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Hintergrund: Karst­ge­bie­te - Bei­spiel Schwä­bi­sche Alb

  • Eine Gruppe Kalkfelsen der Schwäbischen Alb (Quelle: E. Oppermann) Ein großer Teil der Schwäbischen Alb besteht aus Kalkgestein (Quelle: E. Oppermann)

Die Schwä­bi­sche Alb ist ein Mit­tel­ge­bir­ge im Süd­wes­ten Deutsch­lands und ein ty­pi­sches Bei­spiel für ein Karst­ge­biet. Unter Karst ver­steht man sol­che geo­lo­gi­schen Land­schafts­for­men, die durch Ver­wit­te­rung von Kalk- und Gips­ge­stei­nen ent­ste­hen. Ty­pisch für Karst­ge­bie­te ist ihre Tro­cken­heit. Vor allem des­we­gen stel­len Karst­ge­bie­te auch Bei­spie­le für Öd­land dar, in dem nur daran an­ge­pass­te Tier- und Pflan­zen­ar­ten auf Dauer über­le­ben kön­nen.

Um die Be­son­der­hei­ten eines Karst­ge­bie­tes zu ver­ste­hen, muss man sich seine Ent­ste­hungs­ge­schich­te vor Augen füh­ren und weit in die Erd­ge­schich­te zu­rück­ge­hen. Am Bei­spiel der Schwä­bi­schen Alb lässt sich dies sehr gut zei­gen, da die geo­lo­gi­sche Ge­schich­te die­ser Re­gi­on gut be­kannt ist.

  • Ein zum Teil mit Kalksteinen bedecktes Feld (Quelle: E. Oppermann) Auf den Äckern der Schwäbischen Alb findet man oft viel Gesteinsmaterial (Quelle: E. Oppermann)

Das Ge­biet der heu­ti­gen Schwä­bi­schen Alb war lange Zeit von einem Meer be­deckt, so dass sich auch hier mäch­ti­ge Se­di­ment­schich­ten bil­den konn­ten. Vor allem in der Ju­ra­zeit vor 200 bis 145 Mil­lio­nen Jah­ren be­fand sich diese Re­gi­on meis­tens unter Was­ser. Kein Wun­der also, dass man hier Fos­si­li­en vie­ler Fisch­sau­ri­er und an­de­rer Mee­res­rep­ti­li­en fin­det. Die Be­din­gun­gen zur Ju­ra­zeit waren aber nicht durch­ge­hend gleich­blei­bend, daher un­ter­schei­den sich die ver­schie­de­nen Schich­ten von­ein­an­der. Es sind be­son­ders die jüngs­ten Ju­ra­schich­ten, die die Schwä­bi­sche Alb teil­wei­se zu einem Öd­land ma­chen. Ihre obers­ten Schich­ten wer­den von wei­ßen Kalk­ge­stei­nen ge­bil­det. Diese lie­gen an vie­len Stel­len frei und sind nicht von Bo­den­ma­te­ri­al be­deckt. Der Boden auf der Schwä­bi­schen Alb ist oh­ne­hin meist nur sehr dünn und daher von Ero­si­on und Bo­den­ab­tra­gung be­son­ders be­droht.

  • Küchenschellen auf einer Wiese (Quelle: E. Oppermann) Gedeiht gut auf kalkhaltigem Grund - die Küchenschelle (Quelle: E. Oppermann)

