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Hintergrund: Ostsee

Nutzung der Ostsee

Der Lebensraum Ostsee wird von den Anrainerstaaten auf vielfältige Weise genutzt. Einhergehend mit jeglicher Nutzung ist die ständige Bedrohung dieses einzigartigen Lebensraumes durch die jeweiligen Folgen für das Ökosystem. Das europäische Randmeer ist so ständigen Belastungen aus Schiffsverkehr, Landwirtschaft und Schadstoffeinträgen ausgesetzt. Auch Baumaßnahmen an den Küsten, beispielsweise für touristische Einrichtungen, beeinträchtigen den sensiblen Lebensraum und wirken sich auf die natürliche Küstendynamik aus.

  • Auf einem Sandstrand stehen viele bunte Strandkörbe, dahinter sind rechts kleine Häuser zu sehen, links im Bild ein Hochhaus mit dem Schriftzug „Hotel Neptun“. (Rechte: Huber, www.pixelio.de)

    Baumaßnahmen für den Tourismus beeinträchtigen den Lebensraum Ostsee

  • Ein rot gestrichenes Schiff vor einem alten Hafengebäude. Im Hintergrund sind Industriebauten zu sehen. (Rechte: www.sxc.hu)

    Schiff im Hafen von Danzig

Ostsee-Gaspipeline

Im Jahr 2005 wurde mit dem Bau des Landabschnittes der Ostseepipeline in der Nähe der russischen Stadt Wyborg nahe der finnischen Grenze begonnen. 2010 war offizieller Baustart in der Bucht von Portovaja in Russland. Der erste Leitungsstrang wurde Ende des Jahres 2011 in Betrieb genommen und hat eine Länge von über 1.200 Kilometern. Er verläuft quer durch die Ostsee und erreicht die deutsche Küste in Lubmin (eine kleine Gemeinde in der Nähe der Stadt Greifswald). Von dort wird die Gaslieferung nach Westeuropa weitergeleitet. Durch diesen ersten Strang der Ostsee-Pipeline kann Deutschland jährlich mit maximal 27,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas versorgt werden. Ein zweiter Leitungsstrang ging Ende 2012 in Betrieb. Auch durch diesen Strang können 27,5 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr nach Deutschland geleitet werden. Damit soll die Gesamtkapazität von bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Erdgaslieferung pro Jahr gesichert werden. Das ist mehr als die Hälfte des deutschen Gesamtbedarfs. Mittlerweile sind noch zwei weitere Leitungen in Planung. Über die neuen Leitungen sollen zusätzliche 55 Millionen Kubikmeter Gas geliefert werden können. Das Projekt ist wegen seiner geopolitischen Bedeutung innerhalb Europas allerdings umstritten. Auch werden schon seit der Verlegung der ersten Stränge negative Auswirkungen diskutiert, wie zum Beispiel Folgen für das Naturschutzgebiet Greifswalder Bodden, Beeinträchtigungen bei der Grundnetzfischerei und Behinderung der Schifffahrtslinien, beispielsweise bei Notankerungen. Außerdem besteht die Gefahr, dass man beim Bau auf alte Bomben und Granaten aus dem 2. Weltkrieg stößt und diese dann explodieren oder Giftstoffe frei setzen könnten.

Auf einer Karte ist der Verlauf der Erdgaspipeline eingezeichnet, die zwischen Wyborg und Greifswald verlaufen wird. (Rechte: Nord Stream)

Verlauf der neuen Ostsee-Gaspipeline

  • Ein sehr großes Fährschiff mit blauem Rumpf und weißem Aufbau läuft ins Meer aus. Im Vordergrund Strand mit vielen Schaulustigen. (Rechte: Scaleo, www.pixelio.de) Der zunehmende Schiffsverkehr, hier eine Fähre, ist eine Belastung für die Ostsee
  • Eine moderne blau gestrichene Klappbrücke aus Metall auf Betonpfeilern im Wasser. (Rechte: Peter Wiegel, www.pixelio.de) Die Peene-Klappbrücke in Wolgast – das Tor nach Usedom

