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Unterricht: Kuba

  • Grafitti Che Guevara an Hauswand (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)
  • Kubaner mit Handys (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Mit der Öffnung zum Westen erhalten viele Kubaner Zugang zum Internet (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)
  • Restaurant „La Florida“ (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Auf Kuba herrscht Aufbruchstimmung; immer mehr Touristen kommen auf die Insel (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Allgemeine Unterrichtshinweise:

Der Film über die Kuba-Krise bietet Anknüpfungspunkte für den Geschichtsunterricht. Aber auch unter dem Aspekt der internationalen Politik und möglichen Konfliktlösungsmodellen zwischen Staaten kann der Film eingesetzt werden. Der Ost-West Konflikt und der Kalte Krieg sind in den Klassenstufen 9 und 10 Bestandteil der meisten Bildungspläne. Die Kuba-Krise zeigt exemplarisch die Zuspitzung eines Konflikts zu einer internationalen Krise, die zeitweise drohte, in einen dritten Weltkrieg unter Einsatz strategischer Nuklearwaffen zu münden. Das Vorwissen der meisten Schülerinnen und Schüler zu diesem Konflikt muss als gering angenommen werden. Dem Film gelingt es, die Auswirkung des historischen Konflikts auf die Gegenwart zu betonen. Das erleichtert den Jugendlichen den Zugang zu den historischen Vorgängen. Auch das Unterrichtsmaterial setzt an diesem Punkt an.

Das Material besteht aus fünf Arbeitsblättern. Die komplexen Zusammenhänge werden im Film sehr komprimiert dargeboten. Für die Erarbeitung kann es hilfreich sein, dass die Schüler den Film nicht nur einmal gemeinsam anschauen, sondern unter verschiedenen Fragestellungen auch öfter. Dies kann ggfs. in Kleingruppen erfolgen, die sich mit verschiedenen Aspekten des Konflikts beschäftigen. Wenn sie darüber hinaus die Möglichkeit haben, den Film am PC, auf Tablets oder auf eigenen Smartphones im individuellen Tempo noch einmal zu sehen, erleichtert das auch schwächeren Schülern die Bearbeitung binnendifferenzierter Aufgaben.

Lernziele:

Die Schülerinnen und Schüler lernen Diplomatie als Beispiel für Konfliktprävention und Friedenssicherung kennen. Sie erfahren, wie die Zusammenarbeit von Staaten in krisenhaften Situationen ablaufen kann und mit welchen Mitteln Staaten versuchen, eigene Interessen möglichst umfassend durchzusetzen. Deutlich wird auch, wie das Verteidigungskonzept der „Flexible Response", welches die NATO 1967 als Verteidigungsdoktrin definiert, bereits im konkreten Fall der Kuba-Krise Anwendung fand. Exemplarisch können die Schülerinnen und Schüler die Ursachen einer Krise aufzeigen, komplexe Sachverhalte übersichtlich zusammenfassen und vorstellen. Sie erwerben historisches Faktenwissen und Wissen um grundlegendes politisches Vokabular, das auch auf andere Krisen wie auf die Tagespolitik angewandt werden kann. Darüber hinaus erweitern sie ihre Medienkompetenz: Sie analysieren die eingesetzten filmischen Mittel und deren Wirkung für die Darstellung der politischen Verhältnisse.

Unterrichtsablauf:

Nach einem Einstieg mit der Aktivierung von Vorwissen schauen die Schülerinnen und Schüler den Film. In der Erarbeitungsphase erstellen sie ein Beziehungsgeflecht, mit dessen Hilfe sie die Abwendung der Eskalation während der Kuba-Krise reflektieren. Die Begriffserklärung kann flexibel während des gesamten Unterrichtsablaufs eingesetzt werden. Die Untersuchung der NATO-Strategie der „Flexible Response" stellt eine wichtige Vertiefungs- und Transferaufgabe dar. Den letzten Teil der Erarbeitungsphase bildet die Analyse der aktuellen Situation und der filmischen Mittel, mit denen sie dargestellt wird. Zum Abschluss erstellen die Schüler einen Krisensteckbrief.

