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Hintergrund: Kegelrobben

  • (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)
  • (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)
  • (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Bei Kegelrobben kommt es zur Paarung meist an Land.

Robben sind Säugetiere. Sie sind also behaart, warmblütig (ca. 37°C) und bringen lebende Junge zur Welt, die von ihren Müttern gesäugt werden.

Weltweit unterscheidet man 34 Robbenarten, die alle zur Ordnung der Robben oder Flossenfüßer (Pinnipedia) zusammengefasst sind. (Manche Autoren stellen die Robben auch als Unterordnung zu den Raubtieren [Carnivora].) Diese teilt sich in drei Familien mit 18 Gattungen auf. Man unterscheidet die Familie der Ohrenrobben (Otariidae) mit sieben Gattungen und 14 Arten, die Hundsrobben (Phocidae) mit 10 Gattungen und 19 Arten und die Walrosse (Odobenidae) mit nur einer Gattung und einer Art.

Die Ohrenrobben besitzen kleine Ohrmuscheln. Man nimmt an, dass sie sich vor 25 Millionen Jahren (Oligozän/Miozän) im nordpazifischen Raum aus bärenähnlichen Landraubtieren entwickelt haben. Sie werden in die beiden Unterfamilien der Seelöwen und der Seebären unterteilt. Die Ohrenrobben können ihre Hinterbeine noch unter den Körper stellen und sich an Land vierfüßig fortbewegen.

Bei Hundsrobben ist eine vierfüßige Fortbewegungsart nicht möglich, denn sie können ihre kurzen Hinterbeine nicht mehr unter den Körper setzen. Hundsrobben sind also schon besser an das Leben im Wasser angepasst und von ihren Landvorfahren weiter entfernt, obwohl sie sich erst vor 12 bis 15 Millionen Jahren (Miozän) im nordatlantischen Bereich aus otterähnlichen Tieren entwickelt haben. Im Unterschied zu den Ohrenrobben besitzen sie auch keine Ohrmuscheln. Bekannte Vertreter sind der Seehund und die Kegelrobbe.

Walrosse haben zwar ebenfalls keine Ohrmuscheln, können ihre Hinterbeine aber noch zum vierfüßigen Gang einsetzen. Insgesamt haben sie mehr Gemeinsamkeiten mit den Ohrenrobben und werden deshalb zusammen mit diesen in die Überfamilie der Ohrenrobbenartigen (Otarioidea) gestellt.

Der spindelförmige Robbenkörper ist hervorragend an das Leben im Wasser angepasst. Die Hinterbeine sind ans Körperende verlagert, aus den Vorderextremitäten (Flipper) sind Ruder geworden. Finger und Zehen sind durch Schwimm- und Bindehäute miteinander verbunden. Ein Hals fehlt und die übrigen Körperanhänge (ALLENsche Regel) sind stark reduziert oder fehlen ebenfalls (Ohrmuscheln) bzw. sind ins Körperinnere verlagert (Milchdrüsen, Hoden, Penis). Da äußere Zitzen fehlen, wird die Milch direkt ins Maul des Jungtiers gespritzt. Um den Wärmeverlust über die Flossen so gering wie möglich zu halten, verlaufen die Blutgefäße in einem aufwendigen Blutregulierungssystem: Arterielles Blut, das aus dem Herzen kommt, hat die hohe Temperatur wie die inneren Organe. Nahe der Körperoberfläche, z.B. hier in den Flossen, wird ein Teil der Wärme nach außen abgegeben und ist verloren. Um den Wärmeverlust zu reduzieren, ist jede Arterie von einer Vielzahl von Venen umgeben, die kälteres Blut von außen zum Herzen zurücktransportieren. So geben die Arterien Wärme an die Venen ab, und es geht nur wenig Körperwärme über die Flossen verloren. Umgekehrt werden Überhitzungen vermieden, wenn viel Blut in die Flossen gepumpt wird und die Tiere zusätzlich mit ihren Flippern wedeln, so dass ein Verdunstungseffekt mit Kühlwirkung auftritt. Die Körperöffnungen werden beim Tauchen zunächst aktiv verschlossen. Passive, durch den Wasserdruck bedingte Ventilfunktionen reduzieren dann die energieverbrauchende Muskelarbeit. Beim Tauchen enthalten die Lungen so gut wie keine Atemluft. Nur dem Gehirn und dem Nervensystem wird Blut in normalem Umfang zugeführt. Sehr lang und tief tauchende Arten stellen den Stoffwechsel von aerob (Sauerstoffverbrauch) auf anaerob (Milchsäuregärung) um. Die entstehende Milchsäure kann problemlos wieder abgebaut werden und die Toleranz gegenüber anfallendem Kohenlenstoffdioxid ist höher als bei landlebenden Tieren. Die "Taucherkrankheit" (Stickstoff und Kohlenstoffdioxid als Gasperlen im Blut), beim Auftauchen gefürchtet, tritt nicht ein, da die Restluft der Lungen in die Luftröhre gepresst wird und hier kein Gasaustausch möglich ist.

