100 Jahren. Die Rechte der Arbeitnehmer haben aber auch ihren Preis. Sie sind der Grund, warum Arbeit „made in Germany“ mehr kostet als in China und anderen Ländern, in denen Arbeiter kaum Rechte genießen. Viele Firmen in Europa und den USA nutzen die Lage aus. Für sie zählt nur, je niedriger die Arbeitskosten, desto höher der Gewinn, egal zu welchen Arbeitsbedingungen. Doch die Unternehmen tragen nicht allein die Verantwortung. Wir alle, die Verbraucher, müssen uns fragen, wo und wie wurde dieser Turnschuh oder dieses Spielzeug hergestellt? Wie kommt dieser niedrige Preis zustande? Nur durch nachhaltigen Konsum können wir dazu beitragen, dass sich nicht nur Waren und Märkte globalisieren, sondern auch Menschenrechte, Umweltschutz und Arbeitnehmerrechte.

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