Schiffsverkehr

Die Ostsee gehört zu den am dichtesten befahrenen Gewässern der Erde. Allein der Transport von Rohöl nimmt einen großen Anteil am Verkehrsaufkommen ein. Im Jahr 2010 wurden rund 150 Millionen Tonnen Rohöl über die Ostsee verschifft (zum Vergleich: 50 Millionen Tonnen im Jahr 2001, 80 Millionen Tonnen im Jahr 2003). Nach Verkehrsprognosen für das Jahr 2030 könnte das Transportaufkommen von Rohöl über die Ostsee sogar auf 400 Millionen Tonnen pro Jahr angestiegen sein. Neben den Rohöltransporten sind zahlreiche Fährverbindungen, die steigende Anzahl an Kreuzfahrtschiffen sowie Container- und andere Güterverkehr-Transportschiffe am immer höheren Schiffsverkehrsaufkommen beteiligt. Die wichtigste Seefahrtroute bildet die sogenannte Kadetrinne in der südlichen Ostsee (das Seegebiet zwischen der deutschen Halbinsel Fischland – Darß – Zingst und der dänischen Insel Falster). Jährlich werden hier über 50.000 Durchfahrten registriert, davon weit über 8000 Tankerpassagen (Stand von 2014). Wegen des Ausbaus vor allem der russischen Ölhäfen und der dazugehörigen Tankerflotte hatte sich die Zahl der russischen Öltanker von 1997 bis 2006 vervierfacht. Durch den ständig steigenden Schiffsverkehr erhöhen sich auch die Risiken für Umweltkatastrophen. Beispielsweise durch die Einleitung gefährlicher Stoffe, wie Chemikalien, Rohöl oder radioaktive Stoffe. Auch das eigentlich ungiftige Paraffin kann zum Problem werden wenn es bei der Tankreinigung ins Meer gespült wird. So kann dieser Stoff Strände verunreinigen oder das Gefieder von Seevögeln verkleben. Mit zunehmendem Verkehrsaufkommen steigt die auch Gefahr von Schiffsunfällen.

  • Tote Dorsche (Rechte: vlas2002 - Fotolia.com) Der beliebte Speisefisch Dorsch ist in der Ostsee inzwischen gefährdet

Dorsch-Fischerei

Der Dorsch ist seit Jahrhunderten einer der wichtigsten Speisefische Europas. Als Stock- oder Klippfisch versorgte er beispielsweise seit dem Mittelalter in dauerkonservierter Form ganze Soldatenheere und Schiffsmannschaften. Die Entwicklung der marinen Fischbestände ist in der Ostsee stark von den jeweilig vorherrschenden Umweltbedingungen abhängig. Der Dorsch-Nachwuchs kann sich nur in salz- und sauerstoffreichem Wasser gut entwickeln. Die Flachwassergebiete des dänischen Inselarchipels schneiden die Ostsee bei ungünstigen Windverhältnissen allerdings von der Versorgung mit frischem salz- und sauerstoffhaltigem Wasser aus der Nordsee weitestgehend ab. Bei günstigen Windverhältnissen dagegen kann frisches Nordseewasser in die Ostsee einströmen. Dann werden auch die tiefen Becken der Ostsee „belüftet“ und die Bodenlebewesen ausreichend mit lebensnotwendigem Sauerstoff versorgt. (Im Dezember 2014 ereignete sich wegen sehr günstiger Windverhältnisse der größte Salzwassereinstrom in die Ostsee seit Jahrzehnten). Die Fischbestandsentwicklung zeigte in den letzten Jahrzehnten starke Schwankungen. Ende der 1970ger Jahre stand es um den Dorschbestand in der östlichen Ostsee sehr gut. Ab Mitte der 1980ger Jahre nahm der Bestand durch Überfischung stark ab. Gründe dafür waren vor allem zu hoch festgesetzte legale Fangmengen und zusätzlich eine hohe Anzahl an illegalen Fängen. Weiterhin erschwerten beispielsweise schlechte Umweltbedingungen die Entwicklung des Nachwuchses. Über zwei Jahrzehnte war diese schwach. Man versuchte, dieser problematischen Entwicklung mit einer Verringerung des Fischereidrucks entgegenzuwirken. Zusätzlich entwickelte sich der Nachwuchs einiger Jahrgänge wieder besser. Beides führte zu einer allgemein positiven Bestandsentwicklung, so dass der Bestand bis 2012 bereits als erholt galt. In den Jahren 2013-2014 ging die Population allerdings wieder deutlich zurück.

