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Hintergrund: Waldschäden - Bioindikatoren geben Auskunft über die Luftqualität

  • Flechten auf einem Eichenast (Quelle: Imago, Steffen Schellhorn) Flechten auf einem Eichenast (Quelle: Imago, Steffen Schellhorn)

Mit modernen Messgeräten kann man die Schadstoffe in der Luft ganz genau nachweisen. Dies ist jedoch nicht die einzige Möglichkeit. Sehr "genaue Messgeräte" liefert uns die Natur selbst: Flechten. Einige baumbewohnende Flechten sind sehr empfindlich gegen Luftverschmutzung. Deshalb sind sie besonders dazu geeignet, den Grad der Luftbelastung durch Schadstoffe zu registrieren. Man bezeichnet sie daher als Bioindikatoren ("lebende Anzeiger").

Zu erklären ist diese Eigenschaft der Flechten durch ihre besondere Biologie. Flechten sind Doppelwesen aus Alge und Pilz. Die beiden Partner leben in Symbiose. Der Pilz erhält von der Alge Kohlenhydrate und die Alge ist durch den Pilz vor großem Wasserverlust und Sonneneinstrahlung geschützt.

Flechten haben keine Wurzeln, sie nehmen Wasser und Nährstoffe passiv über ihre gesamte Oberfläche auf. Deshalb gelangen Schadstoffe ungefiltert in den Organismus. Sie können aber auch nicht ausgeschieden werden, da es hierfür keine Organe gibt (Bäume z. B. können Schadstoffe mit dem Laubfall "entsorgen"). Es können sich also mit der Zeit gewaltige Mengen an Schadstoffen ansammeln.

Eine kontrollierte Wasseraufnahme und -abgabe ist den Flechten nicht möglich. Deshalb müssen sie in langen Trockenperioden in eine Art "Trockenschlaf" fallen. Sie betreiben keinen Stoffwechsel und gehen in einen fast leblosen Zustand über. Das ist einer der Gründe für das sehr langsame Wachstum von Flechten. Sie wachsen nur 1-5 mm pro Jahr und können sich so auch nur sehr eingeschränkt von Schäden wieder erholen. Deshalb erkennt man an Flechten auch länger zurückliegende Belastungen der Luft.

Wegen der Trockenheit sind Flechten vor allem im Sommer inaktiv, im feuchteren Winterhalbjahr aber aktiv. Vor allem im Winter kommt es deshalb auch zur hohen Ansammlung von schädlichen Substanzen in der Flechte. Verstärkt wird dies durch die besonders hohe Immissionsbelastung der Luft, denn in den Haushalten sind in dieser Zeit natürlich die Heizungen aufgedreht.

Wirken nun Schadstoffe auf eine Flechte ein, so zeigt sich dies zunächst im Ausbleichen des Flechtenkörpers. Letztlich ist das Absterben der Flechte die beobachtbare Folge der Schadstoffeinwirkung. Deshalb kann man aus dem Vorkommen oder Nicht-Vorkommen von Flechten in einem Gebiet Rückschlüsse auf die Luftqualität ziehen.

Kennt man das Ausmaß, in dem ganz bestimmte Flechtenarten Schadstoffe erdulden, so kann man diese als genaue Bioindikatoren nutzen. Kommen in einem Gebiet nämlich große Mengen der sehr empfindlichen Strauchflechten vor, dann kann man auf gute Luftqualität schließen. Trifft man aber nur noch schadstoffresistente Flechten an, wie z. B. die Kuchenflechte, dann muss von einer hohen Belastung der Luft ausgegangen werden.