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Hintergrund: Flächenverbrauch

Häu­ser, Stra­ßen, Fel­der, Sport­plät­ze und noch viele an­de­re mensch­li­che Ein­rich­tun­gen haben eines ge­mein­sam: sie brau­chen Platz. Und die­ser Platz wird in Deutsch­land immer knap­per. Über 80 Mil­lio­nen Ein­woh­ner leben in un­se­rem Land, damit ge­hört Deutsch­land zu den re­la­tiv be­völ­ke­rungs­rei­chen Staa­ten der Erde. Mit 231 Ein­woh­nern pro Qua­drat­ki­lo­me­ter fällt auch die Be­völ­ke­rungs­dich­te ent­spre­chend hoch aus (zum Ver­gleich: Japan hat 339 Ein­woh­ner pro km², Na­mi­bia hat 2,5).

  • Luftaufnahme eines Waldes mit dichtem Kronendach (Quelle: Jupiterimages/Thinkstock) Ausgedehnte, zusammenhängende Wälder gibt es nur noch wenige (Quelle: Jupiterimages/Thinkstock)

Ur­sprüng­lich war Mit­tel­eu­ro­pa nach der Eis­zeit haupt­säch­lich von Wald be­deckt, doch seit­dem der Mensch in Eu­ro­pa sess­haft ge­wor­den ist und der Acker­bau Ein­zug ge­hal­ten hat, än­der­te sich das Land­schafts­bild deut­lich. Be­reits um das Jahr 1500 herum war der Wald­an­teil in Deutsch­land auf etwa 30% der Ge­samt­flä­che ge­sun­ken, ein Wert, den er auch heute (wie­der) ein­nimmt. Al­ler­dings ist ein gro­ßer Teil die­ser Wald­flä­che von Wirt­schafts­wald be­deckt, der vor allem der Holz­ge­win­nung dient. Über die Hälf­te der Lan­des­flä­che (53%) wird von Acker- und Wei­de­land ein­ge­nom­men, fast 12% be­le­gen be­bau­te Flä­chen. Und wo bleibt da die Natur?

Freie un­ge­nutz­te Flä­che ist in Deutsch­land wie in vie­len an­de­ren Län­dern ein knap­pes Gut ge­wor­den. Der Flä­chen­ver­brauch der immer wei­ter wach­sen­den Städ­te und das dich­te Ver­kehrs­netz ist längst ein gro­ßes Pro­blem. Immer we­ni­ger Le­bens­raum für wilde Tiere und Pflan­zen steht dem wei­ter wach­sen­den Platz­be­darf des Men­schen ent­ge­gen. Eines je­doch ist si­cher: die Flä­che un­se­res Lan­des ist be­grenzt und kann nur in sehr ein­ge­schränk­tem Maß ver­grö­ßert wer­den. Zwar las­sen sich Häu­ser mit vie­len Stock­wer­ken in die Höhe bauen, womit neuer Raum in der Ver­ti­ka­len ge­schaf­fen wird. Man­ches lässt sich auch unter die Erde ver­la­gern wie Park­häu­ser oder La­ger­räu­me, aber nicht nur der Flä­chen­ver­brauch an sich ist ein Pro­blem, son­dern auch die immer stär­ke­re Zer­sie­de­lung un­se­rer Land­schaft. Stras­sen zer­schnei­den Wald­ge­bie­te, Sied­lun­gen tren­nen einst ver­bun­de­ne Bio­to­pe von­ein­an­der, und wo einst Luch­se ihr Re­vier hat­ten, ragen nun ver­ein­zel­te Wald­in­seln aus einem Meer von Fel­dern.

  • Vielspurige Autobahn in mehreren Etagen (Quelle: Ge­or­ge Doyle/Think­stock) Der Autoverkehr verbraucht sehr viel Fläche in den Industriestaaten (Quelle: Ge­or­ge Doyle/Think­stock)

Of­fen­sicht­lich sto­ßen wir bei dem der­zei­ti­gen Flä­chen­ver­brauch an die Gren­zen des Wachs­tums. Auch für die Land­wirt­schaft wird daher die Ge­win­nung neuer An­bau­flä­chen immer schwie­ri­ger, ob­wohl der Be­darf daran wegen der glo­ba­len Nah­rungs­kri­se und dem Boom bei Bio­sprit eher zu­neh­men wird. In Deutsch­land wer­den jeden Tag im Schnitt 122 Hekt­ar (ha) Flä­che für neuen Sied­lungs- oder Ver­kehrs­raum ver­braucht, das ent­spricht 170 Fuß­ball­fel­dern. Dies ist um so er­staun­li­cher, als die Be­völ­ke­rungs­zahl seit Jah­ren zu­rück­geht. Tat­säch­lich sinkt der Zu­wachs an Wohn­raum be­reits seit ei­ni­ger Zeit. Weil aber ein Trend von mehr­ge­schos­si­gen Ge­bäu­den zu Ein­fa­mi­li­en­häu­sern exis­tiert und immer mehr Men­schen in Sin­gle-Haus­hal­ten leben, ist der Flä­chen­ver­brauch trotz­dem nicht merk­lich zu­rück­ge­gan­gen.

Die Strei­chung staat­lich ge­för­der­ter Bau­maß­nah­men, die Nut­zung von brach­lie­gen­den Flä­chen und die Ver­bes­se­rung der in­ner­städ­ti­schen Le­bens­qua­li­tät kön­nen zu einer Lö­sung des Pro­blems bei­tra­gen. Ohne ein Um­den­ken in der Wirt­schaft und Po­li­tik wird dies nicht zu be­werk­stel­li­gen sein. Wirt­schaft­li­ches Wachs­tum und Flä­chen­ver­brauch soll­ten nicht mehr di­rekt von­ein­an­der ab­hän­gen.