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Hintergrund: Von Mäu­sen und Men­schen

  • Eine Hausmaus lugt unter einem Tischfuß hervor (Quelle: SWR) Hausmäuse sind zwar niedlich... (Quelle: SWR)

Denkt man an Mäuse, die in unmittelbarer Nähe des Menschen leben, fällt einem sicher zuerst die Hausmaus (Mus musculus) ein. Sie kommt in mehreren Unterarten in Europa vor. Ursprünglich war sie auf diesem Kontinent nicht heimisch, ihre Herkunft liegt in Asien, aber mit dem Menschen hat sie sich inzwischen weltweit verbreitet. Ihre Abhängigkeit von ihm ist so groß, dass zumindest die Westliche Hausmaus, die häufigste Unterart in Mitteleuropa, kaum noch im Freien existieren kann. Vor allem im Winter lebt sie in den Häusern der Menschen, wo sie allerlei Unheil anrichten kann. Unsere Vorratskammern sind wie ein Schlaraffenland für die Hausmäuse, und oft machen sie sich über unser Mehl, Gebäck, den Käse und sonstigen Vorräte her.

Dabei verderben sie die Nahrungsmittel mit ihrem Kot und Urin. Auch Krankheitserreger werden von ihnen übertragen, so dass sie bei den meisten Zeitgenossen nicht besonders beliebt sind. Ihre Eigenart, Möbel anzunagen, verbessert ihren Ruf nicht, dabei gehen sie nur ihrem Instinkt nach, denn wie alle Nagetiere müssen die Hausmäuse ständig ihre Nagezähne abnutzen, die zeitlebens nachwachsen. Besonders gefährlich ist diese Eigenschaft in Verbindung mit Elektrokabeln. Angenagte Kabel können Kurzschlüsse oder sogar Wohnungsbrände auslösen.

  • Eine Hausmaus sitzt auf einer Salami (Quelle: SWR) ...machen sich aber über unsere Vorräte her (Quelle: SWR)

Oft verrät die Hausmaus ihre Anwesenheit bereits durch ihren muffigen Geruch, der von ihrem leicht fettigen Pelz ausgeht. Doch allzu leicht wird man den ungeliebten Untermieter nicht los. Auch in Zukunft wird es keiner Hauskatze gelingen, der Mäuseplage ganz Herr zu werden, denn mit 5-10 Würfen im Jahr und 3-12 Jungen pro Wurf verfügt die Hausmaus über ein enormes Fortpflanzungsvermögen.

Obwohl man sie selten zu Gesicht bekommt, gehören auch Ratten zu unseren engsten Begleitern. Von den weltweit über 50 Arten der Ratten, die systematisch gesehen zu den Mäusen gehören, haben zwei den Sprung nach Mitteleuropa geschafft, die Hausratte und die größere und wesentlich häufigere Wanderratte. Ursprünglich wie die Hausmaus in Asien beheimatet, kamen sie im Mittelalter (Hausratte) bzw. erst im 18. Jahrhundert (Wanderratte) durch den zunehmenden Schiffsverkehr nach Europa. Beide Arten treten als Vorratsschädling in Erscheinung. Während sich die Hausratte eher in unseren Wohnungen, auf dem Dachboden oder in Vorratskammern aufhält, lebt die Wanderratte in Kellern und vor allem in der Kanalisation und auf Müllhalden. Sie ist viel häufiger als die Hausratte und pflanzt sich in atemberaubender Geschwindigkeit fort. Mehr als 50 Nachkommen hat ein einziges Weibchen im Jahr. Die Geschlechtsreife setzt schon noch wenigen Wochen ein. Damit wird die hohe Sterblichkeitsrate mehr als ausgeglichen, denn nur wenige Prozent der Jungen überleben das erste Jahr.

  • Eine Wanderratte sitzt auf Maiskolben (Quelle: Tom Brakefield/Thinkstock) Ratten gehören ungewollt zu unseren engsten Begleitern (Quelle: Tom Brakefield/Thinkstock)

Nicht nur durch das Verderben unserer Vorräte schädigen uns die Ratten, wesentlich schlimmer ist ihre Rolle als Überträger von Krankheiten. So hat die Hausratte wahrscheinlich eine entscheidenden Anteil an den Pestepidemien des Mittelalters gehabt. Sie selbst diente als Reservoir für das die Pest auslösende Bakterium Yersinia pestis, das von Rattenflöhen auf den Menschen übertragen wurde.

Bis heute sind alle Versuche, der Rattenplage Herr zu werden, erfolglos geblieben. Zumindest die Wanderratte wird unsere Zivilisation wohl auch weiterhin begleiten und uns ab und zu das Leben schwer machen. Sie allerdings ist es auch, die als weiße Zuchtform in den Forschungsinstituten der Welt für Tierversuche aller Art den Kopf hinhalten muss. Und so manche Wanderratte hat es sogar als Haustier direkt in das gemütliche Zentrum unserer Behausungen geschafft und führt ein Luxusleben, das im Mittelalter für eine Ratte unvorstellbar gewesen wäre. Ihre Verwandte allerdings, die Hausratte, steht seit den siebziger Jahren in Mitteleuropa auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten.