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Hintergrund Hadzabe: Lebensweise

Die letzten Wildbeuter Afrikas

  • Zwei Afrikanerinnen pflücken orangefarbene Beeren von einem blattlosen Busch (Quelle: SWR) Hadzabe-Frauen beim Beerensammeln
  • Afrikaner trägt Antilope über den Schultern (Quelle: SWR) Hadzabe-Mann mit Jagdbeute

Nur noch wenige Hadzabe – die Angaben schwanken zwischen 700 und 3000 – leben verstreut als Jäger und Sammler auf einem Gebiet von 1500 Quadratkilometern rund um den Lake Eyasi. Die Region im Nordosten Tansanias ist sehr trocken und nur wenig fruchtbar. In diesem schwer zugänglichen Buschland konnte sich die steinzeitliche Lebensweise der Hadzabe weitgehend erhalten.

Alles Lebensnotwendige wird vor Ort hergestellt

Die Hadzabe betreiben weder Landwirtschaft noch halten sie Vieh. Für Nahrung sorgt allein die Natur. Beeren, Wurzeln, Knollen und Honig werden gesammelt, wilde Tiere mit Pfeil und Bogen erlegt. Die zum Leben notwendigen Dinge wie Pfeil und Bogen, Hausrat, und das für die Behausungen wichtige Baumaterialien werden fast ausschließlich aus Materialien gefertigt, die das natürliche Umfeld liefert.

Das Zusammenleben

Die Hadzabe leben in unterschiedlich großen Gruppen von höchstens 50 Erwachsenen mit den dazugehörigen Kindern. Die Gruppenmitglieder sind gleichberechtigt. Es gibt keine Hierarchie, keine Anführer oder Häuptlinge. Frauen und Männer haben jedoch unterschiedliche Aufgaben. Während es in der Regel die Männer sind, die auf die Jagd nach Gazellen, Antilopen, Perlhühnern und Büffeln gehen, pflücken die Frauen Beeren von den Sträuchern, sammeln die Früchte der Affenbrotbäume und graben Wurzeln und Knollen aus. Die Frauen sind zudem zuständig für die Errichtung der Grashütten. Männer betreiben gelegentlich Handel mit den Nachbarn. Sie verständigen sich mit einer Klick-Sprache, ähnlich der der Buschmänner im Süden Afrikas.

Lebensweise in Gefahr

  • Rinder trinken an einer Wasserstelle, deren Wasser durch Kot eingetrübt ist (Quelle: SWR) Von Rindern verschmutzte Wasserstelle
  • Hadzabe sitzen bei Nacht um ein Lagerfeuer im Dornbusch (Quelle: SWR) Traditionelle Lebensweise im Dornbusch

Bevölkerungswachstum und Landfrage

Der derzeitige Bevölkerungszuwachs in den meisten afrikanischen Staaten ist enorm, so auch in Tansania. Mehr Menschen benötigen mehr Siedlungsraum und größere landwirtschaftliche Flächen zur Versorgung. Vor allem um die Städte, aber auch im ländlichen Bereich breiten sich intensiv genutzte agrarische Flächen explosionsartig aus. Dies wiederum führt zu erhöhtem Wanderungsdruck bei nomadisch lebenden Viehbauern wie den Datoga. Sie dringen immer weiter in das Kernland der Hadzabe vor. Ihre Rinder nutzen natürliche Wasserstellen und verschmutzen diese. Wildtiere, auf die die Hadzabe als Beute traditionell angewiesen sind, werden zurückgedrängt. Diese Nahrungsgrundlage der Hadzabe schwindet somit stetig.

Einfluss des Tourismus

Weitere Gefährdungen gehen von den touristischen Nutzungsmöglichkeiten des Buschlandes aus. Neben konventionellen Foto-Safaris bieten Reiseveranstalter Besuche in Hadzabe-Dörfern als besondere Attraktion an. Die ursprüngliche Lebensweise der Hadzabe wird dadurch so genannten zivilisatorischen Einflüssen in zunehmender Zahl ausgesetzt.Ein besonderes Projekt plant eine „Jagdfirma“ aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Vom Staat Tansania gepachtetes Buschland der Hadzabe am Eyasi-See soll zahlungskräftigen Touristen als Jagdgebiet zur Verfügung gestellt werden. Gegenüber den Hadzabe hat die tansanische Regierung ein Jagdverbot ausgesprochen.

Traditionelle Lebensweise – wie lange noch?

Bisher haben sich die Hadzabe weitgehend den Einflüssen der modernen Gesellschaft entzogen. Aber es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis die Hadzabe zur Aufgabe ihrer traditionellen Lebensweise gezwungen sind, um in Zukunft überleben zu können.