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Hintergrund: Feldhamster

  • Ein junger Feldhamster knabbert in seinem Bau sitzend an einem Mohnblatt (Quelle: SWR) Junge Hamster tun sich an den Vorräten im Bau gütlich (Quelle: SWR)

Nur we­ni­gen ist heut­zu­ta­ge be­wusst, dass es in Deutsch­land frei­le­ben­de Hams­ter gibt. Meis­tens ist die erste Be­geg­nung mit einem Hams­ter die mit dem aus Sy­ri­en stam­men­den Gold­hams­ter, der als be­lieb­tes Haus­tier den Tag schla­fend und die Nacht im quiet­schen­den Lauf­rad ver­bringt. Mit die­sem Ge­nos­sen ist der ein­hei­mi­sche Feld­hams­ter zwar ver­wandt, wird aber viel grö­ßer und schwe­rer. Bis zu 600 g Kör­per­ge­wicht kann er er­rei­chen, wäh­rend der Gold­hams­ter nicht mal auf ein Drit­tel die­ses Ge­wichts kommt und mit einer Länge von 12-16 cm auch nur halb so groß wird wie der Feld­hams­ter.

Zwar ver­schmäht der Feld­hams­ter auch In­sek­ten­lar­ven oder Wür­mer nicht, doch bil­den Samen wie Ge­trei­de­kör­ner und un­ter­ir­di­sche Pflan­zen­tei­le wie Kar­tof­fel­knol­len seine Haupt­nah­rung. Be­son­ders be­liebt bei den Land­wir­ten mach­ten ihn diese Ge­wohn­hei­ten nicht. Bis in die 70er Jahre des letz­ten Jahr­hun­derts war der Feld­hams­ter in Deutsch­land so häu­fig, dass er als Ern­te­schäd­ling be­kämpft wurde. Auf sei­nen Pelz, der wegen sei­ner Qua­li­tät auch für die Pel­z­in­dus­trie in­ter­es­sant war, wurde eine Prä­mie aus­ge­setzt. In der DDR wur­den die Baue der Feld­hams­ter mit Schwe­fel­koh­len­stoff be­gast, oder die Tiere wur­den in Draht­fal­len ge­fan­gen. Die Fang­zah­len waren z. T. sehr hoch. Als Bei­spiel sei der Land­kreis Aschers­le­ben in Sach­sen-An­halt ge­nannt (ca. 650 km²), in dem jähr­lich zwi­schen 60.000 und einer hal­ben Mil­li­on Felle von Händ­lern auf­ge­kauft wur­den. In man­chen Lan­des­tei­len en­de­te die Hatz erst mit der Wie­der­ver­ei­ni­gung 1990, als die west­deut­sche Bun­des­ar­ten­ver­ord­nung für die ge­sam­te Bun­des­re­pu­blik Gül­tig­keit er­lang­te.

  • Ein Feldhamster stiehlt das Ei eines Wildvogels aus dem Nest (Quelle: Nautilus Film) Ein gelegentliches Frühstücksei kommt dem Feldhamster gerade recht (Quelle: Nautilus Film)

Wie an­de­re Kul­tur­fol­ger pro­fi­tier­te auch der Feld­hams­ter zu­nächst von der land­wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung. Ohne Ein­fluss des Men­schen wäre Mit­tel­eu­ro­pa zum al­ler­größ­ten Teil von Wald be­deckt und würde dem Hams­ter kei­nen ge­eig­ne­ten Le­bens­raum bie­ten. Als ehe­ma­li­ger Step­pen­be­woh­ner Ost­eu­ro­pas und Asi­ens ist er auf of­fe­ne Flä­chen mit aus­rei­chen­dem Nah­rungs­an­ge­bot und nicht zu har­tem Boden an­ge­wie­sen.

Wäh­rend Flä­chen und Böden noch in ge­eig­ne­ter Zahl zur Ver­fü­gung stün­den, ha­pert es in­zwi­schen vor allem an aus­rei­chen­dem Nah­rungs­an­ge­bot. Mo­der­ne Ern­te­ma­schi­nen sind so ef­fi­zi­ent, dass kaum ein Korn zu­rück­bleibt, das vom Hams­ter auf­ge­sam­melt wer­den könn­te. Um aber den Win­ter zu über­ste­hen, muss ein Hams­ter meh­re­re Ki­lo­gramm Fut­ter in sei­nem Bau la­gern, an­sons­ten ver­hun­gert er.

Die sau­ber ab­ge­ern­te­ten Fel­der ma­chen den Hams­ter au­ßer­dem gut sicht­bar für seine na­tür­li­chen Fein­de, und die vie­len aus­ge­bau­ten Stras­sen ma­chen die Neu­be­sied­lung ent­fernt lie­gen­der Ge­bie­te schwie­rig. Die Be­stands­zah­len des Feld­hams­ters sind daher dra­ma­tisch zu­rück­ge­gan­gen. Um sein Über­le­ben in Deutsch­land zu si­chern, sind vie­ler­orts In­itia­ti­ven zu sei­nem Schutz ins Leben ge­ru­fen wor­den. Sehr hilf­reich sind so­ge­nann­te "Ern­te­strei­fen" am Rand von Äckern, auf denen Ge­trei­de ver­bleibt und das Ste­hen las­sen von Stop­peln auf den Fel­dern bis der Hams­ter zum Win­ter­schlaf über­geht. Für sol­che Maß­nah­men er­hal­ten Land­wir­te einen fi­nan­zi­el­len Aus­gleich, zumal diese Me­tho­den auch an­de­ren Tier- und Pflan­zen­ar­ten zu­gu­te kom­men. Zum Glück haben sich da­durch in ei­ni­gen Re­gio­nen Deutsch­lands die Hams­ter­be­stän­de wie­der sta­bi­li­siert.