  • Mehrere Segelschiffe liegen nebeneinander im Wasser, im Hintergrund sind hohe Häuser zu sehen. (Rechte: Gabi Hamann, www.pixelio.de) Segelschiffe im Hafen von Flensburg
  • Auf einem Sandstrand stehen viele blau-weiß gestreifte Strandkörbe, im Hintergrund ist das Meer mit einem einsamen Spaziergänger zu sehen. (Rechte: Huber, www.pixelio.de) Strandkörbe an der Ostsee

Tourismus

Neben der Werftindustrie und dem Handel ist der Tourismus der wichtigste Wirtschaftsfaktor großer Teile des Ostseeraumes. Zahlreiche Küstenabschnitte des Festlandes und der Inseln sind stark von Einrichtungen für den Fremdenverkehr (beispielsweise Hotels, Apartment- und Ferienhäuser, Campingplätze, ganze Ferienanlagen) geprägt. An erster Stelle für Erholungssuchende steht meist der Badeurlaub in einem der zahlreichen Seebäder. Von besonderer Bedeutung sind aufgrund der günstigen klimatischen Bedingungen dabei die Sommermonate Juli und August. Andere Jahreszeiten spielen bei der Frequentierung durch Urlauber nur eine untergeordnete Rolle. Der Ostsee- Tourismus ist also von einer deutlichen Saisonalität gekennzeichnet. Die Geburtsstunde des Tourismus an der deutschen Ostseeküste schlug bereits 1793: Am Heiligen Damm bei Doberan entstand das erste Seebad, vier Jahre später wurde hier der erste Rettungsschwimmer, ein ehemaliger Matrose, für die Badegäste angestellt. Die Adelsfamilie von Bothmer ließ 1803 in Boltenhagen Badekarren aufstellen, welche 1825 von sogenannten Badefloßen (den Vorläufern fester Badeanstalten) abgelöst wurden. 1865 wurde Klein Timmendorf gegründet, ein Sommer- und ein Logierhaus waren nachweislich die ersten Gebäude der Neuansiedlung. Seit 1880 schaffte der nun stetig anwachsende Fremdenverkehr zahlreiche neue Arbeitsplätze an der Ostsee und dämpfte so die negativen wirtschaftlichen Folgen für die Bodden- und Küstenorte durch den Niedergang der Segelschifffahrt. Bereits ab 1891 pendelten Feriensonderzüge zwischen Berlin und der Ostsee. Bald konkurrierte das Seebad Ahlbeck mit seinen Nachbarorten um die höchsten Übernachtungszahlen. Im Jahr 1900 stiegen 13.000 registrierte Gäste in Heringsdorf ab. Ab zirka 1908 begann die Blütezeit der Bäderarchitektur und mit immer wieder neuen Attraktionen (Segelregatten, Strandburgenwettbewerbe, FKK-Strände) versuchte man immer mehr Touristen anzulocken. 1953 wurden die Besitzer von Hotels, Pensionen und anderer Privatbetriebe unter Vorwänden verhaftet, ihr Eigentum eingezogen und der Deutschen Demokratischen Republik übergeben. In ihrer letzten Kabinettssitzung verfügte die DDR-Regierung 1990 die Einrichtung der Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft und Jasmund. Seit der Wiedervereingung Deutschlands hat sich der Tourismus der Deutschen Ostseeküste stark entwickelt. Vor allem auf den Inseln Rügen, Hiddensee und Usedom gewann der Fremdenverkehr als Wirtschaftsfaktor zusehends an Bedeutung. Für das Jahr 2006 verzeichnete allein die Insel Rügen 1,28 Millionen Gäste-Ankünfte und 6,82 Millionen Übernachtungen bei einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 5,3 Tagen. Man hat sich mit dem touristischen Angebot mittlerweile auch auf die Bedürfnisse anspruchsvoller und zahlungskräftiger Gäste eingestellt. Um das steigende Verkehrsaufkommen in Richtung Rügen zu entlasten wurde 2011 mit dem Bau eines etwas über 20 Kilometer langen neuen Streckenabschnittes (der neuen B 96n) begonnen, der parallel zur bestehenden Bundesstraße von Altefähr nach Bergen führen soll. Zusätzlich zur Verkehrsentlastung erhofft man sich, dass auch der Tourismussektor von der verbesserten Verkehrsanbindung profitieren wird. Naturschützer kritisierten das Bauprojekt bereits noch in der Planungsphase als überdimensioniert.

