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Sendungsinhalt: Kinderstube der Kegelrobben

  • Sroma (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Stroma - eine Insel im Norden Schottlands
  • (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Stroma ist menschenleer. Die Häuser zerfallen. Seit Jahrzehnten sind sie verlassen. Das Leben der Kleinbauern, "Crofter" genannt, war äußerst beschwerlich. Genutzt wurde alles, was Land und Meer zu bieten hatten. Neben der Schafzucht wurde der Fang von Fisch und Schalentieren (vor allem Hummer) betrieben und für den eigenen Bedarf baute man Kartoffeln, Rüben und etwas Getreide an. Dass es keine Verbindung zum Festland gab, war eine der Hauptursachen für den Wegzug der Inselbewohner.

Der Film "Kinderstube der Kegelrobben" entstand über einen Zeitraum von drei Jahren auf der Insel Stroma im Norden Schottlands. Einsame Steilküsten mit Buchten und Stränden in der Gewalt der Gezeiten von Atlantik und Nordsee sind ein ungestörter Lebensraum für Kegelrobben. Im September versammeln sie sich. Für die jugendlichen Tiere ist es die Zeit der Annäherung an das andere Geschlecht. Für die Erwachsenen Kegelrobben beginnen die wichtigsten Wochen des Jahres: Geburt und Paarung stehen bevor. Kegelrobben sind fast perfekt an das Leben im Meer angepasst. Sie können bis zu 200 Meter tief und 20 Minuten lang tauchen. Fische erbeuten sie durch Ertasten mit den Barthaaren und wahrscheinlich auch durch Echo-Orientierung. Selbst blinde Robben sind erfolgreiche Jäger. Kegelrobben werden bis zu zweieinhalb Meter lang und 300 kg schwer. Die längste Zeit des Jahres sind sie Einzelgänger. Das Fett im Nacken der Robben wirkt wie eine Schwimmweste. Die Tiere stehen senkrecht im Wasser und können bequem in dieser Stellung schlafen, manche sogar unter Wasser. Das Auftauchen zum Luftholen verläuft automatisch. Robben sind neugierig und verspielt.

  • (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)
  • (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Bei Robben verläuft die Geburt meist schnell und unkompliziert.
  • (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Anfang Oktober werden die Jungen geboren. Bei Robben verläuft die Geburt meist schnell und unkompliziert. Streichelndes Kratzen beruhigt das Neugeborene und fördert die Mutter-Kind-Bindung. Die Robbenmutter beschnüffelt ihr Junges ausgiebig. Sie wird es am Geruch und an der Stimme wiedererkennen. 18 Tage dauert die Säugezeit. In dieser Zeit muss das Robbenkind so viel wie möglich wachsen. Robbenmilch enthält über 50% Fett. Drei Kilo trinkt das Junge täglich und nimmt dabei um anderthalb Kilo zu. Die Mutter frisst nichts während dieser Zeit, 85% ihrer Energiereserven wandelt die Robbenkuh in Milch um. Sie magert von 170 kg auf etwa 100 kg ab. Normalerweise findet das Säugen an Land statt, es gibt aber auch Heuler, denen der Aufenthalt im Wasser jetzt schon Spaß macht. Nach dem ersten Bad trocknet das Junge in der Sonne. Es ist Mitte Oktober. Etliche Kühe und ihr Nachwuchs bevölkern den Strand. Manchmal gehen die Mütter zur Abkühlung ins Wasser. Wenn sich da ein zurückgelassenes Kind zu weit vom Liegeplatz entfernt, kann es verloren gehen. Niemals wird ein Weibchen ein als fremd erkanntes Kind aufziehen. Der Hunger treibt den Heuler zum Nachbarskind, aber nur wenn er die Mutter wiederfindet, kann er überleben. Von drei Kegelrobben überleben nur zwei ihr erstes Jahr. Die anderen verhungern, sterben an Krankheiten, Verletzungen oder sie ertrinken. Die Insel in der Gewalt des Gezeitenstroms und mitten drin ein Robbensäugling, vom Land weggespült, schwimmt um sein Leben. Vielleicht hat es Glück und erreicht den rettenden Strand.

  • (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Fellwechsel
  • (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Paarungszeit

Es ist Anfang November. Der Fellwechsel steht bevor. In drei Tagen verdrängt der neu wachsende Pelz das helle Säuglingshaar. Von nun an wird die Robbe in jedem Frühjahr an Land ein neues Fell bekommen. Die Milchzähne sind gut entwickelt und wollen erprobt werden. Die Säuglingszeit nähert sich dem Ende. Seit der Geburt hat das Jungtier sein Gewicht verdreifacht und wiegt jetzt 50 kg.

Ein Bullenkampf: Der Sieger wird den Strand beanspruchen und sich mit den meisten Weibchen paaren können. Der junge Herausforderer drängt den alten Bullen zurück, der rollt zur Seite und demonstriert seinen Anspruch. Der Jüngere kratzt ihn. Das ist kein Angriff, das ist Beschwichtigung und erinnert an das streichelnd kratzende Verhalten, mit dem die Mütter ihre Kinder beruhigen. Ein erfolgreicher Bulle nimmt über Wochen keine Nahrung zu sich. Die Konkurrenz in Schach zu halten und paarungswillige Weibchen finden - das erfordert seine ungeteilte Aufmerksamkeit.

Eine Kuh umwirbt einen jungen Bullen, erfolglos. Ein anderer Bulle zeigt Interesse. Zur Paarung kommt es meist an Land, etwa drei Wochen nachdem die Weibchen geboren haben. Das befruchtete Ei wird sich aber erst nach 100 Tagen in die Gebärmutter einnisten. Dadurch bleibt Zeit, die Fettreserven aufzufülllen und Kraft für die acht Monate Tragezeit zu sammeln. Auch jüngere Männchen kommen zum Zug, sie paaren sich im Wasser, unsichtbar für den Alten. Während ein Weibchen bereits mit vier Jahren geschlechtsreif ist, zum ersten Mal trächtig wird und bis zu 46 Jahren alt werden kann, sind Männchen erst mit acht Jahren geschlechtsreif. Erst mit 12 Jahren kann sich ein Männchen im Kampf gegen Konkurrenten durchsetzen und bereits als 18jähriger wird er wiederum von einem Jüngeren verdrängt. Seine Lebenserwartung liegt bei lediglich 26 Jahren.

Seit dem Fellwechsel ist der kleine Bulle ein guter Schwimmer geworden. Von nun an muss er sich selbst versorgen. Dies ist für Mutter und Kind die Zeit des Abschieds.