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Hintergrund: Rebhuhn

Wie kaum ein zwei­ter Vogel in Mit­tel­eu­ro­pa hat das Reb­huhn von der Ro­dung der Wald­flä­chen und der Aus­wei­tung der Land­wirt­schafts­flä­chen pro­fi­tiert. Ur­sprüng­lich an das Leben in Step­pen und Hei­den an­ge­passt, ge­lang es dem Reb­huhn, sich auch auf den mo­der­nen Äckern und Fel­dern zu eta­blie­ren. Be­son­ders wich­tig für das Über­le­ben der Tiere sind al­ler­dings das Vor­han­den­sein von He­cken und Bü­schen als Rück­zugs­ge­biet vor Raub­tie­ren und schlech­ter Wit­te­rung. In den Zei­ten vor der Flur­be­rei­ni­gung fand das Reb­huhn diese Be­din­gun­gen in aus­rei­chen­dem Maß vor.

  • Ein Rebhuhn auf dem Boden (Quelle: SWR) Das Rebhuhn war bereits 1991 Vogel des Jahres (Quelle: SWR)

Gab es in den 50er Jah­ren noch Mil­lio­nen von Reb­hüh­nern in Feld und Flur, so­dass selbst in­ten­si­ve Be­ja­gung den Be­stand nicht ernst­haft ge­fähr­den konn­te, ist ihre Zahl re­gio­nal in­zwi­schen um bis zu 90% zu­rück­ge­gan­gen. Nicht nur in Deutsch­land, auch in an­de­ren Län­dern mit in­ten­si­ver Land­wirt­schaft wie Frank­reich oder Polen ist die­ser Trend zu be­ob­ach­ten.

Die Grün­de für die­sen dra­ma­ti­schen Rück­gang sind im Fall des Reb­huhns sehr gut be­kannt. Die In­ten­si­vie­rung und Tech­ni­sie­rung der land­wirt­schaft­li­chen Me­tho­den ist haupt­ver­ant­wort­lich für die er­höh­te Sterb­lich­keits­ra­te der Vögel. Prin­zi­pi­ell ist das Reb­huhn an eine hohe Ster­be­ra­te durch­aus an­ge­passt. Viele Fein­de wie Greif­vö­gel, Füch­se, Mar­der, ja selbst Rat­ten setz­ten ihnen schon immer zu. Ihr Ge­le­ge um­fasst daher die un­ge­wöhn­lich hohe Zahl von bis zu 25 Eiern. Die Jung­vö­gel er­näh­ren sich in den ers­ten Wo­chen fast aus­schließ­lich von tie­ri­scher Nah­rung wie In­sek­ten­lar­ven oder Wür­mern, bevor sie mehr und mehr Samen und grüne Pflan­zen­tei­le auf­neh­men. Be­son­ders emp­find­lich sind sie gegen kalte und nasse Wit­te­rung. Daher sind sie auf He­cken und aus­ge­dehn­ten Busch­be­stand als Rück­zugs­räu­me an­ge­wie­sen. Doch genau diese Räume wer­den in der mo­der­nen Land­wirt­schaft immer sel­te­ner. Durch die Flur­be­rei­ni­gung wur­den die An­bau­flä­chen immer grö­ßer, da­zwi­schen­lie­gen­de He­cken wur­den nach Mög­lich­keit ent­fernt, um den Ein­satz gro­ßer Ern­te­ma­schi­nen zu ver­ein­fa­chen. Die ver­stärk­te An­wen­dung von In­sek­ti­zi­den und Pes­ti­zi­den hin­ter­lässt den Reb­hüh­nern immer we­ni­ger In­sek­ten und Acker­kräu­ter als Nah­rung. Ein zu frü­hes Mähen der Wie­sen kann dar­über hin­aus die brü­ten­den Vögel und die Jun­gen oder Eier di­rekt ver­nich­ten.

  • Mehrere Erntemaschinen bei der Arbeit auf einem Weizenfeld (Quelle: Jupiterimages/Thinkstock) Die moderne Landwirtschaft ist auf Effizienz getrimmt (Quelle: Jupiterimages/Thinkstock)

In­zwi­schen wur­den eine Reihe von Maß­nah­men er­grif­fen, den Be­stand des Reb­huhns zu sta­bi­li­sie­ren oder re­gio­nal sogar zu ver­meh­ren. Der Ver­zicht auf Pes­ti­zi­de auf öko­lo­gi­schen An­bau­flä­chen lässt den Vö­geln wie­der mehr Nah­rung. Auch ist man be­strebt, Acker­rand­strei­fen ste­hen zu las­sen oder neu an­zu­le­gen, in denen die Tiere Schutz und auch Nah­rung fin­den. Der Er­halt oder die Neu­aus­wei­sung von Brach­flä­chen bie­ten dem Reb­huhn, und nicht nur ihm, wie­der mehr ge­eig­ne­ten Le­bens­raum.