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Hintergrund: Der See im Jahresverlauf

In Mitteleuropa erleben wir die vier Jahreszeiten sehr intensiv. Temperaturen ändern sich von heißen Sommertagen bis zu eiskalten Wintertagen. Die Pflanzenwelt um uns herum fängt im Frühjahr an zu wachsen und zu blühen, erreicht im Sommer ihren Höhepunkt, stirbt im Herbst langsam wieder ab und verbringt den Winter unter einer Schneedecke. Auch im See gibt es solche jahreszeitlichen Veränderungen. Die schwankenden Temperaturen beeinflussen die Durchmischung des Wassers; die Tier- und Pflanzenwelt passt sich den wechselnden Bedingungen an.

Die Temperatur im Jahresverlauf

In unseren heimischen Seen ist das Wasser nicht überall gleich warm. Wenn du schon einmal in einem See schwimmen warst, hast du vielleicht gemerkt, dass das Wasser an der Oberfläche angenehm warm ist, aber wenn du die Beine nach unten streckst, werden die Füße plötzlich sehr kalt. Der See ist geschichtet. Diese Schichtung besteht aber nicht das ganze Jahr über. Das liegt an den Eigenschaften des Wassers.

  • See im Frühjahr (Quelle: www.colourbox.com) (Quelle: www.colourbox.com)

Frühjahr

Im Frühjahr schmilzt das Eis. Es gibt Frühjahrswinde, die das Oberflächenwasser durcheinander wirbeln, oftmals bis in tiefere Schichten. Das bis dahin kältere Wasser der Oberfläche wird erwärmt und erreicht allmählich die 4°C, die in der Tiefe herrschen. Bei durchgehend gleichen Temperaturen gibt es keine gegeneinander abgegrenzten Wasserschichten. Das Wasser wird also in der Frühlingszirkulation gemischt.

  • See im Sommer (Quelle: www.colourbox.com) (Quelle: www.colourbox.com)

Sommer

Die Sonneneinstrahlung wird stärker und erwärmt zunehmend das Oberflächenwasser. Kühleres Wasser bleibt am Grund. Im frühen Sommer kann das Wasser noch durch kräftige Winde gemischt werden, da der Temperaturunterschied noch nicht sehr groß ist. Im Hochsommer bildet sich dann aber eine stabile, warme Oberflächenschicht. Die Wasserschichten werden durch den Temperaturunterschied konsequent voneinander getrennt. Die Schicht warmen Wassers schwimmt regelrecht auf dem kälteren Tiefenwasser, ohne dass es zwischen den beiden Schichten zu einem nennenswerten Austausch an Gasen oder Nährstoffen kommt. Es herrscht Sommerstagnation. Die Temperaturunterschiede zwischen Oberfläche und Seeboden können bis zu 20°C betragen. Die Schichtung des Wasser kann bis Oktober andauern.

  • See im Herbst (Quelle: www.colourbox.com) (Quelle: www.colourbox.com)

Herbst

Im Herbst kühlt die Oberfläche wieder ab. Mit abnehmender Temperatur und zunehmenden Herbstwinden wird der See wieder durchmischt. Es kommt zur Herbstzirkulation. Die Oberfläche wird dadurch wieder mit wichtigen Nährstoffen aus der Tiefe versorgt, und Sauerstoff kann von der Oberfläche wieder nach unten dringen. Aufgrund der abnehmenden Temperaturen stellen die Pflanzen trotz der vorhandenen Nährstoffe ihr Wachstum ein. Sie profitieren erst im nächsten Frühjahr von der Durchmischung.

  • See im Winter (Quelle: www.colourbox.com) (Quelle: www.colourbox.com)

Winter

Die Temperaturen nehmen weiter ab. Ist es über längere Zeit kalt genug, friert die Oberfläche zu. Kälteres Wasser schwimmt auf dem ca. 4°C warmen Tiefenwasser. In der Winterstagnation kann es nicht zur Mischung durch Wind kommen, da der See durch eine Eisschicht geschützt ist. Dank der Dichteanomalie des Wassers können viele Organismen am Grund des Sees überwintern, ohne tiefgefroren zu werden.

Verantwortlich für Schichtung oder Zirkulation sind also die Sonneneinstrahlung, die die Temperatur beeinflusst, und Winde, die zur Vermischung beitragen. Daher schichten und mischen sich nicht alle Seen im gleichen Maße. Ein kleiner Waldsee ist zum Beispiel vor Wind geschützt, während sich auf einem großen See, wie zum Beispiel dem Bodensee, wahre Stürme entwickeln können, die den See bis in große Tiefen durchmischen.

Tiere und Pflanzen im Jahresverlauf

Abhängig von Temperatur, Licht und Nährstoffangebot kommen auch nicht alle Tiere und Pflanzen das ganze Jahr über im See vor.

Große Fische gibt es selbstverständlich das ganze Jahr über. Sie verhalten sich im Winter sehr ruhig am Grund des Sees. Viele schränken ihre Bewegungen ein, um Energie zu sparen und mit dem geschrumpften Nahrungsangebot auszukommen.

Pflanzen und Algen brauchen das Sonnenlicht, um zu wachsen und sich zu vermehren. Wenn es im Frühling wärmer wird, fangen sie an zu gedeihen. Vor allem das Phytoplankton kann sich sehr schnell vermehren. In eutrophen Seen kann diese explosionsartige Zunahme an kleinen grünen Lebewesen dazu führen, dass das Wasser sich dunkelgrün färbt.

Aber nicht alle Planktonorganismen kommen zur gleichen Jahreszeit am häufigsten vor. Im Frühjahr findet man vor allem Kieselalgen (Diatomeen). Im späten Frühjahr bis Juni treten vermehrt die Grünalgen auf. Ist das in der Wassersäule vorhandene Phosphat aufgebraucht, nimmt der Zuwachs an Grünalgen ab. Gleichzeitig tritt vermehrt Zooplankton auf. Dieses nutzt den reichlich gedeckten Tisch und vertilgt das üppige Grünalgenangebot. Das vom Phytoplankton grün gefärbte Wasser wird klarer. Im Hochsommer haben die blau-grünen Bakterien (Cyanobakterien) ihre Algenblüte. Nehmen diese wieder ab, kann es je nach Nährstoffangebot noch einmal zu einer Grünalgenblüte kommen. Der Spätherbst und der Winter werden wieder von den Kieselalgen dominiert.

Im Winter sterben viele Kleinlebewesen, aber auch große Pflanzen und Algen ab. Bei den Pflanzen überleben oft nur die Wurzeln oder Samen. Viele Algen produzieren Sporen, die sehr harte Umhüllungen haben und somit schlechte Zeiten überdauern können. Eine ähnliche Strategie findet man auch bei den Schwämmen. Sie verkleinern ihre Körperoberfläche, reduzieren damit ihren Stoffwechsel und überstehen so die ungünstige Zeit als stecknadelgroße Überwinterungskörper, so genannte Gemmulae. Viele Bodenbewohner vergraben sich im Schlamm oder sterben, während nur ihre Eier oder Larven überwintern.