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Hintergrund: Jerusalem

Drei Religionen

  • Juden, Moslems und Christen leben in Jerusalem (Quelle: dpa) Drei Religionen in einer Stadt: Juden, Muslime und Christen in Jerusalem (Quelle: dpa)

Im Judentum, Islam und Christentum gilt Jerusalem als heiliger Ort. Jede der drei Religionen beansprucht die alte Stadt für sich und beruft sich dabei auf die eigene Geschichte. Das friedliche Zusammenleben der Kulturen und Religionen war in Jerusalem stets bedroht. Die Christen sind mittlerweile nicht mehr direkt in den Konflikt um die Stadt verwickelt, da die Kirche keinen Staat errichten will. Palästinenser und Israelis liefern sich aber bis heute heftige Auseinandersetzungen um eine Vormachtstellung in Jerusalem. Bereits seit der frühen Bronzezeit siedeln verschiedene Stämme aus Syrien und dem Irak auf dem Felsplateau des judäischen Hochlands an. Im Dritten Jahrtausend v.Chr. wandern die Kanaanäer ein, geben dem Land seinen biblischen Namen Kanaan und gründen die Stadt Urusalem, das spätere Jerusalem. Im zweiten Jahrtausend v.Chr. folgen die Hebräer, auch Israeliten genannt und die Philister, die dem Land den Namen Palästina geben. Die Kanaanäer und die Philister wollen gemeinsam die Israeliten aus dem Land vertreiben. Doch die zwölf israelitischen Stämme schließen sich zusammen und ihrem König David gelingt es 997 v. Chr. Jerusalem zu erobern und die Stadt zum politischen und religiösen Mittelpunkt zu machen. Nach dem Tod König Salomons, dem Sohn Davids, zerfällt das israelitische Reich wieder und die Römer, Araber und Christen erobern nacheinander Jerusalem. Ein Großteil der Juden verlässt während der Eroberungskämpfe Palästina und findet in anderen Ländern weit über die Erde verstreut Zuflucht. Vier Jahrhunderte lang zählt Palästina zum Osmanischen Reich (1518 – 1917), in dem überwiegend Araber leben. Die meisten sind Muslime, einige Christen. Die jüdische Bevölkerung bildet die Minderheit. Erst seit dem späten 19. Jahrhundert fliehen viele europäische Juden vor Diskriminierung und Verfolgung nach Palästina und schaffen sich dort die Grundlage für einen neuen Staat.

  • Freitagsgebet der Moslems in Ost-Jerusalem (Quelle: dpa)

    Freitagsgebet der Muslime in Ost-Jerusalem. Im Hintergrund der Felsendom mit seiner goldenen Kuppel (Quelle: dpa)

  • Jüdische Männer und Jungen während einer religiösen Feier (Quelle: dpa)

    Jüdische Männer und Jungen lesen während einer religiösen Feier in ihren Gebetsbüchern (Quelle: dpa)

Jüdische Einwanderung

In den vier Jahrhunderten osmanischer Herrschaft (1518-1917) in Palästina leben hier überwiegend Araber. Es sind in der Mehrzahl Hirten und Bauern, die das Land von Großgrundbesitzern pachten. Die meisten von ihnen sind Muslime, einige wenige sind Christen. Außerdem lebt hier eine kleine jüdische Minderheit, die Nachfahren der Juden, die sich nicht von den Römern im 1. Jahrhundert n. Chr. haben vertreiben lassen. Seit dem späten 19. Jahrhundert wandern europäische Juden nach Palästina ein. Sie fliehen vor Diskriminierung und Verfolgung und schaffen in Palästina die Grundlagen für einen jüdischen Staat. Die ersten Siedlungen entstehen 1882, Rosh Pinna in Galiläa, Rishon de Zion in der Küstenebene. Zu dieser Zeit leben in dem Land von der Größe Mecklenburg-Vorpommerns ungefähr eine halbe Million Menschen, davon etwa fünf Prozent Juden. Die Einwanderer kaufen mit Hilfe der Zionistischen Weltorganisation, die Juden in Palästina ansiedeln wollte, Boden von reichen arabischen Großgrundbesitzern, errichten landwirtschaftliche Genossenschaften, gründen Städte, bauen ein eigenes Bildungswesen und eine Armee auf. Sie haben Parteien, Gewerkschaften, Banken. Zwischen 1919 und 1945 steigt der Anteil der Juden an der Bevölkerung Palästinas von 10 auf 33 Prozent.

Infolge der jüdischen Besiedlung verlieren immer mehr arabische Bauern und Hirten ihre Lebensgrundlage. Zwischen der ansässigen Bevölkerung und den Einwanderern aus Europa kommt es wiederholt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Den territorialen Konflikt zwischen den beiden Völkern heizen religiöse Ansprüche auf die Heiligen Stätten des Judentums und des Islam noch weiter auf. Solange Scharfmacher die Politik bestimmen, besteht für ein friedliches Zusammenleben zwischen beiden Völkern in einem gemeinsamen Staat keine realistische Chance.