Kalk­ge­stein un­ter­liegt wie jedes of­fen­lie­gen­de Ge­stein der Ver­wit­te­rung. Wind, Was­ser und Frost set­zen dem Ge­stein zu und tra­gen es auf lange Sicht ab. Nicht jedes Ge­stein ist aber im glei­chen Aus­maß der Ero­si­on un­ter­wor­fen. Kalk­ge­stein ver­wit­tert leich­ter als an­de­res Ge­stei­ne, weil es im Was­ser lös­lich ist. Im Was­ser vor­han­de­ne Koh­len­säu­re kann Kalk­ge­stein auf­lö­sen, so ent­steht im Kalk ein aus­ge­dehn­tes Netz­werk von Höh­len und Spal­ten, der so­ge­nann­te Karst. Daher ist die Hoch­flä­che der Alb stark zer­klüf­tet und von vie­len Spal­ten und Höh­len durch­setzt. Weil das Was­ser dort so leicht ab­flie­ßen kann, ist es an der Ober­flä­che ziem­lich tro­cken. Im Ver­bund mit dün­nen Böden ist es des­we­gen für Pflan­zen re­la­tiv schwer, dort Fuß zu fas­sen. Weil die Schwä­bi­sche Alb au­ßer­dem ein Mit­tel­ge­bir­ge ist, müs­sen alle dort le­ben­den Pflan­zen und Tiere auch mit hö­he­ren Lagen (bis zu 1015 Meter) und damit küh­le­ren Tem­pe­ra­tu­ren zu­recht­kom­men.

  • Huflattich (Quelle: E. Oppermann) Auch der Huflattich kommt mit kalkigem Boden bestens klar (Quelle: E. Oppermann)

Al­ler­dings fin­det man dort, wo sich in Sen­ken oder auf der Hoch­flä­che ge­nü­gend Bo­den­ma­te­ri­al an­ge­sam­melt hat, auf der Schwä­bi­schen Alb eine Flora, die sich nicht we­sent­lich von Re­gio­nen des Tief­lan­des un­ter­schei­det. Eiche, Ahorn und ver­schie­de­ne Na­del­höl­zer bil­den Mischwald. Bei den für die Alb ty­pi­schen Hei­de­flä­chen han­delt es da­ge­gen sich um men­schen­ge­mach­te Kul­tur­land­schaf­ten, die nur durch ent­spre­chen­de Pfle­ge­maß­nah­men er­hal­ten blei­ben, wie z. B. Schafs­be­wei­dung. Für die Land­wirt­schaft sind die Alb­flä­chen mit ihrem eher rauen Klima und den ma­ge­ren Böden nicht be­son­ders gut ge­eig­net. Cha­rak­te­ris­ti­sche Pflan­zen der Alb sind kal­klie­ben­de und tro­cken­re­sis­ten­te Arten wie die Sil­ber­distel, die sich mit einer fast me­ter­lan­gen Wur­zel ver­an­kert, dem Wind mit ihrer klei­nen Wuchs­hö­he aber eine nur ge­rin­ge An­griffs­flä­che bie­tet. Auch Wa­chol­der und Kü­chen­schel­le fin­den hier einen ge­eig­ne­ten Le­bens­raum. Die wenig in­ten­si­ve Land­wirt­schaft kam der Ar­ten­viel­falt sehr zu Gute. Wie­sen wur­den oft nur ein­mal im Jahr ge­mäht, der Dün­ger­ein­satz war ge­ring - vor­teil­haft für viele Blu­men, die an­sons­ten durch üp­pi­ges Gras­wachs­tum zu­rück­ge­drängt wor­den wären. Nähr­stoff­ar­mut be­deu­tet also nicht au­to­ma­tisch auch Ar­ten­ar­mut. Nicht sel­ten ist eher das Ge­gen­teil der Fall. Öd­land als kar­ger Le­bens­raum un­ter­stützt viele Spe­zia­lis­ten unter den Tie­ren und Pflan­zen, die oft sonst nir­gends vor­kom­men. Für sel­te­ne In­sek­ten wie die Öd­land­schre­cke, ist die Schwä­bi­sche Alb eines der letz­ten Rück­zugs­ge­bie­te.

Auch Pflan­zen, die auf nähr­stoff­rei­chen Böden leicht von an­de­ren Arten ver­drängt wer­den wie der Huf­lat­tich, pro­fi­tie­ren von den ma­ge­ren Le­bens­be­din­gun­gen, die das Wachs­tum von Kon­kur­ren­ten ver­lang­samt.