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Hintergrund: Energiekreislauf - Buntspecht und Buchdrucker - zwei Waldbewohner im biologischen Gleichgewicht

Die Mitbewohner in der Lebensgemeinschaft Wald sind aufeinander angewiesen. Es gilt das Prinzip des „Fressens und Gefressenwerdens". Damit beeinflussen sie sich auch in der Bestandsdichte. Gibt es nämlich sehr viele Feinde, die eine bestimmte Beute jagen, so nimmt der Bestand dieser Beutetiere ab. Andererseits kann man davon ausgehen, dass die Anzahl der Feinde zunehmen wird, wenn es sehr viel Beute gibt, denn dann haben alle genug zu fressen. Am Beispiel des Buchdruckers und des Buntspechtes können wir uns diese gegenseitige Beeinflussung vor Augen führen:


Der Buchdrucker gehört zu den Borkenkäfern. Er ist ein Baumrindenbewohner und gilt als einer der gefährlichsten Schädlinge für Fichtenwälder. Der erwachsene Käfer ist rund 5 mm lang und dunkelbraun gefärbt. Er brütet in der Rinde. Die Weibchen legen dort ihre Eier ab, aus denen sich Larven und Jungkäfer entwickeln, die unter der Rinde Gänge fressen und - bei starkem Befall - den Baum so sehr schädigen, dass er abstirbt.

Der Buntspecht ernährt sich unter anderem vom Buchdrucker und dessen Larven. Je mehr Buchdrucker es also gibt, desto mehr Spechte können davon leben. Andererseits kann man auch sagen, dass der Buchdrucker-Bestand abnimmt, wenn es sehr viele Spechte gibt.

  • Buchdrucker (Quelle: Imago)

    Feind der Fichte - der Buchdrucker (Quelle: Imago)

  • Buntspecht (Quelle: Colourbox)

    Der Buchdrucker steht auf dem Speiseplan des Buntspechts (Quelle: Colourbox)

In einem naturnahen Mischwald stellt sich zwischen den beiden Tierbeständen ein biologisches Gleichgewicht ein. Durch die Wechselwirkungen wird keiner der Bestände zu groß oder zu klein.

Obwohl dieses natürliche Gleichgewicht besteht, gibt es immer wieder Meldungen über Massenvermehrung des Buchdruckers. Zu erklären ist dies mit der Existenz vieler Fichtenmonokulturen. In diesen hat der Buchdrucker sehr gute Lebensbedingungen und kann sich stark vermehren. Seine Vermehrungsbedingungen sind so gut, dass natürliche Feinde damit „überfordert" sind der Masse an Borkenkäfern Einhalt zu gebieten.

  • Pheromonfalle für Borkenkäfer (Quelle: Colourbox) Pheromonfalle für Borkenkäfer (Quelle: Colourbox)

Da es immer wieder zur Zerstörung ganzer Wälder durch den Buchdrucker kam, gerieten die Förster unter Druck, ein Mittel dagegen zu finden. Deshalb werden inzwischen Borkenkäferfallen aufgestellt, die ein Lockmittel für Borkenkäfermännchen enthalten. Die Männchen fliegen in die Falle und werden dort durch ein Insektengift getötet. Förster reagieren aber nicht nur mit Gift gegen die Gefahr. „Gesunder Mischwald statt Fichtenmonokultur" ist die Devise, denn in einem Mischwald funktioniert das biologische Gleichgewicht, die Bewohner regulieren ihre Bestände gegenseitig.

Die Erläuterungen über das biologische Gleichgewicht zwischen Buchdrucker und Buntspecht sind in unserem Beispiel stark vereinfacht. In Wirklichkeit sind die Wechselwirkungen zwischen den Tieren noch um einiges komplexer. Spechte fressen nämlich nicht nur Borkenkäfer, sondern auch andere Insekten, Spinnen und Beeren. Buchdrucker ihrerseits werden nicht nur vom Specht gefressen, sondern auch vom Kleiber und von räuberischen Insekten. All diese Wechselwirkungen stehen in der Natur im biologischen Gleichgewicht. Dieses Gleichgewicht ist umso stabiler, je mehr Arten an einem Nahrungsnetz beteiligt sind. Würde der Buchdrucker nämlich nur vom Buntspecht gefressen, dann könnte nur dieser regulieren. Käme es aus irgendeinem Grund zum Rückgang des Buntspechtes, dann könnte sich der Buchdrucker massenhaft vermehren und ganze Wälder vernichten. Dies ist in der Realität aber nicht der Fall, denn außer dem Buntspecht regulieren noch andere Lebewesen den Buchdrucker-Bestand.