  • (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)
  • (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Aus dem Raubtiergebiss hat sich ein Fleischfressergebiss (mit 30 bis 36 Zähnen) entwickelt, das seine Abstammung noch erkennen läßt, aber bei den unterschiedlichen Arten eine größere Variationsbreite zeigt als bei den Landraubtieren. Das Fell und das Unterhautfettgewebe, der Blubber, dienen der Wärmeisolation, wobei die Fettschicht im allgemeinen besser wirksam ist. Das Fell der Pelzrobben besteht aus zwei Lagen: Die dichte Unterwolle enthält eine isolierende Luftschicht und wird von den Deckhaaren oder Grannen geschützt. Drüsen an der Haarbasis produzieren ein Öl, das den Pelz überzieht und wasserdicht macht.

Zwergformen kommen unter den Robben zwar nicht vor, jedoch sind tropische Tiere oft kleiner. Die BERGMANNsche Regel besagt, dass Tiere in kalten Lebensräumen immer größer sind als verwandte Formen in warmen Lebensräumen. Dies läßt sich dadurch erklären, dass bei großen Tieren das Verhältnis Volumen (Zunahme in der 3. Potenz) zu Oberfläche (Zunahme in der 2. Potenz) günstiger ist als bei kleinen.

Robben bringen wir nicht mit Raubtieren in Verbindung. Wir haben keine Angst vor ihnen, sie sind für uns vielmehr niedlich, sie sind dem Menschen sympathisch. Ihre runden Gesichter mit den großen Augen sprechen das "Kindchenschema" (KONRAD LORENZ) an. Je mehr äußere Merkmale (großer Kopf, runde Stirn, große Augen, kurze Schnauze, kurze Extremitäten, rundlicher Körper) oder Schlüsselreize vorhanden sind, desto leichter wird der Pflegeinstinkt ausgelöst.

  • (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Während der Jungenaufzucht können Mütter außerst aggressiv gegeneinander sein.
  • (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)
  • (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Kegelrobbenkinder spielen allein.
  • (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Später wird der Milchsauger zum Fischfresser.

Kegelrobbe

Männchen werden bis zu 230 cm lang und erreichen Gewichte zwischen 170 und 310 kg. Weibchen werden 200 cm lang und bis zu 185 kg schwer. Der Kopf ist kegelförmig und langgezogen. Die Schnauze überragt den Unterkiefer (deutlich bei Bullen). Die Augen sind klein. Die Flipper (Vorderextremitäten) sind kurz, breit und verhältnismäßig dick. Kegelrobben sind meist grau gefärbt und unregelmäßig gefleckt - die Bauchseite ist dabei heller als der Rücken. Kegelrobben kommen in einer amerikanischen, einer europäischen und einer isolierten Ostseepopulation vor. Sie bewohnen die nordatlantischen Küstengewässer und gehen sowohl an felsigen als auch an sandigen Küsten an Land. Die Tiere ernähren sich von Fischen und wirbellosen Meerestieren (Tintenfischen z.B.); eine erwachsene Robbe nimmt fast 6 kg tierische Nahrung pro Tag zu sich.

An natürlichen Feinden gibt es nur Haie und den Killerwal. Am 05.03.1998 wurde die Kegelrobbe laut Berner Konvention unter vollständigen Schutz gestellt. Seit den 1990ger Jahren wächst die Population stetig. In der deutschen Nordsee leben inzwischen wieder über 2000 Kegelrobben. Die Tiere finden sich vor allem auf der "Helgoländer Düne" (einer kleinen Nachbarinsel Helgolands) ein, um zu rasten und Ihre Jungen zu gebären. Aber auch vor Amrum und den ostfriesischen Inseln sind sie zu beobachten. Durch die wachsenden Bestände sind Konflikte beispielsweise in Fischereigebieten vor Dänemark oder Großbritannien vorprogrammiert. Lachszüchtern können Kegelrobben beim Plündern von Lachskäfigen großen Schaden zufügen. Außerdem ist die Kegelrobbe Zwischenwirt für einen parasitisch lebenden Fadenwurm (Phocanema decipiens), der das Fleisch seiner Endwirte, z. B. Kabeljau, unverkäuflich macht.

Die Männchen kämpfen in Imponierkämpfen (selten in Beschädigungskämpfen) um das Paarungsrecht. Dabei spielt die Lautgebung eine große Rolle. Kegelrobben haben keine Territorien und bilden keine Harems. Die Tragezeit gliedert sich in eine nahezu drei Monate dauernde Ruhephase nach der Befruchtung und eine Entwicklungsphase von acht Monaten. Geburten finden auf dem Land oder bei den Populationen des Westatlantik und der Ostsee auch auf dem Eis statt. Jungtiere haben bei der Geburt eine Länge von ca. 100 cm und wiegen zwischen 11 und 20 kg. Sie werden etwa 18 Tage gesäugt und wechseln nach 2 bis 4 Wochen ihr weiches helles Lanugofell.