Phase Inhalt Sozialform Medien
Einstieg Aktivierung von Vorwissen Plenum, danach Partnerarbeit Arbeitsblatt 1
Erarbeitung gemeinsames Anschauen des Films Plenum PC / Beamer / Film
Beziehungsgeflecht erarbeiten Partnerarbeit oder
Kleingruppen
Arbeitsblatt 2
Vorstellung des Beziehungsgeflechts je 2 Arbeitspaare/
Arbeitsgruppen arbeiten
zusammen
Arbeitsblatt 2
Zur Vorentlastung für schwächere Lerngruppen: Begriffserklärung (optional auch vor dem Anschauen des Films, oder ergänzend als Hausaufgabe) Partnerarbeit / Plenum Arbeitsblatt 3
Analyse der NATO- Strategie Einzel- und Partnerarbeit /
Plenum
Arbeitsblatt 4
Aktualitätsbezug ermitteln Einzelarbeit / Plenum Arbeitsblatt 5
Filmische Mittel analysieren Gruppenarbeit / Plenum Arbeitsblatt 5
Abschluss Erstellen des Krisensteckbriefes Einzelarbeit oder Partnerarbeit Arbeitsblatt 6

Einsatz der Arbeitsblätter:

Zu Beginn der Unterrichtseinheit soll das Vorwissen der Schülerinnen und Schüler aktiviert werden. Der Einstieg erfolgt über ein Unterrichtsgespräch mit einem Brainstorming zu Kuba. Die Diskussion lässt sich beispielsweise mit folgenden Fragen anregen: "Was fällt euch ein, wenn ihr Kuba hört?", "Ihr sollt im Auftrag der Schülerzeitung nach Kuba reisen. Wen wollt ihr treffen, was wollt ihr sehen, um hinterher darüber berichten zu können?" oder "Wo kann man in Kuba am besten Urlaub verbringen? Warum?". Von diesen eher allgemeinen, offenen Fragen führt Arbeitsblatt 1 mit vier Bildimpulsen zur Kuba-Krise hin. Drei der Bilder zeigen wichtige Akteure des Konflikts – John F. Kennedy, Nikita Chruschtschow und Fidel Castro, jeweils mit dem Namen, aber ohne Bezeichnung ihrer politischen Funktion. Die Schüler sollen sammeln, was sie zu den Personen wissen oder zu wissen glauben. Ein viertes Bild zeigt eine Landkarte von Kuba. Die Aufgabe lässt somit Raum für Vorwissen, das sich auf die Kultur des Landes bezieht und nicht direkt an den Konflikt gebunden ist. Hier kann Bezug auf das vorangegangene Unterrichtsgespräch genommen werden. Die Schüler bearbeiten das Blatt zunächst alleine und tauschen sich dann mit einem Arbeitspartner darüber aus.

Anschließend sehen die Schülerinnen und Schüler den Film. Außer den drei Haupt-Akteuren, die die Schüler bereits durch die Bildimpulse kennengelernt haben, sehen sie im Film noch eine Reihe weiterer Akteure. Sie erhalten den Beobachtungsauftrag, sich diese zu notieren und besonderes darauf zu achten, welche Rolle sie im Verlauf des Konfliktes spielen. Ziel ist es, dass die Schüler die Akteure zunächst in einem Beziehungsgeflecht miteinander in Verbindung bringen können. In einem zweiten Schritt lassen sich die unterschiedlichen diplomatischen Kanäle in das Beziehungsgeflecht eintragen, die im Verlauf des Konfliktes genutzt wurden.

Nach dem Film haben die Schüler in einem kurzen Klassengespräch die Möglichkeit, ihre auf Arbeitsblatt 1 geäußerten Vermutungen über das Land und die Akteure zu relativieren. Dann erhalten sie Bildkarten (Arbeitsblatt 2), auf denen acht wichtige Akteure der Kubakrise zu sehen sind. Die Screenshots der drei Haupt-Akteure sind dabei identisch mit denen auf Arbeitsblatt 1 mit dem Bildimpuls. Das vereinfacht den Schülern die Verknüpfung mit dem Vorwissen. Auch die weitere Dekonstruktion eigener vorheriger falscher Vermutungen wird dadurch erleichtert.

Die Schüler sollen für die Strukturierung die Karten mit den Akteuren zunächst auf einem DIN A3 Blatt sinnvoll anordnen und sie dann aufkleben und mit Pfeilen, Linien und Erklärungen verbinden (Struktur-Lege-Technik). Sie arbeiten in Partnerarbeit oder in Kleingruppen. Die Partner bzw. Gruppen überlegen sich dabei eigene Darstellungsformen für die Beziehung zwischen den Akteuren. In einem zweiten Schritt fügen die Schüler mit einem farbigen Stift in ihre Bilder ein, welche Wege die diplomatische Kommunikation zwischen den Akteuren genommen hat. Anschließend erklären sie einem weiteren Arbeitspaar bzw. einer weiteren Gruppe, warum sie die Akteure so angeordnet haben.