Nahrungsbeziehungen - Ostsee

Obwohl die Ostsee eindeutig salzig ist, nimmt sie in den marinen Lebensräumen doch eine Sonderstellung ein. Der Salzgehalt der Ostsee liegt an den meisten Stellen weit unter 2% (normal sind im Meeresdurchschnitt 3,5%). Der Grund hierfür ist, dass sich zahlreiche große Flüsse in das sogenannte Baltische Meer entleeren und das Salzwasser verdünnen: Oder (Polen, Deutschland), Weichsel (Polen), Memel (Litauen, Russland), Düna (Lettland), Newa (Russland) und Torneälven (Schweden). Die Verbindung zur Nordsee ist eng und flach, deshalb strömt nicht soviel Meerwasser nach. Im Sund fließt Ostseewasser in die Nordsee hinaus, während über den Großen Belt Salzwasser aus der Nordsee einströmt. Nur diese kleine Meerenge zwischen Dänemark und Schweden verbindet die Ostsee mit den Weltmeeren. Daher wird sie auch als Binnenmeer bezeichnet.

Der Tiefenwasseraustausch wird durch die Morphologie der Ostsee erschwert: Mit Schwellen voneinander getrennte Becken wie Kattegat, Beltsee, westliche und östliche Gotlandsee, Finnischer Meerbusen, Schärenmeer und Bottensee gliedern die Ostsee. Da sich das dichtere Tiefenwasser nicht mit dem leichteren Oberflächenwasser vermischen kann, kommt es zu Sauerstoffverarmung in tieferen Schichten. Im Zusammenspiel mit einer Nähr- und Schadstoffanreicherung in der Ostsee über die vergangenen Jahrzehnte, herangetragen durch die großen Flüsse, hatte dies verheerende Folgen: Lebewesen, die unter hohen Nährstoffeinträgen besonders gedeihen, sind vor allem die einzelligen Algen. Bei günstigen Bedingungen können sich Grünalgen und Cyanobakterien durch einfache Zellteilung rasant vermehren. Anfangs ist so eine Vermehrung positiv, da natürlich auch die Algenfresser wie zum Beispiel die Fische sich vermehren können. Doch bei zunehmendem Algenwachstum dringt weniger Licht in das Wasser ein, die größeren Algen werden verdrängt, und folglich nimmt die Sauerstoffproduktion ab. Zudem wird durch vermehrtes Absterben von Algen und Konsumenten Sauerstoff vor allem in den tieferen Schichten weiter verbraucht, es kommt zu einer Sauerstoffzehrung, die wiederum zum Massensterben bodenbewohnender Arten führen kann.

  • Kieselalgen (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Kieselalgen

Die Ostsee ist von zwei Algenblüten im Jahr geprägt. Ansteigende Temperaturen und Nährstoffe, die im Winter nicht verbraucht wurden, fördern eine Frühjahrsblüte. Warme Temperaturen und zunehmende Nährstoffe bilden die Grundlage für die Sommerblüte. Diatomeen (Kieselalgen) und Dinoflagellaten (Dinophyceae oder Geißelalgen) sind die häufigsten Vertreter in der Frühjahrsalgenblüte, die Blaualgen sind die häufigsten Vertreter in der Sommeralgenblüte.

Neben den eigentlich harmlosen Algenblüten, die „nur“ durch ihre Masse das Ökosystem belasten, gibt es zudem noch giftige auch toxisch genannte Algenblüten. Toxische Algen können Krebs- oder Fischsterben verursachen, sich in der Nahrungskette anreichern und auch dem Menschen gefährlich werden. Die Dinoflagellaten und die Cyanobakterien sind Beispiele für toxinbildende Algen, die vor allem im Süßwasser, aber auch in der Ostsee toxische Algenblüten entwickeln können.

Algentoxine

Erkrankung Abk. Engl. Name Toxin Toxin erzeugende Alge
Paralytische Muschelvergiftungen PSP Paralytic shellfish poisoning Saxitoxin und Derivate (Gonyautoxine) Dinoflagellaten: Gymnodinium sp., Pyrodinium sp., Protogonyaulax sp.
Diarrhoe erzeugende Muschelvergiftungen DSP Diarrhetic shellfish poisoning Okadasäuren, Pectenotoxin, Yessotoxin Dinophysis sp.
Neurotoxische Muschelvergiftungen NSP Neurotoxic shellfish poisoning Brevetoxine Ptychodiscus brevis (= Gymnodinium breve)
Vergiftungen durch belastetes Fischeiweiß CFP Ciguatera fish poisoning Dinoflagellaten z. B. Gambierdiscus sp.
Amnesie verursachende Muscheltoxine ASP Amnesic shellfish poisoning Domosäure Diatomeen: Nitzschia sp.
Leber schädigende Toxine Hepatotoxine