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Hintergrund: Le­bens­raum Öd­land und seine Be­woh­ner

Ge­birgs­re­gio­nen

  • Bergmassiv (Quelle: colourbox.​com) Die Tiere und Pflanzen der Bergregionen müssen mit Kälte und Wind fertig werden (Quelle: colourbox.​com)

Der Le­bens­raum Öd­land trägt sei­nen Namen nicht um­sonst. Fel­si­ge Ge­birgs­re­gio­nen, ge­prägt von Was­ser­ar­mut und ex­tre­men Tem­pe­ra­tur­schwan­kun­gen sowie schwie­ri­gem Ge­län­de, sind ein ty­pi­sches Bei­spiel für ein na­tür­lich ent­stan­de­nes Öd­land. Nur gut an­ge­pass­te Tiere und Pflan­zen kön­nen hier über­le­ben. Stein­bö­cke kön­nen sich z. B. auch in hö­he­ren Ge­birgs­la­gen (bis 3500 m) fort­be­we­gen und fin­den dort, we­nigs­tens im Som­mer, ge­nü­gend Nah­rung, denn sie kön­nen auch mit den we­ni­gen, spe­zi­ell an­ge­pass­ten Kräu­tern oder kur­zen Grä­sern im Ge­bir­ge vor­lieb neh­men. Bei Pflan­zen fin­det man umso mehr klein­wüch­si­ge Arten, je höher man ins Ge­bir­ge steigt. Durch ihre ge­rin­ge Größe bie­ten sie dem Wind und dem Schnee­druck nur eine klei­ne An­griffs­flä­che. Ihre Blü­ten sind aber oft auf­fäl­lig und groß, denn in gro­ßen Höhen ist es nicht leicht, In­sek­ten an­zu­lo­cken. Mit ihrem ver­zweig­ten Wur­zel­sys­tem klam­mern sie sich auch in kleins­te Fels­klüf­te, in denen sich ein wenig Bo­den­ma­te­ri­al an­ge­sam­melt hat. Die Wuchs­pe­ri­ode ist nur kurz.

Vul­ka­ni­sche Ge­bie­te

  • Ein Vulkankegel (Quelle: colourbox.​com) Vulkanische Gebiete sind unberechenbare Lebensräume (Quelle: colourbox.​com)

An­de­re na­tür­lich ent­stan­de­ne Ödge­bie­te sind Re­gio­nen mit vul­ka­ni­scher Ak­ti­vi­tät. Sie spie­len in Deutsch­land keine Rolle, aber an an­de­ren eu­ro­päi­schen Orten wie am Ätna auf Si­zi­li­en kann man sol­che Land­schaf­ten und ihre ty­pi­schen Be­woh­ner fin­den. Nach einem Vul­ka­n­aus­bruch muss das Leben die von Lava über­flos­se­ne Land­schaft ganz neu er­obern. Es be­ginnt üb­li­cher­wei­se mit Flech­ten und Moo­sen, auch Algen kön­nen als Pio­nie­re tätig sein, wenn in klei­nen La­vaspal­ten ge­nü­gend Feuch­tig­keit für ihr Wachs­tum vor­han­den ist. Die spä­ter fol­gen­den Blü­ten­pflan­zen müs­sen mit ex­tre­men Be­din­gun­gen fer­tig wer­den. Sie be­nö­ti­gen ein aus­ge­dehn­tes Wur­zel­sys­tem, um die an­fäng­li­che Nähr­stoff­ar­mut zu be­wäl­ti­gen.

  • Salzmiere (Quelle: Dr. Eckart Pott/OKA­PIA) Die Salzmiere gehört zu den Pionierpflanzen auf Vulkaninseln (Quelle: Dr. Eckart Pott/OKA­PIA)

Auf vul­ka­ni­schen In­seln müs­sen die Pflan­zen zudem auch eine ge­wis­se Salz­to­le­ranz auf­wei­sen. So hat es bspw. die Salz­mie­re, eine nied­rig wach­sen­de, salz­to­le­ran­te Pflan­ze aus der Fa­mi­lie der Nel­ken­ge­wäch­se, ge­schafft, auf der Vul­kan­in­sel Surtsey bei Is­land Fuß zu fas­sen. Sie bil­det heute die häu­figs­te Pflan­zen­art auf der Insel. Mit ihrer kis­sen­ar­ti­gen Wuchs­form bin­det sie Flug­sand und trägt zur Bo­den­bil­dung bei. Sind ein­mal Pflan­zen eta­bliert, fol­gen klei­ne Tiere, vor allem Glie­der­fü­ßer wie In­sek­ten und Spin­nen, recht bald nach.