Nicht für jede Lerngruppe wird dieser Arbeitsauftrag nach dem einmaligen Ansehen des Filmes lösbar sein. Einige Begriffe aus dem Film können zunächst unbekannt und daher schwer verständlich sein. Hier kann es sinnvoll sein, eine Entlastung anzubieten und die Begriffe mit Hilfe einer Zuordnungsaufgabe zu erklären. Je nach Vorwissen und Lernstand kann diese Aufgabe auch variiert werden, indem beispielsweise nur die Begriffe angegeben werden und die Schülerinnen und Schüler eigene Definitionen erarbeiten. Das Arbeitsblatt eignet sich also auch zur Binnendifferenzierung in heterogenen Lerngruppen. Der Einsatz des Arbeitsblattes kann vor oder nach der ersten Betrachtung des Filmes erfolgen. Die Schülerinnen und Schüler können bei Bedarf weitere unklare Begriffe ergänzen bzw. können diese im Plenum besprechen.

Nachdem die diplomatische Lösung des Konflikts anschaulich analysiert und visualisiert wurde, setzen die Schüler die 1967 verabschiedete NATO-Strategie der „Flexible Response" in Beziehung zur Kuba-Krise. Die Schülerinnen und Schüler erhalten einen kurzen informierenden Text, der die Strategie vorstellt. Unklare Begriffe können im Plenum besprochen werden. Anschließend beantworten die Schülerinnen und Schüler die Frage, inwieweit Elemente der "Flexible Response" bereits in der Kuba-Krise Anwendung gefunden haben. Eine zweite Frage zielt auf mögliche andere Handlungsoptionen ab, die die USA während der Kuba-Krise gehabt hätten. Die Schülerinnen und Schüler leisten hier einen Transfer und vertiefen ihr Wissen über den Ost-West Konflikt.

Im dritten Teil der Unterrichtseinheit geht es um die Situation in Kuba heute. Die Schülerinnen und Schüler betrachten die Sequenzen des Filmes noch einmal, in denen die derzeitige Situation dargestellt wird. Dabei setzen sie sich zunächst mit inhaltlichen Leitfragen auseinander: Was sagt der Film über die wirtschaftliche und politische Situation? Welche politische Öffnung hat stattgefunden? Wie werden Lebensgefühl und Alltag der Menschen in Kuba beschrieben und welchen Ausblick auf die Zukunft gibt der Film? Die Aufgabe bietet Anlass, sich im Plenumsgespräch mit den Möglichkeiten der langfristigen Konfliktlösung auseinanderzusetzen und eigene Lösungsvorschläge zu diskutieren.

Der Fokus des Arbeitsblattes liegt jedoch auf der Analyse der filmischen Mittel und deren Wirkung. Die Filmbeobachtung wird vertieft, allerdings beschränkt auf die Darstellung der Gegenwart und somit auf wenige Minuten des Films. Durch die Analyse der Einzelszenen erkennen die Schüler, welche Rolle filmische Mittel für die Wirkung eines Filmes spielen. Hierbei arbeiten sie immer zu viert mit der Methode Gruppenpuzzle, damit nicht alle auf alle filmischen Mittel gleichzeitig achten müssen. Abschließend wird im Plenum diskutiert: Wie beurteilen die Schüler den Einsatz der filmischen Mittel?

Zur Sicherung der erarbeiteten Inhalte füllen die Schülerinnen und Schüler abschließend einen Krisensteckbrief aus. Ihre Aufgabe ist es, die zentralen Akteure, ihre Ziele sowie die Ursachen und den bisherigen Verlauf des Konflikts überblicksartig darzustellen. Sie greifen dabei auf die Ergebnisse der Arbeitsblätter 2 und 5 zurück. Neben einer stichwortartigen Liste beantworten sie auch offene Fragen zur Kuba-Krise, mit denen das Gesamtverständnis und eine eigene Einschätzung eingefordert werden. Gerade diese offenen Fragen sollten anschließend im Plenum aufgegriffen werden. Unterschiedliche Antwortmöglichkeiten bieten hier Anlass zu kontroversen Diskussionen.
Ein ähnlich aufgebautes Arbeitsblatt findet sich bei allen Filmen der Reihe. Wenn mehrere Konflikte im Unterricht besprochen werden, lassen sich hierüber strukturierte Vergleiche anstellen.


Materialien: PC, Beamer, Lautsprecher, Plakate, Scheren, Klebstoff.