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Sendungsinhalt: Johann Gottfried Tulla und die Begradigung des Rheins

Die Herausforderung war immens: Er wollte den wichtigsten Fluss Europas zähmen, den Rhein. Gut 200 Jahre nach Beginn der Bauarbeiten zur Rheinbegradigung erzählt der Film vom Lebenswerk des badischen Ingenieurs Johann Gottfried Tulla.

Tulla wuchs in bewegten Zeiten auf: In Frankreich hatte die Revolution die politischen Verhältnisse grundlegend verändert, das Heilige Römische Reich war am Ende, Napoleon und seine Truppen zogen durch Europa und gewannen in der Markgrafschaft Baden einen Verbündeten. Mit der politischen Revolution kam auch der Fortschritt in Wissenschaft und Technik.

Tulla sollte Pfarrer werden, aber ein Lehrer erkannte seine naturwissenschaftliche Begabung. Mit Förderung des badischen Landesherrn wurde er zum Ingenieur ausgebildet. Besonders interessiert war Tulla am Wasserbau. Er brachte das größte und vielleicht mutigste Bauprojekt Europas auf den Weg: die Begradigung des Rheins. Mit diesem Projekt veränderten sich die Landschaft und die Gesellschaft entlang des Flusses. Die Zeit der großen Überschwemmungen, die Seuchen und Hungersnöte auslösten, war damit vorbei. Dass die Rheinbegradigung auch ökologische Folgen haben würde, überblickte damals niemand.

Filmskript: Johann Gottfried Tulla und die Begradigung des Rheins

Johann Gottfried Tulla und die Begradigung des Rheins

Kapitelübersicht:

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Tulla: Faszination für den Wasserbau

00:00 – 07:12

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts ist der Rhein der längste Strom Deutschlands: ein unberechenbarer Fluss mit Inseln und sumpfigen Auwäldern, die ständig überflutet werden. Der Pfarrerssohn Johann Gottfried Tulla besucht um 1785 Tulla das Gymnasium in Karlsruhe. Auch er soll Pfarrer werden, doch ein aufmerksamer Lehrer erkennt das naturwissenschaftliche Talent Tullas und besorgt ihm ein Stipendium beim Markgrafen Karl Friedrich von Baden. In einer Zeit, in der Europa vor großen Veränderungen steht, in der Krieg und Armut herrschen, studiert Tulla auf Staatskosten Wasserbau und Vermessungstechnik in den Niederlanden, am Rhein und in Niedersachsen; und er hegt einen Traum: Er will den Rhein zähmen.

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Der Rhein: eine schwierige Grenze

07:12 – 14:02

Nach seiner Rückkehr aus dem Ausland ist Tulla als Ingenieur und Offizier im badischen Staatsdienst angestellt. Er will zunächst den Hochwasserschutz am Rhein verbessern. Doch bevor er beginnen kann, schickt der Margraf ihn auf die polytechnische Elite-Hochschule in Paris. Tulla soll sich in Frankreich nicht nur fachlich bilden und Französisch lernen, sondern auch die badischen Diplomaten unterstützen. Der Rhein markiert seit 1803 die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich. Eine exakte Grenzfestlegung ist jedoch schwierig, da die Überschwemmungen des Flusses die Grenzen vielfach verschoben haben. Für Tullas Vorhaben bedeutet dies: Bei der geplanten Vermessung müssen Ansprüche beider Länder berücksichtigt werden. Ein politisch heikles Unterfangen!

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Rückschlag: leere Staatskassen durch Napoleons Kriege

14:02 – 21:19

Zurück in Karlsruhe beginnt Tulla mit der Vermessung. Sein Ziel: eine exakte Landkarte von Baden. Seine Pläne für die Begradigung des Rheins werden allerdings immer wieder durchkreuzt und verschoben. Schuld daran trägt auch sein Konkurrent, der badische Baudirektor Friedrich Weinbrenner. Ein Großteil der badischen Staatsgelder fließt in neue Gebäude, Schulen und Rathäuser, nicht aber in das Rheinprojekt. Zudem steht Baden in den napoleonischen Kriegen zunächst auf der Seite Napoleons und muss für sein Engagement in dessen Kriegen kräftig zahlen. Für ein neues Rhein-Flussbett und eine moderne „École Polytechnique“ in Karlsruhe steht daher kein Geld zur Verfügung. Nach Napoleons Niederlage in Waterloo verändern sich die politischen Verhältnisse: Baden gibt Tulla „grünes Licht“ für den Beginn der Rheinbegradigung.

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Erster Durchstich: die Begradigung bei Karlsruhe

21:19 – Ende

Im Jahr 1817 beginnt Tulla mit dem ersten Durchstich der Rheinkorrektur. Allerdings nicht ohne Widerstand der Einheimischen. Sie befürchten die Zerstörung ihrer Wälder und die Umsiedlung ihrer Dörfer. Schließlich ist die Begradigung des Rheins ein riskantes Projekt mit ungewissem Ausgang. Nur mit Hilfe des Militärs kann Tulla die Aufstände niederschlagen. Der erste Rhein-Durchstich bei Karlsruhe wird ein voller Erfolg. Die umliegenden Orte werden tatsächlich in der folgenden Regensaison vom Hochwasser verschont. Auf den abgeschnittenen Rheinschleifen entstehen nach und nach sicheres Bauland und fruchtbare Felder. Der Widerstand der Anwohner ist gebrochen. Doch heute sieht man Tullas Lebenswerk auch kritisch, denn die Rheinbegradigung hat die Auenlandschaft verändert und das natürliche Ökosystem durcheinandergebracht.