Moore

  • Sonnentau (Quelle: E. Oppermann) Ein Sonnentau wartet auf Insekten (Quelle: E. Oppermann)

Auch Moore ge­hö­ren zum na­tür­lich ent­stan­de­nen Öd­land. Hier sind vor allem der große und per­ma­nen­te Was­ser­über­schuss der be­gren­zen­de Fak­tor für das Ge­dei­hen von Tie­ren und Pflan­zen. Durch die Stau­näs­se ent­steht Sau­er­stoff­man­gel und da­durch ein un­voll­stän­di­ger Abbau der toten Pflan­zen­mas­se. Da­durch wächst ein Moor all­mäh­lich in die Höhe, es bil­den sich Torf­schich­ten aus nicht zer­setz­tem Pflan­zen­ma­te­ri­al. Da­durch wird dem Boden auch nur ein Teil der Nähr­stof­fe zu­rück­ge­führt. Bäume fin­det man in Moor­ge­bie­ten nur ver­ein­zelt.

Es gibt eine ganze Reihe un­ter­schied­li­cher Typen von Moo­ren. In Hoch­moo­ren herrscht Nähr­stoff­ar­mut und Ver­saue­rung des Bo­dens vor. Hier do­mi­nie­ren Torf­moo­se die Ve­ge­ta­ti­on, die viele or­ga­ni­sche Säu­ren bil­den. In dem sau­ren, nähr­stoff­ar­men Mi­lieu kön­nen nur we­ni­ge an­de­re Pflan­zen über­le­ben. Viele sind stark spe­zia­li­siert. Hier fin­det man den fleisch­fres­sen­den Son­nen­tau, eine säu­re­to­le­ran­te Pflan­ze, die mit ihren kleb­ri­gen Blät­tern In­sek­ten fängt, sie ver­daut und so an Nähr­stof­fe kommt, die im kar­gen Boden nicht vor­han­den sind. Nie­der­moo­re sind häu­fig im Zuge der Ver­lan­dung eis­zeit­li­cher Seen ent­stan­den. Sie sind nähr­stoff­rei­cher als die Hoch­moo­re, bie­ten aber auf­grund von Stau­näs­se eben­falls ein sau­er­stoff­ar­mes Mi­lieu. Trotz­dem bie­ten sie mehr Arten einen ge­eig­ne­ten Le­bens­raum als die Hoch­moo­re, so z. B. Erlen und vie­len Vö­geln.

Ero­si­ons­ge­bie­te

  • Ein Pärchen Heuschrecken auf einem Felsen (Quelle: E. Oppermann) Heuschrecken kommen gut mit Trockenheit zurecht (Quelle: E. Oppermann)

Viele Ero­si­ons­ge­bie­te auf der Erde ge­hö­ren eben­falls zum Öd­land. Unter Ero­si­on ver­steht man die Ver­wit­te­rung der Erd­ober­flä­che, also z. B. das Ab­tra­gen von Ge­bir­gen durch die lang­sa­me, aber ste­ti­ge Ar­beit von Was­ser, Frost und Wind. Die ein­gangs er­wähn­ten "Bad­lands" sind ty­pi­sche Ver­tre­ter sol­cher Ero­si­ons­ge­bie­te. Wenn es dazu noch sehr tro­cken ist, kön­nen nur sehr we­ni­ge Tiere und Pflan­zen dort leben. Meist sind diese stark spe­zia­li­siert. Sie müs­sen mit wenig Was­ser, ex­tre­men Tem­pe­ra­tur­ver­hält­nis­sen und lo­cke­ren Se­di­ment­schich­ten, die Pflan­zen nur wenig Halt bie­ten, zu­recht­kom­men. Da vor allem Ge­bir­ge und an­de­re auf­ra­gen­de Re­gio­nen der Ero­si­on un­ter­lie­gen, fin­det man die meis­ten Ero­si­ons­ge­bie­te in Eu­ro­pa im Be­reich der Ge­bir­ge und Mit­tel­ge­bir­ge.

Al­ler­dings kann Ero­si­on in hö­he­rem Aus­maß auch dort statt­fin­den, wo eine durch­ge­hen­de Pflan­zen­de­cke fehlt. Durch Men­schen ver­ur­sach­te Bo­den­ero­si­on kann durch Über­wei­dung, Ro­dung oder zu in­ten­si­ve Bo­den­be­ar­bei­tung eben­falls Öd­land schaf­fen. An­sons­ten spie­len Nie­der­schlags­men­ge und -art, sowie Wind und Hang­la­ge der Böden die größ­te Rolle für das Aus­maß der Bo­den­ab­tra­gung. Ist der Boden ein­mal ver­lo­ren, ver­schwin­den mit ihm auch wert­vol­le Mi­ne­ral­stof­fe, die nicht ohne wei­te­res in kur­zer Zeit er­setzt wer­den kön­nen. Als Folge davon kön­nen viele Pflan­zen nicht mehr auf den be­trof­fe­nen Böden wach­sen. Nur sehr an­spruchs­lo­ser Ve­ge­ta­ti­on ge­lingt die Rück­erobe­rung eines sol­chen Le­bens­rau­mes.

In Deutsch­land gehen jähr­lich etwa 8-10 Ton­nen Boden pro Hekt­ar ver­lo­ren. Nur 2 Ton­nen Boden aber wer­den neu ge­bil­det. Bo­den­schutz ist of­fen­sicht­lich nötig, will man nicht auf lange Sicht den für die Natur und Land­wirt­schaft glei­cher­ma­ßen wich­ti­gen Boden ver­lie­ren.