Statistik: Bevölkerungsentwicklung (Quelle: SWR)

Statistik: Bevölkerungsentwicklung (Quelle: SWR)

Die Teilung Palästinas

  • Ägyptische Gefangene (Quelle: dpa) Israelisch-arabischer Krieg 1948: Ägyptische Gefangene in einem Lager (Quelle: dpa)
  • Arabische Flüchtlinge (Quelle: dpa) Arabische Flüchtlinge aus dem Westjordanland überqueren 1967 mit ihrem Hab und Gut eine zerstörte Brücke Richtung Jordanien (Quelle: dpa)

Die UNO beschließt 1947, Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Staat zu teilen und Jerusalem zu internationalisieren. Der jüdische Staat soll 56 Prozent, der arabische Staat 44 Prozent des Landes erhalten. Die Araber sprechen der UNO das Recht ab, über die mehrheitlich arabische Bevölkerung zu entscheiden und lehnen die Teilung ab. Der Teilungsbeschluss löst einen Bürgerkrieg zwischen den arabischen Palästinensern und den Juden aus. Die jüdischen Truppen sichern das den Juden zugesprochene Territorium und erobern darüber hinaus weitere Teile des Landes.

Am Vorabend des britischen Abzugs aus Palästina, am 14. Mai 1948, erklärt der Chef der jüdischen Selbstverwaltung David Ben Gurion die Unabhängigkeit des jüdischen Staates. Der neue Staat erhält den Namen Israel. Am Tag nach der offiziellen Staatsgründung marschieren die Truppen der arabischen Nachbarstaaten Ägypten, Libanon, Transjordanien – das 1950 in Jordanien umbenannt wird – und Syrien in Palästina ein, um die Teilung zu verhindern. Um Jerusalem wird besonders heftig gekämpft. Aber die israelischen Streitkräfte gewinnen schon im Januar 1949 diesen ersten israelisch-arabischen Krieg gegen die untereinander zerstrittenen arabischen Staaten.

In den Waffenstillstandsabkommen, die Israel und die arabischen Kriegsgegner 1949 unterzeichnen, wird Palästina aufgeteilt. Der Gazastreifen fällt unter ägyptische Militärverwaltung, Jordanien erhält das Westufer des Jordan und Ost-Jerusalem. Jerusalem wird nicht internationalisiert, sondern geteilt, West-Jerusalem wird israelisch. Die jüdischen Truppen vertreiben alle arabischen Einwohner aus West-Jerusalem, die jüdischen Einwohner Ost-Jerusalems müssen vor den jordanischen Truppen fliehen. Israel kontrolliert nun drei Viertel des Landes zwischen Mittelmeer und Jordan.

Viele Palästinenser flüchten während des Krieges in die arabischen Nachbarländer, nach Jordanien, nach Syrien, in den Libanon und ins Westjordanland. Als eine jüdische Terrormiliz im 9. April 1948 in dem palästinensischen Dorf Deir Yassin 254 Dorfbewohner ermordet, beginnt eine Massenflucht. Von den fast 900.000 Arabern, die nun nach der israelischen Eroberung auf besetztem Gebiet leben, verlassen rund 780.000 das Land. Die arabischen Führer und auch die UNO versprechen den Flüchtlingen, dass sie bald in ihre Heimat zurückkehren können. Israel erkennt das Rückkehrrecht jedoch nicht an, beschlagnahmt die Ländereien und zerstört die Dörfer der Flüchtlinge.

Der Sechstagekrieg 1967

  • Eine israelische Fahrzeug-Kolonne (Quelle: dpa) Sechstagekrieg 1967: Israelische Truppen auf syrischem Hoheitsgebiet (Quelle: dpa)

Das Westjordanland und der Gazastreifen, wo die Palästinenser heute ihren eigenen Staat errichten wollen, ist besetztes Gebiet. Die Besatzung ist das Ergebnis des Sechstagekriegs von 1967. Dieser Krieg ist von keiner Seite mit der Absicht provoziert worden, Territorium zu erobern. Er entsteht vielmehr aus einer Situation der Spannung zwischen Israel auf der einen und Ägypten sowie Syrien auf der anderen Seite, die durch Grenzzwischenfälle, Verletzung des Luftraums, gezielte Fehlinformation, kriegerische Rhetorik und schließlich die Mobilisierung von Streitkräften immer weiter angeheizt wird. Auf beiden Seiten wachsen das Misstrauen und die Unsicherheit über die Absichten der Gegenseite. Um einem möglichen Angriff zuvorzukommen, ergreift Israel in einem Präventivschlag am 5. Juni 1967 die Initiative.

Nach der Vernichtung der ägyptischen und syrischen Luftwaffe erobert Israel in nur sechs Tagen die syrischen Golanhöhen, den ägyptischen Sinai und den ägyptisch verwalteten Gazastreifen sowie die jordanische "Westbank" (Westjordanland) einschließlich Ost-Jerusalem. Verhandlungen zwischen Israel und Ägypten führen 1979 zum Abschluss eines Friedensvertrags und zur Rückgabe des Sinai. Das übrige eroberte Territorium hält Israel besetzt, obwohl der UN-Sicherheitsrat am 22. November 1967 in seiner Resolution 242 den Abzug der israelischen Streitkräfte aus den besetzten Gebieten verlangt. Israel kontrolliert nun ein Gebiet mit militärstrategisch vorteilhafteren Grenzlinien und besitzt ein Pfand, das es im Tausch für die Anerkennung seines Existenzrechts und seiner Sicherheit anbieten kann.